Es ist weiterhin offen, ob Alexander Blessin Trainer des FC St. Pauli bleibt oder nicht. Die Entscheidung wird aber zeitnah fallen – und das muss sie auch.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Die vergangene Saison hat viel Kraft gekostet, keine Frage. Der stete Abstiegskampf des FC St. Pauli hat Fans und Verantwortliche viel Kraft gekostet. Wie kräftezehrend eine Bundesligasaison, selbst wenn sie erfolgreich verläuft, sein kann, konnten wir bereits nach Ende der Spielzeit 24/25 beobachten. Damals hatte ein ziemlich ausgelaugt wirkender Alexander Blessin um etwas Bedenkzeit gebeten, was seine zukünftige Tätigkeit beim FC St. Pauli betrifft.
Blessin soll bleiben – aber nur, wenn er voll dabei ist
Nachdem der Abstieg des FC St. Pauli Mitte Mai feststand, baten die Verantwortlichen erneut um etwas Bedenkzeit für Alexander Blessin. Zeit, damit er sich Gedanken machen kann, wie es kommende Saison für ihn persönlich weitergehen soll. Der FC St. Pauli, so hatten es Oke Göttlich und Andreas Bornemann betont, wäre bereit mit dem aktuellen Cheftrainer weiterzumachen. Blessin soll also beim FCSP bleiben und mit dem Team in der kommenden Saison in der zweiten Liga spielen. Allerdings nur dann, und das ist absolut nachvollziehbar, wenn er auch zu 100 Prozent mit im Boot ist. Einen Trainer, dessen Energielevel zu niedrig ist, der nicht (mehr) die Kraft hat, um den FC St. Pauli nach dem Abstieg zu führen oder der mit dem Kopf nicht voll dabei ist (weil er zum Beispiel noch abwartet, ob sich andere Optionen ergeben), kann sich der FCSP nicht erlauben.
Es ist völlig legitim, dass sich ein Trainer Gedanken dazu macht, wie es für ihn persönlich weitergehen kann. Dass sich ein Trainer, der mit seiner Arbeit vermutlich Begehrlichkeiten bei Clubs aus den Top5-Ligen geweckt hat, etwas Zeit nimmt, um sich Gedanken darüber zu machen, wie und wo er kommende Saison trainieren möchte. Ob er um Aufstiege oder gegen Abstiege kämpfen möchte oder ob es andere attraktive Optionen für ihn gibt. Hier sollte niemand Augenwischerei betreiben: Bei der Frage, ob Alexander Blessin auch in der kommenden Saison Cheftrainer des FC St. Pauli sein möchte, spielt natürlich auch die Frage mit rein, ob es Interesse von anderen Clubs gibt. Das ist völlig normal und legitim. Genauso legitim ist es, wenn der FCSP diese Bedenkzeit bis zu einem gewissen Maß zulässt. Denn da Alexander Blessin vertraglich an den FCSP gebunden ist, würde der Club auch eine Ablöse einstreichen, sollte er woanders weiterarbeiten wollen, anstatt dass ein Auflösungsvertrag erstellt werden muss. Der Verein würde in diesem Fall viel Geld sparen. So weit, so verständlich.
Wartezeit darf nicht zur Hängepartie werden
Aber dem FC St. Pauli läuft die Zeit davon. Am Montag der vergangenen Woche erklärte Andreas Bornemann, dass es „zwei, drei Tage“ dauern werde, bis es eine Entscheidung in der Trainerfrage gibt. Als diese dann ins Land gezogen waren, hörte man Ende der vergangenen Woche aus dem Verein, dass es erst nach Pfingsten eine Entscheidung geben werde. Nun ist zu hören, dass es mindestens bis Mitte der Woche dauern werde, ehe es Klarheit in der Trainerfrage gibt. Eine Entscheidung noch in dieser Woche ist aber zu erwarten. Denn dann dürfte sich auch das größtmögliche noch vertretbare Zeitfenster schließen.
