Weiterhin ist unklar, mit welchem Trainer der FC St. Pauli in die kommende Saison gehen wird. Das erzeugt eine brodelnde Gerüchteküche und eine unruhige MillernTon-Redaktion.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Ein Kommentar von Tim
Wir beim MillernTon tun ja immer so, als wenn uns Gerüchte nicht interessieren würden. Das ist natürlich dreist gelogen. Wenn ich ehrlich bin, gehe ich jedem Quatsch-Gerücht nach. Ich wäre gerne so entspannt und würde einfach nur auf mich zukommen lassen, was der FC St. Pauli so macht. Maik kann das, ich aber nicht. Zum einen, weil es natürlich mein Job ist, informiert zu sein (geiler Job!), zum anderen, weil es mich einfach selbst brennend interessiert.
Weil wir als Medium in Transferfragen aber auf keinen Fall zum Sprachrohr von windigen Berater*innen oder Vereinsinteressen werden möchten, veröffentlichen wir unsere Gedanken zu Transfers erst, wenn der Verein sie verkündet hat. Wir können uns auch fast nichts Schlimmeres vorstellen, als die Pflicht zu verspüren, den Wahrheitsgehalt eines Transfergerüchts herauszufinden und darüber schreiben zu müssen, obwohl völlig offensichtlich ist, dass es kompletter Käse ist.
Gerüchteküche? Wir gehen rein!
Ausnahmen bestätigen diese Regel. Vor allem dann, wenn solche Themen über einen längeren Zeitraum eine ganz zentrale Bedeutung beim FC St. Pauli einnehmen. Denn wir befassen uns zwar ungern mit windigen Gerüchten, aber wir möchten eben auch umfassend über das aktuelle Geschehen beim FCSP informieren. Daher müssen ab und an Kompromisse eingegangen werden. So wie jetzt zum Beispiel. Weil immer noch kein weißer Rauch aus der Geschäftsstelle in der Südkurve aufgestiegen ist.
Denn die weiterhin offene Trainerfrage beim FC St. Pauli sorgt zunehmend für Stirnrunzeln. Bleibt Alexander Blessin Trainer des FCSP oder nicht? Falls ja: Warum dauert das so lange, bis es endlich entschieden wird? Und falls nein: Warum dauert das so lange, bis es endlich entschieden wird?! So viel vorweg: Wir wissen es nicht, wir haben auch keine Ahnung, tappen im Dunkeln. Aber wir haben zumindest ein paar Gedanken und Ideen, warum das alles soooo lange dauert.
Wir hören viel und wissen nichts
Uns erreichen natürlich auch etliche Gerüchte rund um das Thema. Der kann nicht mit dem. Das ist vorgefallen. So plant der FC St. Pauli jetzt. Blessin verhandelt mit anderen Clubs. Bornemann mit anderen Trainern. Entscheidung kurz nach Pfingsten. Ups, doch nicht. Gegen Ende der Woche aber, ganz sicher. Es ist entschieden. Nee, falscher Alarm. Ein anderer Trainer wurde am Millerntor gesichtet. Die Spieler warten auf Klarheit. Der will gehen, wenn Blessin bleibt. Der will kommen, wenn Blessin bleibt. Einigung mit Wolfsburg. Morgen wird es vermeldet. Moment, da kommt wieder die MOPO um die Ecke und vermeldet, dass es doch noch keine Entscheidung gibt. Aber dafür morgen. Ganz bestimmt. Also… vielleicht… ääh… Aaargh!!!
Es ist natürlich alles andere als optimal, dass der FC St. Pauli auch mehr als zwei Wochen nach Saisonende noch keine Klarheit hat, wer denn in der kommenden Saison Cheftrainer des Teams sein wird. Wobei, wir können nicht einmal mit Gewissheit sagen, ob es wirklich unklar ist. Vielleicht ist die Entscheidung ja bereits gefallen, wird aber aus Gründen nicht kommuniziert. Weil man darauf wartet, ob sich das Interesse anderer Clubs an Blessin derart erhärtet, dass dabei eine Ablösesumme für den FC St. Pauli herausspringt. Klingt irgendwie logisch, oder? Aber was hat Blessin davon? Hat er nicht deutlich schlechtere Karten auf dem Trainermarkt, wenn der FCSP da immer mit Ablöseforderungen um die Ecke kommt? Vermutlich. Aber wenn er weg möchte, dann müsste er wohl damit leben. Oder? Wir haben keine Ahnung.
