Ausbau Trainingszentrum Kollaustraße – Ringtausch und noch viel zu tun

Ausbau Trainingszentrum Kollaustraße – Ringtausch und noch viel zu tun

Der FC St. Pauli hat heute verkündet, dass das Trainingszentrum an der Kollaustraße massiv umgebaut und erweitert werden soll. Im Zuge dessen wird auch das Nachwuchsleistungszentrum an die Kollaustraße umziehen. Bis zum Baubeginn, der genauen Ausgestaltung und der Finanzierung gibt es noch viel zu tun – für den Verein ist es trotzdem ein Meilenstein!
(Titelbild: Peter Böhmer)

Vorweg: Der FC St. Pauli hatte für Mittwochmittag an die Kollaustraße geladen. Dort waren auf einem Podium dann Andreas Bornemann, Oke Göttlich, Vize-Präsident Jochen Wienand und Igor Matanović vom FC St. Pauli versammelt. Links daneben (nein, nur im wörtlichen Sinne) befanden sich dann Innensenator Andy Grote, Finanzsenator Andreas Dressel und Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (alle SPD). Und wie das dann bei solchen Terminen so ist, wurde freundlich gemeinsam in die Kameras gelächelt.
Im Hintergrund wurde bereits seit Jahren in der Sache verhandelt. Der FC St. Pauli ist natürlich auf die Zusammenarbeit mit der Hamburger Politik angewiesen. Uns ist bei diesem Anblick aber mal wieder bewusst geworden, welche Funktion wir in diesem Verein auf gar keinen Fall übernehmen würden. Denn es ist gleichbedeutend damit, dass man mit Personen zusammenarbeiten muss, die man nicht zu seiner Geburtstagsfete einladen würde, um es mal freundlich auszudrücken.

„Schau mal, Andy. Da hinten ist noch so ein neongelber Aufkleber!“
(c) Peter Boehmer

Training auf Bundesliga-Niveau? – Lange Zeit eher Kreisklasse

Wer in den letzten Jahren mal im Vereinsmuseum war oder noch ältere Ausgaben des ÜBERSTEIGERS besitzt, wird wissen, dass die Trainingssituation der FCSP-Profis früher alles andere als rosig war – im Gegenteil, meist waren sie sogar täglich oder wöchentlich wechselnd an anderen Standorten Hamburgs.
Diese Zeiten sind nun schon lange vorbei, doch die besondere Konstellation von größeren Vereinseinheiten am Millerntor (+Feldstraße), an der Kollaustraße (Profis und U23) und dem Brummerskamp (NLZ) sowie den Spielstätten der U23 (Norderstedt) und den U19/U17-Bundesligen (Königskinderweg, Schnelsen) brachte auch viele Probleme mit sich.

Es ist gar nicht lange her, da wurde das damals neue Trainingszentrum an der Kollaustraße eröffnet. Im Herbst 2013 war das neue Funktionsgebäude fertiggestellt und alle vorher doch eher rudimentären Bedingungen waren zumindest für die Profis endlich vorbei.
Nicht einmal zehn Jahre später steht wieder ein großer Umbau an der Kollaustraße bevor. Dieses Mal geht es nicht primär ums Modernisieren, sondern vielmehr darum, dass die Fläche erweitert wird. Denn der FC St. Pauli ist nach den DFL-Lizensierungsauflagen dazu gezwungen, eine gewisse Anzahl an Plätzen an einem Ort vorzuweisen. Andreas Bornemann machte auf der Pressekonferenz deutlich, dass der FC St. Pauli „der Musik eher hinterherlaufe„, es also höchste Zeit wurde, dass nun die Auflagen der DFL erfüllt werden, da an diese auch die finanzielle Förderung durch DFB und DFL für das NLZ gebunden sei.

Damit ist eine fast ewig währende Suche nach einem Standort beendet. Die Verantwortlichen des FC St. Pauli haben schon jahrelang versucht, einen Standort für den bis jetzt genutzten Brummerskamp zu finden. Dabei war auch schon die jetzt bald genutzte Fläche im Gespräch, es scheiterte aber an den Vorgaben und dem bisherigen Besitzer. Andere potentielle Flächen, die sich der Verein zuletzt anschaute, waren geographisch in aller Regel noch viel weiter vom „Herz von St. Pauli“ entfernt.

