Dumm oder rachsüchtig? Mindestens unprofessionell.

Dumm oder rachsüchtig? Mindestens unprofessionell.

Beim FC St. Pauli wurden in den letzten Tagen wiederholt Infos an die Presse durchgesteckt. Wer dahinter steckt ist unklar. Sicher ist aber, dass es sich dabei um mutwillige Schädigung handelt. Denn für den 1. FC Nürnberg waren die zuletzt durchgesickerten Infos Gold wert. Was für ein Mist.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Bevor wir hier morgen eine Analyse veröffentlichen, bei der wir die sportlichen Gründe für die schwächere Rückrunde beleuchten, muss ich einmal meinen Frust loswerden. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass es einen Maulwurf irgendwo beim FC St. Pauli gibt. So kann ich dort zumindest einen Teil meiner Enttäuschung abladen. Denn sicher ist, dass diese Person (oder die Personen?) dem Verein Schaden zugefügt haben (und sich selbst auch, aber ich fürchte, dass diese Tragweite der Aktion nicht erschlossen werden kann).

Es gehört zum Fußballgeschäft dazu, dass Interna an die Presse gelangen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Auch beim FC St. Pauli passiert(e) das immer wieder. Ist nicht schön, aber so läuft das nun mal (nicht nur im Fußballgeschäft). In den meisten Fällen gibt es auch ein Interesse daran, dass solche Infos nach draußen gelangen. Denn niemand dürfte so doof sein und – wie in diesem Fall – interne Infos an ein Medium weitergeben, welches keine Skrupel hat diese auch zu veröffentlichen, wenn man keinen eigenen Vorteil daraus zieht. Das Verhalten gegenüber der Presse dürfte so etwas wie der Grundkurs der Medienschulung in einem Proficlub sein. So kann also bei den letzten Vorfällen dieser Art beim FC St. Pauli ausgeschlossen werden, dass es sich dabei um ein Versehen handelt. Aber warum ist das so problematisch?

Wissen ist Macht

Dass interne Details um Verhandlungen zu Prämien oder die Lage bei auslaufenden Verträgen hinausposaunt wurden, ist bereits ziemlich uncool (wir hatten dazu schon was geschrieben). Das dürfte aber eher wenig Einfluss auf die Leistung auf dem Platz gehabt haben, wenn alle damit so professionell umgegangen sind, wie sie sollten. Das Weitergeben von Infos zu ausfallenden Spielern kurz vor einem so wichtigen Spiel wie gegen Nürnberg, dürfte aber schon Einfluss genommen haben. Vermutlich nicht auf die eigene Leistung, aber auf die des Gegners.

Der Verein kommuniziert seit einiger Zeit die Ausfälle von Spielern nicht mehr bzw. nicht direkt vor einem Spiel. Wenn es sich um einen längeren Ausfall handelt, dann wird das schon kommuniziert, aber eben meist erst nach dem nächsten Pflichtspiel. Damit möchte man dem Gegner nicht helfen bei der Vorbereitung. Dieser soll erst kurz vor Anpfiff erfahren, dass Spieler XYZ nicht im Kader steht. Das erschwert die Vorbereitung auf das Spiel und davon erhoffen sich die Verantwortlichen beim FC St. Pauli einen Vorteil.
Ich hätte auch lieber alle Infos darüber, wer wie fit und spielfähig ist, klar. Aber ich kann dieses Vorgehen des FCSP in Sachen Kommunikation von Verletzungen voll und ganz nachvollziehen.

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Vor diesem Hintergrund muss das, was sich in den letzten Tagen abgespielt hat, eigentlich schon als Sabotage bezeichnet werden. Denn die Infos über die Verletzung von Guido Burgstaller und den positiven Coronatest von Philipp Ziereis dürften in Nürnberg wohlwollend zur Kenntnis genommen worden sein. Nicht nur, weil damit zwei wichtige Spieler fehlten, sondern vor allem, weil sich der FCN mit dieser Info sehr viel besser auf das Spiel vorbereiten konnte.

Das nennt sich Sabotage

Wer kann an solchen Aktionen ein Interesse haben? Die Scheinwerfer fallen bei dieser Frage sofort auf jene, deren Zukunft beim FC St. Pauli unsicher ist. Denn warum sollte jemand aus dem Team oder dessen Umfeld sonst so wichtige Infos rausdrücken? FCSP-Präsident Oke Göttlich wurde vor dem Spiel gegen Nürnberg am Sky-Mikro deutlich und sagte, dass jemand sein persönliches Wohl über das der Mannschaft stellen würde. Das trifft es ganz gut, finde ich. Denn hier geht es um mutwillige Störung, nicht darum, dass aus Versehen Dinge erzählt wurden. Der Tatbestand der Sabotage scheint damit erfüllt.
Fraglich ist, ob hier jemand eine Art Rachefeldzug durchzieht oder ob es dabei um individuelle Interessen geht. Das Ping-Pong-Spiel um interne Infos im Gegenzug für Gefälligkeits-Artikel muss ich hier sicher niemandem erklären.

