Testspielbericht: SV Werder Bremen – FC St. Pauli

Der FCSP überzeugt im Testspiel gegen Werder Bremen, gewinnt dieses mit 4-2. Das lag an guten individuellen Leistungen, aber auch an der Formation.
(Titelbild: nordphoto/Kokenge/via OneFootball)

Das 1. Drittel

Das Testspiel wurde auf 3x 35 Minuten angesetzt. Im ersten Drittel spielte der FCSP in einem 4-2-3-1 mit Brodersen im Tor, einer Viererkette bestehend aus Zander, Ziereis, Knoll und Buballa. Davor bildeten Becker und Aremu die Doppelsechs. Zentral hinter Spitze Makienok spielte Daschner. Dittgen und Lankford besetzten die Außenpositionen.

Nach rund einer Viertelstunde ging der FCSP durch ein Hackentor von Makienok in Führung – und das war durchaus verdient. Denn das 4-2-3-1 bestach vor allem durch Stabilität. Der FCSP presste nur punktuell hoch, gewann viele Bälle im tiefen Pressing und überzeugte danach durch Tempo in seinen Umschaltsituationen.. Hier waren es vor allem Dittgen und Lankford, die auf den Seiten durchbrechen konnten (was auch an den deutlichen Tempovorteilen gegen Werders Dreierkette lag).
Zum Umschalten ebenfalls elementar: Nach Ballgewinn überzeugte der FCSP mit kurzen Ballhaltezeiten (Daschner und Becker), Makienok konnte seiner Rolle als Wandspieler gerecht werden.
Und: Die Viererkette des FCSP wirkte stabil. Es gab generell wenig Probleme mit Unterzahlsituationen in Fokusbereichen auf dem Feld, sie konnte das Tempo auch meist mitgehen. Klarer Vorteil im Vergleich zur Dreierkette war auf jeden Fall, dass der FCSP deutlich weniger Probleme auf den Außenbahnen hatte, da die Breite sehr viel besser abgedeckt war. wenn es der SV Werder Bremen mal schaffte sich Torchancen zu erspielen, dann war es meist die individuelle Klasse, die sich nun mal bei einem Duell Erstligist gegen Zweitligist nicht von der Hand weisen lässt.
Ein überzeugendes Drittel.

Der FCSP im ersten 35-minütigem Drittel.
Das 2. Drittel

Zwei Wechsel gab es zum zweiten Drittel (der SVW musste bereits im Laufe des ersten Drittels den mal wieder verletzten Toprak auswechseln): Leart Paqarada kam für Daniel Buballa, Boris Tashchy für Simon Makienok.
An der Grundausrichtung änderte das nichts, aber der SVW wurde gefährlicher. Dies meist über die rechte Seite des FCSP. Ob das nun daran lag, dass Zander seine Rolle als Außenverteidiger offensiver interpretiert als Buballa/Paqarada auf links, vermag ich nicht zu beurteilen.
Aber es gab auch wieder einige Umschaltsituationen, die der FCSP hatte und teils gut ausspielte. Aber der FCSP war auch bemerkenswert, wenn er partiell hohes Pressing spielte, was zu einer richtig großen Chance durch Dittgen führte (kurz vorher in einer Umschaltsituation hätte er ebenfalls das 2.Tor erzielen können, drosch den Ball jedoch freistehend drüber) und Werder allgemein vor ziemliche Probleme stellte.
Nach 45 Minuten kam dann Christian Viet für Luca Zander ins Spiel, der FCSP agierte aber weiter im 4-2-3-1, welches auch weiterhin recht gefestigt wirkte. Und dann kam, was bei der Vielzahl an guten Ballgewinnen kommen musste: Becker fängt nen Pass ab, Tashchy wandspielert genau richtig auf Viet, der sieht, dass Daschner den freien Raum besetzt (Tashchy zog seinen Gegenspieler bei der Aktion raus aus der Abwehr) und legte die Kugel diagonal ansprechend in den Lauf – 2-0!
Kurze Zeit später dann wieder Dittgen mit nem Kopfball, der FCSP dominierte das Spiel ziemlich deutlich (trotz weniger Ballbesitz).
Etwa zur Spielhälfte kamen dann Leon Flach und Christopher Avevor für Becker und Ziereis und Dennis Smarsch für den auf der Linie überzeugenden Brodersen. Weiterhin keine Änderungen, es blieb beim 4-2-3-1. Bemerkenswert ist der Ablauf nach Ballgewinn. Es ist nämlich immer ein ähnliches Schema, bei dem der Punk und die Vorwärtsbewegung vor allem auf der ballfernen Seite geschieht (die dann auf einen Diagonalball wie zum 2-0 wartet).
Etwas aus dem Nichts folgt dann das 2-1 in der 59.Minute. ehe ich diese Situation analysieren konnte, hatte Dittgen aber bereits einen Pass abgefangen und legte in den Sechzehner zu Tashchy, der regelwidrig gelegt wurde und den fälligen Elfmeter verwandelte – 3-1.
Weiterhin absolut überzeugend waren Kevin Lankford und Max Dittgen, die beide mit richtig viel Tempo viele Situationen initiierten (das mag aber auch an der Grundformation liegen, dass sie auffällig waren). Gerade Lankfords Leistungshoch kommt zur richtigen Zeit, da die Rückkehr von Wieckhoff und Miyaichi ja noch nicht einmal absehbar ist. Ebenfalls überzeugend: Lukas Daschner – und der ist bei weitem noch nicht beim Maximum angelangt. Ein echter Unterschiedsspieler.

