Mitgliederversammlung September 2021

Mitgliederversammlung September 2021

Habemus Frauenquote. Und eine zweite Vizepräsidentin. Und (demnächst, vielleicht) besondere Vertreter:innen. Es gab schon hitzigere Mitgliederversammlungen im FCSP, aber auch deutlich langweiligere.

Öfter mal was Neues: Erstmals in der Vereinsgeschichte (zumindest gemäß der vorliegenden Daten und nach der Erinnerung aller Anwesenden) fand eine Mitgliederversammlung des Vereins im Stadion statt, draußen, auf der Haupttribüne. Das Podium mit Versammlungsleiter Dr. Kristian Heiser und dem Präsidium stand mittig vor der Haupt – und hätte (ich jammere hier schon auf hohem Niveau) gerne ein paar Meter weiter hinten stehen können. Dann hätten insbesondere die außen Sitzenden besser sehen können und dem Versammlungsleiter wäre etwas früher aufgefallen, dass da außen auch noch Leute sitzen, die mit abstimmen.
Das war aber im Zweifel auch nur ein Scherz von ihm und insgesamt war das wie immer in den letzten zehn Jahren eine sehr kompetente und auch sympathische Art der Durchführung von ihm, vielen Dank dafür.

Dass die Bühne nicht weiter zurückversetzt war, dürfte der Schonung des Rasens geschuldet gewesen sein – und damit nehme ich dann gleich einen der letzten Punkte vorweg, der gestern besprochen wurde: Sehr wahrscheinlich war dies eine einmalige Ausnahme und wir werden diese Versammlung nie wieder im Stadion machen, zumindest nicht draußen. Diese Art der Durchführung unter freiem Himmel war der Pandemie geschuldet. Die Kosten seien aufgrund der ganzen Technik-Aufbauten etc. doppelt so hoch wie im CCH – und im November, in dem sie eigentlich regulär stattfinden sollte, wäre es dann wahrscheinlich auch zu kalt und zu nass. Schade, schön war es trotzdem.
Ansonsten funktionierte der Ablauf reibungslos, wenn man mal die langen Schlangen am Einlass als „irgendwas ist immer“ verbucht, denn dadurch verzögerte sich der Beginn dann doch deutlich um eine knappe halbe Stunde. Immerhin war meine getippte Endzeit von 18.00h in etwa korrekt.

Ehrungen und eine neue Vizepräsidentin

446 Mitglieder waren anwesend, davon 441 stimmberechtigt. Es war eine Versammlung an einem Samstag, mit wichtigen, wegweisenden Anträgen. Behaltet diese Zahl (bei ~30.000 Mitgliedern) ruhig im Kopf, wenn dann demnächst wieder eine Versammlung unter der Woche ansteht.

Esin Rager war nun schon seit einiger Zeit interimsmäßig Vizepräsidentin und wurde gestern mit überwältigender Mehrheit in diesem Amt bestätigt, womit zumindest im Präsidium ganz nebenbei „die Quote“ dann auch schon mal erfüllt ist. Das gesamte Präsidium steht dann aber im Dezember auch schon wieder zur Wahl.

In Ermangelung von sportlichen Wettkämpfen in 2020 gab es kaum sportliche Ehrungen, bzw. die eine, die hätte stattfinden sollen (FC St.Pauli IV.Herren!) wurde auf Wunsch des Teams in die Abteilungssammlung verlagert. Bei den Jubiläen erlebten wir bei den 25 Jahren dann schon eine recht lange Liste – und die dürfte in den nächsten Jahren noch länger werden. Denn das war damals der Zeitraum (ab 1995), in dem „wir“ (=“die Fanszene“) massiv in den Verein eintraten, um Veränderungen anzustoßen.
Und eine Ehrung stach dann doch noch hervor: Markus Krämer wurde mit der Bronzenen Leistungsnadel für seine diversen ehrenamtlichen Tätigkeiten in Fanbelangen ausgezeichnet – sowas von verdient, Gratulation!
Alle Ehrungen: Vereinshomepage

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Der Blick auf die Bühne // (c) Imago Images via OneFootball

Die Anträge

Die Satzungsänderungsanträge gingen allesamt mit weit mehr als der erforderlichen 3/4-Mehrheit durch, die meisten auch ohne große Diskussion. Bei zwei von ihnen gab es dann die erwartbare, längere Aussprache.

Der Antrag von Präsidium und Aufsichtsrat zu Einführung besonderer Vertreter:innen wurde von Oke Göttlich vorgestellt – und er bemühte sich, wirklich alle im Vorfeld bereits genannten Gegenargumente mit aufzuführen und gleichzeitig zu entkräften. Dies gelang eher so semi, insbesondere weil sein Vortrag dadurch extrem lang wurde. Was folgte, war eine teils sogar recht emotionale Diskussion, die in meiner Wahrnehmung zwei Wortbeiträge hatte, die die Entscheidung dann zugunsten des Antrags ausfielen ließen: Die Aufsichtsratsvorsitzende Sandra Schwedler und die frisch im Amt bestätigte Vizepräsidentin Esin Rager zeigten nochmals mit klaren Statements auf, warum diese Regelung für ein ehrenamtliches Präsidium nötig sei.
Kritikpunkte gab es, diese werden jetzt sicherlich in naher bis mittelfristiger Zukunft einem Praxistest unterzogen. Von den 416 abgegebenen Stimmen entfielen 353 auf Ja und 63 auf Nein, 312 Stimmen wären nötig gewesen.

