Bericht von der Kollaustraße, 02.05.2022

Bericht von der Kollaustraße, 02.05.2022

Es war schon recht dünn, was die Anzahl an Sporttreibenden auf dem Rasenplatz an der Kollausstraße anging. Der FC St. Pauli musste auf eine ganze Reihe an Spielern, die meisten corona-bedingt, verzichten. Es ist aber nicht ganz klar, wer nun genau positiv getestet wurde.

Ich war zu spät. Dabei war ich extra früh losgefahren. Aus St. Pauli kommend geht es ja hoch in Richtung Stadion Hoheluft und diesen knallharten, unbarmherzigen, 40m langen 1,7%igen Anstieg „baller“ ich normalerweise immer im vierten meines Sechs-Gänge-Super-Drahtesels hoch (häh, sechs?! Ja, der siebte ist schrott, fragt nicht). Aber Corona, naja, Montag war mein erster richtiger Tag draußen nach fast zehn Tagen abschimmeln auf der Couch. Couch? Schön wär’s! Es war eher abschimmeln in Kinderzimmern mit nicht ausgelasteten Kindern, die mich zwischen „Plastik-Glitzer-Einhorn-Seepferdchen (mit Flügeln!)“-Dings und „Schau-ich-mache-Geräusche-und-kann-leuchten“-Bums in den Wahnsinn trieben.

Nein, ehrlich gesagt war es nicht so schlimm. Es war eigentlich sogar sehr schön, trotz Klimper-Spielzeug und Glitzerkram. Denn wir hatten wohl Glück, da niemand wirklich lange und doll krank war (ich persönlich hatte gar keine Symptome). Und ich weiß nun, dass wir es als fünfköpfige Familie tagelang in einer Wohnung aushalten, ohne, dass irgendwer irgendwem den Kopf abreißen will. Das ist doch auch eine hilfreiche Erkenntnis, oder?

Fuß! Ball!

Was aber schlimm war, um jetzt hier mal von allen Sentimentalitäten runter zu kommen – denn das bisher Geschriebene hat mit FUß! hat mit BALL! hat mit FUßBALL nichts zu tun! – war der Berg hoch zur Hoheluft. Ich absolvierte ein Steher-Rennen gegen mich selbst, aber umgekehrt, also ohne jegliches Tempo. Aber der wache Geist pushte den schlaffen Körper zu Höchstleistungen.

Natürlich war ich weit nicht der einzige, der sich an diesem Montag an der Kollaustraße blicken ließ. Als ich ankam gab es bereits munteres Brüten über Listen mit Spielernamen, die entweder fehlten, gesichtet wurden (aber nicht auf dem Platz waren) oder gänzlich unbekannt waren. Viele wollten aus erster Hand erfahren, wer denn da nun so alles fehlt. Und das ist natürlich an diesem Tag auch das wichtigste gewesen. So beginnt der Bericht vom Training des FC St. Pauli mit einer ausführlichen Auflistung des Personals. Folgende 13 Spieler waren gestern beim Training:

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  • Dennis Smarsch
  • Sören Ahlers
  • Daniel Adamczyk (Probetraining, 19-jährigerTorwart bei der zweiten Mannschaft vom Effzeh)
  • Jakov Medić
  • Marcel Beifus
  • Leart Paqarada
  • Afeez Aremu
  • Franz Roggow
  • Jackson Irvine
  • Daniel-Kofi Kyereh
  • Igor Matanović
  • Lennart Appe (U19)
  • Til Kauschke (U19)

Ebenfalls an der Kollaustraße beim individuellen Training gesichtet wurden Rico Benatelli, Luca Zander und Simon Makienok, sodass bei diesen Spielern Hoffnung auf einen Einsatz am Wochenende besteht. Auch Christopher Avevor absolvierte ein Reha-Training auf dem Nebenplatz, aber da gibt es keine Hoffnung auf einen Einsatz. Jannes Wieckhoff und Sebastian Ohlsson dürften aufgrund ihrer langfristigen Verletzungen nicht dabei gewesen sein (ich nehme sie zumindest aus der folgenden Rechnung raus).

Somit fehlten beim Training insgesamt 13 Spieler:

  • Guido Burgstaller
  • Eric Smith
  • Finn Ole Becker
  • Niklas Jessen
  • Marcel Hartel
  • Etienne Amenyido
  • James Lawrence
  • Nikola Vasilj
  • Adam Dźwigała
  • Philipp Ziereis
  • Lars Ritzka
  • Lukas Daschner
  • Christopher Buchtmann

Die Frage, die wir hier nicht beantworten können: Wer von diesen Spielern gehört nun zu den positiv-getesteten? Einzig bei Ziereis gibt es Gewissheit. Der Verein berichtete von insgesamt zehn Fällen bei den Spielern, aber die Liste umfasst 13 Spieler, die gestern nicht zu sehen waren. In der Liste sind auch Burgstaller und Smith, die theoretisch auch dazu zählen könnten, wenngleich sie aktuell verletzt sind. Timo Schultz kam während des Trainings vorbei und sagte, dass „zwei oder drei“ Spieler individuell trainieren würden. Wer das aber ist und ob da das Trio Makienok/Benatelli/Zander mit reinzählt – keine Ahnung. Wir müssen da also wohl ein wenig im Dunkeln tappen. Vielleicht gab es auch weitere positive Tests, die (noch) nicht kommuniziert wurden? Am heutigen Dienstag ist erneut Training. Womöglich gibt es da bereits weitere Erkenntnisse.