Ich kann nicht verstehen, wie jemand so dermaßen kurz gedacht haben kann. Denn sicher ist doch auch, dass man, wenn man Teil eines Aufsteigers ist, sehr viel bessere Chancen auf Verträge bei anderen Clubs haben wird, nach der Saison. Und von den Spielern, deren Verträge auslaufen, waren sogar die meisten am Wochenende im Einsatz, konnten also auch einen direkten Beitrag leisten. Warum sollte da also jemand sowas tun? Das verstehe ich einfach nicht. Die Scheinwerfer dürften oder sollten sich also nicht nur gen Spieler richten.

Auch wenn unklar ist, wer genau hier die Infos rausgibt, sicher ist: Entweder scheint da jemand mega dumm oder von Rachsucht zerfressen zu sein. Möglich ist beides, in jedem Fall ist es unprofessionell. Den folgenden Satz könnt ihr euch denken, aber ich schreibe ihn trotzdem aus: Die Person, die wiederholt Infos an die Presse durchsteckt, darf sich schnellstmöglich verziehen. Dieses Verhalten ist aus meiner Sicht unverzeihlich.

// Tim

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10 thoughts on “Dumm oder rachsüchtig? Mindestens unprofessionell.

  1. Ich glaube die Frage „Cui bono“ hilft in dieser Frage nicht zwingend weiter. Die Gründe für das Durchstecken von Informationen können sehr vielfältig sein.

    1. Ja, daran überlege ich auch schon einige Zeit. Was fallen dir denn für Gründe ein?
      Denkst du da, dass das Medium da größere Interessen verfolgt?

      1. Ein Faktor könnte sein, dass dieses Medium in jüngerer Vergangenheit vom Verein immer mehr „ausgeladen“ wurde…
        Ist ja z.B. schon seit einiger Zeit nicht mehr im offiziellen Pressespiegel auf der Homepage.
        Und ich bekomme öfter mal Artikel und Meldungen zugeschickt, die durch die Bank eher negativ ausfallen.
        Verletzter Stolz? Kindische Rache? Oder die gute alte „Niedertracht“…?

  2. Für mich ist es eigentlich müßig darüber zu diskutieren, da alles im Bereich der Spekulation bleibt.

    „Denn sicher ist doch auch, dass man, wenn man Teil eines Aufsteigers ist, sehr viel bessere Chancen auf Verträge bei anderen Clubs haben wird nach der Saison.“

    Genau, wer zum Stamm gehört, macht ordentlich Werbung in eigener Sache. Wer nicht dazugehört, zeigt eben genau das Gegenteil. Er ist nicht gut genug für eine Aufstiegself. Beim Nichtaufstieg kann er dann wenigstens sagen, mit mir hätte es bestimmt geklappt.

    Aber wie gesagt, alles müßig. Am End habe ich mich jetzt nur daran beteiligt irgendeinen Teil der Mannschaft (des Staffs etc.) zu verdächtigen. Es kann tausende Gründe geben und die meisten werden wir nicht ansatzweise nachvollziehen können.

    Das hilft alles niemandem weiter!

    1. Ja, ich gebe dir durchaus recht, es hilft niemandem weiter darüber zu spekulieren. Aber das tue ich auch nicht in dem Text (zumindest sollte es nicht so rüberkommen). Ich störe mich einfach daran, dass irgendwer mindestens unvorsichtig ist, eher sogar noch schlimmer. Und am Sonntag war das für mich das passende Ventil, um mal ein wenig Druck abzulassen nach all dem sportlichen Frust.

  3. Vielleicht ist es aber auch alles viel einfacher, aber mindestens genau so dumm…
    Spieler XY kommt abends nach Hause, erzählt der Freundin/dem besten Freund wer sich beim Training die Haxen geprellt hat.
    Freundin/Freund erzählt es am nächsten morgen dem wirklich besten Kumpel und allergrößten St.Pauli Fan, aber PSSST
    …. nur das der dann finanzielle Sorgen oder/und kein Gewissen hat. Dieser klingelt dann bei Springer durch und ist wohl doch nicht der allergrößte Fan…

    1. Ja, sowas ist natürlich auch alles möglich. Ich bin aber nicht sicher, ob diese Drei-Ecken-Kommunikation nicht sogar für das betreffende Medium zu unsicher ist, um solche Artikel rauszuhausen. Daher vermute ich den Maulwurf mindestens näher dran am Kader

  4. Ich will/ muss ein ein wenig St. Pauli bei unseren Spielern und Angestellten glauben und tippe auf Beratern, den alles egal ist. Sonst kannst du den ganzen Kram doch echt vergessen.

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