Igor Matanović: Ein guter Deal?

Igor Matanović: Ein guter Deal?

Igor Matanović ist ab sofort nur noch als Leihspieler in Diensten des FC St. Pauli. Der hochtalentierte Stürmer hat einen Vertrag bei Eintracht Frankfurt bis 2026 unterschrieben, bleibt aber leihweise die nächsten zwei Jahre noch am Millerntor. Je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger verstehe ich diesen Deal aus Spieler-Sicht.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Igor Matanović ist sicher eines der größten Talente, die im NLZ des FC St. Pauli ausgebildet wurden. Und er ist auch einer der Spieler, die eine doch recht ungewöhnliche NLZ-Karriere hingelegt haben. Während viele Spieler häufig wechseln, spielte Matanović seit der U10 beim FC St. Pauli und hat den Klub nie verlassen. Nun wird der immer noch erst 18-jährige seine Zelte am Ende der Saison 22/23 packen und zu Eintracht Frankfurt wechseln.

Warum macht Eintracht Frankfurt das?

Es ist ein doch recht ungewöhnlicher Deal, der da vereinbart wurde. Aus Sicht von Eintracht Frankfurt ist das Vorgehen verständlich: Die Verantwortlichen sind von dem Spieler überzeugt. Sie sind aber der Ansicht, dass Matanović sich nicht sofort, sondern erst in zwei Jahren in Frankfurt durchsetzen kann. Entsprechend suchen sie nach einer Möglichkeit bei der Matanović auf möglichst hohem Niveau Spielpraxis sammeln kann. Beim FC St. Pauli haben sich die Perspektiven für junge Spieler in der letzten Zeit massiv verbessert. Nicht nur mit Matanović sondern sowohl mit Finn Ole Becker, als auch Rodrigo Zalazar und Omar Marmoush haben zuletzt einige hochtalentierte Spieler viel Spielzeit beim FCSP sammeln können und eine teils beeindruckende Entwicklung hingelegt.

Entsprechend ist die Leihe zum FC St. Pauli aus Sicht von Eintracht Frankfurt ein logischer und sinnvoller Zwischenschritt, um ein Top-Talent behutsam aufbauen zu können. So klingen dann auch die Worte von Seiten der Eintracht nach der Verpflichtung: „Für seine Weiterentwicklung ist es wichtig, dass er so viel Spielpraxis wie möglich bekommt. Eine Ausleihe zu seinem Stammverein ist daher sinnvoll, weil er einerseits einer ambitionierten Zweitligamannschaft helfen und er andererseits in dieser und nächster Saison weitere wertvolle Schritte in seiner Entwicklung machen kann.“ vermeldet Sportvorstand Markus Krösche.

Warum macht der FC St. Pauli das?

Das Igor Matanović ein absolutes Ausnahmetalent ist, war den Verantwortlichen nicht erst seit letzter Saison, als er zwischenzeitlich in der 2.Bundesliga in der Startelf stand, bewusst. Matanović wurde bereits Anfang 2019, als damals 15-jähriger, mit einem Profivertrag ausgestattet. Dieser galt sogar erst ab dieser Saison. Jugendspieler frühzeitig mit Profiverträgen auszustatten ist auch eine Art Vertrauensbeweis in den Spieler und gibt auf der anderen Seite dem Spieler die Garantie, dass er die Möglichkeit erhält unter Profibedingungen zu trainieren.
Ich habe keine Ahnung von den Vertragsdetails, aber gehe davon aus, dass der Profivertrag nicht nur eine Laufzeit von nur einer Saison hatte. Zusätzlich gehe ich davon aus, dass der FC St. Pauli sich bereits letzte Saison um eine Verlängerung und damit einhergehende Veränderung des Kontrakts bemühte, da die Entwicklung von Matanović doch um einiges rasanter war als vermutlich Anfang 2019 angenommen.

Igor Matanović im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf.
(c) Peter Böhmer

Ich kenne die Vertragsdetails nicht und auch nicht die etwaigen Bemühungen des Vereins diesen Vertrag zu verlängern. Und ich habe auch keine Ahnung, welche Interessen Igor Matanović bzw. seine Berater verfolgten. Entsprechend ist es schwer einzuschätzen, ob dieser Deal für den FC St. Pauli eine gute Sache ist. Klar ist, dass Eintracht Frankfurt für Matanović eine Ablöse an den FCSP zahlen wird. Da ein solch talentierter Spieler wie Matanović nicht ganz so leicht zu finden ist, fällt die Ablöse vermutlich auch nicht sonderlich niedrig aus.
Aber! Eigentlich sind es mehrere „Aber“, die die Sache für den FCSP kompliziert machen. Denn sollte die Laufzeit des Vertrages nur eine Saison betragen haben, dann wäre Matanović nach Saisonende ablösefrei gewesen. Wenn man sich mit der Seite von Matanović nicht auf eine Verlängerung einig werden konnte, dann war der Verkauf nun die einzige Möglichkeit. Denn aktuell ist Matanović verletzt. Er fällt bereits seit einigen Monaten aus. Die Option ihn zu halten und dann ablösefrei ziehen zu lassen macht aber nur Sinn, wenn der Spieler auch im Laufe der Saison auf ausreichend Spielzeit kommt. Das ist bei Matanović gar nicht klar.

