Die Hymnen der Vereine in der 2. Bundesliga

Die Hymnen der Vereine in der 2. Bundesliga

Der FC St. Pauli ist noch auf der Suche nach einer neuen Hymne, doch was wird bei den anderen Vereinen so abgespielt?
Titelfoto: Stefan Groenveld

Der FC St. Pauli hat vor kurzem den St. Pauli Song Contest gestartet. Bis zum 15. Oktober können Vorschläge für eine neue potentielle Vereinshymne eingereicht werden. Auch eigene Songs, selbst wenn sie noch nicht ganz fertig sind, können mit dabei sein. Alle möglichen Fragen zum SPSC beantwortet der Verein hier. Auch Tim hat bereits ein Kommentar zum Song Contest veröffentlicht. Und solange der FC St. Pauli noch auf der Suche ist, gucken wir doch mal, was wir bei unseren Gegnern der 2. Bundesliga so zu hören bekommen. Verschaffen wir uns also mal einen Überblick.

SpVgg Fürth, Holstein Kiel, 1. FC Kaiserslautern

Bei der SpVgg Fürth hört man im Stadion die „Kleeblatthymne„. Gut zum Mitsingen und viel Nanana und logischerweise im tiefsten fränkischen Dialekt. Ein zunächst etwas langsameres Lied, was mittendrin noch etwas Fahrt aufnimmt. Kann man schon machen.

Bei Holstein Kiel hört man die Denkendrans mit „Keine andere Stadt, keine andere Liebe, kein anderer Verein„. Der Song wurde bei den Kielern erst 2018zur offiziellen Hymne. Mir werden Kieler mit hoher Wahrscheinlichkeit widersprechen, aber für mich gehört die Hymne in die Kategorie „insert Vereinsbezug here“. Also eine eher 0815-Vereinshymne, die man für jeden anderen Verein genauso schreiben könnte. Sorry, Kiel.

Kaiserslautern hingegen ist für mich das Gegenteil zu Kiel. Dort ist die Hymne das „Betzelied„. Man muss es nicht mögen, aber Ohrwurm-Charakter hat diese Hymne auf alle Fälle. Entstanden ist das Betzelied 1978 durch Horst Schneider, auf Wunsch der Vereinsikone Fritz Walter (der auch namentlich im Lied genannt wird). Im Jahre 2021 ist Horst Schneider verstorben, durch sein Lied lebt er immerhin im Stadion weiter.

Arminia Bielefeld, VfL Wolfsburg, Energie Cottbus

„Arminia, unser Herz schlägt nur für dich“ von Willy D’Villa wurde 2005 zum 100. Geburtstag von Arminia Bielefeld zur Hymne. Sie gehört für mich auch zur eher austauschbaren Kategorie mit zusätzlicher rauer Dramatik in der Stimme.

Die Wolfsburger Hymne „Immer nur Du“ schlägt in eine ähnliche Kerbe wie die der Bielefelder. Nicht mein Fall, für Wolfsburger wird es aber schon irgendwie eine Bedeutung haben. Und vielleicht mag Wölfi sie ja auch.

„Wir kommen auch morgen noch wieder“ wurde 2014 von Alexander Knappe geschrieben und etablierte sich zur Hymne von Energie Cottbus. Eine etwas langsamere Hymne, die in die emotionale Kerbe schlägt.

Karlsruher SC, Hannover 96, SV Darmstadt

„Super Team aus Baaaden“…“KSC Olé Olé„, gesungen von Sabine Wittwer, wird wohl jedem Fußballfan bekannt sein. Auch die Hymne „Für immer KSC“ hat Sabine Wittwer eingesungen. Etwas theatralischer im Vergleich zum doch fast ikonischen oder zumindest bekannteren KSC Olé Olé.

In Hannover läuft „96 – alte Liebe„. Lyrisch auch kein Meisterwerk. Fällt wohl auch in die Kategorie der eher austauschbaren Vereinshymnen. Mein Fall ist es nicht.

