Vorbericht: Hannover 96 – FC St. Pauli (2. Spieltag, 22/23)

Vorbericht: Hannover 96 – FC St. Pauli (2. Spieltag, 22/23)

Am Samstagabend tritt der FC St. Pauli zum Topspiel bei Hannover 96 an. Während der FCSP einen erfolgreichen Auftakt erlebte, musste Hannover eine Niederlage hinnehmen. Das ist, gemessen an den Ansprüchen, sicher zu wenig für die Gastgeber.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Als Vorbereitung auf das Spiel gegen Hannover 96 hört sehr gerne in das „Vor dem Spiel“-Gespräch von VdS/NdS-Neuzgang Luca mit Tobi vom „Vorwärts nach weit“-Podcast rein.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hannover 96 hatte Timo Schultz positive Nachrichten im Gepäck: Alle Spieler, die für das Spiel gegen Nürnberg einsatzbereit waren, dürften es auch für das Hannover-Spiel sein. Das bedeutet, dass auch Connor Metcalfe und Igor Matanović spielfit sind. Somit fehlen einzig Christopher Avevor, Etienne Amenyido und David Nemeth. Bei den beiden letztgenannten gibt es sogar die „leise Hoffnung“, dass sie nächste Woche wieder am Team-Training teilnehmen können.

Zudem ist Sören Ahlers wieder einsatzbereit und wird in Hannover auf der Bank sitzen. Ebenfalls wieder an Bord nach Ablauf seiner Sperre wird Marcel Beifus sein. Und nach rund einer Woche im Team-Training darf sich Betim Fazliji Hoffnungen auf einen Startelf-Einsatz machen. Schultz habe in dieser Zeit einen „sehr sehr tollen Menschen“ kennengelernt und einen Spieler mit „viel Qualität am Ball“, der die „Ambition haben sollte von Anfang an zu spielen“.

Hannover 96: Wer kann spielen, wer fehlt?

Die Pressekonferenz von Hannover 96 vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli steigt am Freitag, also nach Erscheinen dieses Artikels. Daher greife ich mal auf das zurück, was es letzte Woche und im Laufe der Woche aus dem Lazarett zu berichten gab:

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Ekin Celebi (muskuläre Probleme), Tim Walbrecht (Sprunggelenk, trainierte individuell), Enzo Leopold (Zehenverletzung), Sebastian Ernst (Achillessehnenriss) und Gaël Ondoua (trainierte individuell nach Schlag auf’s Knie) könnten ausfallen für das Spiel. Bei einigen ist das sicher, bei anderen dürfte ein Einsatz möglich sein. Abgesehen von Ondoua würde Hannover 96 allerdings kein Stammspieler fehlen (und selbst Ondoua dürfte nicht unumstritten sein).

Was hat Hannover zu bieten?

Viele Fragezeichen. Denn der Kader wurde zur neuen Saison massiv umgebaut und dürfte auch noch in den nächsten Wochen etwas ruckeln, wie es üblich ist bei Kadern, die neu zusammengestellt wurden. Sicher ist aber, dass allein aufgrund der Qualität der Neuzugänge die Ansprüche bei den Niedersachsen nicht gesunken sein dürften.
Angesprochen auf die Erkenntnisse, die der FC St. Pauli noch aus den Spielen aus der Vorsaison (zwei Niederlagen, 0:4 Tore) ziehen kann, sagte Timo Schultz: „Neue Mannschaft, neuer Trainer, man kann es überhaupt nicht mehr mit der Vorsaison vergleichen“. Stattdessen erinnert er sich lieber an die Saison 20/21, als es dem FCSP gelang in Hannover mit dem Last-Minute-Treffer von Matanović den ersten Sieg nach langer Durststrecke einzufahren.

In der Vorsaison erlebte Hannover 96 fast ein Desaster, als der Club lange Zeit nach unten schauen musste, obwohl eher der Aufstieg geplant war. Mit Jan Zimmermann hatte man im Sommer einen talentierten Trainer aus der Region verpflichtet, der jedoch laut Tobi im VdS-Gespräch mit der Aufgabe überfordert war und dem das Team Stück für Stück entglitten ist. Christoph Dabrowski wurde Trainer, konnte den Club aber nach gutem Start ebenfalls nicht in sichere Fahrwasser führen. Erst drei Spieltage vor Schluss war der Klassenerhalt sicher. „Schlechter Kader, keine guten Trainer, letztendlich eine enttäuschende Saison.“ lautet das Fazit der Vorsaison von Tobi. Uff.

