Tschüss, Rico!

Tschüss, Rico!

Nach drei gemeinsamen Jahren trennen sich die Wege von Rico Benatelli und dem FC St. Pauli. Der Vertrag des zentralen Mittelfeldspielers wird nicht verlängert. Wir halten Rückschau auf einen Spieler, der (zu) selten im Rampenlicht stand, aber trotzdem enorm wertvoll war.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Es gibt ja so Spieler, die sieht man ein-zwei Mal auf dem Platz und denkt recht schnell: „Ach, den hätte ich gerne bei uns!“. Maik erzählte mir mal, dass Rico Benatelli so ein Spieler für ihn gewesen sei – und zwar nicht etwa aufgrund seiner Zeit bei Aue, Würzburg oder Dresden, sondern schon als er für den BVB II in der 3. Liga spielte (2012/13). „Diese Ballbehandlung, diese Sicherheit – man hat stets gesehen, dass der Ball sein Freund ist.“ Ja, so in etwa kann man das ausdrücken. Umso größer war seine Freude, als er „nur“ sieben Jahre später dann tatsächlich bei uns unterschrieb.

Rico Benatelli und der FC St. Pauli – das war aber direkt zu Beginn erstmal eine schwierige Beziehung. Denn Benatelli wurde noch von Uwe Stöver ans Millerntor geholt. Bereits im März 2019 wurde der Wechsel zum kommenden Sommer kommuniziert. Das Problem: Als Benatelli dann im Sommer kam, waren weder Stöver, noch Trainer Markus Kauczinski beim FC St. Pauli. Jos Luhukay und Andreas Bornemann hatten nun die sportliche Verantwortung übernommen.

Zu allem Überfluss verletzte sich Benatelli zu Beginn der Vorbereitung am Oberschenkel und verpasste dadurch den Saisonstart. Selbst als er wieder fit war, fand er sich dann in der Hinrunde 19/20 meist auf der Tribüne wieder. Seinen ersten Einsatz für den FC St. Pauli feierte er Mitte Dezember, als er gegen Wehen Wiesbaden eingewechselt wurde.
Danach ging es aus persönlicher Sicht sportlich aufwärts: Luhukay hatte nach Ende des Wintertrainingslagers sogar ein Sonderlob für Benatelli verteilt und in der Rückrunde kam er in 14 Spielen, davon neunmal in der Startelf, zum Einsatz.

(Kein) Tor für die Ewigkeit

Wenn ich an besondere Momente von Rico Benatelli im Trikot des FC St. Pauli denke, dann fallen mir zwei Tore ein – von denen aber nur eines zählte. Im Februar 2020 erzielte er im Stadion-der-vielen-Namen das vermeintliche 3:0 für den FCSP, welches dann aber aufgrund einer sehr zweifelhaften Abseitsentscheidung nicht gegeben wurde. Die Freude und die Bilder, die dabei entstanden sind: unbezahlbar.

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Fußball, 2. BL, Hamburger SV - FC St. Pauli GER 2. FBL, Hamburger SV vs 1.FC Pauli / 22.02.2020, GER 2. FBL, Hamburger SV vs FC St. Pauli
Freude pur bei Rico Benatelli.
(nordphoto/Witke/imago images/via OneFootball)

Bevor hier jetzt aber der Bogen gespannt wird, dass die Aktion, die eine Aktion, die wir von Rico Benatelli in Erinnerung behalten werden, ein Nicht-Tor sein wird, möchte ich das zweite Tor anführen: Anfang 2021, der FC St. Pauli steckt bis zum Hals im Abstiegskampf und muss auswärts in Würzburg ran. 0:1 hinten und in Unterzahl steht das Team auf dem Platz und kommt, angetrieben von Benatelli durch ein Tor von ihm noch zum Ausgleich. Ein Punkt, der nicht direkt half, der aber in der Nachbetrachtung von vielen als Kippelement einer erfolgreichen Rückrunde bezeichnet wird.