Der FCSP zu Beginn des zweiten Drittels.
Das 3. Drittel

Einige Wechsel dann auch zum dritten Drittel beim FCSP: Zalazar, Matanovic, Benatelli, Frahm und Brandt kamen ins Spiel. Damit wurde dann auch auf ein 4-4-2 (flach) umgestellt, mit Matanovic und Tashchy als Doppelspitze. Wobei Brandt auf rechts so tief agierte, dass es mehr nach einem 5-3-2 aussah (tief im Vergleich zu Zalazar, der die rechte Seite bespielte). Das Spiel wurde merklich unrunder, was aber vermutlich den vielen Wechseln geschuldet war.
Trotzdem blieb der FCSP sehr viel aktiver, war im Zentrum mit Flach und Benatelli weiterhin gut besetzt. Und Paqarada zeigte dann auch endlich mal wieder, dass er ein feines Füßchen hat, flankte butterweich zu Matanovic, der damit in seinem ersten Spiel für den Lizenz-Kader gleich ein Tor erzielte. 4-1 – sehr schön.
Aber ohne mindestens zwei Gegentore geht es anscheinend nicht. Werder erzielte in der 93. Minute das 4-2, bei dem sich Nankishi, der letzte Saison in der A-Jugend überzeugte, doch recht simpel gegen vier Spieler zentral einfach durchlaufen konnte.
Kurz vor Schluss der 105 Minuten dann eine Schrecksekunde als Paqarada sich beim Zweikampf das Knie verdrehte. Er konnte glücklicherweise weiterspielen. Hoffen wir mal, dass da nichts nach bleibt.

Fazit

Testspiele sollten niemals überbewertet werden. Aber das 4-2-3-1 überzeugte in den ersten beiden Spieldritteln durch Stabilität und in vielen Umschaltmomenten. Gut möglich, dass wir diese Formation auch in den nächsten Ligaspielen sehen werden. Knackpunkt sind dabei sicherlich die offensiven Außenpositionen, da hinter Dittgen und Lankford nicht wirklich jemand drängt.
Auf der anderen Seite war die Leistung von Werder Bremen schon bedenklich uninspiriert gegen einen griffigen FCSP. Ich bin da auch nicht sicher, ob und wieviel da ausprobiert wurde, aber der SVW war schon bemerkenswert schwach. Und der FCSP bemerkenswert gut.

Werbung

// Tim

MillernTon auf Twitter //
MillernTon auf YouTube //
MillernTon auf Facebook //
MillernTon auf Instagram //

Wenn Dir gefällt was wir hier tun, findest Du hier die Infos dazu, wie Du uns unterstützen kannst.