What happened since Würzburg?

What happened since Würzburg?

Anfang Januar gastierte ein schwer angeschlagender FC St. Pauli zum Nachholspiel in Würzburg und holte trotz Unterzahl dort einen verdienten Punkt. 14 Spiele später kommt es nun zum Rückspiel und die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Die erzählte Geschichte darüber, was in der Halbzeitpause in Würzburg passierte, ist schön und könnte eine Art Legende werden. Nüchtern betrachtet gibt es aber genügend andere Gründe für den Aufschwung seit diesem Spiel.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Halbzeit am Dallenberg. Der FC St. Pauli spielte eine schwache erste Hälfte, lag früh durch ein Elfmetertor von Pieringer zurück, hatte auch weitere Chancen gegen sich und zu allem Überfluss wurde Marvin Knoll kurz vor der Halbzeit mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen.
Aber da in der Halbzeit, bei 0:1-Rückstand und in Unterzahl, im zwölften sieglosen Spiel in Serie, tabellarisch tief im Abstiegssumpf steckend, da gab es den Wendepunkt, da habe das Team eine “Jetzt-erst-Recht”-Mentalität entwickelt. in der zweiten Halbzeit gelang dem FCSP der Ausgleich und es gab sogar noch einige Chancen für mehr als nur einen Punkt. Letztlich wurde das Ergebnis auch von mir als ein Punkt der Moral benannt.

In der Folge startete der FC St. Pauli eine fast schon beängstigende Erfolgsserie. Gab es inkl. dem mageren Punkt in Würzburg in 14 Spielen nur neun Punkte auf der Haben-Seite (Alter, was war das bitte für eine gruselige Serie?!), waren es in den 14 Spielen danach satte 32 Punkte. Keine Frage, das Spiel in Würzburg kann als Wendepunkt betrachtet werden. Aber so romantisch es auch klingt, die Gründe für die Wende liegen nur zum Teil in der Halbzeitpause vom Würzburg-Spiel. Es wäre auch ziemlich desaströs, wenn die Leistungsunterschiede zwischen den ersten 14 Spielen und den folgenden 14 Spielen einzig auf eine Sache der mentalen Einstellung der Spieler zurückgeführt werden würde. Das würde ja bedeuten, dass sich die Spieler in gewisser Art und Weise vorher nicht richtig ins Zeug gelegt hätten.

Sicher der dunkelste Moment in der Saison des FC St. Pauli: Der Platzverweis für Marvin Knoll in der ersten Halbzeit gegen Würzburg.
(c) Peter Böhmer

Lazarett

James Lawrence, Christopher Buchtmann, Jannes Wieckhoff, Luca Zander, Christopher Avevor und Daniel Buballa fehlten beim Würzburg-Spiel verletzt. Dazu war Guido Burgstaller noch nicht wieder vollständig fit und Philipp Ziereis spielte, obwohl er angeschlagen war. Die Neuzugänge Eric Smith und Tore Reginiussen waren noch keine Neuzugänge. Und das Duo aus Dejan Stojanović und Omar Marmoush wurde erst zwei Tage vorher vorgestellt, sodass es für Stojanović gar nicht und für Marmoush nur zu einem Kurzeinsatz reichte.

Wenn ich einen Grund für die Wende nennen müsste, fernab von der sagenumwobenen Halbzeitpause in Würzburg, dann ist es die Ausdünnung des Lazaretts und die Neuzugänge seitdem. Mit Luca Zander, James Lawrence, Guido Burgstaller, Omar Marmoush, Dejan Stojanović und Eric Smith fehlten dem FC St. Pauli beim Spiel in Würzburg und auch bereits zuvor gleich sechs aktuelle Stammspieler (wenn sie denn fit sind). Solche Ausfälle kann ein Team nur ganz schwer verkraften und rückblickend betrachtet war mir die Bedeutung dieser Spieler für die Stabilität des FCSP-Spiels nicht so richtig bewusst, aber sie zeigt sich aktuell in jedem Spiel sehr deutlich.