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Erstmal: Absichtserklärung und Start der Planungen

Nun haben sie einen neuen, alten Standort gefunden. Das Trainingszentrum soll massiv erweitert werden. Neben vier zusätzlichen Plätzen soll auch das Funktionsgebäude erweitert werden. Das muss es auch, da laut Andreas Bornemann Platz für „bis zu 250 Personen“ aus dem NLZ notwendig ist.
Hierzu werden weitere Flächen rund um das jetzige Trainingszentrum erschlossen: Zum einen das jetzige Baseballfeld, eine benachbarte Teilfläche, die bisher dem Daimler-Konzern gehört, sowie eine bisher unbebaute Überschwemmungsfläche. Dass die Überschwemmungsfläche genutzt werden kann, wurde so u.a. mit der Umweltbehörde abgestimmt. Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Kay Gätgens meinte hierzu, dass im Gegenzug Ausgleichsflächen geschaffen werden, damit zwei Plätze auf der jetzigen Überschwemmungsebene entstehen können.

Die Fläche der Begierde: Auf dieser Überschwemmungsfläche sollen zwei neue Fußballplätze entstehen.
(c) Peter Boehmer

Geplant ist, dass der jetzt beschlossene Umbau bis 2026 abgeschlossen ist. Begonnen wird damit aber noch nicht, dies wird in diesem Kalenderjahr auch sicher nicht mehr geschehen. Es sind noch nicht einmal alle Rahmenbedingungen geklärt.
Zu den geschätzten Kosten wollte der Verein keine Angaben machen, man sollte aber von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgehen. Das ist ein riesengroßer Batzen Geld. Besonders in Pandemie-Zeiten, wo alle Bundesliga-Klubs und auch der FC St. Pauli mit massiven Umsatzeinbußen zu kämpfen haben. Oke Göttlich meinte hierzu, dass der Klub dieses Projekt, unabhängig von der Pandemie, umsetzen muss.

Wenn der Bau dann fertig ist, wird er eine Heimat für alle Teams des NLZ und die Profis zum Training bieten. Während die Spiele der jüngeren NLZ-Teams dort ausgetragen werden können und auch die Bundesliga-Spiele von U19 und U17 dann endlich eine feste Heimat finden werden, ist die „ganz große“ Lösung mit einer regionalligatauglichen Spielstätte für die U23 bisher nicht angedacht, aber auch noch nicht ausgeschlossen, wie Göttlich erzählte.
Ob die 1. Frauen ihre Spiele zukünftig dort austragen könnte, bleibt ebenso abzuwarten und hängt sicher neben der langfristigen sportlichen Entwicklung auch an der Frage, ob das Team überhaupt so weit weg vom Stadtteil spielen wollen würde.

Bauchgrummeln aus dem Amateur-Bereich

Nicht so gut kommt das Vorhaben bei einigen anderen Amateur-Klubs an, die hier das Gefühl haben, dass dem Profifußball alles ermöglicht wird, während man selbst um jeden Zentimeter (Kunst-)Rasen kämpfen muss – von Hallenzeiten ganz zu schweigen.
Im Zuge der Erweiterung des Trainingszentrums kommt es zu einem „Ringtausch“, also zu einem Wechsel der genutzten Sportflächen. So müssen zum Beispiel die Baseballer weichen, die bisher auf dem angrenzenden Feld beheimatet waren. Für sie wurde die Fläche des Informatikums an der Vogt-Kölln-Straße bereitgestellt, wo aktuell bereits zwei Kunstrasenplätze (Fußball) vom TSV Stellingen, SV West-Eimsbüttel und dem HFC Falke genutzt werden. Dort sollte eigentlich noch ein weiterer „Großplatz“ gebaut werden, sobald die Fläche des Informatikums freigegeben ist (was laut Gätgen 2025 der Fall sein soll). Dorthin ziehen jetzt dann aber die beiden Baseball-Teams (Hamburg Stealers und ETV Knights), denen „bundesliga-taugliche Bedingungen“ geschaffen werden, wie Gätgen versichert – und der zusätzlich geplante Fußballplatz wird am Brummerskamp realisiert.
Am Brummerskamp war das NLZ des FCSP bisher beheimatet und wird es dementsprechend bis zur Fertigstellung auch bleiben. „Neue bezirkliche Flächen“ sollen dort dann entstehen, was in unserer Lesart mindestens einen weiteren Fußballplatz zum bereits bestehenden Feld bedeuten würde – und damit unterm Strich tatsächlich ein weiteres Feld für die ansässigen Vereine. Zugegeben, der Anschluss an den ÖPNV ist an der Vogt-Kölln-Straße etwas besser als am Brummerskamp, aber wenn beispielsweise der HFC Falke dort eine Heimat für die vorhandenen Teams finden könnte und zusätzlich auch noch weitere Trainingszeiten für noch zu gründende Jugendteams – es wäre ein Schritt nach vorne.

