Neue TV-Geldverteilung ab 2021? Am Arsch!

Neue TV-Geldverteilung ab 2021? Am Arsch!

Es war so etwas wie Aufbruchstimmung, die sich langsam aufbaute. Die neue Zusammensetzung des DFL-Präsidiums, das Auslaufen des bestehenden Verteilerschlüssels, die „neue Demut“ des Profifußballs in der Corona-Pandemie, das Positionspapier der Fanszene des FCSP mit dem Verein und dann „Zukunft Profifußball“ als das neue Gewissen von Vereinen und Verbänden, angeschubst von Fans. Und dann gestern – puh… ja, eher nichts wirklich Neues.

Wer sich gestern die Mühe machte, den Print-Kicker (oder das ePaper) zu erwerben, der konnte ein lesenswertes Interview mit Cem Özdemir zur Kenntnis nehmen. Der nahm sich u.a. Karl-Heinz Rummenigge vor und sagte über dessen jüngste beleidigte Leberwurst-Reaktion auf den Vorschlag einiger anderer Vereine zur TV-Geldverteilung:

Karl-Heinz Rummenigges heftige Reaktion darauf bedeutet in meinen Augen, dass er das Interesse an einer attraktiven Bundesliga verloren hat.

Cem Özdemir, Kicker (07.12.2020)

Tja, manchmal kann es so einfach sein.
Schade natürlich, wenn so ein Kommentar zwar viel Beifall erhält, sich aber dann unterm Strich trotzdem nichts ändert, obwohl die Chance dazu dagewesen wäre – und zwar bis gestern Nachmittag.
Dann nämlich verkündete die DFL die neue Verteilung – und die Verschiebung vom bisherigen zum neuen Schlüssel kann man wohl bestenfalls als Kosmetik bezeichnen. Als Aufhübschung einer weiterhin unfairen Verteilung.

Ja, es ist jetzt ein größerer Anteil an Geldern dabei, der an alle Klubs (innerhalb der jeweiligen Liga) in gleicher Höhe verteilt wird. Auch die neue Säule „Interesse“, nach der Gelder dann nach der „Allensbacher Markt- und Werbeträger Analyse“ (AWA) verteilt werden, klingt interessant – und ist für den FCSP sicher auch nicht ganz schlecht, im Vergleich zu anderen Zweitligisten. Aber sie ist mit 2 oder 3% (je nach Jahr) einerseits eh ziemlich klein und dürfte, wenn sie denn größer wäre, abgesehen vom FCSP auch eher den in der Champions League vertretenen Klubs helfen.

So sieht er aus der neue Verteiler-Schlüssel.
(c) DFL

Wie ernst die ganze Sache ist (und das daher auch ein angepasster Verteilschlüssel für die ersten beiden Jahre beschlossen wurde, welcher der 2.Liga geringfügig ein bisschen mehr helfen soll als in den Jahren drei und vier), wurde dann auch noch mitgeteilt: Für die Saison 20/21 rechnet die DFL für ihre Vereine mit Umsatzeinbußen von einer Milliarde Euro. Für den Zeitraum seit Beginn der Pandemie bis zum Abschluss der kommenden Saison summiert man diese Einbußen auf zwei Milliarden Euro.
Wenig überraschendes Fazit von Christian Seifert: „Es kann für manche Klubs in den nächsten Monaten sehr eng werden.“
Kein Wunder also, dass die DFL ganz nebenbei gestern auch noch angekündigt hat, dass der Prozess rund um den Einstieg von Investoren in die DFL in Gang gesetzt wurde.