Sowieso war die Rückrunde der letzten Saison für Rico Benatelli besonders. Denn als alleiniger Sechser zeigte er Woche für Woche, dass er sehr viel mehr ist, als einfach nur ein Ballträger. Benatelli überzeugte, trotz aller körperlichen Defizite, auch auf ungewohnter Position und sorgte mit dafür, dass es beim FC St. Pauli bereits mit Beginn des Frühjahrs keinerlei Abstiegssorgen mehr gab.

Genau diese Leistung wird gerne vergessen. Denn zwischen all den leuchtenden und spektakulären Spielern ist Rico Benatelli dann eher völlig unspektakulär. Es gab in dieser Saison mehr als ein Training, bei dem ich mir notierte, dass er fehlt, nur um kurz vor Ende der Einheit festzustellen, dass er die ganze Zeit mitmischte. Diese eher fehlende Präsenz und vielleicht auch das fehlende Risiko mag ihm gern als Nachteil ausgelegt werden, aber auf der anderen Seite tut so ein Spieler einem Team auch sehr gut.

Deutschland, Paderborn, 21.08.2021, Fussball 2. Bundesliga 4. Spieltag, SC Paderborn 07 - FC St. Pauli in der Benteler-Arena Rico Benatelli (FC St. Pauli) im Zweikampf mit Ron Schallenberg
Wenn ich Rico Benatelli mit nur zwei Worten beschreiben müsste? Unspektakulär, aber enorm ballsicher.
(c) Peter Böhmer

Wie wichtig er für ein Team sein kann, hat er mehrfach beim FC St. Pauli gezeigt. Dabei sind es meist die einfachen Dinge, die er nahezu in Perfektion beherrscht. Es gibt nur wenige (in dieser Saison gar keine) Spieler, die eine bessere Passquote haben als Rico Benatelli. Ja, da ist wenig Spektakuläres, aber da sind eben auch wenig Fehler dabei. An wirklich guten Tagen stellt er mit seiner Spielweise so etwas wie das Gleichgewicht zwischen einer mutigen, risikoreichen Offensive und dem kontrollierten, auf Sicherheit bedachten Team dahinter dar. Und trotzdem bleibt irgendwie ein wenig das Gefühl, dass die Ansprüche, die es beim FC St. Pauli an die Positionen im Mittelfeld gibt, eben nicht zu den Fähigkeiten von Benatelli passen.

Lieber Rico, wir wünschen Dir viel Erfolg für die Zukunft und hoffen sehr, dass Du einen Verein findest, zu dem deine Spielweise perfekt passt und Du den FC St. Pauli in bester Erinnerung behältst.
You’ll never walk alone!
// Tim

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2 thoughts on “Tschüss, Rico!

  1. Moin, wie immer auf den Punkt gebracht. Ich habe mich in der letzten Rückrunde „ schockverliebt“ in Rico und war mir ziemlich sicher, dass er einer der Bausteine der neuen Saison werden wird. Er ist dann aus meiner Sicht dem Offensivspektakel der Hinrunde zum. Opfer gefallen. Als er z.B. in Bremen eingewechselt wurde, hat er nichts falsch gemacht, aber mit seiner sicheren Spielweise das Spiel verlangsamt. Vermutlich passt er aus verschiedenen Gründen mit seiner Spielweise nicht in die aktuellen Vorstellungen, sollten wir jedoch (und ich befürchte dies) in der nächsten Saison in Schwierigkeiten kommen, wird genau Rico mit seiner überlegten Spielweise fehlen. Trotzdem vertraue ich dem Team um Bornemann und hoffe das der Plan den sie haben aufgeht.

  2. Die Rückrunde 2021 war tatsächlich hervorragend von ihm. Gerne hätte ich es gesehen, wenn er auf dem Niveau weiter gemacht hätte. Leider hatber das nicht geschafft. Vielleicht auch weil er zu Beginn der Saison auf der 8 spielen musste (bevor Hartel und Irvine dabei waren) und dort die Geschwindigkeitsdefizite mit und gegen den Ball deutlich waren. Er braucht für mich meist zu viele Kontakte, um einen Pass zu spielen und kommt nach Ballverlusten nicht schnell genug in die Defensivposition (siehe auch das 2:3 gegen Schalke).
    2021 habe ich eine andere Intensität bei ihm auf dem Platz gesehen. Mal schauen wo er sich wiederfindet.

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