Der nächste Ohrwurm: „Die Sonne scheint“ (Olé, olé, ola!) von Alberto Colucci. Die Hymne von SV Darmstadt ist wohl eine der ikonischsten der ganzen Liga. Ich für meinen Teil habe regelmäßig einen Ohrwurm davon und bin ein bisschen neidisch.

1. FC Nürnberg, 1. FC Magdeburg, VfL Bochum

Auch der 1. FC Nürnberg hat wohl eine der bekanntesten Hymnen in ganz Fußball-Deutschland. „Die Legende lebt“ kann jeder Fußball-Fan mitsingen, ob Nürnberg-Fan oder nicht und auch abgesehen davon, ob einem die Hymne gefällt. Theatralik und Panflöte, aber irgendwie funktioniert es.

Beim 1. FC Magdeburg läuft die Hymne „Heja Heja wir sind vom FCM„. Eine Hymne mit klassischem Gitarren-Vereinshymnen-Riff und Klavier-Akkord-Romantik.

Die Hymne des VfL Bochum gehört auch zu einen der bekanntesten Hymnen der Liga. Eingesungen von Herbert Grönemeier hat „Bochum“ einen ganz klaren Wiedererkennungswert und ist auch live etwas ganz besonderes.

Dynamo Dresden, 1. FC Heidenheim, VfL Osnabrück

Bei Dynamo Dresden wird „Der 12. Mann“ als Hymne gespielt. Seit 1989 ist sie bei jedem Spiel zu hören und wurde komponiert von Bernd Aust. Beim Mitsingen wird ein lautes „DYNAMO, DYNAAAMO“ im Stadion nicht fehlen.

Beim 1. FC Heidenheim gibt es mit „1846 FCH Olé“ eine weitere theatralische Gitarren-Riff Vereinshymne. Einfacher Text, die Heidenheimer scheinen es zu mögen, mein Fall ist es leider nicht.

„Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück“ hört man an der Bremer Brücke. Durch die Liedzeile, die auch der Titel des Liedes ist, hat die Hymne einen Wiedererkennungswert. Aber auch hier viele dramatische Gitarren-Einsätze.

Hertha BSC, Eintracht Braunschweig

Eine weitere Hymne, die wohl jeder kennt, hat Hertha BSC zu bieten: „Nur nach Hause“ von Frank Zander wird seit über 30 Jahren bei den Spielen der Berliner gespielt. Muss man kennen, wird man kennen.

Auch bei Eintracht Braunschweig gab es Uneinigkeit, welche Hymne nun am Spieltag gespielt werden soll. Ab Januar 2025 wurde, eingesungen durch die Braunschweiger Ultra-Szene, die erste Vereinshymne Braunschweigs „Es soll uns Spiel und Sport entflammen“ gespielt. Das hielt sich allerdings nur einige Monate. Nun ist „You’ll never walk alone“ wieder die Hymne, nachdem die rekonstruierte Vereinshymne durch die Mitglieder wieder abgewählt wurde.

Was ist euer Favorit?

Für alle St. Pauli Fans wird es spannend, wie der Song Contest laufen wird und welche Lieder zur Auswahl stehen werden. Klar ist: Vielen fehlt eine Hymne und so soll doch bald wieder eine gefunden werden. Egal was es wird, es wird nicht allen direkt gefallen, doch jede Hymne braucht auch ihre Zeit. Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, was bei dem Song Contest herauskommt. Vielleicht ja ein Banger-Hit wie von SV Darmstadt. Und wenn wir schon von Favoriten sprechen: Was sind so eure liebsten Hymen im Fußball, auch außerhalb der 2. Bundesliga? Macht euch noch eine entspannte Länderspielpause!

