„Kombination von Fähigkeiten macht ihn interessant“

„Kombination von Fähigkeiten macht ihn interessant“

Mit Gísli Thórdarson hat der FC St. Pauli das defensive Mittelfeld verstärkt. Laut Global Soccer Network könnte er sich sehr gut entwickeln und dem FCSP auch schon sofort helfen.
(Titelfoto: FC St. Pauli)

Zwar steht im Vorspann dieses Artikels etwas von „sofort helfen“, aber wie inzwischen bekannt ist, hat Thórdarson dem FC St. Pauli nicht sofort helfen können, sondern sich sofort verletzt und fehlte auch deshalb im Kader am ersten Spieltag. Über die Schwere der Verletzung ist noch nichts bekannt, es muss aber mit einem womöglich längeren Ausfall gerechnet werden. FCSP-Trainer Marcel Rapp berichtete nach dem Spiel gegen Fürth, dass sich Thórdarson im Training eine muskuläre Verletzung im Oberschenkel zugezogen habe. Das ist natürlich besonders bitter für alle Beteiligten. Get well soon, Gísli Thórdarson!

Wenn er dann aber wieder fit ist, dann hat der FC St. Pauli einen wirklich sehr interessanten Spieler im Kader. Ich konnte mich bei meiner persönlichen Einschätzung schon nur mit Mühe im Zaum halten, ob der Fähigkeiten, die ich sah. Nun liefert auch das Global Soccer Network eine Einschätzung und erklärt auch direkt, in welchen Bereichen Thórdarson noch die größten Schritte gehen muss, um ein richtig starker Sechser zu werden.

Tief liegender Spielmacher, abschirmender Sechser

Laut Global Soccer Network ist Gísli Thórdarson ein defensiver Mittelfeldspieler, der im Spiel mit dem Ball vor allem in der ersten Aufbauphase (im eigenen und mittleren Spielfelddrittel) seine größte Wirkung hat. Hier könne er dank technischer Stärken gut gegen die erste Pressinglinie agieren, Verbindungsspieler oder Initiator von Offensiv-Sequenzen sein.
Gegen den Ball ist Thórdarson weniger ein aggressiv herausstechender Spieler, sondern jemand, der gegnerische Passwege und Zwischenräume schließt. Zusätzlich bringe er gute physische Voraussetzungen für die Rolle des defensiven Mittelfeldspielers mit.

Gísli Thórdarson kann aber auch etwas weiter vorne, im zentralen Mittelfeld, agieren und dort seinem Team weiterhelfen. Nicht nur, weil er dort mit Kreativität und Passqualität auch im letzten Drittel Gefahr erzeugen kann. Er ist für einen defensiven Mittelfeldspieler recht torgefährlich, erklärt das Global Soccer Network. Er rücke gerne aus tieferer Position nach, habe aber auch einen guten Abschluss aus der Distanz.

Stärken: Viele

Zu seinen Stärken zählen Andreas Bornemann („Er ist ein körperlich robuster Mittelfeldspieler, der klug Räume erkennt und sowohl mit als auch gegen den Ball strukturiert agiert.“) und Marcel Rapp („Gisli orientiert sich sehr gut, schirmt den Ball mit seinem Körper ab und findet auch unter Gegnerdruck gute Lösungen. Gegen den Ball verteidigt er aggressiv nach vorne, läuft viele Räume zu und schaltet nach Ballverlust schnell um.“) derart diverse Fähigkeiten, die darauf schließen lassen, dass er vor allem als Gesamtpaket interessant für den FC St. Pauli ist. Das passt auch zu der Einschätzung vom Global Soccer Network: „Es ist die Kombination von Fähigkeiten, die Gísli Thórdarson interessant macht.“

Als „zentrale Stärke“ bezeichnet GSN das Passspiel von Thórdarson. Dieses sei „grundsätzlich ruhig und technisch sauber“. Hierdurch könne er „das Spiel aus tiefen Zonen strukturieren, kurze Verbindungen herstellen und vertikale Pässe in höhere Linien spielen.“ Vor allem findet er auch unter Druck Lösungen und spielt oft bereits mit dem ersten Kontakt weiter, was er dank seiner guten Vororientierung hinbekommt. Den ersten Kontakt zählt GSN daher auch zu den Stärken („Er kann Zuspiele sauber kontrollieren und seinen ersten Kontakt nutzen, um sich direkt in eine bessere Anschlussposition zu bringen.“), ebenso wie weitere technische Fertigkeiten. Dadurch sei sein Passspiel nicht nur auf Sicherheitsbälle beschränkt, sondern er könne auch unter Gegnerdruck den Ball behaupten und progressiv spielen.

Mit 1,91m ist Gísli Thórdarson ein eher großer Spieler auf der Sechser-Position – das verschafft ihm körperliche Vorteile. Aber es gibt natürlich auch Gründe, warum er mit dieser Körpergröße eher ein großer Sechser ist. Denn je größer ein Körper, umso schwächer die Technik und Agilität – das ist ein Grundsatz, der von Thórdarson ignoriert wird. Seine technischen Fertigkeiten zählen zu seinen Stärken, sein Antritt ebenfalls, wie auch das Global Soccer Network betont. Zudem sei er ein sehr Ausdauer-starker Spieler, was es ihm erlaube, größere Räume im Mittelfeldzentrum abzudecken.