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Über die Ablöse haben beide Klubs Stillschweigen vereinbart. Einzig die Laufzeit der Leihe (einschließlich 22/23) und die Länge des Kontrakts (bis 2026) sind kommuniziert. Die Vertragsunterschrift dürfte mit einer massiven Gehaltserhöhung einhergehen und möglicherweise fällt auch eine Leihgebühr an. Im schlimmsten Fall hat der FC St. Pauli die gesamte Ablöse in die zwei Jahre Finanzierung von Igor Matanović investiert. Dann wäre es womöglich ein nicht so guter Deal. Andererseits scheint es bei der Entwicklung von Matanović eher auch weiterhin steil nach oben zu gehen. Einen solchen Spieler auch 22/23 noch im Kader halten zu können, ist womöglich nur dank eines solchen Deals überhaupt möglich.

Warum macht Igor Matanović das?

Tja, diese Frage stelle ich mir eigentlich am meisten. Warum unterschreibt ein hochtalentierter Spieler bei Eintracht Frankfurt einen solch langfristigen Vertrag, ohne aber sofort für die Eintracht zu spielen? Das beschäftigt mich besonders deshalb, da das genau das Modell zu sein scheint, welches übereinstimmenden Medienberichten zufolge von Finn Ole Becker ausgeschlagen wurde. Auch ihn wollte Frankfurt verpflichten und direkt wieder an den FC St. Pauli verleihen. Ein langfristiger Vertrag mit einem Top-Erstligisten macht sicher auch für junge Spieler Sinn. Aber welche Sicherheit hat Igor Matanović das Eintracht Frankfurt in zwei Jahren auch noch eine Top-Adresse in der ersten Liga ist?
Für mich persönlich wäre es nachvollziehbarer gewesen, wenn er keinen langfristigen Vertrag unterschrieben hätte. Denn bei der aktuellen Entwicklung erscheint ein noch viel größerer Schritt, also zu einem größeren Klub, in zwei Jahren zumindest möglich.

Mit der jetzt verkündeten Vertragsunterschrift dürfte Igor Matanović in jedem Fall einige, auch finanzielle, Sicherheit für die nächsten fünf Jahre haben. Eintracht Frankfurt kann sich definitiv auf ein sehr großes Talent freuen. Der FC St. Pauli darf in den nächsten zwei Jahren auf eine weitere Leistungsexplosion von Matanović hoffen und an seiner Entwicklung mitwirken. Ob das für alle Seiten ein guter Deal ist, werden dann die nächsten zwei Jahre zeigen.

//Tim

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4 thoughts on “Igor Matanović: Ein guter Deal?

  1. Basierend auf der Annahme, dass sich sein Gehalt deutlich erhöhen wird, kann ich absolut verstehen, dass er den Vertrag unterzeichnet hat. Gerade in den jungen Jahren würde ich eine Sicherheit durch einen längeren Vertrag absolut vorziehen, um für den Fall der Fälle abgesichert zu sein (siehe Arp, der jetzt ausgesorgt hat, auch wenn es sportlich beim Stern des Süden nicht lief).

    1. Naja, ich finde dass der Vergleich von Arp ein wenig hinkt. Bei Arp war der Wechsel zu den Bayern meiner Meinung nach ursächlich für den Karriere-Knick, weil die Bayern eine Nummer zu groß waren.

      Von daher finde ich diesen Deal für Matanović sehr interessant:

      Er kann sich noch zwei Jahre auf einem angemessenen Niveau beweisen. Kann sich in dieser Zeit auch die Spielweise von Frankfurt anschauen und Kontakte nach Hessen knüpfen.
      Die Eingewöhnungzeit in Frankfurt wird ihm so deutlich leichter fallen, was nicht unerheblich ist (siehe Aremu).

      Gehaltstechnisch kann er jetzt schon aufstocken ohne ins Risiko gehen zu müssen.

      Das einzige Risiko, dass er haben könnte wäre, dass sich Frankfurt in zwei Jahren zum negativen verändert hat. Aber auch das kann man bis zu einem gewissen Grad vertraglich absichern (Ausstiegsklausel bei Abstieg)

      Aber gerade dieses Konstrukt zeigt doch auch wie nachhaltig Frankfurt arbeitet.

      Für wen es ein guter oder schlechter Deal hängt für mich nicht vom Konstrukt, sondern von den Details ab, die wir nicht kennen.

      Bezogen auf das Konstrukt halte ich es für win-win-win

  2. Ohne die Details zu kennen ist das alles sehr schwierig zu beurteilen…..
    – wie lange war die Restvertragslaufzeit bei St.Pauli
    – welche Ablöse gibts es denn bzw. gibts überhaupt eine ?
    – wie hoch ist die Leihgebühr bzw. muss überhaupt eine bezahlt werden ?
    – da der Vertrag bei der Eintracht „ab sofort“ gilt – wer bezahlt die sicher nicht unerhebliche Differenz zwischen dem bisherigem Vertrag und dem Neuen während der nächsten 2 Jahr

    Viel Raum für Spekulationen……..

    Wenn man drüber nachdenkt was in 2 Jahren alles passieren kann finde ich dieses Kontrukt zumindest „seltsam“ – vor allem bei einer „positiven“ Entwicklung von Matanovic ist ein Vertragsabschluss während Corona-Zeiten für ihn wohl eher suboptimal. Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen dass auch nur annährend irgendwelche wahnwitzigen Summen wie z.B. bei Arp aufgerufen werden.

    1. Ja, kann ich mir auch nicht vorstellen. Richtig, der Deal ist ganz schwer zu bewerten. Grundsätzlich habe ich aber das Gefühl, dass der Spieler eher den schlechtesten Deal der drei Parteien gemaxcht hat.

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