Immer weiter vor!
// Nina

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10 thoughts on “Die Hymnen der Vereine in der 2. Bundesliga”

  1. Danke für diesen Überblick! Endlich mal ein Thema, bei dem ich als (Hobby)Musiker aus dem Vollen schöpfen kann. Ich höre bei Spieltagen immer recht genau hin, was einem da an Hymnen aus den Boxen entgegendonnert, und ich muss sagen: Ich bin regelmäßig entsetzt bis peinlich berührt. Selbstredend das Stadion kein experimenteller Musikabend, aber die Fantasielosigkeit mancher „Songs“ ist doch immer wieder erschreckend. Ich fasse kurz zu zusammen: Ein Großteil der Hymnen lassen sich dem Genre Power-Rock zuordnen, gerne eingespielt von regionalen Bands. Wir hören Mid-Tempo, breitbeinige Arrangements, überraschungsarme Akkordwechsel, Knödel-Vocals mit triefendem Pathos, weitgehend humorbefreit, dafür gerne mit vielen Regionalbezügen und -klischees, die aus dem Handbuch des örtlichen Stadtmarketings abgeschrieben sein könnten. Vor allem ist es Musik von Männern für Männer. Ich kann mich jedenfalls an keine Hymne erinnern, die von einer Frau gesungen wird (man möge mich korrigieren, wenn ich falsch liege). Ganz selten wird es mal überraschend oder schert eine Hymne aus diesen 0815-Schema aus. Sie sind inner der Regel funktionale Auftragsarbeiten – und gerade deswegen unfassbar langweilig.

    Und damit kommen wir zum VfL Bochum. Viele Menschen beneiden den Verein um die „Hymne“ von Herbert Grönemeyer. Und das ist nachvollziehbar. Der Song drehte ja schon seine Runden, bevor er zur Stadionhymne des Vereins auserkoren wurde, hat also schon eine gewisse Patina angesetzt, was ihn sympathisch macht. Er wurde eben nicht per Dekret zusammengeschustert. Was mich an dem Lied fasziniert ist, dass es eigentlich gar nicht als Hymne taugt. Es dauert zu lange, bis der Song in die Gänge kommt. Das Tempo ist eigentlich etwas zu langsam, um wirklich mitzureißen. Zudem ist der Song eher im Synthie-Pop zuhause, das ist auch eher ungewöhnlich (Gitarren gibt es bis auf das markante Motiv in der Strophe in dem Song eigentlich gar nicht). Die Akkorde Am – F – C – G sind für einen Refrain, der abheben soll, eigentlich etwas schräg, noch dazu ist der Refrain zu kurz und bricht mit HGs genuscheltem „Bochum“ unvermittelt ab. Das obligatorische 80er-Jahre Saxophone-Solo lassen wir mal außen vor, aber auch das ist eigentlich untypisch und assoziiere ich nicht direkt mit einer Stadionhymne. Und der Text? Kommt im Gegensatz zu anderen Hymnen mit fast schon intellektuellen Sprachbildern daher („Du liebst dich ohne Schminke, bist `ne ehrliche Haut“), die auch dank Grönemeyers individueller Phrasierung nicht immer ganz so einfach mitzusingen sind. Aber der Song ist ein hundertprozentiges Match, weil er nicht fabriziert klingt, ohne Auftrag produziert wurde und dennoch seinen Weg ins Stadion gefunden hat. Er ist authentisch, weitgehend unpeinlich und vor allem überraschend in seiner Un-Hymnenhaftigkeit. Und deswegen kann man ihn auch immer wieder gut hören.

    Hört man sich die obengenannten Stadionhymnen der Vereine an, dann wünsche ich mir für den FCSP vor allem mehr Mut bei der Hymnenwahl. Man muss nicht die immergleichen musikalischen und textlichen Klischees bedienen, um das Stadion zusammenzubringen und trotzdem authentisch zu bleiben. Es kann auch anders gehen.

