Der FC St. Pauli kann bei Arminia Bielefeld gleich zweimal einen Rückstand noch ausgleichen, doch hatte mit einer taktischen Anpassung der Bielefelder Probleme.
(Titelfoto: Lars Baron/Getty Images/via OneFootball)
Nein, dieses Mal ging nicht so viel beim Spiel des FC St. Pauli, vor beiden Toren. Ein 2:2 ist es trotzdem geworden. Weil der FCSP endlich effizient seine Chancen nutzte. Aber auch, weil er sich im fünften Pflichtspiel der Saison schon wieder die Gegentreffer mehr oder weniger selbst ins Tor gelegt hat. Zur Notenvergabe geht es hier entlang.
Die Aufstellung
Es gab eine ganze Reihe von Optionen für Cheftrainer Marcel Rapp, sowohl im defensiven Mittelfeld, als auch in der Offensive. Rapp entschied sich aber dafür die gleiche Startelf auf den Rasen zu bringen, wie gegen den 1. FC Kaiserslautern. Somit blieb für die als Startelf-Kandidaten gehandelten Joel Fujita, Abdoulie Ceesay und Youssoupha Niang vorerst nur der Platz auf der Bank. Rapp begründete das nach Abpfiff damit, dass er mit der Leistung des Teams gegen Kaiserslautern zufrieden gewesen sei.
So wie die Startelf, blieb auch der gesamte Spieltagskader unverändert. Somit schafften es Scott Banks und Ricky-Jade Jones erneut nicht in den Kader.
Bielefelds Trainer Oliver Kirch nahm im Vergleich zur Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg zwei personelle Veränderungen in der Startelf vor: Arne Sicker ersetzte Tim Handwerker auf der Position des Linksverteidigers. Zudem rückte Marius Wörl anstelle vom auf St. Pauli nicht ganz unbekannten Sam Schreck in die Anfangsformation.
Die Bielefelder agierten gegen das 3-4-1-2 des FC St. Pauli erwartungsgemäß mit einem 4-3-3.

DSC: Kersken – Koudussou, Bauer, Grosser, Sicker – Mehlem, Russo, Wörl – Momuluh, Grodowski, Rochelt
FCSP: Voll – Nemeth, Mathisen, Andō – Pyrka, Smith, Rasmussen, Oppie – Hrgota – Kaars, Hara
Kontrolle ungleich Torgefahr
Gegen den Ball presste der FC St. Pauli vor allem im ersten Abschnitt fast durchgehend hoch. In vorderster Reihe schon, aber nicht vollständig mannorientiert. Der ballnahe Außenverteidiger von Bielefeld wurde immer aggressiv vom FCSP-Außenverteidiger angelaufen. Damit das möglich war, musste der äußere Innenverteidiger den offensiven Außenbahnspieler der Bielefelder übernehmen. Das sorgte dafür, dass die gesamte Fünferkette des FCSP in Richtung der ballnahen Seite verschob. Der ballferne Außenverteidiger übernahm dann den ballfernen offensiven Außenbahnspieler der Arminia und der ballferne Außenverteidiger blieb ungedeckt. Klingt sehr viel komplizierter als es in der Praxis ist, solange die Übergaben funktionieren. Einige Male klappte das zwar nicht ganz so gut, doch insgesamt ließ sich Arminia Bielefeld vom Pressingverhalten des FC St. Pauli ziemlich beeindrucken.
Das Pressingverhalten sah also zu Spielbeginn sehr griffig und gut aus. Arminia Bielefeld fand offensiv in den ersten Spielminuten kaum statt, versuchte sich immer und immer wieder mit unkontrollierten langen Bällen zu befreien. Die fing der FCSP zuverlässig ab. Ab und an wurde im Anschluss direkt ein tiefer Ball auf einen in die Tiefe gestarteten Spieler geschlagen, das Team des FCSP schien die Tempohärte der gegnerischen Innenverteidigung austesten zu wollen.
