Ich vermisse Dich, AFM-Radio! Oder: SVS – FCSP

Ich schreib’s, wie’s is‘: Tim ist schuld. An Allem. Außer vielleicht am Ergebnis.
Warum das so ist, werdet Ihr in den folgenden Zeilen feststellen, die sich mir wie zähflüssige Kanalisationsinhalte in die Tastatur quälen.

Titelbild: (c) Imago via OneFootball

Hab ich schon mal erzählt, dass ich keine Ahnung von Fußball habe?
Bestimmt, häufiger sogar. Schreibe ich deswegen über Fußball? Tendenziell eher nicht, sondern meist über das Drumherum.
Wer hat hingegen Ahnung von Fußball und darüber hinaus auch noch das Talent, das eigene Taktikwissen verständlich in Schriftform zu verpacken und hier zur Verfügung zu stellen?
Genau. Tim.

Und warum ist der jetzt Schuld? Weil der einfach so mirnichtsdirnichts weg fährt. Von wegen Urlaubsantrag in doppelter Ausfertigung auf Formblatt 1910 und so – nee, fährt einfach weg! Jaja, Familienfeier und so, kann ja jeder sagen.

Hab ich schon mal erzählt, wie sehr ich das AFM-Radio schätze?
Bestimmt, häufiger sogar. Schaffe ich es deswegen in aller Regel, Sky-Übertragungen zu vermeiden, wenn ich nicht eh im Stadion bin? Absolut.

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Tja, und jetzt?
„Maik, schaffste schon! Stell Dein Licht nicht so unter den Scheffel! Du stehst seit 38 Jahren jedes Wochenende auf’m Fußballplatz, meist mehrfach, irgendwas muss doch hängengeblieben sein!
Tschüss, mach’s gut, bis bald!“
[Wegfahrgeräusch]
Tja… und jetzt? UND JETZT!?!?

Jetzt hatte ich mich also am Freitag bei einem Kumpel einquartiert, der über einen irgendwie erlangten SkyGo-Account diesen Bezahlsender empfangen kann – denn wenn ich jetzt hier für Euch einen Bericht schreiben muss, dann wäre es ja schon schön, das Spiel auch gesehen zu haben. Und „nur“ Re-Live auf fcstpauli.tv – nee, das ist dann auch irgendwie nicht das Gleiche.

Und was soll ich sagen? Jörg Dahlmann.
Jörg! Dahlmann!
JÖRG! DAHLMANN!
Du meine Güte, Ihr Sky Abonnent*innen! Was für einen tollen Dienst Ihr da mit Eurem Geld für solche Menschen leistet, die nur dank Euch nicht zum Arbeitsamt müssen, fantastisch! Ein großer Verdienst für die Gesellschaft!
Und nur dank dieser anhaltenden Treue können dann wunderbare Menschen wie Klaas solch zauberhafte Songs für wirklich empfehlenswerte Podcasts wie Drei90 zaubern – den Dahlmann-Song.

Jetzt mal ernsthaft, Mehrfach der Verweis auf Dana Diekmeier mit schlechtestem Altherrenhumor („Doppel-D, haha“) und der wiederholten Feststellung, sie hätte ihm auf Instagram(!) eine Freundschaftsanfrage(!!) geschickt – was sich dann nach kurzer Recherche als simples zurückfolgen entpuppt.
Bei einer etwas komplizierteren Szene im Strafraum (24.Min) dann komplette Verwirrung, als Dahlmann einen Freistoßpfiff erkennt, sich diesen aber auch nach der x-ten Wiederholung einfach nicht erklären kann, weil doch der eigene Mann (Makienok) Himmelmann behindert hat.
Ja, Jörg! Richtig.
DA WAR ABER AUCH GAR KEIN PFIFF!!!
UND DER SCHIEDRICHTER DEUTET AUCH EINFACH NUR AUF ABSTOSS!!!
Boah, ey… da hatte ich schon Puls und sehnte mich schon seit etwa zwanzig Minuten zum AFM-Radio zurück.
(Ja, Tonoption Stadionton und so… aber ich war da ja nicht alleine und ich musste da jetzt auch durch, damit ich Tim später würde erzählen können, in was für einen tiefen Abgrund seelischer Grausamkeit er mich da reingeritten hat.)
In der zweiten Halbzeit versuchte ich mich dann mittels innerer Meditation sehr stark am selektiven Hören und konnte den meisten Quatsch einfach wegignorieren. Den Gummibären Bande-Song kann ich übrigens auch nach Jahren immer noch absolut textsicher, auf Deutsch und auf Englisch, wusstet Ihr das?
Okay, dass Dahlmann gefühlte siebenundzwanzig Mal darauf herumritt, dass der Mann von Dana Diekmeier ja das Tor erzielt hatte und es kein Eigentor war und die DFL ihm da ja was geklaut hätte – man hatte das Gefühl, die DFL hätte Dahlmann persönlich etwas weggenommen.
Dabei hatte ich beim ersten Mal sogar noch zustimmend genickt und mich selbst ein bisschen geekelt, aber es wurde dann im weiteren Verlauf wirklich immer nerviger.