Nachtrag: Auch aus dem Bereich Naturschutz gibt es Kritik, was den Wegfall der Grünflächen anbelangt. Hier gilt es sicher, den finalen Bebauungsplan abzuwarten und die versprochenen „Ausgleichsflächen“ zu prüfen. (Siehe Kommentare.)

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Bisher ein Baseball-Platz, spätestens ab 2026 dann Teil des FCSP-Trainingszentrums.
(c) Peter Boehmer

War es das? Geht’s jetzt los?

Hmmmnee, eher nicht.
Was da heute veröffentlicht wurde, ist ein „Letter of Intent“, also eine Absichtserklärung. Kennen wir so schon aus 2020, da wurde das Spielrecht am Millerntor auch schon mal vorab auf diese Art und Weise bis 2060 festgezurrt, um sich dann in Ruhe mit den Details zu befassen.

Bis 2060 wird es jetzt sicher nicht dauern, ehe die „neue Kollaustraße“ fertiggestellt ist. Trotzdem gibt es noch viel zu klären, ehe es zumindest auch sichtbare Ergebnisse geben wird. Es ist wohl sicher, dass vor Ende 2023 keine Umbaumaßnahmen starten werden, da die Bebauungsplanung in etwa zwei Jahre dauern werde.

Der größte offene Punkt ist aber sicher jener der Finanzierung. Klar, der Gewinn des DFB-Pokals, der Bundesligaaufstieg, der Sieg in der Europa League und das erfolgreiche Abschneiden in der Champions-League im Jahr drauf helfen dabei enorm – aber entgegen der inneren Überzeugung unsererseits sind diese Punkte alle noch gar nicht gesichert. Ja, sorry, is‘ so.
Wie genau das also bewerkstelligt werden wird, dürfte den Verein bereits längere Zeit beschäftigen – und es wird mit der Pandemie und anhaltenden Beschränkungen der Stadionkapazität natürlich auch nicht einfacher. Inwieweit man das über Kredite, strategische Partner für das NLZ oder das zwischendurch ja schon mal angerissene Thema „Stadiongenossenschaft“ lösen wird, bleibt abzuwarten.

Fazit

Wie eingangs erwähnt: es ist ein Meilenstein für den Verein, ein riesiger Schritt in die Zukunft. Eine weitere Professionalisierung der Nachwuchsarbeit. Wie viel effizienter ein Verein agieren kann, wenn Trainingsgelände und Spielstätte aller Leistungsteams an einem Ort sind, wenn man nicht alle notwenigen Dinge doppelt und dreifach verwalten muss und auch medizinische Einrichtungen oder Fitnesseinrichtungen an einem Ort gebündelt werden können, kann sich bestimmt jede:r vorstellen.
Trotz aller berechtigten Vorfreude ist dies aber sicher auch der Zeitpunkt, wo die eigentliche Arbeit erst beginnt – und die dürfte sich in erster Linie mit den Finanzen beschäftigen müssen.
// Maik & Tim

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7 thoughts on “Ausbau Trainingszentrum Kollaustraße – Ringtausch und noch viel zu tun

  1. Hoffen wir mal für die Baseball-Teams, dass deren Platz erst angefasst wird, wenn der Neue fertig ist. Weiß nicht wie häufig der Umzug der Informatik schon verschoben wurde. In den letzten Jahren wurde da auch immer mal wieder das Eine oder Andere renoviert …

    1. Dies sollte mit dem Wort „Bestandsschutz“ in der offiziellen Pressemitteilung zumindest gewährleistet sein.
      Aber ja, wenn sich daran etwas ändert, wäre das schlimm.

  2. Nach dem Ausbau verfügt der FCSP dann über 7 Plätze für 10 Mannschaften. Der HEBC im Herz von Eimsbüttel spielt mit 22 Mannschaften auf einem Kunstrasen und einem runtergerockten Grandplatz. Nur mal so zum Vergleich. Dem Ausbau fällt auch eine von riesigen Brombeerhecken und von Frühjahr bis Herbst wundeschön blühende Wiese zum Opfer. Ein Vogelparadies und beliebte Auslauffläche der Lokstedter Hundebesitzer. Das diese nun einer toten Fläche wie einem Fussballplatz zum Opfer fällt ist absolut schmerzhaft und ein Riesenverlust. Was man von Ausgleichflächen zu halten hat kann man an den Mini-Kleingartenflächen gleich nebenan bewundern.

