Was unsereins wissen „muss“ – zwei neue Bücher aus dem Hause DSFS

Was unsereins wissen „muss“ – zwei neue Bücher aus dem Hause DSFS

Wenn jetzt, am 18. Januar, unser FC St. Pauli gegen Borussia Dortmund ohne Zuschauer am Millerntor kicken wird, dann wissen wohl die meisten von euch, dass dies erst das zweite Match der Braunweißen gegen den Klub aus dem Ruhrpott in der Geschichte des DFB-Pokals ist. 0:3 hieß es nämlich am 28. Oktober 2014, als Immobile, Reus und Kagawa im ausverkauften Millerntorstadion für den BvB treffen konnten. Doch was genau wisst ihr wirklich mehr über die Pokalhistorie unseres FC St. Pauli?

Klar, so wirklich erfolgreich war das – mit wenigen Ausnahmen – eigentlich selten. Und man möchte auch nicht wirklich an die oft desaströsen Auftritte unserer Lieblingsequipe in den vergangenen Jahrzehnten gegen meist unterklassige Klubs erinnert werden – von der grandiosen Bokal-Serie 2005/2006 (immer noch Gänsehaut pur bei jedweder Erinnerung) einmal abgesehen. Dennoch sind natürlich jedem auch nur einigermaßen vereinshistorisch interessierten St.-Pauli-Fan die Details schon einen Blick mehr wert – auch wenn’s gruselig war. Und da gibt es nun Abhilfe.

Pokal-Chronik

Mit der „Pokal-Chronik – DFB-Pokal 1952/53 bis 1973/74“ (herausgegeben vom „Deutschen Sportclub für Fußballstatistiken e.V.“ (www.dsfs.de) ist nun eine Reihe vollendet, die den hiesigen Pokalwettbewerb seit Wiedereinführung des Pokalwettbewerbs 1952 – Regionalpokale schon im Frühjahr 1950! – umfassend beleuchtet. Das vorliegende Werk ist übrigens bereits das dritte und somit letzte in der Reihe und schließt damit die Pokalchroniken der Nachkriegszeit mit den frühesten Jahren ab.

Wusstet ihr beispielsweise, liebe MillernTon-Leser:innen, dass die allererste Pokalbegegnung bereits am 30. Mai 1950 stattfand und im Westpokal eine rein Essen-interne Angelegenheit war? TuRa 1886 Essen unterlag damals ETB Schwarz-Weiß Essen vor 2.000 Zuschauern mit 1:5. Im westdeutschen Finale unterlag schließlich im August Preußen Krefeld mit 0:3 gegen Rot-Weiß Oberhausen.

Erstmals im Norden ging es dann am 23. und 24. Mai 1953 mit den Pokalausscheidungen los. Der FC St. Pauli gewann am 24.5. gegen den SV Waltershof mit 10:1, schlug eine Woche später auswärts den TuS Einwarden (von 1921-1994 ein Verein in Nordenham/Wesermarsch) mit 3:0 und verlor in der dritten Runde bei Altona 93 (4.000 Zuschauer) mit 0:3 nach Verlängerung (0:0 / 0:0).

Werbung

Letzteres war natürlich keine echte Sensation, denn der AFC kickte in derselben Staffel (Oberliga Nord), wenngleich die 93er als Aufsteiger eher der Außenseiter der Partie gewesen sind. Überraschend war es dann allerdings für St. Pauli am Vorweihnachtstag 1962, als man in Runde Eins mit 0:2 beim Zweitligisten SV Friedrichsort vor 2.200 Zuschauern den Kürzeren zog.

Auch das 0:1 der Millerntor-Profis gegen die eigenen Amateure am 25. Juli 1969 wird hier im 320-Seiten-Hardcover-A4er natürlich dokumentiert – allerdings ohne Mannschaftsaufstellungen. Und genau dies ist auch meine grundsätzliche Kritik an diesem ansonsten wunderbar recherchierten Buch: Mannschaftsaufstellungen sind meistens leider erst ab der dritten, vierten, fünften oder gar erst sechsten Regionalpokalrunde dokumentiert. Schade, aber ansonsten eine unbedingte Kaufempfehlung.

Fußball in Hamburg

Der zweite mir vorliegende Wälzer – im Dezember 2021 erschienen – ist das fast 350 Seiten umfassende „Fußball in Hamburg. 1994 bis 2004“. Dies ist, nachdem zuvor die Ausgaben „1945 bis 1963“ (VÖ 2007), „1963 bis 1984“ (VÖ 2012) und „1984 bis 1994“ (VÖ 2015) publiziert wurden, bereits die vierte Folge in dieser Reihe. Von der drittklassigen und überregionalen (sic!) Regionalliga bis hinunter zur Kreisklasse sind in diesem A4-Buch alle Hamburger Ligen mit allen Ergebnissen dezidiert und übersichtlich dargestellt.

Wer also gerne wissen möchte, wie St. Paulis Amateure in der Spielzeit 1995/96 abgeschnitten haben (als Aufsteiger 7. Platz – direkt hinter den Rothosen-Amateuren) oder gegen wen der Kreisligist SC Pinneberg II in der Saison 2000/01 in seiner Staffel 7 die einzigen sechs Saisonpunkte in sechs Remis-Partien holen konnte (dreimal zu Hause, dreimal auswärts), dem muss dieses Standardwerk selbstredend ans Herz gelegt werden.

Zumal die Autoren – und denkt bitte nicht, dass sich auch Frauen für so einen Scheiß wie Fußballstatistik in dieser von uns Männern derart pervers ausgelebten Ausgeprägtheit interessieren – auch einen sehr umfangreichen und interessanten Anhang integriert haben: alle Spiele des HFV-Pokals, Mannschaftsbilanzen und Spielerkader (inkl. absolvierter Spiele und Tore). Ich zitiere mal Zunge-schnalzend und auszugsweise aus dem FCSP-Amateurkader aus 1995/96 (RL): Joe Enochs, Mike Göbel, Morten Jensen, Andrew Pfennig, Robert und Hendrik Meyer, Matthias Scherz, Johann Stenzel, Leo Manzi, Sven Tholen, Dirk Tiedje. Was für ein Team!

Werbung

Okay, ihr merkt schon, ich bin echt Statistik-geschädigt; betone aber auch, dass mir dieses ganze vorrecherchierte Zahlenwerk schon immer sehr bei meinen eigenen Nachforschungen für meine Fußballgeschichten und -bücher explizit geholfen hat. Ich hätte in manchen Momenten nicht gewusst, ob ich mir die Zeit hätte nehmen können, diesen ganzen „Mist“ selbst zu eruieren, wenn es solche mit Liebe gemachten Bücher wie bspw. auch die beiden vorliegenden noch nicht gegeben hätte.

Beide Bücher sind idealerweise über die Homepage des DSFS zu bestellen. Die Preise erscheinen euch möglicherweise relativ hoch (Euro 29,90 und 34,80), sind aber im Verhältnis zum Rechercheaufwand und zur geringen Auflage nach meinem Ermessen eher nur eine Aufwandsentschädigung für die Verfasser und den Verlag.
// Ronny

MillernTon auf Twitter // YouTube // Facebook // Instagram

Wenn Dir gefällt was wir hier tun, findest Du hier die Infos dazu, wie Du uns unterstützen kannst.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.