Formation

Nach dem Punkt in Würzburg ging es drei Tage später gegen Holstein Kiel weiter. In der Startelf: Dejan Stojanović, Guido Burgstaller und Omar Marmoush. Da waren sie also, die ersten Bausteine der so wichtigen Achse für den FCSP. Wenn man eine Art Wendepunkt setzen möchte, dann würde ich ihn persönlich hier setzen. In den folgenden Spielen kamen dann auch Eric Smith und James Lawrence in die Startelf. Zuletzt war es Luca Zander, der mit zwei Toren gegen Aue einen wichtigen Beitrag zum Sieg leistete.
Aber das Spiel gegen Holstein Kiel stellte noch aus einem anderen Grund einen wichtige Änderung dar: Zum ersten Mal in der Saison startete der FC St. Pauli mit einer Mittelfeld-Raute und zwei Stürmern in ein Spiel. Es gab es in den Spielen zuvor immer wieder Änderungen in der Formation. In den 14 Spielen zuvor wurde in einem 4-2-3-1 oder einem 3-4-1-2, wahlweise auch im 3-5-2, kurzeitig im 4-1-4-1 oder aber im 3-4-2-1 gestartet. Die Anzahl an Formationen ist nicht nur in diesem Satz sondern auch auf dem Platz verwirrend gewesen. In den 14 Spielen seitdem lautete die Formation immer: 4-4-2. Der FC St. Pauli setzt seitdem auf Kontinuität und die Ergebnisse bestätigen, dass diese Umstellung richtig war.

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Es waren also mehrere Gründe, die sich zu einem großen Ganzen zusammengefügt haben. Sicherlich hat die Halbzeit in Würzburg für eine gewisse mentale Stärke gesorgt. Zudem gibt die seitdem gespielte Formation eine neue Stabilität. Und dann ist es auch zweifellos die höhere Qualität, die sich mit den Rückkehrern nach Verletzungen und den Neuzugängen eingestellt hat.
Wäre da jetzt noch mehr möglich gewesen, wenn der FCSP auch in der Hinrunde gepunktet hätte? Eher nicht, wie Timo Schultz auch auf der PK darstellte (“Dann hätten wir nicht diese Konsequenzen im Winter gezogen“). Denn nur die Negativ-Serie in der Hinrunde führte überhaupt dazu, dass sich der FCSP im Winter verstärkte und auch an anderen Stellschrauben drehte.
Diese drei Komponenten, Metalität, Stabilität und Qualität, führen nun also zu einer Serie, dessen Ende noch niemand absehen kann. Diese veränderte Stärke lässt sich auch anderweitig ablesen: In den ersten 14 Spielen hat der FCSP nur gegen Heidenheim und Braunschweig überhaupt in Führung gelegen. Insgesamt 128 Minuten von 1260 möglichen, also nur in knapp 10% der Spielzeit. Seitdem ist der FC St. Pauli in 12 von 14 Spielen in Führung gegangen (das sind soviele Führungsminuten, das ich zu faul zum zählen bin) und hat davon nur eines verloren (das 2-3 vs. Bochum) und einmal Unentschieden gespielt (das 1-1 vs. Kiel).

Sollte der FCSP also morgen gegen Würzburg in Führung gehen, ist die Wahrscheinlichkeit für drei Punkte enorm hoch. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der FCSP gegen Würzburg in Führung geht, ist auch enorm hoch. Der Grund hierfür liegt, romantisch gedacht, in der Kabine am Dallenberg. Größtenteils aber sind es fitte Spieler und richtige Entscheidungen auf Trainer- und Sportchef-Ebene.

// Tim

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2 thoughts on “What happened since Würzburg?

  1. Coole Analyse–stimme voll zu.
    Kleine Ergaenzung: Auch das junge Trainerteam hat an Erfahrung gewonnen. Ich glaube z.B., dass bei knappen Fuehrungen etwas frueher die Defensive gestaerkt wird (z.B. durch Einwechselung von Tore oder Aremu) als frueher.
    Frueher war alles schechter… 😉

  2. Möchtest du uns etwa die Führung im Derby-Hinspiel unterschlagen, als wir von Makienok als Derby-Helden träumten..?

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