Vorbericht: SV Sandhausen – FC St. Pauli (Saison 20/21)

Am Freitag wird der FC St. Pauli im BWT-Stadion am Hardtwald zu Gast sein. Ich wiederhole mich, aber muss erwähnen, dass auch dieses Spiel sehr schwer werden wird. Denn der SV Sandhausen ist so ziemlich die personifizierte Definition von dem, was man gerne als „eingespielt“ bezeichnet. Zur Vorbereitung möchte ich Euch natürlich auch das VdS-Gespräch von Yannick mit Stefan empfehlen, welches jedes Jahr eines der Highlights der VdS/NdS-Folgen ist.
(Titelbild: Peter Boehmer)

FCSP: Wer kann spielen, wer fehlt?

Abgesehen von den inzwischen leider schon als „langzeitverletzt“ zu betitelnden Christopher Buchtmann und Ryō Miyaichi konnte der gesamte FCSP-Kader trainieren und ist einsatzbereit. Timo Schultz hob auf der PK vor dem Spiel hervor, dass einzig Luca Zander und Luis Coordes ein klein wenig Rückstand haben.

Diese Situation mit wenig verletzten Spielern ist durchaus positiv zu bewerten. Schultz hebt das auch hervor („Wir werden eine gute Startelf und auch eine gute Bank haben„). Grundsätzlich wünscht er sich aber noch etwas mehr Konkurrenzkampf im Team („Wir haben viele junge Spieler dabei, manchmal fehlt mir die Härte und ein bisschen mehr Reibung untereinander, sich auf dem Platz auch mal die Meinung zu sagen.„). Ein Umstand, der sich vermutlich in den nächsten Wochen automatisch einstellen wird, wenn Spieler merken, dass sie einfach nicht rankommen an die Startelf.

Neuzugang Guido Burgstaller wird zwei Tage nach seiner Vorstellung gleich im Kader stehen (lernt ihn hier besser kennen), vermutlich wird es aber nicht für die Startelf reichen. Nach dem Heimsieg gegen Heidenheim und auch mit Blick auf die Physis der Abwehr des SV Sandhausen, macht ein Wechsel in der Sturmspitze eher wenig Sinn.

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Ein besonderes Spiel wird es heute für Leart Paqarada, der vor seinem Wechsel zum FCSP ganze sechs Jahre in Sandhausen gespielt hat und nun an seine ehemalige Heimspielstätte zurückkehren wird. Entsprechend hat er sicher unter der Woche auch mal mit dem Trainerteam über Spieler, Prinzipien und Ideen in Sandhausen gesprochen (Schultz: „Man nimmt den einen oder anderen Tipp natürlich gerne mit, wenn man einen Experten im eigenen Haus hat.„).

Kevin Behrens und Daniel Buballa im Duell.
(Photo by Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images (via OneFootbal))

SVS: Wer kann spielen, wer fehlt?

Wie bereits am Dienstag bei uns in der Lage vermeldet, wird Denis Linsmayer dem SV Sandhausen heute sicher fehlen. Er zog sich im Spiel gegen Nürnberg nach einem Foul eine schwere Gehirnerschütterung zu (und wer die Bilder und die ersten Meldungen hört, mag sagen „nur“). Auf der Pressekonferenz sagte SVS-Trainer Uwe Koschinat, dass Linsmayer auch weiterhin an starken Kopfschmerzen leidet und diese Woche gar nicht ins Training zurückkehren wird. Wir wünschen weiterhin beste Genesung!
Für Linsmayer dürfte Emanuel Taffertshofer ins Team rücken, was er auch schon in Nürnberg tat. Koschinat hat allerdings auch Erik Zenga und Anas Ouahim als möglichen Ersatz für Linsmayer genannt. Des Weiteren wird Mario Engels, wie auch in Nürnberg, gegen den FCSP ausfallen.

Was hat der SV Sandhausen zu bieten?

Nicht mehr die lange gespielte und erfolgreiche Viererkette der letzten Jahre. Das liegt nicht nur daran, dass der SV Sandhausen seinen Linksverteidiger an den FC St. Pauli verloren hat. Denn das 3-4-1-2 wurde bereits von SVS-Trainer Uwe Koschinat gegen Ende der letzten Saison einstudiert und gespielt. Das klingt von den Zahlen her recht defensiv, da mit drei Innenverteidigern und je zwei Sechsern und Flügelverteidigern gespielt wird. Ist es aber nur auf dem Papier, da die Flügelverteidiger recht hoch agieren können und einer der beiden Sechser auch situativ mit vorne einrücken kann (allerdings hat Stefan im VdS gemutmaßt, dass der SVS auch auf eine Viererkette umstellen könnte).

Seit Herbst 2018 als Chef-Trainer beim SV Sandhausen aktiv: Uwe Koschinat
(c) Peter Boehmer

Timo Schultz hebt die Physis des SV Sandhausen hervor und verweist auf die dadurch favorisierte Spielweise („Sandhausen hat eine physisch sehr starke Mannschaft, die mit vielen langen und hohen Bällen agiert„). Das hängt vor allem mit SVS-Stürmer Kevin Behrens zusammen, der keinem Kopfballduell aus dem Weg geht (aber womöglich noch bis Montag den SV Sandhausen verlassen wird). Nicht verwunderlich ist daher, dass sich der SV Sandhausen vor der Saison mit Daniel Keita-Ruel aus Fürth verstärkt hat, der diese Rolle des Wandspielers ebenfalls ausfüllen kann. Diese Spielweise mit langen Bällen drückt sich auch in den Statistiken der letzten Saison aus.