Denn wie genau sich der FC St. Pauli für die kommende Saison aufstellt, hängt maßgeblich auch davon ab, wer Trainer des Teams ist. Entsprechend muss es hier so früh wie möglich Klarheit geben. Für Zweitligisten ist eine zügige Entscheidung sogar noch wichtiger als für Erstligisten, da die Saison der 2. Bundesliga wesentlich früher anfängt. Bereits in weniger als einem Monat startet der FCSP in die Vorbereitung auf die neue Saison. Bis dahin muss es einen neuen Trainer geben und bestenfalls auch bereits einige neue Spieler im Kader. Da Spieler aber natürlich wissen möchten, wer sie zukünftig trainieren soll, ist eine vakante Trainerposition ein großes, teilweise sogar unüberwindbares Hindernis in Verhandlungen. Die Trainerfrage muss also möglichst bald geklärt werden, damit Spieler rechtzeitig den Weg ans Millerntor finden. Sonst kann der FCSP nur dabei zusehen, wie sich die Konkurrenz personell auf die neue Saison vorbereitet, während man selbst kaum Möglichkeiten hat.
Viele weitere Entscheidungen hängen von Trainerfrage ab
Noch etwas mehr dürfte der Schuh drücken, wenn sich Alexander Blessin dazu entscheidet, in der kommenden Saison nicht mehr Trainer des FC St. Pauli zu sein. Denn dann wird erstmal eine Trainersuche anstehen, die vermutlich auch eher Wochen als Tage in Anspruch nehmen wird. Entsprechend ist bereits jetzt, knapp vier Wochen vor Start in die Vorbereitung, sehr viele Eile in der Trainerfrage geboten. Weil eben so viele weitere Personalentscheidungen davon abhängen. Der FC St. Pauli befindet sich also in einem für viele Dinge eher unvorteilhaften Schwebezustand. Einem Zustand, der schnellstmöglich ein Ende finden muss.
Im Sommer 2025 ist Alexander Blessin bekanntlich Cheftrainer des FC St. Pauli geblieben. Als kurz nach Saisonende Gerüchte um einen möglichen Wechsel aufploppten, ließ er sich im Trikot des FCSP ablichten und postete das auf seinem Instagram-Account. Ein Bekenntnis zum Verein. So etwas dürfte dieses Mal nicht reichen, vielmehr ist damit zu rechnen, dass der Verein irgendwann in den kommenden Tagen eine Entscheidung veröffentlichen wird. Zu rechnen ist auch damit, dass dem FC St. Pauli im Anschluss – unabhängig von der Entscheidung – ein großer Umbruch im Kader bevorstehen wird. Es ist also sehr viel zu tun und es bleibt dafür eher wenig Zeit. Umso wichtiger, dass es ganz bald Klarheit in der Trainerfrage gibt.
// Tim
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Mehr als eine Woche Zeit ist bereits verstrichen, d.h. ohne vernünftige Aufarbeitung und Ausblick was die Mannschaft in der 2. Bundesliga erwartet. Objektiv für mich gegen unseren Verein gerichtet. Ist dem Nochtrainer jemals die Frage gestellt worden ob er sich die 2. Bundesliga überhaupt zutraut. Es ist nicht die erste Liga, hier kannst du dich scnell im Fahrstuhl 3. Liga befinden. Nur ein Trainer mit Erfahrung aus dieser Liga käme meines Erachtens in Frage, Blessin traue ich das nicht zu.
Das man nach so einer desolaten Saison überhaupt noch mit Blessin plant steht für „ohne Plan“.
(…) ein Trainer, der mit seiner Arbeit vermutlich Begehrlichkeiten bei Clubs aus den Top5-Ligen geweckt hat (…)
Schön dass ihr auch in dieser beschissenen Situation nicht euern Humor verloren habt. 🙄
Mir ist es mittlerweile völlig egal ob er bleibt oder nicht. Aber eine Entscheidung wäre mal schön.