Dank der vielen Ballgewinne hatte der FC St. Pauli entsprechend viel Ballbesitz. Nach etwas mehr als zehn Spielminuten hatte Bielefeld gerade einmal müde 32 Pässe gespielt, der FCSP hingegen bereits fast viermal so viele (121). Blöd nur, dass das Team aber bereits in der Frühphase der Partie in Rückstand geriet. Weil sich David Nemeth bei einem langen Ball der Bielefelder fürchterlich verschätzte, sich nicht gut positionierte, die innere Linie nicht schloss und so Rochelt eine Großchance auf dem Silbertablett servierte. Diese ließ Rochelt sich nicht nehmen. Er hob den Ball über Ben Voll hinweg ins FCSP-Tor. Was für ne kalte Dusche…
Oppie auf Mittelstürmer-Position
Der FC St. Pauli ließ sich von dem Rückstand aber nicht beirren, zumindest veränderte der Rückstand vorerst nichts am Spiel. In der Offensive gab es gleich zwei interessante Merkmale im Aufbau des FCSP zu sehen: Asymmetrie und Stürmer im Halbraum.
Die Asymmetrie gab es aufgrund unterschiedlich positionierter Außenverteidiger: Bei Ballbesitz bewegten sich nicht beide Außenverteidiger ganz nach vorne auf eine Linie zu den Offensivspielern, sondern nur Louis Oppie tat das. Arek Pyrka blieb hingegen defensiver stehen. Rapp erklärte später, dass man damit einen der Außenverteidiger aus der Kette herausziehen wollte. Die hohe Positionierung von Oppie sorgte dafür, dass Tomoya Andō sehr oft auch ziemlich weit vorne zu finden war, nicht selten sogar auf Höhe der letzten Linie der Bielefelder (oft dann, wenn Smith im Aufbau zwischen die Innenverteidiger, Mathisen und Nemeth, fiel). Dann zog es Oppie etwas weiter diese Linie entlang gen Zentrum. Oppie fand sich also auf einer der beiden Mittelstürmer-Positionen ein. Aber wo war der zur Position passende Mittelstürmer?
Stürmer im Halbraum: Taichi Hara ist ein Spieler, der bei mir irgendwie immer ein bisschen unterm Radar läuft. Dabei hat er mehr Aufmerksamkeit verdient. Gegen Bielefeld nahm er, anders als zuvor, eine flexiblere Rolle ein, kippte von der Position ganz vorne immer wieder in den linken Halbraum ab. Rapp erklärte nach Abpfiff diese neue Rolle von Hara: „Wenn Bielefeld presst, wollten wir nicht zwei Stürmer vorne haben, sondern einen der abkkippt. Taichi ist ein Spieler der abkippen kann. Das hat auch gut geklappt.“

In Ballbesitzphasen zeigte das Team ein asymmetrisches Verhalten. Während Pyrka auf der rechten Seite die Position hielt, kippte Hara oft in den linken Halbraum ab. Seine Position vorne besetzte immer mal wieder Oppie. Die freie Linksverteidiger-Position nahm Andō ein, vor allem, wenn Smith im Aufbau zwischen die Innenverteidiger fiel.
Hara verdient mehr Aufmerksamkeit, findet aber zu selten in Position zurück
Hara war es auch, der für den FC St. Pauli dann den Ausgleich markierte. Gewissermaßen machte Nemeth seinen Bock vor dem 0:1 in der 20. Minute wieder gut. Denn der FCSP-Kapitän fing auf der eigenen rechten Seite einen Pass von Grodowski ab und legte sofort den Vorwärtsgang ein. Es folgte ein sehr fein getimter Pass auf Hara, der vom (dieses Mal rechten) Halbraum aus gen Strafraumeck startete, sich gegen einen Querpass entschied und stattdessen den Ball humorlos ins Bielefelder Tor schoss. Hara ist damit (zwei Treffer, eine Vorlage) aktuell der Topscorer des FC St. Pauli. Das dürften vor der Saison nicht viele auf ihrer Bingokarte draufgehabt haben. Aber ich schrieb ja schon: Hara hat mehr Aufmerksamkeit verdient.