Der zweite breit diskutierte Antrag war dann die Einführung einer Frauenquote von 30% in (einigen) Ämtern und Gremien. Suzann Edding (AG Diversität und Ehrenrat) stellte den Antrag vor und wies dabei auch darauf hin, dass gar nicht zwingend alle Antragssteller:innen von Anfang an unbedingt für eine Quote gewesen seien – sie aber im Verlauf der Nachforschungen und Beratungen und Suche nach „Best Practice“-Beispielen dann doch alle zu der Überzeugung kamen, dass dies der (aktuell) beste Weg sei.
Der vorab als „Gegenantrag“ benannte Antrag zur Anpassung der Leitlinien wurde daraufhin als Gegenrede ebenfalls vorgetragen, da er ja kein Satzungsänderungsantrag war und somit erst später zur Abstimmung gekommen wäre. Uwe Doll sagte aber hier bereits, dass der Antrag logischerweise zurückgezogen werden würde, so der Satzungsänderungsantrag angenommen werde.
Einer der Punkte, der im „Gegenantrag“ zurecht angemerkt wurde, war, dass doch diese Quote mit dem einzigen Augenmerk auf das Geschlecht der Frau zu kurz gegriffen sei und es noch deutlich mehr Gruppen gäbe, die man berücksichtigen müsse – und da wurde dann auch mehrfach zugestimmt. Allerdings muss man eben auch mal irgendwo beginnen und mehrfach wurde erwähnt, dass eine paritätische Besetzung ohne diese Quote kaum zu realisieren sei, insbesondere im Männer-dominierten Business Profifußball.
Wortbeiträge gab es hier u.a. von Stephanie Concalves Norberto (NLZ), die darauf verwies, dass die Anzahl von Frauen in Führungspositionen im Fußball aktuell noch bei unter 10% liegt und von Jörn Sturm (Amateurvorstand), der ebenfalls seine Position und seine Gedankengänge für die Zustimmung zu diesem Antrag sehr gut verdeutlichen konnte.
Am Ende wurde der Antrag mit nur sechs Gegenstimmen sehr deutlich angenommen. Und ja, die 30% Frauen sind dann schon mal ein guter erster Schritt auf dem Weg zu mehr Diversität, aber sicher auch nicht der Letzte.

Auch die weiteren einfachen Anträge wurden dann allesamt angenommen, bis es dann zur letzten erwartbaren größeren Diskussion kam: Der Antrag ans Präsidium, einen Satzungsänderungsantrag zu erarbeiten, „auf Wunsch und Antrag der Mitgliederversammlung einzelne oder alle Pressevertreter:innen auszuschließen“.
Hier gab es zunächst eine Gegenrede von Oke Göttlich, der erkennen ließ, dass das Präsidium kein Freund dieses Antrags war und ihn auch nicht unterstützen werde. Gleichzeitig schickte er noch freundliche Grüße an jene Medien, die am Veranstaltungstag von einem „Angriff auf die Pressefreiheit“ geschrieben hatten und wies darauf hin, dass diese ja beispielsweise auch auf Präsidiumssitzungen nicht eingeladen seien und auch dies ja a) seine Berechtigung habe und b) natürlich ebenfalls kein Angriff auf die Pressefreiheit sei.
Anschließend kamen mehrere Beiträge aus der Versammlung heraus, die häufig grundsätzliche Sympathie für den Antrag erkennen ließen, einzelne Formulierungen aber gerne geändert hätten und den Antrag so auch etwas zerredeten. Unterm Strich wurde der Antrag dann per Akklamation per einfacher Mehrheit abgelehnt. Das Präsidium werde aber jetzt trotzdem das Gespräch suchen.

Alle Anträge: Vereinshomepage

Das war es dann auch… fast. Denn ganz am Ende gab es unter „Verschiedenes“ dann noch eine Frage zu 2G/3G und Oke Göttlich betonte, dass die Lösung für den FCSP kurzfristig nur 2G sein könne und man hier in Gesprächen mit den zuständigen Behörden sei. Zwar wäre die Zahl 25.000 als Obergrenze medial sehr präsent, es gelte aber gleichzeitig aktuell auch die Obergrenze von 50%, so dass für das Millerntor aktuell (knapp) 15.000 Fans die maximal mögliche Zahl sei – und die, so hoffe man, könnte vielleicht schon im nächsten Heimspiel gegen Ingolstadt erreicht werden.
Details hierzu folgen – und die nächste Mitgliederversammlung folgt dann am 1.Dezember 2021.
// Maik

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