Ein Punktgewinn, der sich nach weniger anfühlt

Ein Punktgewinn, der sich nach weniger anfühlt

Der FC St. Pauli und der SV Werder Bremen trennen sich 1:1-Unentschieden. Es war ein hochklassiges Spiel, bei dem der FCSP auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer agierte und sich, auch aufgrund einer Fehlentscheidung, leider nicht belohnte. Das ist aufgrund des Spielverlaufs sicher ein gerechtes Ergebnis, aber aus persönlicher Sicht dann schon ein wenig enttäuschend. Einfach, weil drei Punkte so wichtig gewesen wären.
(Titelbild: Cathrin Mueller/Getty Images/via OneFootball)

Ihr lest hier gerade einen mehr oder weniger dahingerotzten Bericht, den ich mit all meinen Emotionen im Bauch einfach mal raushaue. Die Taktik-Analyse, bei der ich die Dinge dann vielleicht wieder ein wenig anders bewerte, folgt dann morgen

Es knisterte vor Anpfiff. Feinstes Aprilwetter, aber pünktlich zur Aufwärmphase zeigte sich am Millerntor die Sonne. Auf den Rängen war es da bereits voll und laut. Nicht nur der gut gefüllte Gästeblock machte bereits vor Anpfiff ordentlich Stimmung, auch die Südkurve war endlich wieder am Start. Und erst jetzt werden wohl alle gemerkt haben, wie sehr ein volles Stadion und organisierter Support von der Süd gefehlt haben. Alles war angerichtet für ein großes Fußballfest.
Spätestens als der Gästeblock vor Anpfiff das Stadion einräucherte und dann auf der Gegengerade eine Tapete mit „Being Best Podcast – Glückwunsch MillernTon“ hochgehalten wurde, war es um mein Herz geschehen. Danke, lieber SupportBlock! Wie hätte dieser Fußballsamstag noch besser werden können?

Ja, wie bloß?! Durch einen berauschenden FC St. Pauli natürlich. Was wir in der ersten Halbzeit, vor allem in den ersten 20 Minuten zu sehen bekamen, war schlicht fantastisch. Zu keinem Zeitpunkt fand Werder Bremen zu einem geordneten Spiel, vor allem das zentrale Mittelfeld des FCSP war griffig ohne Ende. Was lange Zeit fehlte, war der letzte Pass. Aber davon ließ sich niemand beirren. Das Team zog seinen Plan einfach weiter durch. We call it Selbstvertrauen! Oder aus Bremer Sicht ein freundlich gemeintes: Welcome to the hell of St. Pauli!

Daniel-Kofi Kyereh (R) of FC St. Pauli scores his sides first goal during the Second Bundesliga match between FC St. Pauli and SV Werder Bremen at Millerntor Stadium on April 09, 2022 in Hamburg, Germany.
Das zu diesem Zeitpuinkt hochverdiente 1:0 durch Daniel-Kofi Kyereh.
(Cathrin Mueller/Getty Images)

Ja, Werder hatte sicher einige große Chancen zwischen der 20. und 35. Minute. Aber spielbestimmend war der FCSP. Einige Minuten vor der Halbzeit hatte erst Schiedsrichter Badstübner eine wohl weltexklusive Interpretation eines Zweikampfes und entschied nicht auf Elfmeter für den FC St. Pauli (den Kontakt konnte man sogar auf dem Feldstraßenbunker noch sehen). Kurze Zeit später belohnte sich das Team dann aber für eine herausragende erste Halbzeit. Paqarada zischte den Ball perfekt von links in den Fünfer und Kofi vollendete – BÄM, 1:0! Als Tabellenführer ging der FC St. Pauli in die Halbzeitpause.

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Auch zur zweiten Halbzeit zeigte der Gästeblock, dass sich in den letzten zwei Jahren ein paar pyrotechnische Materialien angestaut hatten. Auch das sorgte bei mir für Vorfreude auf die zweite Halbzeit.
Die wurde dann aber recht schnell getrübt: Werder erzielte das 1:1 und, wie auch schon in der ersten Halbzeit beim Foul an Burgstaller, war es erneut eine enorm kritische Entscheidung: Auf der linken Seite wollte Agu an Beifus vorbeigehen, legte sich den Ball aber an die Hand, sodass dieser die Richtung wechselte und Beifus tunnelte. Dass es ein regelwidriges Handspiel war, dürfte absolut unkritisch sein und nicht nur aus meiner Sicht hätte das Tor zurückgenommen werden müssen (Twitter) – Ich gebe mir immer große Mühe auf der Pressetribüne einigermaßen ruhig zu bleiben, aber diese Situation war zu viel für mich. Erst Pressetribüne zusammenschreien, dann aufatmen als Badstübner in die Review-Area ging, nur um einige Sekunden später wieder rumzuschreien – What the actual Fuck?! 1:1.