Was aber trotz der Freude über den Ausgleich festgehalten werden muss: Der FC St. Pauli mag in dieser Anfangsphase, in der ersten halben Stunde viel Ballbesitz gehabt haben. Aber er machte daraus zu wenig. Rapp erklärte nach Abpfiff: „Aus dieser Spielkontrolle heraus müssen wir torgefährlicher werden.“ Das gelang aber im ersten Abschnitt nicht wirklich, nicht nur in der Anfangsphase. Sieben Schüsse gab der FCSP insgesamt ab. Auch wenn Bielefeld nur einen mehr hatte: Das ist viel zu wenig, nicht nur, wenn man viel Ballbesitz hat. Ursächlich dafür war unter anderem, dass Hara zwar in den linken Halbraum abkippte und dadurch (zusammen mit Hrgota, der im rechten Halbraum aktiv war) die beiden Achter von Bielefeld erfolgreich dazu zwang sich tiefer positionieren, die dann nicht mehr aggressiv pressen konnten – doch der 27-jährige fand anschließend nicht immer zur rechten Zeit den Weg zurück in die Spitze. Rapp erklärte zur Rolle von Hara: „Was nicht so gut geklappt hat war der Übertrag: Wenn wir sie (A.d.R. die Bielefelder) dann tief hatten und es keinen Druck auf den Ball gab, hätten wir eher wieder einen zweiten Stürmer gebraucht.“
Bielefelder Fünferkette stellt St. Pauli vor Probleme
Doch es war auf keinen Fall einzig das nicht so gute Timing von Hara in den Bewegungen, was dafür sorgte, dass der FC St. Pauli nicht zu großen Chancen kam. Da war auch der Gegner. Arminia Bielefeld hatte seine taktische Formation nämlich verändert, wenn der Ball in den Reihen des FCSP war: Sechser Russo ließ sich dauerhaft zwischen die Innenverteidiger fallen, Bielefeld agierte gegen den Ball also mit einer Fünferkette. Arminia-Trainer Oliver Kirch erklärte nach der Partie zur Fünferkette, dass er eine Überzahl in letzter Linie haben wollte: „Es war eine Konsequenz daraus, wie man den Gegner analysiert. St. Pauli stand sehr häufig mit vier Spielern auf letzter Linie. Der Extra-Spieler hinten drin hat uns gut getan, das war wichtig.“
Gegen den Ball organisierte sich Arminia Bielefeld dann also immer mit einer Fünferkette und je tiefer das Team hinten reingedrängt wurde, umso klarer wurde die Viererkette davor sichtbar, das Kirch-Team fand sich also in einem tiefen 5-4-1 zusammen. Und gegen diese Formation fand der FCSP nur phasenweise die richtigen Lösungen im Offensivspiel, in den ersten 30 Minuten trotz optischer Überlegenheit so gut wie gar nicht (Wie beschissen schwer es ist gegen ein gut organisiertes tiefes 5-4-1 Lösungen zu finden, haben 17 Bundesligisten in der Saison 24/25 gegen den FC St. Pauli herausgefunden).
