Mit Rony Jansson hat der FC St. Pauli einen dynamischen Außenverteidiger verpflichtet, der zeitnah auf Spielzeit kommen dürfte und einiges an Potenzial, aber auch auch klare Entwicklungsfelder mitbringt.
(Titelfoto: FC St. Pauli)
Rony Jansson ist der vierte Neuzugang des FC St. Pauli in diesem Sommer. Zuvor haben bereits Mittelfeldspieler Sam Klein, Innenverteidiger Marcus Mathisen und Offensivspieler Branimir Hrgota den Weg ans Millerntor gefunden. Mit Jansson füllt der FCSP die Lücke auf der rechten Außenverteidiger-Position, die durch die Abgänge von Fin Stevens und Manos Saliakas entstanden ist.
The Story So Far
Rony Jene Aleksi Jansson wurde im Januar 2004 im südfinnischen Espoo, der zweitgrößten Stadt des Landes, geboren. Angefangen hat er mit dem Vereinsfußball bei Grankulla IFK, 2018 ging es für ihn dann im Nachwuchsbereich von HJK Helsinki weiter. Dort durchlief er in den Folgejahren die einzelnen Jugendteams – und ziemlich schnell tat er das auch in den U-Nationalteams Finnlands. 2019 feierte er sein Debüt in der U16, 2021 in der U18, 2022 in der U19. Die meisten Länderspiele bestritt Jansson bisher für die U21 (18 Einsätze), für die er 2023 debütierte. Damals stand er bereits in Schweden unter Vertrag.
Erste Erfahrungen in Finnland, Durchbruch in Schweden
Denn Rony Jansson zog es, nachdem er 2021 für die Reserve-Mannschaft von HJK Helsinki (HJK Klubi 04) in der zweitklassigen Ykkösliiga debütiert hatte, aber nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinauskam, zu Kalmar FF nach Schweden. Dort kam er bereits im Jahr 2023 zu einigen Einsätzen, sowohl als Außen-, als auch als Innenverteidiger. Eine Schulterverletzung verhinderte allerdings mehr Spielminuten. Kalmar FF, im Jahr 2008 schwedischer Meister geworden, stieg am Saisonende ab. So ging es für Jansson im Jahr 2025 in der Superettan, der zweiten schwedischen Liga weiter. Und das sehr erfolgreich: Ab der zweiten Saisonhälfte verpasste Rony Jansson keine einzige Minute mehr auf dem Feld und feierte mit dem Team am Saisonende den Aufstieg. Auch in der in diesem April gestarteten Saison war Jansson Stammspieler bei Kalmar FF. Zeitweise trug er sogar die Kapitänsbinde und anders als in den vorherigen Saisons zeigte er sich nun torgefährlicher. In 14 Einsätzen kam er auf drei Treffer und zwei Vorlagen und hat sich vermutlich auch deshalb in den Fokus des FC St. Pauli gespielt, zu dem er nun für eine nicht genannte Ablösesumme wechselt (sein Vertrag lief noch bis 2027).
Das sagen Daten und der visuelle Eindruck
Auch wenn Rony Jansson in seiner Karriere bereits als Innenverteidiger gespielt hat, so ist er ein ganz klar Außenverteidiger. Denn auf dieser Position kommen seine Stärken am besten zur Geltung und seine Schwächen können, zumindest teilweise, kaschiert werden. Da Vergleiche ja immer hilfreich sein können, um eine Vorstellung von einem unbekannten Spieler zu geben: Rony Jansson erinnert mich aufgrund seines Laufstils, seiner Dynamik und seiner Stärken an Robin Gosens (nein, nicht auf dem gleichen Qualitätslevel).