Unwahrscheinlich? Gibt’s nicht!
Laut Abendblatt (€) könnte die Planung anders aussehen. Blessin sei bereits wieder in Gesprächen mit den Verantwortlichen des FC St. Pauli, Thema Kaderplanung, heißt es da. Er wünsche sich eine Mannschaft, die um den Aufstieg mitspielen kann, wird berichtet. Das sei quasi die Bedingung dafür, dass er als Cheftrainer weitermache. Das wäre immerhin eine Erklärung, warum es so lange dauert. Natürlich treibt der FCSP seine Kaderplanungen voran, unabhängig davon, wer kommende Saison Trainer sein wird. Hat Alexander Blessin ein derart gutes Standing, dass er es sich leisten kann, sich erst einmal anzuhören, welchen Kader er kommende Saison zur Verfügung haben könnte? Irgendwie habe ich dabei das Bild eines FC St. Pauli im Kopf, der am Nasenring durch die Manege geführt wird – und genau deshalb klingt das alles eher unwahrscheinlich. Aber was ist das Wort „unwahrscheinlich“ schon wert? Schließlich ist es auch unwahrscheinlich, dass ein Trainer neun Niederlagen in Serie und einen Abstieg übersteht. Wir haben also auch in dieser Frage keine Ahnung.
Genau das gleiche Bild, das mit dem Nasenring, habe ich auch im Kopf, wenn ich daran denke, dass der FC St. Pauli tatsächlich einzig darauf wartet, wie sich Alexander Blessin entscheidet. Denn wenn jemand mehr als zwei Wochen nach Saisonende noch keine Energie gefunden hat, um den FCSP auch in der kommenden Saison zu coachen, wie glaubwürdig ist es dann, wenn er plötzlich nach, sagen wir mal, drei Wochen um die Ecke hüpft und ruft: Jetzt bin ich wieder bereit! Und falls es bereits Klarheit geben sollte, dass Blessin bleibt – das kann ja auch der Fall sein – warum wird sie nicht kommuniziert? Was haben alle Beteiligten davon, das nicht zu tun? Nicht viel, außer nervige Nachfragen und einen immer weiter ramponierter Trainer und ebensolchen Club. Das kann doch niemand wollen, oder? Daher ist es doch einfach so: Je länger es keine Klarheit in der Trainerfrage gibt, umso unwahrscheinlicher ist es, dass Blessin FCSP-Trainer bleibt. Die „Glaubwürdigkeits-Deadline“ wurde irgendwann letzte Woche überschritten. Sollte Blessin nun doch bleiben, dann ist das durch den Abstieg sowieso schon recht große Päckchen auf seinen Schultern noch ein gutes Stück schwerer geworden. Können wir deshalb mit einiger Sicherheit daraus schließen, dass der FCSP mit einem anderen Trainer in die Saison gehen wird? Nein, natürlich nicht.
FC St. Pauli wird nicht untätig sein
Was wir aber sicher sagen können: Es ist nicht davon auszugehen, dass man beim FC St. Pauli den ganzen Tag vor dem Telefon sitzt und sehnlichst auf einen Anruf aus Baden-Württemberg wartet. Die Verantwortlichen werden sich ganz sicher nicht in eine Situation hineinmanövriert haben, in der sie nur zuschauen können, was passiert. Auch wenn das am Anfang stark danach klang, als wenn man nun erst einmal eine Entscheidung abwarte. Bornemann und Göttlich erklärten nämlich, dass sie mit Blessin weiterarbeiten möchten, dieser bat aber um Bedenkzeit. Also hinsetzen und Tee trinken? Vielleicht war das zu Beginn der Fall, aber sicher jetzt nicht mehr. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der FCSP aktuell ziemlich aktiv ist. Sollte zu Beginn tatsächlich auf eine Entscheidung von Blessin gewartet worden sein, so dürfte man spätestens in der vergangenen Woche dazu übergegangen sein, sich mit anderen Szenarien zu befassen, also mit anderen Trainern Gespräche zu führen (Durchatmen – Kwasniok, Anfang und Baumgart könnt ihr von der Liste streichen, Tim Walter ebenfalls). Alles andere wäre unverantwortlich, wenn man eine vernünftige Planung der kommenden Saison durchziehen will. Als Fabian Hürzeler den FC St. Pauli im Sommer 2024 verlassen hat, da wurde tatsächlich erst im Anschluss mit der Trainersuche begonnen. Es ist dieses Mal aber sehr unwahrscheinlich, dass das wieder der Fall ist.