Plötzlich macht Arminia das Spiel
Was dann passierte, kann ich dann leider nicht so richtig nachvollziehen. Denn nach 30 Minuten gab der FC St. Pauli die Spielkontrolle einfach aus der Hand. Natürlich nicht freiwillig, aber irgendwas sorgte dafür, dass das Team nicht mehr so gut ins Pressing kam. Das könnte auch daran liegen, dass Bielefeld mit zunehmender Spieldauer im Ballbesitz mutiger wurde. Hätte ich eine Arminia-Fanbrille auf, dann würde ich schreiben, dass sich die Arminia schön in die Partie reingearbeitet hat. Gegen Ende der ersten Hälfte war nämlich von der FCSP-Spielkontrolle nichts mehr zu sehen. Stattdessen konnten nun die immer wiederkehrenden Aufbaumuster von Arminia Bielefeld auf dem Platz beobachtet werden. Eigentlich ist das ein klares 4-3-3 im Aufbau, aber es gab ein paar Rotationen: Während Rechtsaußen Momuluh (ganz schön guter Spieler!) seine Seite hielt, ließ sich Rochelt im Verlauf der ersten Hälfte immer öfter von seiner Linksaußen-Position in den linken offensiven Halbraum fallen (auch Linksverteidiger Sicker bewegte sich ab und an in diesen Raum). Hier wurde dann versucht entweder über Steil-Klatsch-Momente mit den Achtern oder einfache Überzahlmomente Gefahr zu erzeugen. Die mutigere Spielweise samt der Bewegungen von Rochelt führten zwar nur ganz selten zu ernster Gefahr für das FCSP-Tor, doch es hatte trotzdem eine Wirkung auf das Spiel: Der FC St. Pauli presste nicht mehr so intensiv, ließ sich auch immer wieder etwas tiefer fallen.
Vielleicht ließ sich das Team des FC St. Pauli auch von einzelnen Szenen beeindrucken, in denen es Bielefeld gelang das Pressing zu durchbrechen. In der 30. Minute zum Beispiel gelang es der Arminia, mit zwei Pässen über die rechte Seite – und fand sich plötzlich in einer 3vs3-Situation wieder (Momuluhs Versuch wurde zur Ecke geklärt). Die letzte Viertelstunde der ersten Hälfte gehörte jedenfalls dann Arminia Bielefeld, die bereits da fast noch zur erneuten Führung gekommen wären. Doch Schiedsrichter Prignan sah in der 42. Minute richtigerweise ein Foul von Momuluh an Mathisen, sodass der folgende Treffer nicht zählte. Arminia-Trainer Kirch hätte zudem kurz vor der Pause gerne noch einen Elfmeter für seine Farben gehabt. Er sprach auf der PK davon, dass es „nach Ansicht der Bilder eigentlich ein klares Ding“ gewesen sei. Ich habe mir die Bilder daher einfach lieber nicht nochmal angeschaut… Spaß, habe ich natürlich gemacht. Mathisen trifft Grodowski tatsächlich leicht in dieser Szene. Ein „klares Ding“ ist das aber auch nicht, ein Elfmeter wäre sicher eine harte Entscheidung gewesen. Aber klar, wäre sowas im Arminia-Strafraum passiert, dann wäre die Sache für mich womöglich auch viel klarer.

(Lars Baron/Getty Images/via OneFootball)
FC St. Pauli gelingen die Durchbrüche
Zur zweiten Hälfte kam dann Connor Metcalfe für Branimir Hrgota. Zwar war Hrgota unter der Woche etwas angeschlagen, Marcel Rapp erklärte aber, dass dieser Wechsel rein sportliche Gründe hatte: „Connor kann in ähnlichen Räumen spielen, tut uns gut. Gerade wenn der Gegner tief steht strahlt er Torgefahr aus. Daher war es ein Wechsel für Connor und nicht gegen Brane.“
Zudem kam (endlich!) Abdoulie Ceesay in die Partie für den erneut ziemlich blassen Martijn Kaars.