Grausam. Alles.
Liebes AFM-Radio – wie schön, dass es Euch gibt!
Beim nächsten Spiel bin ich wieder bei Euch <3

Das Spiel

Wie schon erwähnt, die tiefe taktische Analyse kann ich nicht leisten, da müsst Ihr dann bis zum Nürnberg-Spiel warten, wenn Tim wieder da ist.
Aber in den ersten sieben Minuten hat der FCSP 3-4 gute Szenen (Daschner/Makienok, Paqarada, Avevor), aus denen dann auch gut ein Tor entstehen kann – passiert aber halt nicht, somit ist Fußball auch weiterhin ein Sport in dem Einzelsituationen ganze Spielverläufe entscheiden. Und zur Wahrheit der ersten Hälfte gehört ganz klar, dass es nach diesen sieben Minuten nur noch eine Kopfballchance für Makienok (20.) gab und wir anschließend komplett die Kontrolle über das Spiel aus der Hand gaben und quasi um das Gegentor bettelten.
Natürlich ist es dann Pech, wenn dieses Tor mit dem Halbzeit-Pfiff fällt, durch einen unhaltbar abgefälschten Schuss, der sonst eher nicht ins Tor gegangen wäre – unverdient war es zu dem Zeitpunkt aber nicht mehr.
Konkret fällt das Tor dann nach einem Fehlpass von Becker, Daschner kann Biada nicht aufhalten, Avevor lässt sich austanzen und Paqaradas Grätsche stört eher Ziereis als den SVS – da ist dann das Abfälschen von Diekmeiers Schuss durch Daniel Buballa nur noch der letzte Haufen auf der Kacktorte.

Btw, kleiner Funfact:

Und ja, ich bin da inhaltlich wirklich bei Dahlmann, natürlich ist das kein Eigentor. Nach diesem Geständnis werde ich jetzt schnell die Tastatur desinfizieren.

Die Wechsel in der 2.Halbzeit wirkten allesamt durchdacht und erfolgten auch recht frühzeitig – etwas, was in Anbetracht der Möglichkeit von fünf Wechseln ja generell eine gute Idee ist. Der Spielverlauf in Hälfte zwei hatte dann schon Vorteile für den FCSP, was natürlich aufgrund der Führung des SVS aber auch freiwillig herbeigeführt wurde, um sich aufs Kontern verlegen zu können. St.Pauli kam zu Chancen (Kyereh per Freistoß in der 70. // Kyereh nach langem Ball Himmelmann in der 73. // Ohlsson nach Gewühl knapp drüber in der 76. // Burgstaller überhastet in der 82. // Ziereis per Kopf nach langem Ball in die Spitze von Zalazar in der 84. // Zalazar knapp vorbei aus der Distanz in der 86. // Jannes Wieckhoff mit der dicksten Chance nach schöner Vorarbeit von Kyereh und Dittgen in der 89. // und zum Abschluss nochmal Burgstaller in der 90. per Kopf), konnte aber keine nutzen – und dann verliert man eben so ein Spiel.

(c) Peter Boehmer

Sicher alles kein Beinbruch – aber ärgerlich und unnötig, denn ein Punkt wäre am Hardtwald schon drin gewesen und die Länderspielpause hätte etwas positiver begonnen werden können. Ähnlich äußerte sich Robin Himmelmann nach dem Spiel beim NDR (2min).

Und gegen Nürnberg ist dann ja zumindest Tim auch wieder da.

Bleibt gesund!
// Maik

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