Der FC St. Pauli steigt auf, wenn…

Der FC St. Pauli steigt auf, wenn…

Es ist nicht das wahrscheinlichste Szenario, aber der FC St. Pauli kann weiterhin aufsteigen, auch direkt. Was dafür an den letzten beiden Spieltagen passieren muss, haben wir uns mal angeschaut.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Ja, es gibt sie noch, die Chance aufsteigen. Den Frust der letzten fünf Spiele habe ich abgeschüttelt. „Immer weiter vor“ und so. Solange der FC St. Pauli rechnerisch aufsteigen kann, werde ich auch nicht aufgeben, daran zu glauben. Corona und Formkurve hin oder her. Sicher ist aber, dass es der FCSP nicht mehr selbst in der Hand hat, sondern auch auf die Ergebnisse auf den anderen Plätzen angewiesen ist. Aber was genau muss eigentlich passieren, damit der Aufstieg noch gelingt?

Bevor wir hier in Euphorie verfallen: Es ist extrem unwahrscheinlich, dass der Aufstieg, vor allem der direkte, noch gelingt. Von fivethirthyeight wird eine zweiprozentige Wahrscheinlichkeit dafür angegeben. Der Fall eines direkten Aufstieges (Szenarien gibt es gleich) erscheint fast unmöglich. Der Sprung auf Platz drei natürlich schon eher. Aber über die Relegation aufzusteigen ist dem Zweitligisten nur dreimal in den 13 Jahren seit Wiedereinführung dieses aus meiner Sicht ziemlich schäbigen Konstrukts gelungen.
Machen wir uns also nichts vor, im Hintergrund dürften die Planungen für die neue Zweitligasaison bereits volle Fahrt aufgenommen haben. Alles andere wäre auch unvernünftig. Aber rechnen (und träumen) darf ich auf jeden Fall. Also:

Der FC St. Pauli steigt direkt auf, wenn…

er beide Spiele gewinnt, sollte man meinen. Aber so einfach ist das nicht. Denn das allein reicht nicht. Nicht nur zwei eigene Siege müssen her, sondern auch die anderen Teams müssen entsprechend „liefern“.
Ich gehe jetzt zur Vereinfachung mal davon aus, dass der FC St. Pauli (+14) maximal Werder Bremen (+17) in Sachen Torverhältnis noch einholen könnte. Darmstadt (+23), Schalke (+26) und der HSV (+30) sind da einfach sehr weit weg. Aber nach dem 7:0-Sieg auf Schalke können wir da natürlich nochmal drüber reden.

… alle andere verlieren!

Die einfachste und von mir auch klar favorisierte Variante. In diesem Fall würde man sogar Meister werden und die, nur dann nicht wertlose, Radkappe gewinnen.
Der FC St. Pauli wäre in diesem Fall mit 60 Punkten Tabellenerster. Schalke würde mit 59 Punkten folgen und Darmstadt käme mit 57 Punkten aufgrund des besseren Torverhältnisses (wenn sich daran nichts verändert) punktgleich vor Werder in die Relegation.

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Schön wäre es, aber, naja, die Wahrscheinlichkeit dieses Falles dürfte im niedersten Promille-Bereich liegen. Aber Chance ist Chance und es gibt noch andere Szenarien eines direkten Aufstieges. Ich persönlich steige zur Not auch ohne Radkappe auf. Also: Der FC St. Pauli steigt direkt auf, wenn…