Mit der nun leicht veränderten Verteilung der TV-Gelder will die DFL den Klubs vor allem eines geben: Planungssicherheit.
Es ist nicht Zeit für radikale, es ist Zeit für verlässliche Lösungen.“ sagte Christian Seifert gestern dazu. Was hier aber als „Stabilität“ verkauft wird, ist nicht viel mehr als die Verlängerung des Ratten-Rennens, welche die aktuelle Verteilung geschaffen hatte.
Denn auch weiterhin gibt es die mit Abstand dicksten Fleischtöpfe ganz oben und um dahin zu kommen, müssen Klubs enorme finanzielle Risiken eingehen. Und vor diesem Hintergrund ist die Aussage der „verlässlichen Lösung“ geradezu pervers. Denn sicher ist nur, dass sich auch in den nächsten Jahren Klubs in finanzielle Schieflagen manövrieren müssten, um überhaupt eine Aussicht auf Mehreinnahmen zu haben. Stimmt also, die Aussicht auf gesicherte finanzielle Risiken auch in den kommenden Jahren, ist eine Art von Planungssicherheit, wenngleich sie eigentlich blanker Hohn ist. Und sie führt auch weiterhin zu einer stabilen Instabilität. Wenn das so gewollt ist, dann herzlichen Glückwunsch! Und Hut ab, das muss man erstmal als „verlässlich“ verkaufen!

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Die DFL hat damit dann auch noch einmal mit Nachdruck gezeigt, wie ernst ihr die selbst auferlegte „Demut“, ausgelöst durch massive finanzielle Sorgen, während der Pandemie ist:

Wir wollen nicht irgendwie durch die Krise kommen und danach weitermachen wie bisher

Christian Seifert, Süddeutsche Zeitung, April 2020

Ja, das hat er damals wirklich so gesagt!

Wir alle spüren, dass sich die DFL der gesellschaftlichen Relevanz des Fußballs bewusst ist und bereit ist diese Rolle, die auch mit gesellschaftlicher Verantwortung einhergeht, einzunehmen. Deshalb hat die DFL auch darauf geachtet den Bereich Klimaschutz und allgemein Nachhaltigkeit als Grundlage für die Verteilung der TV-Gelder mit einzubeziehen. Nämlich gar nicht.
Im Ernst: Die mickrigen 3%, die in der Säule „Interesse“ auftauchen, sollte sich niemand auch nur ansatzweise als Berücksichtigung des Faktors Nachhaltigkeit verkaufen lassen. Denn wenn überhaupt ist es eher der Faktor „Wer-vermarktet-sich-am-besten“. Und das da die Klubs, die in anderen Säulen mit Geld überschüttet werden deutlicher von profitieren, weil die allein schon durch sportlichen Erfolg populärer sind, ist eh klar. Man darf gespannt sein, ob ein Klub überhaupt finanziell durch die Säule „Interesse“ davon profitieren würde, wenn er zum Beispiel klimaneutral arbeitet. Wir wagen mal die gar nicht so steile These, dass das nicht der Fall sein wird.

Nein, die DFL hat mit dieser Neu-Verteilung der TV-Gelder eine historische Chance verspielt. Moment, sie hat noch nicht einmal mit der Chance gespielt, denn sie hat es ja gar nicht versucht, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen. Das waren, wer hätte es gedacht, alles nur leere Worthülsen.
Stattdessen bleibt alles beim Alten, wurde aber einmal umlackiert und wird als neu verkauft. Neu sind dabei jedoch nur die Namen der Säulen. Wir werden ziemlich schnell merken, dass sich an den Summen gar nicht viel ändern wird (das z.B. die Gelder aus der internationalen Vermarktung für die 2.Liga 2024 bei 3% und nicht mehr, wie aktuell bei 2,9% liegen, das wird den Kohl nämlich, oh Wunder, nicht fett machen).

Wir sehen uns dann in vier Jahren wieder. In der Zwischenzeit können wir dann noch weiter darüber diskutieren, dass sich andere Klubs „einfach mehr anstrengen“ müssen, um die mit zig Millionen mehr zugeworfenen Klubs einzuholen.
Die Schere wird also weiter auseinandergehen. Und vielleicht fällt es dann in vier Jahren auch endlich mal auf, dass es nicht im Sinne eines Wettbewerbs ist, wenn die ohnehin schon schwerreichen Klubs so dermaßen überproportional Geld aus der Vermarktung erhalten, dass sie gar nicht anders können, als dauerhaft besser zu sein als andere. Denn das wäre dann ja fast ein unfairer Wettbewerb. Und an dauerhaft unfairen Wettbewerben mit Plastik-Konstrukten, die als Popularitäts-Schmarotzer traditionsreicher Klubs seit Jahrzehnten mit Geld zugeschissen werden, wird, oh Wunder, auf Dauer das Interesse verloren gehen. Aber erzählt uns Fans dann bitte nicht, dass wir Euch das nicht gesagt hätten.