Vielleicht gibt es ja bereits eine Entscheidung. Vielleicht wurde schon entschieden, dass es mit Alexander Blessin nicht weitergeht. Aber die Entscheidung wird noch nicht kommuniziert, weil auch die darauf folgenden Entscheidungen eingetütet werden wollen. Wie auch alle anderen, die nicht Entscheidungsträger*innen sind, haben wir einfach keine Ahnung. Wir wissen es schlicht nicht. Zwar brodelt die Gerüchteküche mächtig, aber von den verantwortlichen Personen gibt es keine Wasserstandsmeldungen – und das ist ja eigentlich auch ziemlich gut so. Aber es ist aufgrund der Zeit, die bereits ins Land gezogen ist, um zu einer Entscheidung zu kommen oder die bereits gefällte Entscheidung zu verkünden, schon etwas ungewöhnlich. Aber was dieses Schweigen bedeutet? Keine Ahnung.
Einmal mehr wird also das Vertrauen in die handelnden Personen aktiv eingefordert. Selbst wenn die Phase nach Saisonende nicht wirklich nach Plan verläuft – schließlich wollte man ja relativ schnell Klarheit haben und hat sie bisher immer noch nicht bekommen – so ist es ohne Einblicke in die Schaltzentrale unmöglich, die nun folgenden Schritte vorherzusehen. Sicher ist aber, dass der FC St. Pauli zu Beginn der Spielzeit einen Trainer an der Seitenlinie stehen haben wird. Ich würde mir wünschen, dass mich der letzte Satz auf eine Art beruhigt, dass ich nicht ständig Suchmaschinen malträtiere und unzählige Chat-Nachrichten an unzählige Personen schicke, in der Hoffnung, eine Spur oder einen Hinweis zu finden. Macht er aber nicht, ich bin ziemlich unruhig. Und auch ziemlich ahnungslos. Aber hey! Heute ist es soweit. Ganz sicher. Also… vielleicht… ääh…
// Tim
Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.
Unsere Kommentare sind nur per Registrierung zugänglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.
MillernTon auf BlueSky // Mastodon // Facebook // Instagram // Threads // WhatsApp // YouTube
Leider sorgt das alles nicht für positive Aufbruchsstimmung. Die „keep calm and support on“-Ansagen haben sich schon im Saisonverlauf verbraucht. Ich bin auch so müde und durch von dem Blessin-Ball auf St. Pauli. Mich hält vor allem aufrecht, dass – wie Du geschrieben hast – mit jedem weiteren Tag ohne Entscheidung, die Wahrscheinlichkeit auf einen Blessin-Verbleib sinkt.
Moin Tim,
sorry dass ich das sagen muss, aber irgendwie doch beruhigend, dass es Dir bzw Euch genauso geht wie uns „normalen“ Fans.
wir stecken schon in einer speziellen und fast schon einzigartigen Situation.
ich würde mal sagen weder ist Blessin 100% überzeugt hier zu bleiben (OK das wissen wir alle, denn er benötigt Bedenkzeit, ob er seinen Vertrag erfüllen möchte), noch sind die Verantwortlichen von St Pauli 100% überzeugt, dass Blessin die beste Wahl ist. sonst würden die sich das ja nicht bieten lassen.
Ihr Bekenntnis zu Blessin in der Presserunde werte ich so, dass sie dadurch gehofft haben eine gute Position zu haben, wenn es um eine potentielle Ablöse für Blessin gehen sollte.
Aber Du hast natürlich Recht. Unmöglich ist nicht mal der Verbleib von Blessin. Das würde bei mir jetzt aber nicht unbedingt Euphorie auslösen.