Lage am Millerntor – 25.02.2020

Hello again, liebe Derbysiegerinnen. Langsam gilt es, den Blick mal wieder auf etwas anderes als lustige YouTube-Videos vom Samstag zu richten, schließlich ist die Tabellensituation immer noch nicht zwingend blendend und am Sonntag finden wir hoffentlich das ganz große Glück, beim Heimspiel gegen den VfL Osnabrück.

+++ Update 11:20 +++
…und weil wir einfach nicht genug bekommen können:

Während bei uns beste Stimmung herrscht, brennt woanders der Baum. Zum Beispiel in der Region, wo Torwarttrainer Gerry Ehrmann entlassen wurde und zwar mit mächtig TamTam. Sicher nicht hilfreich im Abstiegskampf der 3.Liga (ja, so tief ist der FCK inzwischen gefallen). Und wenn ein Klub sich schon so deutlich in Pressemitteilungen äußert, dann kann nur gemutmaßt werden, dass da richtig viel vorgefallen ist. Das sieht Gerry Ehrmann selbst nicht so und äußerte sich ebenfalls klar. Hier ist sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen…

Montagsproteste bei Fußballfans sind uralt, zurecht wurde oft angemahnt, dass die 1.Liga sich da viel zu lange merklich bedeckt gehalten hatte, als es sie noch nicht betraf.
Die Fanszene der Frankfurter Eintracht hat allerdings auch in älterer und jüngerer Vergangenheit klar gemacht, was sie von diesen Spielansetzungen hält – und auch, wenn die Montagsspiele nun bald Geschichte sind, so kommt dafür ja ein zusätzlicher Termin am Samstagabend und die Zerstückelung der Spieltage ändert sich nicht wirklich.
Insofern: Starke Aktion der Frankfurter Fanszene, die es schaffte, den Stehplatzbereich gestern im Heimspiel gegen Union tatsächlich komplett frei zu lassen (HR, Hessenschau).
Viele Medien, die sonst gerne auf Ultras schimpfen, fanden jetzt auch in deren Abwesenheit Grund zu meckern… wie man es macht, ist es halt falsch, wie verzichten auf Verlinkungen und zeigen lieber diesen sehr passenden Tweet:

Handball Heimspiel am Dienstag in der „Buda“
Natürlich habt Ihr alle brav unseren Kalender mit eurem digitalen Endgerät abonniert und seid stets bestens über alles informiert.
Und wer sich darauf (normalerweise: zurecht!) verlässt, der plante vielleicht bis eben gerade noch, heute Abend ins ferne Kiel zu reisen, um die Handballer bei ihrem Oberligaspiel beim TSV Kronshagen zu unterstützen.
Die gute Nachricht: Braucht Ihr nicht. Niemand muss nach Kiel. Will ja eigentlich auch keiner freiwillig.
Die noch bessere Nachricht: Aufgrund von Hallenproblemen in Kiel wurde das Heimrecht getauscht, gespielt wird um 20.30h in der „Buda“!
Alle hin da, der Kalender ist inzwischen auch aktualisiert.

+++ Moin +++
Na gut, einer geht noch…
Ryan ist St.Pauli-Fan aus Glasgow und hat wahlweise zuviel Tagesfreizeit oder einfach eine leichte Begabung für Filmchen auf Twitter mit musikalischer Untermalung, wir verweisen gerne auf sein Werk vom Hinspiel.
Für das Rückspiel hat er jetzt aber nochmal die ganz große Gefühlspalette ausgebuddelt, wir präsentieren: Rocky, Derbydays.

Wer nochmal etwas lesen will, kann dies entweder bei „Rumpelfussball“ tun oder sich unseren Bericht nochmal auf Englisch gönnen.

Und zum Hören eignet sich natürlich das AFM-Radio mit Wolf und Knut in voller Länge.

Kollau-News
Gestern war ja erneut trainingsfrei, heute wird um 11:15h und morgen dann um 10.00h und 15.30h trainiert, ehe Donnerstag nochmal frei ist und die Einheiten am Freitag und Samstag nicht öffentlich sind.

Fanszene-News
Donnerstag sind jetzt ja immer KIEZBEBEN-Nächte im 1910-Museum – und nicht nur weil wir dort jüngst unsere Weihnachtsfeier gemacht haben, können wir das nur empfehlen.
Diese Woche gibt es eine Doppel-Lesung (weil wir ja Doppelderbysieger sind, nä?) mit Urs Willmann („Bier. Das Buch“) und Christoph Nagel. Alle Infos: Hier!

Schon mal für den Terminkalender:
AFM-Themenabend: Sportpolitik in Katar mit Benjamin Best am Dienstag, 10.03.2020 um 19:30 Uhr – Fanräume im Millerntorstadion.
Noch ist es eine Riesenbaustelle, aber in zwei Jahren sollen dort Messi, Ronaldo und Co. jubeln. Katar eröffnet in knapp zwei Jahren die FIFA-Fußball-WM. Das Emirat hat mit viel Geld nach der größten Sportveranstaltung der Welt gegriffen und will dank der FIFA sein Image verbessern. Die WM ist für die Scheichs ein Prestige-Objekt, um einen Monat lang im Zentrum der Welt zu stehen und die schönste Seite des kleinen Wüstenstaats zu zeigen. Dafür hat Katar zwei Millionen Gastarbeiter ins Land geholt.
Der Journalist Benjamin Best ist drei Jahre vor dem WM-Start nach Katar geflogen und hat verdeckt recherchiert. Seine Bilder will das reichste Land der Welt nicht offen zeigen. Tödliche Arbeitsbedingungen und Gastarbeiter, die lieber tot wären, als in Katar weiter zu arbeiten.
Benjamin Best ist ein preisgekrönter Investigativ-Journalist. Die Spezialgebiete des gebürtigen Berliners sind Sportwetten und die dreckigen Seiten des Fußballs. Für den Film „Gefangen in Katar“ (Sport Inside, WDR, 16m30s) hat er zahlreiche Preise gewonnen.