(Unsere Kurve – Twitter)

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Und übrigens: Nicht nur wir Fans sehen das so, Grüße an Philipp Heerwagen. (Twitter)

// Tim & Maik

Weitere Links:
Sportschau (Chaled Nahar): DFL verspricht kleinere Spreizung
NDR: Eher Evolution als Revolution
Süddeutsche Zeitung: Der deutsche Fußball hat eine große Chance verpasst

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6 thoughts on “Neue TV-Geldverteilung ab 2021? Am Arsch!

  1. Das System bleibt wie es ist. Und solange wir alle ( auch ich ) noch so blöde sind und das alles mitmachen, wird sich leider auch nichts ändern. Wahrscheinlich wird sich erst was ändern, wenn es schon zu spät ist. Aber für mich als Fan sehe ich auch nur zwei Möglichkeiten. 1. Augen zu und so weitermachen oder 2. dem Profifußball komplett den Rücken kehren…… Für andere Möglichkeiten bin ich dankbar, da ich beides nicht möchte.

    1. Die andere Möglichkeit wäre aktive Mitarbeit in Gremien – die dann (siehe Zukunft Profifußball) leider auch an den festgefahrenen Strukturen scheitern. Da hilft nur Geduld und „steter Tropfen höhlt den Stein“ – oder halt Resignation.

      1. ich glaube nicht, das in diesem Fall die aktive Mitarbeit was ändert. Da die Leute, die was verändern könnten, eine Veränderung gar nicht möchten. Man hat doch das Gefühl, alle ( außer Karl-Heinz ) erkennen das Problem, aber geändert wird trotzdem lieber mal nichts.

        Solange das Produkt Bundesliga noch genug konsumiert wird, solange werden die Verantwortlichen auch nichts ändern, weil es läuft ja. Erst wenn das Produkt Bundesliga nicht mehr konsumiert wird, und dadurch auch das Geld nicht mehr so fließt, dann werden die Verantwortlich handeln.

        Und ja, ich resigniere wirklich gerade….. Mag an der Gesamtsituation liegen

        1. Genau der von Dir genannte Punkt ist es, der auch bei mir Resignation hervorruft: ALLEN sollte klar sein, dass man so auf Dauer die Titelgarantie für den FCB manifestiert.
          Es sollten also 35 (oder meinetwegen 30, wenn man BVB, RaBa, LEV, WOB u.ä. dazuzählt) gute Gründe haben, etwas zu ändern.
          Und stattdessen… tja, nüscht.

  2. In sozialromantischen Momenten denke ich an eine Liga der Klubs, die einen richtigen Wettbewerb wollen und einen dafür fairen Rahmen. Lasst doch den Konzern Rasenball gegen Bayern, Wolfsburg und Leverkusen vor Ihren Kunden spielen und macht nen richtigen Schnitt: Raus diesem Wettbewerb und rein in einen Neuen, Selbstgestalteten -die Ideen und das Interesse ist doch vorhanden, verflixt nochmal!
    Diese Vereine drohen immer wieder mit einer Clubeuropameisterschaftsliga, dann lasst sie doch machen…
    …wir machen unsere eigene Liga auf!
    Später wird sich dann ja zeigen wohin das Interesse (was ja jetzt schon an den TV-Zahlen ablesbar ist) und damit die Gelder wendet.
    …nur ist der Schnitt wohl zu hart. Trotzdem wird hier weiter geträumt, pah!

  3. Die Idee von Jens finde ich gar nicht schlecht.

    Einfach raus aus DFL und DFB und eine Vereinsliga eröffnen. Mitmachen dürfen nur 100%
    Mitgliedergeführte Vereine die genauso viel ausgeben dürfen wie sie einnehmen. Wahrscheinlich wären das zunächst Teams auf Reginalliganiveau.
    Die Zuschauer hätten sicher trotzdem Interesse und dann könnte man generierte Einnahmen als Liga tatsächlich fair verteilen. Wer braucht schon die Champions League?
    Wir spielen den deutschen Vereinsmeister aus. 🙂

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