Dynamik ist größte Stärke
Jansson ist ein dynamischer Außenverteidiger, der die sich bietenden Räume vor sich mit Tempo zu nutzen weiß. Er ist ein schneller Spieler, weil er mit raumgreifenden Schritten unterwegs ist und sucht diese für ihn vorteilhaften Situationen im Offensivspiel auch ganz aktiv, indem er zum Beispiel nach Pässen in die Halbräume zum Tiefenlauf startet und so versucht, in Flankenposition zu kommen. Auch wenn die Zahlen hier eher nicht so prickelnd sind, so würde ich seine Flankenqualität als gut bezeichnen. Jansson kann auch aus vollem Lauf zielgenaue Flanken aus dem Fußgelenk schlagen und tut das insgesamt mit gutem Timing und Übersicht. Auch Marcel Rapp hebt diese Qualitäten von Jansson hervor, erklärt: „Dank seines Tempos und der Qualität seiner Flanken strahlt er darüber hinaus auch offensiv Gefahr aus und bringt sich durch sein geschicktes Timing immer wieder in gute Positionen.“

(Erklärung: Die Länge des dunkel gefärbten Teils des Pizzastücks zeigt, wie viele Prozent der anderen Spieler auf dieser Position schlechtere Werte oder oder maximal den gleichen Wert haben. Komplett dunkel heißt: Keiner ist besser. Zudem sind die Absolutwerte in Zahlen angegeben.)
Die Daten zeigen, dass Rony Jansson aber auch noch einige Bereiche hat, in denen er sich verbessern muss. Zwar gewinnt er recht viele direkte Duelle, was natürlich sehr positiv ist, aber im Defensivspiel gelingt es ihm insgesamt zu selten, in Zweikämpfe zu kommen. Er antizipiert Situationen nicht immer gut, was sich auch an der niedrigen Anzahl an abgefangenen Pässen zeigt. Es ist daher zwar nicht so, dass Rony Jansson kein Stabilisator in der Defensive sein kann, aber er ist eher jemand, der die Gegenspieler stellt, keiner, der viele Bälle für sein Team gewinnt. Zudem ist Jansson kein Spieler, der aufgrund seiner Technik heraussticht (weder positiv noch negativ), er löst Situationen im Offensivspiel eher mit Dynamik und klugen Laufwegen als mit Dribblings (die er selten führt, dafür aber viele gewinnt).
Das sagt das Global Soccer Network
Das Global Soccer Network schätzt die Fähigkeiten von Rony Jansson ganz ähnlich ein. Jansson hat laut GSN seine Stärken in Tacklings und dynamischen Spielsituationen, ist zudem insgesamt sehr laufstark und zeichnet sich in der Offensive durch eine mutige Spielweise aus. Gerade die Laufstärke und Dynamik (Tempo und Antritt) von Jansson seien nicht nur in Offensivsituationen wichtig, er könne laut GSN dadurch große Räume auf der Außenbahn abdecken und auch nach Vorstößen und wenn er hoch positioniert ist, in defensiven Umschaltmomenten effektiv sein. Mit seiner mutigen und zielstrebigen Spielweise passe Jansson laut GSN „zu einer Mannschaft, die nach Ballgewinnen schnell umschalten und freie Räume auf den Flügeln nutzen möchte“, was grundsätzlich sicher sehr gut zur Spielidee des FC St. Pauli passt. Zudem attestiert ihm das Global Soccer Network ein gutes taktisches Verhalten in der Defensive: „Er zeigt ein gutes Verständnis für Abstände, Pressingauslöser und defensive Staffelungen. Jansson kann erkennen, wann er aus der letzten Linie nach vorne verteidigen darf und wann er seine Position halten muss.“. Diesen Bereich schätze ich aufgrund meines Videostudiums anders ein – aber das mag auch daran liegen, dass ich insgesamt vielleicht doch etwas zu wenig Szenen von ihm gesehen habe.
Potenzial zum Bundesligaspieler
Das Global Soccer Network skizziert auch einige Bereiche, in denen sich Rony Jansson noch weiterentwickeln muss. Sein Torabschluss sei ausbaufähig, sein Kopfballspiel ebenso (diese Einschätzung möchte ich fett unterstreichen). Zudem fehle es Jansson in Offensivmomenten an Kreativität, was sich für den FC St. Pauli in der 2. Bundesliga als Problem darstellen könnte, wie das GSN weiter ausführt: „Jansson ist nicht der Außenverteidiger, der regelmäßig überraschende Schnittstellenpässe, außergewöhnliche Dribblings oder schwer lesbare Lösungen im letzten Drittel findet. Gegen tief stehende Gegner kann seine Wirkung deshalb begrenzter sein, wenn kaum Räume für dynamische Läufe vorhanden sind.“ Denn es ist damit zu rechnen, dass es eher wenig Raum im letzten Drittel geben wird für den FCSP, weshalb Rony Jansson hier andere Lösungen finden und kreativer werden muss.