  1. er beide Spiele gewinnt und damit an mindestens noch drei Teams vorbeiziehen kann. Dafür müssten drei der folgenden vier Fälle eintreten:
    HSV holt maximal vier Punkte
    Darmstadt holt maximal zwei Punkte
    Werder holt maximal zwei Punkte (bei schlechterem Torverhältnis sind auch drei Punkte möglich)
    Schalke holt gar keinen Punkt mehr
  2. er vier Punkte aus den letzten beiden Spielen holt und damit noch an drei Teams vorbeiziehen kann. Das würde aber bedeuten, dass Schalke 04 nicht mehr einholbar ist. Es müssten sämtliche der folgenden drei Fälle eintreten:
    HSV holt maximal drei Punkte
    Darmstadt holt gar keine Punkte
    Werder holt gar keine Punkte (bei schlechterem Torverhältnis ist auch ein Punkt möglich)
Selbst sechs Punkte holen und alle anderen verlieren einfach alles. Dann darf sich der Blick nach oben richten, Timo.
(c) Peter Böhmer

Zugegeben, das sind alles sehr unwahrscheinliche Szenarien. Vor allem dann, wenn man auf das Restprogramm der Clubs schaut. Denn abgesehen vom Duell Schalke gegen St. Pauli am kommenden Spieltag, dürfte es sich für alle um sogenannte „Pflichtaufgaben“ handeln:

  • FC Schalke 04
    FC St. Pauli (H), 1. FC Nürnberg (A)
  • SV Darmstadt 98
    Fortuna Düsseldorf (A), SC Paderborn (H)
  • SV Werder Bremen
    Erzgebirge Aue (A), Jahn Regensburg (H)
  • Hamburger SV
    Hannover 96 (H), Hansa Rostock (A)
  • FC St. Pauli
    Schalke 04 (A), Fortuna Düsseldorf (H)

Sehr viel eher, aber ebenfalls ziemlich unwahrscheinlich, ist der Einzug des FC St. Pauli in die Relegation. Hierfür gibt es dann auch gleich mehrere Szenarien, sogar eines, bei dem der FCSP nur noch ein Sieg gelingen muss.

Der FC St. Pauli kommt in die Relegation, wenn…

  1. er beide Spiele gewinnt und damit noch an mindestens zwei Teams vorbeiziehen kann. Dafür müssen zwei der folgenden vier Fälle eintreten:
    HSV holt maximal vier Punkte
    Darmstadt holt maximal zwei Punkte
    Werder holt maximal zwei Punkte (bei schlechterem Torverhältnis sind auch drei Punkte möglich)
    Schalke holt gar keinen Punkt mehr
  2. er vier Punkte aus den letzten beiden Spielen holt und damit noch an mindestens zwei Teams vorbeiziehen kann. Das würde aber bedeuten, dass Schalke 04 nicht mehr eingeholt werden kann. Es müssten zwei der folgenden drei Fälle eintreten:
    HSV holt maximal drei Punkte
    Darmstadt holt gar keine Punkte
    Werder holt gar keine Punkte (bei schlechterem Torverhältnis ist auch ein Punkt möglich)
  3. er drei Punkte aus den letzten beiden Spielen holt und damit noch an zwei Teams vorbeiziehen kann. Auch hier ist Schalke nicht mehr einholbar und Darmstadt aufgrund des um neun Tore bessere Torverhältnisses ebenfalls nicht. Es müssten folgende Fälle eintreten:
    HSV holt maximal zwei Punke
    Werder holt keine Punkte mehr und FCSP holt drei Tore auf sie auf
Deutschland, Dresden, 27.10.2021, Fussball DFB-Pokal 2. Runde, Dynamo Dresden - FC St. Pauli im Rudolf-Harbig-Stadion Jubel bei Leart Paqarada (FC St. Pauli) nach seinem Tor zum 0:1.
Wie breit die Brust sein dürfte, wenn man erstmal 7:0 auf Schalke gewinnt? Leart macht es vor.
(c) Peter Böhmer

Es ist und bleibt alles sehr unwahrscheinlich und bereits am kommenden Wochenende könnten alle Rechenspiele ein jähes Ende finden, wenn auf Schalke nicht gewonnen wird und die anderen Clubs entsprechend punkten (wenn Darmstadt und Werder an dem Spieltag mehr Punkte holen als der FCSP und der HSV drei mehr, dann sind sie alle nicht mehr einholbar).