Die Hereinnahme von Metcalfe ging mit einer Umstellung der Formation einher, dachte ich während der Partie. Denn plötzlich ordnete sich der FC St. Pauli gegen den Ball in einem 3-5-2 an. Dabei agierte Metcalfe als rechter Teil einer Dreierkette mit Smith und Rasmussen im zentralen Mittelfeld. Ich hielt es für eine spontane Anpassung an die Bewegungen von Rochelt in der ersten Halbzeit, damit der FCSP situativ dort nicht in Unterzahl gerät. Doch Rapp erklärte nach Abpffif, dass man es eigentlich auch in den ersten 45 Minuten so spielen wollte: „Es war von Anfang an so geplant, dass es so aussieht, wenn wir mal tiefer verteidigen. In der ersten Halbzeit war es aber weniger der Fall, weil wir früher raufgegangen sind.“
Ob nun mit oder ohne taktischer Anpassung: Der FC St. Pauli kam, mal wieder, nicht gut aus der Halbzeit heraus. Wie schon gegen Kiel, RWE und Kaiserslautern, fing sich das Team relativ schnell nach Wiederanpfiff einen Gegentreffer. Dieses Mal aus einer Standardsituation, die zweifelsohne besser hätte verteidigt werden müssen. Denn zwar klärte Hara eine Freistossflanke, doch der Ball flog direkt auf die Brust von Grodowski, der mutterseelenallein auf Höhe der Strafraumkante stand, sich diese Chance nicht nehmen ließ und mit etwas Hilfe den Ball zum 2:1 für Bielefeld im FCSP-Tor unterbrachte.
Ceesay setzt den Hypetrain in Bewegung
Der FC St. Pauli reagierte auf diesen erneuten Rückstand aber wieder ziemlich gut. Arminia zog sich mit der Führung im Rücken nun wieder in sein 5-4-1 zurück, doch nun fand der FC St. Pauli für eine Weile die gewünschten Lösungen. In Form von Durchbrüchen auf den Außenbahnen nämlich. Etliche Flanken flogen nun in den Arminia-Strafraum, noch besser wurde es als dann Querpässe gespielt wurden. Warum dieser Plan auf den Außenbahnen durchzubrechen aber erst jetzt gelang? Laut Rapp lag das an der Formation des Gegners: „Der Gegner verteidigt hinten mit fünf Spielern, da ist nicht so viel Platz gewesen um Außen durchzubrechen. Daher mussten wir die Angriffe gut vorbereiten. Wir sind dann durchgebrochen, aber dadurch, das wir soviel abgekippt sind war dann in der Mitte manchmal niemand, sodass die Box nicht so gut besetzt war. Das sind Dinge, die wir bearbeiten müssen.“
Ein Durchbruch führte dann zum erneuten Ausgleich und zeitgleich zum Highlight des eher Highlight-armen Spiels: Nemeth, Pyrka und Rasmussen bildeten auf der rechten ein schönes Dreieck. Rasmussen schickte Pyrka per Pass in Richtung Grundlinie und der brachte einen flachen Ball scharf vor das Tor. Dort stand Ceesay, der ja bekanntlich zuletzt oft genau da stand, wo ein Stürmer stehen muss. Und was machte Ceesay, der beim Abspiel knapp nicht im Abseits stand? Na klar, er versenkte den Ball sehenswert mit der Hacke im Arminia-Gehäuse. Ein wirklich schönes Tor durch das der FC St. Pauli zum erneuten Ausgleich kam. Es ist das fünfte (!) Joker-Tor von Ceesay in Serie. Da er nun auch noch fitter war als letzte Woche und kommendes Wochenende sicher noch einen Schritt weiter ist, wäre alles andere als ein Startelfeinsatz von Ceesay ein schweres Verbrechen. Kaum zu glauben aufgrund seiner aktuellen Form, aber es wäre tatsächlich sein erster Startelfeinsatz im Trikot des FC St. Pauli ever. Der Hypetrain ist jedenfalls nicht mehr aufzuhalten. Choo-Choo!