Wie bereits in der Saisonvorschau intensiv beschrieben, hat der SV Sandhausen nicht nur ein physisch starkes, sondern vor allem ein altes Team zu bieten (mit einem durchschnittlichen Alter von 27,7 Jahren das Älteste der Liga – der FCSP hat das zweitjüngste). Mit Nikolas Nartey (20), stand bisher nur ein einziger Spieler unter 25 diese Saison in der Startelf. Von Vorteil ist sicherlich, dass das Team bis auf den Abgang von Paqarada (bisher) keine Stammspieler verloren hat und seit Jahren eingespielt ist.

Der Saisonstart des SV Sandhausen ist punktemäßig bisher ganz ok: Auf einen knappen Sieg im Pokal gegen den TSV Steinbach folgte ein ebenso knapper Sieg gegen Darmstadt 98 zum Saisonauftakt (dank dreier Tore von Keita-Ruel). Am 2. Spieltag verlor Sandhausen dann jedoch knapp in Nürnberg mit 1:0, was wesentlich knapper klingt, als es anhand der Torschüsse war (satte 25(!)-5 Torschüsse auf das Tor pro Nürnberg, xG 2.4-0.9). Nicht ganz so krass war es am 1.Spieltag gegen Darmstadt (17-11 Torschüsse auf das Tor pro Darmstadt). Wahrscheinlich also, dass auch der FCSP gegen Sandhausen zu Abschlüssen kommen wird.

Angesprochen auf die Niederlage in Nürnberg sagte Uwe Koschinat sehr offen auf der Pressekonferenz, dass sein Team dort vor allem in der 2. Halbzeit unterlegen war und erklärte, dass sie an „den Dingen unter der Woche gearbeitet haben und andere Mechanismen einstudiert“ haben. In Bezug auf den FCSP zeigte sich Koschinat vor allem von der Breite in der Offensive beeindruckt, da der FCSP „gerade von der Bank eine ganz andere Note ins Spiel bringen“ könne.

Mögliche Aufstellung

Denkbar, dass Philipp Ziereis abermals den Vorzug vor Daniel Buballa erhalten wird. Allein schon sein stärkeres Kopfballspiel wird gegen Stürmer wie Daniel Keita-Ruel und Kevin Behrens gefragt sein (als Ersatz würde Aziz Bouhaddouz ebenfalls die gleiche Rolle ausfüllen). Noch dazu hat er es gegen Heidenheims Patrick Schmidt meist sehr gut gelöst. Vermutlich wird die Aufstellung von Sandhausen mit zwei Stürmern ihn auch vor weniger schwere Entscheidungen stellen (ob er rausrücken muss oder nicht – das war ein großes Problem im Pokal gegen Elversberg), da die Zuteilung dieses Mal recht klar sein dürfte.

Sollte es eine Änderung in der Aufstellung im Vergleich zum Spiel gegen Heidenheim (hier die ausführliche taktische Analyse) geben, dann würde ich vermuten, dass Finn Ole Becker beginnen wird. Und das auf der Position hinter der einzigen Spitze, die Rodrigo Zalazar beim letzten Spiel eingenommen hatte. Über kurz oder lang werden wir auf dieser Position sicherlich Lukas Daschner vermehrt spielen sehen. Ich habe jedoch momentan den Eindruck, dass FOB gerade etwas näher an der Startelf ist, was auch aufgrund der sehr physischen Spielweise des SVS Sinn ergeben würde.

Timo Schultz erwartet ein „klassisches Zweitligaspiel„. Damit meint er sicherlich, dass das Spiel sehr intensiv und umkämpft sein wird und keines der beiden Teams sein eigene Spielidee dominant durchdrücken kann. Er erwähnte hierbei auch, dass sein Team vor allem bei hohen Bällen gegen Sandhausen gegenhalten muss („Wir müssen gegen sie vor allem in der Luft konkurrenzfähig sein„), was sich formidabel mit der oben verlinkten Statistik von clubfans-united deckt. Zusätzlich erwähnt er auch, dass es gegen Heidenheim im Pressing nicht ganz so wie geplant funktionierte („(…) im Gegensatz zum Spiel gegen Heidenheim schneller und besser Druck auf den Ball bekommen„). Und natürlich möchte Schultz den SV Sandhausen bei Ballbesitz mit anderen Mitteln schlagen („Wenn wir den Ball haben, wollen wir ihn am Boden behalten und schnell spielen.“).

Es fühlt sich vermutlich nicht so an, da viele von uns bei Erinnerungen an Auswärtsfahrten gerne Heidenheim/Ingolstadt/Regensburg/Sandhausen in einen Topf werfen, aber unsere Bilanz gegen den SVS ist tatsächlich gar nicht mal soo schlecht. Seit der Saison 12/13 spielen beide Teams zusammen in der 2.Liga. In dieser Zeit gab es acht Spiele in Sandhausen. Der FCSP konnte zwei gewinnen, spielte dreimal Unentschieden und verlor dreimal. Vermutlich liegt das schlechte Gefühl daran, dass die drei Niederlagen nicht ansatzweise knapp waren (4:1, 3:0, 4:0).

Aber so eine Statistik ist natürlich nur Spielerei. Allein schon aufgrund des recht großen Umbruchs im Kader des FCSP und auch an der Seitenlinie sind die vorherigen Begegnungen eher nicht ganz so wichtig (außer, dass ehemalige Spieler womöglich schlechte Erfahrungen oder miese Hotels damit verbinden). Mit Punkten in Sandhausen kann der Saisonstart endgültig glücken und es kann einigermaßen entspannt in die Länderspielpause geblickt werden.

Forza St.Pauli!
// Tim

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