Hamburg-Wahl auf St.Pauli
Okay, die teilweise geäußerte Vorfreude über das Scheitern der AfD war bekanntlich verfrüht, 5,3% sind aber natürlich nicht nur 0,4% zuviel sondern 5,3% zuviel, eh klar.
Und natürlich haben nicht 211.000 Hamburger*innen diese Partei gewählt, wie Julian Reichelt, Chefredakteur der BILD behauptete, aber in seiner Position kann das ja schon mal durchrutschen. (Wenn 211.000 5% wären, hätte Hamburg 4,2 Mio Wähler*innen gehabt… bei einer Wahlbeteiligung von 63% würde dies etwa 6,7 Mio Wahlberechtigte bedeuten. Knapp vorbei. Aber der Sportteil…)

Schauen wir aber nicht auf ein Presseerzeugnis mit sinkender Auflage sondern lieber auf die Wahlergebnisse auf St.Pauli. (Alle Daten von https://www.wahlen-hamburg.de/)
Wir beschränken uns auf die Wahllokale 11001-11004, 11101-11104 und 11201-11204. (Kann man ob der geographischen Zuordnung hier und da diskutieren, haben wir jetzt aber erst mal so gemacht.)
Wenn man aus diesen Wahllokalen den Mittelwert der Prozentwerte bildet (was rechnerisch aufgrund der unterschiedlichen Anzahl an Wahlberechtigten und abgegebenen Stimmen pro Lokal etwas ungenau ist, im Groben aber passt), ergibt sich folgender Wert:

  • Grüne 33,4% (Maximaler Wert: 38,3%, Minimaler Wert 27,6)
  • Die Linke 31,0% (37,4% // 17,2%)
  • SPD 19,1% (26,6% // 14%)
  • Die Partei 4,4% (7,7% // 2,7%)
  • CDU 3,1% (6,1% // 1,1%)
  • AfD 2,5% (4,9% // 1%)
  • FDP 1,8% (2,9% // 0,7%)

Die Wahlbeteiligung lag in den einzelnen Lokalen zwischen 37,6% und 47,6%, pro Lokal waren etwa 1.000 Menschen zur Wahl aufgerufen.

Neues von den Alten
Kwasi Okyere Wriedt wechselt bekanntlich im Sommer vom FC Bayern II zu Willem II (ja, flacher Gag, sorry, aber wenn er dann zu Jeddeloh II wechselt holen wir den auch wieder raus).
Bis zum Sommer verschwendet er sein Talent aber noch in der 3.Liga und muss sich mit solchen Rumpelfüßen wie in Chemnitz herumärgern.
Bei der dortigen 1:0-Niederlage kassierte er nun allerdings eine Rote Karte, über die man „diskutieren“ kann… nun ja, seht selbst.

Rassismus im Fußball
Wir hatten gestern angemahnt, dass sich Prominente im Profifußball zu selten klar in der Öffentlichkeit zu Rassismus äußern. Im Verlauf des Tages kamen dann aber immerhin zwei Artikel, in denen es dann doch getan wurde:
Gary Neville, ehemaliger Englischer Nationalspieler und inzwischen Experte bei Sky UK tat dies in einem 1:13Min Interview… welches bei Sky DE leider hinter einen 30-Sekündigen Werbespot gepackt ist. Er ist zumindest guter Dinge, dass sich in der Premier League etwas ändern wird, weil die Spieler dies selbst in die Hand nehmen werden. Gleichzeitig kritisiert er aber die FA und die Premier League, da diese die Spieler im Stich lassen und selbst nicht aktiv werden.

Mit Rachid Azzouzi äußerte sich auch ein Ex-St.Paulianer, der im Bayrischen Rundfunk in einem 8-minütigem Gespräch Stellung bezog, konkreter Anlass für die Einladung war der rassistische Vorfall beim Spiel Preußen Münster gegen Würzburg. Azzouzi erzählte von vielen Erlebnissen aus seiner Karriere, behielt dabei aber auch das große Ganze im Blick.

Und wie man sich am besten im Kampf gegen Rassismus NICHT verhält, dafür gibt es mal wieder Neues von 1860 München. Dort setzt die Merchandise GmbH von Hasan Ismaik den Rechtsstreit gegen die „Löwenfans gegen Rechts“ fort. Vorgeschoben sind Marketingrechte, tatsächlich dürfte es wohl eher darum gehen, Kritiker mundtot zu machen bzw. zu zermürben. (Löwenmagazin)

Abseits
Passiv, aktiv, eingegriffen oder nicht, VAR… die ganze Palette dieser Regel wurde ja nicht zuletzt am Wochenende auch im Derby bespielt, als das Tor von Benatelli durch den VAR aberkannt wurde – was durchaus diskutabel sein dürfte.
Petra Tabarelli beleuchtet schon länger sehr lesenswert die Geschichte der Fußballregeln in ihrem Blog, ein aktueller Artikel widmet sich eben der Abseitsregel – und zeigt auf, dass die Diskussionen darum nicht gerade ein aktuelles Phänomen sind, sondern auch schon 1924 existent waren.

// Tim & Maik

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