  2. Ehrlich gesagt, mir ist es scheißegal, was andere Vereine zu ihrer Stadionhymne gekürt haben.
    Die ganze verdruckste Diskussion über einen FCSP-Songcontest ist so sinnvoll wie ein Loch im Kopf. Es gibt eine ganz einfache Lösung, von der ich mir sicher bin, dass sie die Mehrheit der Stadionbesucher gutheißen würden. Zurück zum „Herz von St.Pauli“. Die ganze verlogene, heuchlerische Diskussion des letzten Jahres hat doch nur zu einem tiefen Riss unter uns Fans geführt und vielen von uns das Stadionerlebnis nachhaltig vergällt.
    Der FCSP lässt sich von Puma ausstatten. Die Dassler-Brüder waren bekennende Nazis und haben an deren Kriegswirtschaft ordentlich verdient. Klar war Josef Ollig ein Nazi. Aber man kann durchaus Person und Produkt trennen. Oder sollen unsere Jungs ab jetzt auf Strumpfsocken spielen?

    1. Nö, ich würde das nicht gutheißen. Und ich finde es auch heuchlerisch einen riesen Riss zu beklagen und gleichzeitig 1,5 Jahre nach der ganzen Diskussion mitten im Aufbruch immer noch die Laune mit diesem Quatsch runter zu ziehen.

      Als würde es kein besseres Lied als gerade dieses geben. Das ist doch echt nur noch Facebook-Kindergarten.

      Es wurde alles dazu gesagt, es wurde jede Diskussion die zu führen ist geführt und wirklich niemand den ich kenne hat noch Bock drauf.

      Kaum etwas würde mehr spalten, als dass dieses Lied am Millerntor gespielt wird.

      Also hört doch bitte mal auf wie beleidigte Kinder im Internet-Sandkasten mit euren Förmchen und Schäufelchen rumzuwerfen, es wirkt langsam echt peinlich.

      Sorry, ich weiß, ich hab wieder die Netiquette vergessen und hole mir gerne den Tadel der Redaktion ab, aber es nervt mich mittlerweile einfach so hart.

      Und bevor die Diskussion zum 3765. Mal wieder los geht: Ja, ich hätte das Lied damals auch weitergesungen, aber ich verstehe nicht, wie man so ignorant sein kann und sich über einen Großteil der Fans hinwegsetzen kann, die aus verständlichen Gründen ein Problem mit dem Lied haben. Und das auch noch 1,5 Jahre später.

      Sorry.

  3. Vielen Dank für diese Liste. Da wird einem doch gleich wieder klar, wie niedrig die Hürde ist, eine der Top-Hymnen der Liga zu finden. Denn ganz unter uns: Das Allermeiste, was da so in den Stadien des deutschen Profifußballs gespielt wird, ist halt doch ein bisschen Scheiße. Unwahrscheinlich, dass wir es schaffen, das zu unterbieten.

    Darum würde ich auch gar nicht so pessimistisch enden wie Nina: Klar, das Stadion wird sich an eine neue Hymne gewöhnen müssen. Aber ich finde es gerade ziemlich geil, wie überall die Ideen wie Pilze aus dem Boden schießen und man merkt, wie nach all den nervtötenden Diskussionen endlich die Kreativität des Millerntors zurückschlägt.

    Gestern erst habe ich einen Ausschnitt vom ZSK-Konzert gesehen. Das entsprechende Lied und den dazugehörigen Text fand ich noch nicht so richtig hymnenkompatibel, aber die Idee, das 🎶 „Ich liebe dich, oh FC St. Pauli“ 🎵 in einem anderen Lied einzubetten, fand ich schon ziemlich großartig.

    Aber die Frage war ja, was unser Favorit unter den bestehenden Hymnen ist. Für mich ist es ganz klar „Allez les Bleus“ von Decubitus, das auch gerne mal am Böllenfalltor gespielt wurde und bei uns schon als Gäste-Hymne für Darmstadt 98 zum Einsatz kam.

    Sorry, aber dieses Lied ist der hervorragende Beweis dafür, dass ein schnell gespieltes Lied definitiv auch hervorragend gesungen werden kann.

    Darum empfehle ich jedem vor der SPSC-Abstimmung, dreimal hintereinander „Allez les Bleus“ und direkt danach „Mehr als Fußball“ von L.A.K. zu hören. Ihr werdet erkennen, wie langsam und gut singbar das ist. 😊

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