Sollte er gehen, wird es hoffe ich eher Tage als Wochen dauern bis wir einen neuen Chefcoach haben. Das wir schon mal woanders anklopfen gehört genauso zum Profi Geschäft, wie das Alex schaut was es links und rechts noch so gibt.
Zum Punkt wir brauchen einen Trainer der die Liga kennt… gestern ist einer aufgestiegen in der Relegation der vorher eine U19 gecoacht hat.
Vielleicht wäre Marie Eta bereit oder wir haben eine interne Lösung… Ich meine unsere U19 hat im kompletten Kalenderjahr kein einziges Spiel verloren.
Was wir in jedem Fall brauchenist Klarheit um neue Spieler zu verpflichten, besser früh als spät um sich in der Vorbereitung einzuspielen.
Ich verstehe halt nach 1 Woche Ruhe immer noch nicht, wieso alle Parteien so von einer weiteren Zusammenarbeit überzeugt sind. Dieses Zitat von AB wirft Fragen auf:
„Wir haben schon seit Längerem verschiedene Muster bei den sportlichen Problemen erkannt, dazu gehören die fatale Auswärtsschwäche, eine fehlende Balance zwischen Defensive und Offensive, mangelnde Weiterentwicklung, aber auch die fehlende Fähigkeit, Spiele nach Rückstand zu drehen.“
Bei einem Rauswurf kommen viele Sachen hinzu. Wir müssten weiter Gehalt bezahlen. Gehalt wo eventuell anders besser aufgehoben wäre. Gut ding will weile haben.
Und auch im Fall von Schultz war das so und in allen anderen Fällen. Das ist mir ein wenig zu dünn, aber ja, es gibt wohl für die Führung ein paar Faktoren, die zumindest nicht transparent ersichtlich sind.
Wie hoch war nochmal die Ablöse, die man für Schultz gezahlt hat?
Zudem gehe ich davon aus, dass ein Bundesliga-Trainer im Zweifel etwas mehr Abfindung erhält.
Die zwei Situationen sind für mich überhaupt nicht zu vergleichen.
Ach bitte. Dieser Verweis auf Taktieren ist für mich unglaubwürdig. Bornemann und Göttlich würden doch nicht die Saisonvorbereitung gegen die Wand fahren, um ein paar Kröten zu sparen. Falls doch… nun ja – fahrlässig.
Unabhängig davon, wie ich die Leistung von Blessin beurteile kann ich das Verhalten der Vereinsführung durchaus nachvollziehen.
Egal wie man es dreht und wendet, der Hauptgrund für unseren Abstieg ist in unserer wirtschaftlichen Schwäche begründet. Wenn unser Ziel ist, zur Top 25 zu gehören, mittelfristig wieder aufzusteigen und uns langfristig einmal in der Bundesliga zu etablieren, ist es oberstes Gebot die wirtschaftliche Lage kontinuierlich zu verbessern.
Deshalb können wir eben nicht zocken und einfach so im Saisonfinale einen Dieter Hecking für ein paar Wochen verpflichten.
So ein Trainerwechsel kostet eine ordentliche Abfindung und, wie Tim geschrieben hat, schlägt man im Fall von Blessin vielleicht auch eine Ablöse in den Wind, wenn man zu früh signalisiert, dass man sich gerne trennen möchte.
Ja, ich bin auch frustriert, von dieser Hängepartie, aber ich glaube auch nicht, dass die Trainersuche erst los geht, wenn Blessin sich entschieden hat.Es wäre meiner Meinung nach fahrlässig, wenn die sportliche Führung nicht schon vor dem letzten Spieltag mit der Planung für alle Optionen begonnen hat.
Und mit Blick auf die Vergangenheit bin ich da auch zuversichtlich:
Der Abgang von Hürzeler kam sehr plötzlich, trotzdem konnte der Verein schon 11 Tage später Blessin vorstellen.