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Wenig los an der Kollaustraße – Es konnte sogar ein 5vs5 gespielt werden und niemand musste am Seitenrand stehen.

Kommen wir zum eigentlichen Thema dieser Rubrik, dem Training. Das war, angesichts der Personallage, aber eher unspektakulär und ehrlich gesagt war auch merklich wenig Luft drin. Die Torhüter absolvierten ein separates Programm und die Feldspieler machten ein ausgedehntes (haha) Warm-up, gefolgt von leichten Passübungen.
Dann gab es ein 7vs4 mit wechselnden Zugehörigkeiten auf kleinem Feld und es folgte eine etwas komplexere Übung mit einem 3vs3vs3vs3 auf kleine Tore (Loïc Favé und Fabian Hürzeler füllten die Teams auf) mit ebenfalls wechselnden Zugehörigkeiten und einer notwendigen Anzahl an erfolgreichen Pässe, ehe Tore erzielt werden konnten.

Zum Abschluss gab es ein Spiel auf große Tore im 5vs5 mit jeweils einem Torhüter. Auch hier gab es wechselnde Regeln (z.B. zwei Kontakte, nur ein Kontakt im letzten Drittel, Tore von Kauschke / Appe zählen doppelt). Diese Regeln wurden aber von Timo Schultz mit solch einer gnadenlosen Willkür durchgesetzt, dass ich zwischendurch geneigt war „Afeez hatte drei Kontakte“ rein zu rufen. Hab ich mich natürlich nicht getraut. Highlight des Trainings war sicher der Fernschuss von Til Kauschke, der unhaltbar im linken Winkel einschlug und seinem Team die doppelte Punktzahl bescherte. Ansonsten auch ein Highlight in Zeiten dünner Kader: Niemand hat sich verletzt.

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Ich bin sehr gespannt, wie das Team am Wochenende aussehen wird. Ich bin gespannt, wer von den am Montag fehlenden Profis noch einsatzbereit ist. Acht Feldspieler (+ zwei U19-Spieler) und zwei Torhüter dürften etwas knapp sein. Wenn aber noch Spieler, die gestern nicht mit dem Team trainierten, aber nicht corona-positiv sind, zurückkehren, dann könnte zumindest die erste Elf schlagkräftig werden. Immerhin gibt es keinen Mannschaftsteil, der komplett ausfällt, sondern für jede Position ist zumindest theoretisch jemand da, der diese auch schon mal gespielt hat. Ich hoffe in jedem Fall sehr, dass nun alle gesund bleiben und alle anderen schnell gesund werden.

// Tim

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4 thoughts on “Bericht von der Kollaustraße, 02.05.2022

  1. Danke, Tim für Deinen unermüdlichen Einsatz.
    Wann kommt eigentlich Dein erstes Buch „Kurzgeschichten: Lust und Leid eines Kollau-Radlers“ heraus?

    Aber zum Thema: eigentlich ist es doch wurscht, wer wegen CORONA oder wegen Verletzung oder Bocklosigkeit ausfällt. (Natürlich wünsche ich in allen drei Fällen allen einen milden Verlauf)
    Für die Jungs der U23 wird es ein unvergessliches Erlebnis sein, „auf Schalke“ vor gefühlt 100.000 Zuschauern (naja, fast) zu spielen;
    ich gönne es jedem.
    Läuft alles relativ normal, werden wir zum Abschluss 5. bis 7. der Tabelle und werden unserer Jungs am 15.05. auch nach einem möglicherweise erbärmlichen Kick gegen Dü´doof für die tolle Hinserie abfeiern.
    Da haben wir Fußball von unserer Mannschaft gesehen, den wir so nicht kannten und der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird

    Mein Fokus liegt eigentlich bereits seit dem Rostock- Spiel auf dem Aussehen unser Team in der kommenden Saison. Das ist meine Spannung für den Frühsommer.

    FCSP- es gibt ja eh keine andere Möglichkeit.

    Greetz

    1. Schön, dass Du bereits einen Schritt weiterdenkst. Ich bin da ja noich gefangen in „wenn wir die beiden letzten Spiele doch gewinnen sollten, dann…“ 😉

  2. Das Ziel muss ein Sieg auf Schalke sein – egal wer spielt! Und auch auch der Aufstieg darf noch nicht abgeschrieben werden. Sonst könnte man ja gleich in der Freizeitliga antreten.

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