Der ganze Drive, der ganze Druck auf den Gegner, die ganze Spielfreude waren auf Seiten des FC St. Pauli erstmal weg. Nach vorne ging nun vorerst nichts mehr. Aber in dieser Phase zeigte sich die Abwehr des FCSP enorm stabil. Ziereis und Medić konnten den Großteil der Bälle sehr stabil wegverteidigen. Das war, gegen das wohl beste Sturm-Duo der Liga, eine richtig starke Leistung.

Erst in der Schlussphase entwickelte sich wieder ein offenes Spiel, weil Braun-Weiß wieder stärker aufkam und in Form von Umschaltmomenten einige Male brandgefährlich werden konnte. Aber Guido Burgstaller kann gegen Werder Bremen weiterhin kein Tor erzielen und für Igor Matanović bleibt es einfach eine unglückliche Saison.

Auch Werder hatte noch einige klare Chancen und so muss man wohl am Ende von einem gerechten Unentschieden sprechen. Ich tue mich aber aktuell schwer damit, diesen Punktgewinn auch als solchen zu begreifen. Bei mir überwiegt da momentan die Enttäuschung über die verpassten Chancen. Über ein irreguläres Gegentor und darüber, dass sich der FCSP nicht in Gänze für ein tolles Fußballspiel belohnte.

Das 1:1 hat aus Sicht des FC St. Pauli für die Saison historische Bedeutung. Werder Bremen ist jetzt das erste (und hoffentlich einzige) Team, welches vom FC St. Pauli aus eigener Kraft nicht mehr eingeholt werden kann. Da Schalke das Parallel-Spiel gegen Heidenheim gewinnen konnte, bedeutet das nun erstmal Platz drei in der Tabelle. Darmstadt kann noch vorbeiziehen, wenn sie das Abendspiel (gegen Nürnberg) erfolgreich gestalten. Der FC St. Pauli ist nun also vom Gejagten zum Jäger geworden und wird sicher mit ordentlich Angriffslust nach Sandhausen fahren.

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Immer weiter vor!
// Tim

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9 thoughts on “Ein Punktgewinn, der sich nach weniger anfühlt

  1. Unerträglich (nicht nur in diesem Spiel und nicht nur bei uns) dass es trotz VAR zu solchen Entscheidungen kommt.
    Ein Schiedsrichter greift in die Meisterschaft ein…..traurig

  2. Es ist am Ende ein gerechtes Ergebnis, allerdings hätte dieses SO nie zustande kommen dürfen! Meine Güte, was zum Deibel veranstalten die da im Keller und was zum Teufel erlauben Badstüber? Guckt sich das Mega-arrogant 2 Sekunden an und entscheidet dann allen Ernstes auf Tor. Kannste Dir nicht ausdenken..War nicht im Stadion, dem SKY-Reporter war spätestens nach der zweiten Wiederholung klar, das kann einfach kein Tor sein, aaaber was macht der Schiri denn da?? Und, immer wieder Tim, Matanovic spreche ich nun aber endgültig die Zweitligal-Tauglichkeit ab. Tja, wat nu is die Frage? Schalke marschiert, die Lilien schätze ich auch, bleibt am Ende vielleicht noch die Relegation, zum Glück ja ohne drittes Spiel (remember schmerzhaft auf Schalke gegen Stuttgarter Kickers)

    1. Wird alles. Sandhausen möchte dienstältester Zweitligist werden und die drei Punkte werden einfacher zu holen sein, als weiche Butter zu schneiden, oder so… hoffentlich…

  3. Danke für die schnelle Analyse.
    Mir fällt es heute wirklich richtig schwer dies Ergebnis und die Entscheidung vorm 1:1 zu akzeptieren.
    Bin immer noch mega genervt

  4. Gute Leistung. Leider nicht belohnt.
    Einzelspieler, die sich wirklich mal hätten zeigen können, wieder nix hin bekommen.
    Letztendlich ist zu sagen, dass man Möglichkeiten, die du super erspielt wurden, auch zumindest zum Abschluss gebracht werden müssen.
    Ein Punkt ist gefühlt wirklich zu wenig.
    Denke aber, das klappt alles…….
    geile Truppe 💪

    1. Ja, das war defitniv ein Problem, dass es unzählige Aktionen gab, bei denen nur der letzte Pass fehlte. Besonders in der ersten Halbzeit gab es die gefühlt im Minutentakt

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