Da der Abgang von Blessin jetzt deutlich weniger überraschend kommen würde, traue ich dem Verein zu diese Zeitspanne diesmal noch kurzer zu halten.
Ich finds überraschend, dass du den Abgang „nicht überraschend“ fändest. 😀
Naja, wenn Du gerade aufgestiegen bist und dein Trainer sagt die am 11. Juni, dass er trotz Vertragsverlängerung im April doch lieber in die Premier League wechseln will, ist das ganz objektiv gesehen überraschender als wenn Du mit mit einem Trainer Mitte Mai absteigst, der letzte Saison bereits rätselte ob er noch Bock hat.
“ der Hauptgrund für unseren Abstieg ist in unserer wirtschaftlichen Schwäche begründet.“
Absolut anderer Meinung. Wir mit unserem Mini-Etat waren zu 90% der Saison auf einem Nicht-Abstiegsplatz. Wenn einfachste Bälle von langjährigen Profis nicht klappen, ist das mangelnde mentale Einstellungssache. Mangelnder Glaube. Mangelnde Überzeugung. Wenn der Trainer „12 Endpiele“ ausruft, die man danach allesamt nicht gewinnt, ist das für mich ein eindeutiges Signal. Nach Deiner Logik müsste dann ja ein Verein wie Heidenheim auch sofort wieder abgestiegen sein. Union, Augsburg, Mainz, waren mit uns mal finanziell durchaus auf Augenhöhe, die haben aber immer, wenn Gefahr drohte abzusteigen, reagiert. Im Gegensatz zu uns.Dieser Abstieg war total dusselig, wie vermeidbar.
Das Fenster für meine Definition von „zeitnah“ ist heute, 11 Tage nach dem Abstiegsspiel, vorüber. Erneut verschleppt die Vereinsführung bereits angekündigte Zeitrahmen in einem Bereich, in dem es keine Verschleppung geben sollte und geben dürfte. Da bin ich voll bei Tim.
Privatmeinung: dass Blessing nach dieser einmaligen sportlichen Talfahrt überhaupt noch Trainer ist, ist in der Welt des Fussballs schon ein absolutes Kuriosum. Diese Hängepartie tut dem Verein nicht gut. Es ist mir vollkommen unverständlich, warum sich die Clubführung so wahnsinnig schwer damit tut, einen „Nicht-Erfolgs“-Trainer zu ersetzen, dessen Spielweise und Philosophie („möglichst lange die Null halten“) massgeblich zum Abgang aus der Ersten Liga geführt haben.
Man merke: Ende 2022 wurde Schulle in einer deutlich weniger schlechten Lage in Liga 2 entlassen.
Ich habe das Gefühl, es liegt eher an der Entscheidung von Blessin, denn Bornemann und Göttlich sehen eher ein weiter so, ws ich schon sehr bedenklich finde!… Blessin dagegen ist zu hören überlegt sich ein Auszeit zu nehmen, um sich um die Familie zu kümmern…
Ich hoffe AB hateine Plan B, am besten einen Plan Hort Steffen…
Habe nochmal geschaut. Anfang DEZ 2022 (während der Katar WM) wurde Schulle von Bornemann entlassen, als der Club auf Platz 15 war und wir „drohten“ auf den Relegationsplatz abzurutschen. Wir beendeten dann die Saison mit Hürzeler auf Platz 5.
Damals kämpfte man erfolgreich um den Verbleib in Liga 2. Doch 3,5 Jahre später blieb eben jener absolute Wille in Liga 1 zu bleiben, aus. Es droht sogar ein Lieberknecht-Szenario, dass ein Abstiegstrainer mit in die neue Saison verschleppt wird, nur um dann nach weiteren Misserfolgen im Herbst die Reissleine zu ziehen. So etwas sollte sich der Club nicht leisten, zumal Blessin ja nicht mal der Aufstiegstrainer war, sondern wir ihm lediglich den „Nicht-Abstieg“ in der Vorsaison verdankten.