Kaum Risiko nach dem 2:2
Doch nach dem Treffer flachte das Spiel leider wieder ab. Nachdem der FC St. Pauli in den Minuten nach dem Ausgleich noch einige gute Flankenpositionen hatte, fand Bielelfeld wieder besser in sein 5-4-1, übernahm aber nun immer weniger den Ball, wollte nur noch durch Umschaltmomente gefährlich werden. Folglich hatte der FCSP viel Ballbesitz, aber fand kaum Lücken. Und obwohl ein Unentschieden keinem der beiden Teams so richtig weiterhilft, ging nun auch niemand mehr richtig ins Risiko. Ein halbwegs gefährlicher Abschluss vom Bielefelder Neuzugang Min auf der einen, einer von Metcalfe auf der anderen Seite – das waren die gefährlichsten Offensivszenen nach dem Ausgleich in der 65. Minute. Viel zu wenig von beiden Seiten, um sich für einen Sieg zu empfehlen. Diese Partie zeigte somit deutlich auf, dass der FC St. Pauli noch viel Arbeit vor sich, wenn es darum geht einen tiefstehenden Gegner wirkungsvoll zu bespielen.
Der FC St. Pauli spielt also 2:2 bei Arminia Bielefeld. Es darf sich auf die Schulter geklopft werden, weil zweimal nach Rückstand noch ausgeglichen werden konnte. „Die Energie der Mannschaft ist gut“, erklärte Rapp auf der Pressekonferenz. Er wirkte aber spürbar nicht zufrieden mit der Leistung, betonte mehrfach, dass man sich trotz ordentlicher Spielanlage zu wenige Möglichkeiten erspielt habe und „zu einfache Fehler“ vor den Gegentoren gemacht habe.
Es bleibt also alles wie es ist: Der FC St. Pauli spielt ordentlich, holt aber zu wenig Punkte, weil offensiv immer ein Detail fehlt. Mal werden die Chancen nicht effizient genutzt, mal werden sie das, aber es gibt insgesamt zu wenig. Die einzige Konstante ist leider weiterhin, dass sich das Team zuverlässig Gegentreffer fängt. Diese konnten zwar auch im dritten von vier Ligaspielen ausgeglichen werden, aber tabellarisch tritt der FC St. Pauli aktuell auf der Stelle und wird das so lange tun, bis die Fehlerquote in der Defensive niedriger wird oder die Offensive runder läuft. Das nervt. Und trotzdem bleibt das Gefühl, dass es nur Kleinigkeiten sind, die besser laufen müssen, um endlich den ersten Saisonsieg zu holen, um endlich alles ins Rollen zu bringen. Der FC St. Pauli wartet aber weiter auf diesen Durchbruch – und je länger er das tut, umso schwieriger wird es.
Immer weiter vor!
// Tim
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Jaja Tim, ich weiß. Es nervt alles. Dennoch würde ich den folgenden Satz korrigieren:
„ Es bleibt also alles wie es ist: Der FC St. Pauli spielt ordentlich, holt aber keine Punkte,“
Denn ein Punkt ist nunmal ein Punkt, auch wenn es sich nach einer Niederlage anfühlt.
Hast ja Recht, Mario…
Der Satz war offensichtlich eher Produkt meines Gefühls, weniger des Fakts.
Joah, Du klingst in der Tat leicht frustiert. Hoffentlich ist das zur Redax wieder besser.
Ansonsten: Was ein Kackwetter. Bielefeld 🙄 Mit vielen ganz wunderbaren Menschen in A2 gestanden. Mich an Connor erfreut. Warum Banks gar nicht mehr stattfindet, verstehe ich allerdings nicht. Der Gedanke, dass Hrogota vielleicht angeschlagen raus musste, kam mir erst nach der Rückkehr nach Hamburg; vorher war das leider ein klares Leistungsding. War es dann ja wohl auch. Wie auch bei Kaars, auch leider.
Ein Punkt ist ein Punkt ist ein Punkt. Und ein Rückstand endet nicht automatisch in einer Niederlage.
Weiter, immer weiter!!
Es ist ermüdend. Wer gestern im Stadion war, konnte diese Stimmung erleben – oder nach Abpfiff den Capo anschauen.
Gleichzeitig macht es endlich wieder Spaß, dem Team beim Spielen zuzusehen, ich empfinde Marcel Rapps Worte auch nicht als leere Phrasen, denn die Mannschaft scheint zu funktionieren.