Trotzdem besitzt Rony Jansson ein Profil, das zum FC St. Pauli und der 2. Bundesliga passt. Grundsätzlich kann er übrigens nicht nur als Außenverteidiger agieren, sondern ihm dürfte auch die unter Rapp sehr offensive und außenbahnlastige Ausrichtung der äußeren Innenverteidiger beim FC St. Pauli liegen. Sein aktueller GSN-Index liegt bei 56,1 (Durchschnitt 2. Liga), sein potenzieller Index beträgt 64,4 (Durchschnitt Bundesliga). Das Global Soccer Network schätzt, dass Jansson eine realistische Perspektive auf die Startelf besitzt: „Jansson sollte zu Beginn nicht automatisch als vollständig fertiger Saliakas-Nachfolger eingeplant werden. Sein aktuelles Leistungsniveau spricht eher für eine schrittweise Integration. Durch seine Athletik, sein Tackling und seine Laufstärke kann er aber früh Minuten erhalten und sich über die Saison in eine größere Rolle entwickeln.“ Und dies primär als Außenverteidiger in einer Fünferkette, weniger in einer Viererkette, weil er dort vielmehr auf die richtigen Momente für Vorwärtsbewegungen achten muss, was seiner mutigen Spielweise sicher nicht zuträglich wäre. Doch ebenso wie für die Position als äußerer Innenverteidiger, ist es sicher (nur) eine Frage der Weiterentwicklung von Jansson, ob er diese Position nicht doch irgendwann wird einnehmen können.
Jansson wird spielen, aber braucht auch noch Zeit
Andreas Bornemann erklärt im Zuge der Verpflichtung über Rony Jansson: „Da die Saison in Schweden bereits in vollem Gange ist, kommt er in einer sehr guten körperlichen Verfassung zu uns und kann direkt voll einsteigen. Wir möchten ihm aber auch die nötige Zeit zugestehen, sich an die neue Liga zu gewöhnen.“ Rony Jansson ist also in gewisser Hinsicht eine Soforthilfe, weil er nicht erst an das körperliche Niveau herangeführt werden muss, sondern bereits „voll im Saft“ steht. Allerdings ist der Sprung aus der ersten Liga Schwedens in die 2. Bundesliga sehr groß. Das hat nicht zuletzt die Verpflichtung von Erik Ahlstrand gezeigt, der ebenfalls als Stammspieler aus der Allsvenskan zum FCSP kam und wie auch Jansson kurz zuvor sogar für sein Nationalteam debütierte. Beim FC St. Pauli gelang ihm dann aber bisher nicht wirklich der Durchbruch. Das zeigt, dass vorerst nicht zu viel von Rony Jansson erwartet werden sollte, vor allem nicht zu früh. Klar, kein Spieler und keine Entwicklung ist identisch mit anderen, Vergleiche sind extrem schwierig. Trotzdem sollten die Erwartungen an Rony Jansson nicht sein, dass er für den FCSP direkt ein Leistungsträger in der 2. Liga sein kann.
Es ist aber damit zu rechnen, dass er aufgrund der körperlich fordernden Außenverteidiger-Position beim FCSP bereits in der kommenden Saison einiges an Spielzeit sammeln kann – und mit seiner Dynamik, Laufstärke und Athletik wird er dem Team sicher auch sofort helfen können. Der Rest kommt dann hoffentlich in den nächsten Monaten. Der FC St. Pauli darf sich jedenfalls freuen auf einen laufstarken und entwicklungsfähigen Außenverteidiger, der dem Team dadurch zusätzliche Optionen gibt.
Herzlich Willkommen am Millerntor, Rony Jansson!
// Tim
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