Nicht immer online – und nicht kopfballstark

Aber Gísli Thórdarson bringt mit seinen 21 Jahren auch noch Themen mit, in denen er sich stark verbessern kann. Zwar bringt er die körperlichen Voraussetzungen mit, aber er ist maximal durchschnittlich im Kopfballspiel. Doch genau das wäre sehr wichtig auf seiner Position. Da er aber die Voraussetzungen mitbringt, dürfte das ein Bereich sein, in dem er sich verbessern kann.

Probleme hat Thórdarson laut GSN auch immer mal wieder im Stellungsspiel, seine Positionierung ist nicht immer optimal („Auf höherem Niveau wird entscheidend sein, wie schnell er unterschiedliche Spielsituationen lesen und seine Position entsprechend anpassen kann.“). Gleiches gilt auch für die Abstimmung mit den Mitspielern, besonders bei Übergaben und Verschiebebewegungen. Und auch seine Entscheidungsfindung ist ausbaufähig. Zwar könne er dank seiner technischen Fertigkeiten auch unter Gegnerdruck Dinge spielerisch lösen, aber wann genau ein Pass nach vorne Sinn ergibt und wann eine Aufbausequenz nochmal neu gestartet werden sollte, diese Entscheidung ist bei ihm noch ausbaufähig.

Was junge Spieler oft eint, sind Leistungsschwankungen. Sie können zwar bereits ein hohes Niveau erreichen, das aber eher als Peak, selten konstant. Ausnahmen bestätigen die Regel. Gísli Thórdarson ist aber leider keine Ausnahme, sondern ein gutes Beispiel für die Regel. Denn seine Leistungen schwanken, das bestätigt auch das Global Soccer Network: „Seine Aufmerksamkeit muss über komplette Spielphasen stabiler werden. Er muss lernen, auch in ruhigeren Phasen permanent Position, Gegner und mögliche Anschlussräume zu kontrollieren.“ Gerade auf der Sechser-Position, auf der eine Verlässlichkeit für eigentlich alle Mitspieler total wichtig ist, sind starke Leistungsschwankungen fatal. Daher kann dieser Bereich als größte Baustelle von Gísli Thórdarson bezeichnet werden.

Zweitligareif, Bundesliganiveau im Blick

Laut Global Soccer Network ist es die Verbindung aus physischer und spielerischer Qualität, die Thórdarson zu einem sehr interessanten Spieler macht. Er erfülle damit nicht das klassische Profil eines ausschließlich zweikampforientierten Sechsers, sondern seine Stärken lägen vielmehr darin, dass er zusätzlich das Spiel aus tieferen Positionen strukturieren könne.

Gísli Thórdarson besitzt einen aktuellen GSN-Index von 56,4 und ihm wird damit bereits jetzt durchschnittliches Zweitliganiveau attestiert. Sein möglicher Index ist recht hoch, das Global Soccer Network beziffert ihn auf 67,7, womit er dem Niveau eines guten Bundesligaspielers entspräche. Entscheidend bei dieser Entwicklung wird sein, ob er seine defensive Entscheidungsfindung und sein Stellungsspiel auf ein höheres Niveau bringen kann. GSN: „Die technische Grundlage ist vorhanden. Passspiel, erster Kontakt und Technik passen bereits zu einer spielerischen Sechserrolle. Die entscheidenden Entwicklungsschritte liegen weniger im Ballbesitz als in den defensiven und taktischen Bereichen.“

Wie gut passt Gísli Thórdarson zum FC St. Pauli?

Das Global Soccer Network sieht in Thórdarson vorerst einen „Rotationsspieler mit klarer Entwicklungsperspektive“ beim FC St. Pauli. Es wird also nicht damit gerechnet, dass er sofort Stamm-Sechser des FCSP werden kann. Eine schrittweise Integration und damit eine schrittweise Gewöhnung an Niveau und Abläufe sei sinnvoll, so das GSN.
Er könnte aber sehr gut zur Spielweise des FCSP passen, da er mit seinen Fähigkeiten das Profil des tiefen zentralen Sechsers im Spielaufbau vor einer Dreierkette erfülle. Entsprechend könne er langfristig eine wichtige Rolle im Spielaufbau übernehmen. Hierzu ist es aber nötig, dass er in seinen Leistungen stabiler wird, da unnötige Ballverluste und Probleme im Stellungsspiel auf dieser Position konsequent bestraft werden.

Entsprechend ist der Transfer von Gísli Thórdarson als einer mit Weitsicht einzuordnen. Sollte er sich in den Bereichen Stellungsspiel und Entscheidungsfindung verbessern, dann dürfte er beim FC St. Pauli einen Spieler mit Qualitäten darstellen, den es so im Kader nicht gibt. Dann würde er sich nicht nur zum Stammspieler entwickeln, sondern aufgrund seiner Position auch ein sehr prägender Spieler für das Team sein, weil er Takt und Richtung im Offensivspiel vorgibt und das Team gegen den Ball organisiert.
Ob er sich in genau diese Richtung entwickeln kann, wird sich nun in der Saison zeigen. Der FCSP dürfte sich aufgrund des Leihgeschäfts mit Kaufoption in einer recht guten Position befinden, um die Entwicklung abzuwarten.
Vorerst muss aber leider erstmal abgewartet werden, wie lange Gísli Thórdarson aufgrund seiner Verletzung fehlen wird. Anschließend werden wir ihn dann hoffentlich auch ganz bald auf dem Rasen am Millerntor sehen.

// Tim

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