Aber wie sagte Ewald immer – Siege sind durch nichts zu ersetzen. Und ich wünsche uns allen sehr, dass wir endlich wieder dieses schöne Gefühl nach einem Spiel haben.
Und zur Erinnerung: In der Aufstiegssaison folgten auf einen Sieg bei FCK (Elfmeter zum Siegtor) vier Unentschieden – nach Spieltag 5 standen wir auf Platz 9. Danach erst kam der Ketchup. Forza! Immer weiter vor!
Moin Tim und Hochachtung für Deine Deinen Kommentar ! Wie kannst Du das alles so sehen ? Ich bin sp dabei , das mir vieles gar nicht auffallen würde ! 🤗 Ich glaube aber auch das wir dem Spiel und den Spielern einiges nehmen, wenn sie von vornerein in ein zu enges taktisches Konzept gesteckt werden ! Aber zu unserem Spiel… ich sehe schon Fortschritte und auch immer mehr Qualität zu den ersten beiden Spielen plus Pokal ! Cessay, Erik, Connor und Hara und Rasmussen werden auch immer stärker ! Wenn jetzt noch Perreira Large fit wäre ? Ein Manko bleibt die Anwehr … da sind wir zu anfällig … entweder Du hast schnelle Innenverteidiger oder Du musst enger stehen … oder ein schneller Sechzer muss sich fallen lassen ! Wenn Arak hinten drin steht ( ist ja oft bei Ecken oder Freistössen für uns so ) erläuft er alle Bälle … eine Rolle die früher bei uns einmal Fin Bartels inne hatte und auch Saliakas oder Philipp Treu ! Schönes „ taktikfreies „ Wochenende und Forza St Pauli
Ich sehe ehrlich gesagt keine großen Fortschritte. Das Spiel nach vorne ist zumeist zu langsam, und hinten zu fehlerbehaftet. Die Vergleiche zu der Aufstiegssaison sind nur bedingt passend. Punktemäßig ja, aber damals waren die Unentschieden nach Datenlage auf viel Pech zurückzuführen. Wir haben beispielsweise gegen Magdeburg um die 30 Schüsse abgegeben. Die Unentschieden hier sind verdient. Umso weniger verstehe ich Kommentare der Spieler, dass es nicht so sei. Diesmal waren ja sogar die Torchancen absolute Mangelware. Positiv ist sicherlich, dass wir das Spiel nicht verlieren, das wäre auch durchaus möglich gewesen. Smith und Ceesay werden zunehmend zu Faktoren. An Hrgota hingegen lief das Spiel weitgehend vorbei, daher war die Auswechslung folgerichtig, aber ich sehe nicht, dass es danach zwingend besser wurde. Die Position wird gerade zu einem Problem. Wir sind diesmal mehr gelaufen, allerdings wieder weniger als der Gegner. Vor allem im Bereich der Tempoläufe waren wir mal wieder unterlegen. Das hat mittlerweile System. Ich fand das Pressing in der ersten halben Stunde auch weniger wirkungsvoll als hier beschrieben. Die erste Reihe wurde dauernd viel zu leicht und schnell überspielt. Allerdings kann Bielefeld mit dem Ball wenig anfangen und so konnten wir die Bälle dann im Mittelfeld sehr oft erobern. So entstand auch das 1:1. Solche Steilpässe waren aber leider viel zu rar. Je länger dann das Spiel dauerte, umso ratloser agierten wir dann im letzten Drittel. Auch das hat weiterhin System. Das 2:2 war super, aber sonst kam in der Halbzeit bis auf ein Schüsschen von Metcalfe gar nichts. Mir ist wirklich schleierhaft, wie man das Spiel gut finden konnte. Ich fand es eher ermüdend. Aber bitte. Geschmäcker sind verschieden. Gegner, die wir bislang hatten, kommen allesamt nicht aus dem oberen Ligaregal, das wird sich nächste Woche ändern. Bin gespannt.