Ganz grundsätzlich ist es auch gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass selbst die volle Punkteausbeute des FCSP nicht für einen Aufstieg reichen würde. Denn wenn Schalke, Darmstadt und Werder nur eines ihrer beiden Spiele gewinnen, sind sie für den FCSP uneinholbar. Nur beim SVW könnte das Torverhältnis noch eine Rolle spielen. Oder es könnte sogar noch ganz andere Regeln zur Anwendung kommen.

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Die letzten Spiele waren ernüchternd und niederschmetternd, keine Frage. Und ehe es die Möglichkeit gab, den Frust aus diesen Partien zusammen mit einer Portion Trotz in Motivation umzuwandeln, wurden fast ein Dutzend positive Corona-Tests vermeldet. Nun wird der FCSP mit einer Rumpftruppe auf Schalke antreten. Aber drehen wir den Spieß mal um: Wenn wir das jetzt noch schaffen, dann wird es eines der größten Comebacks der FCSP-Geschichte sein. Für mich ist das eine sehr motivierende Vorstellung. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.

Immer weiter vor!
// Tim

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6 thoughts on “Der FC St. Pauli steigt auf, wenn…

  1. Ist finde es auch viel spektakulärer wenn die zweite Garde den Aufstieg eintütet. Mit der ersten Mannschaft aufsteigen kann ja jeder. Hüstel.

  2. Der FC St. Pauli hat sich, bezogen auf die Rückrunde, im Mittelfeld der Tabelle einsortiert. Erwartungen, mit mäßigen Leistungen in der Rückrunde Ansprüche auf einen Aufstieg zu wecken, sind illusorisch und anmaßend. Aber Hoffnungen auf eine gute neue Saison mit einem möglichen Aufstieg sind realistisch und möglich.

  3. Diese Relegation-/Promotion-Playoffs habe ich schon in den
    80ern nicht gemocht. Die älteren SP-Fans werden sich aus
    dem Grund bestimmt auch noch an Gelsenkirchen, das alte
    Parkstadion & die Stuttgarter Kickers ungern erinnern. Aus
    diesem Grund bevorzuge ich Tims-2-SP-Siege-Szenario.

    Hier aber noch eine zusätzliche Challenge: der HSV besiegte
    am letzten Spieltag Ingolstadt mit 4:0. Liest man es auch Sicht
    des FCI, kommt man auf das Gründungsjahr der Ingolstädter
    (2004). Mit unserer momentanen Abwehr ist das zwar richtig
    schwierig, trotzdem klingt ein 4:0 auf Schalke auch nicht utopisch.
    Vielleicht gibt es im FCSP-Rumpfteam ja bessere Verteidiger als
    im FCSP-Kopfteam. Wenn wir den Job in Gelsenkirchen dann
    schließlich erledigt haben werden, bleibt eigentlich nur noch ein 9:5
    am Millerntor gegen die – das passt ja – Fortuna aus Düsseldorf.
    Die Stürmer werden sich dann ja am Spieltag zuvor in der Arena
    warmgeschossen haben, während die Rumpf-Abwehr wieder
    ausgetauscht werden muss (G wie genesen).

  4. Moin Tim, vor der Saison habe ich für Uns mit nem Platz zwischen Neun und Fünf gerechnet, inklusive der Stadtmeisterschaft in LigaZwo. Deine AufstiegsGlücksSpielTheorien hier sind Super zu lesen, aber mal ganz ehrlich, ich will HOPPenheim, Brause, Bayerkusen , VWRadkappen, KatarMünchen und etc. nächste Saison nicht in Unserem Wohnzimmer begrüßen müssen, Sch…. auf die Kohle. Die Fernsehknete macht genau diese Vereine dank der DFL noch reicher und verzerren damit eine Chancengleichheit noch mehr!
    Brauche die BuLi schon lange mehr nicht als Ziel für Unseren magischen FC!
    Forza
    Micky

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