  3. @ St. Pauli Willi: „Ein Vogelparadies und beliebte Auslauffläche der Lokstedter Hundebesitzer“ ist ja nun ein Widerspruch in sich. Wenn man sich mal ernsthaft mit der Problematik freilaufender Kläffer in naturnahen Arealen befasst (hat). Ich kann davon bspw. ein Lied hier im Eppendorfer Park singen, wie rücksichtslos viele Hundebesitzer ihre Köter in die Büsche und das Unterholz mit Kleintieren und Bodenbrütern rennen lassen, selbst dort, wo – aus gutem Grunde – absolute Anleinpflicht herrscht. Ist aber tatsächlich hier in der Kollaustraßen-Causa nur ein Nebenschauplatz. Ich betrauere auch die verschwindenden Brombeerhecken und blühenden Wildwiesen…

  4. Als Mitglied eines der „betroffenen“ Amatervereine kann ich absolut nachvollziehen, dass die Konzentration der Nachwuchsarbeit für einen Profi-Fußballbetrieb wichtig ist, alleine schon aufgrund der Anforderungen der DFL.
    Veränderungen gehören zum Leben dazu.
    Missfallen löst bei mir dann allerdings die Art und Weise der Kommunikation aus.
    Dass die betroffenen Vereine erst 2 Tage zuvor informiert werden (und dazu äußerst kurzfristig eingeladen wurde), nun ja – auch das ist irgendwo noch verständlich. Bei solchen Projekten geschieht das meiste eben hinter verschlossenen Türen.
    Dass aber in der PM des FC St. Pauli steht, dass für alle Vereine gesorgt sein, da Verein A nach X zieht und dafür Verein B nach Y – das ist äußerst unglücklich. Für kleine, meist lokal verwurzelte Vereine, macht es schon einen Unterschied, ob man an Standort X oder Y trainiert und spielt. 5 km können in der Realität Welten sein. Ich denke, bei St. Pauli wäre man auch nicht begeistert, wenn da die Info kommt, dass andere entschieden haben, das Millertor zukünftig für Wohnungsbau zu nutzen, man dafür aber die gleichen Bedingungen zukünftig in Wohldorf schaffen wird. So einfach, wie das auf dem Papier klingt, ist das eben nicht. Mal schauen, was die nun eingeleiteten Planungen und Abstimmungen bringen werden. Einfach so zu tun, dass für alle schon bestens gesorgt sein, geht jedenfalls an der Realität vorbei.

    1. Moin Nico,
      Danke für den Beitrag und die Gedanken.
      Bei den Amateurvereinen ist mir das alles auch noch nicht konkret genug, da stehen in der Mitteilung natürlich viele tolle Dinge, die in der Praxis dann auch erst mal umgesetzt werden müssen.
      Von den Fußballplätzen wird ja glücklicherweise immerhin keiner „vertrieben“, der zusätzliche Platz am Informatikum ist aber natürlich an der VKS besser an den ÖPNV angebunden, als es der Brummerskamp wäre – und ob da tatsächlich Platz für 2 Fußballfelder ist, wird sich dann zeigen.
      Insofern: Ja, alles was Du schreibst ist richtig bzw sollte mit bedacht werden.

  5. Ich glaube, St Pauli wurde hier in die Falle gelockt.
    Die baseballer wussten von nichts, haben 2 tage vor der PK eine Grafik gezeigt bekommen & kriegen hohle Versprechungen von einer Fläche, die Stand jetzt angeblich nicht mal die notwendigen Maße aufweist. (soviel kann man aus Kommentaren entnehmen, wenn sie denn stimmen)
    Zusätzlich gibt es eine Anwohner Problematik beim Informatikum & eine viel zu dichte Besiedelung für umherfliegende Querschläger.
    Wie sehr sich unsere Clubführing über das geltende Prinzip, dass „Sport keinen Sport verdrängt“ hinwegsetzt & wie rücksichtslos ein kleiner Verein von seiner Heimat verdrängt wird, nach 20 Jahren ehrenamtlicher Arbeit in diesem Stadion, gibt mir schon zu denken.
    Das ist übrigens der einzige Baseballplatz in Hamburg & Landesleistungszentrum.
    Wenn wir eine Randsportart killen, werden wir diese Geschichte nicht wieder los.
    Ich möchte mich nicht als Mörder der kleinen Vereine beschimpfen lassen.
    Wir haben doch eine ganz andere Philosophie….
    Viva St Pauli

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