KAISERSLAUTERN, GERMANY - JULY 15: Havard Nielsen of Hannover celebrates their team's first goal with teammates during the Second Bundesliga match between 1. FC Kaiserslautern and Hannover 96 at Fritz-Walter-Stadion on July 15, 2022 in Kaiserslautern, Germany.
Das neu zusammengestellte Team von Hannover 96 verlor zum Auftakt bei Kaiserslautern mit 1:2.
(Alex Grimm/Getty Images/via OneFootball)

Nun sind mit Max Besuschkow (Jahn Regensburg), Phil Neumann (Holstein Kiel), Louis Schaub (1. FC Köln), Havard Nielsen (Greuther Fürth), Fabian Kunze (Arminia Bielefeld) und Derrick Köhn (Willem II) gleich sechs neue Spieler in den Kader gekommen, die mindestens nahe dran sind an der Startelf. Dazu hat Hannover 96 mit Enzo Leopold, Ekin Celebi, Eric Uhlmann und Antonio Foti vier vielversprechende Talente in den Kader geholt. Zudem ist mit Stefan Leitl (Greuther Fürth) ein neuer Trainer an die Seitenlinien gekommen.

Das ist schon ein richtig kräftiger Umbau, der da vollzogen wurde. Entsprechend dürften auch die Ansprüche gewachsen sein. Allerdings sind die Töne nicht ganz so forsch, wie noch in den Vorjahren: Klub-Boss Martin Kind formulierte ausnahmsweise mal keine Aufstiegsforderung und möchte dem Kader die notwendige Zeit geben. Ob er diese Ruhe auch weiterhin hat, wenn die Saison dann nicht wie gewünscht startet, sei mal dahingestellt (lauter Lacher meinerseits beim Hören des VdS-Gesprächs „[Martin Kind] ist der einzige, der nicht erstligatauglich ist“).

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Der Start ging für Hannover 96 jedenfalls in die Hose. Besonders in der ersten Halbzeit überzeugte das neu zusammengesetzte Team nicht und verlor trotz spätem Ausgleich ganz spät noch mit 1:2 beim 1. FC Kaiserslautern. Insgesamt war es ein spannendes, aber (gemessen an der niedrigen Anzahl von nur 22 Torschüssen) ein doch eher ereignisarmes Spiel), bei dem sich zeigte, dass Hannover 96 mindestens noch Zeit braucht, damit sich das neue Team finden kann.

Bitte nicht falsch verstehen: Hannover 96 hat einen wirklich sehr starken Kader und dürfte, wenn das Team die notwendige Ruhe bekommt, in nächster Zeit eines der besten Teams der Liga werden. Allerdings ist dafür die notwendige Ruhe nötig.
Im ersten Spiel hat Stefan Leitl sein Team in einem 4-3-1-2 auflaufen lassen, also einer ganz ähnlichen Formation, wie der FCSP. Besonders die Halbpositionen sind dabei mit den Neuzugängen Besuschkow und Schaub richtig stark besetzt. Entsprechend dürfte es sich hier um die wichtigsten Duelle handeln, wenn Hartel und Irvine auf diese beiden Top-Spieler treffen.

Mögliche Aufstellung

Hannover 96 agiert in einem Spielsystem „ähnlich zu unserem“, wie Timo Schultz erzählt. Das sei vor allem bei den Außenverteidigern der Fall, die „sich extrem viel einschalten“, vielen spielstarken Spielern im Zentrum und zwei Stürmern von denen einer ein klarer Zielspieler ist und der andere eher „um den anderen herumspielt“. Und auch wenn es das Team im ersten Spiel der Saison noch nicht so gut gemacht habe, so ist zu erwarten, dass die Abläufe mit der Zeit immer besser werden.

In Sachen Aufstellung bei Hannover 96 muss ich leider passen. Grundsätzlich dürfte es sich aber um eine ganz ähnliche Startelf wie gegen Kaiserslautern handeln. Denkbar ist aber, dass es z.B. in der Offensive Wechsel geben könnte, da ihr Spiel mit der Einwechslung von Havard Nielsen deutlich zielstrebiger wurde. Zudem ist Gaël Ondoua auf der Sechs nicht unumstritten und könnte, wie schon in Kaiserslautern während der Partie, durch Fabian Kunze ersetzt werden.

Erwartete Aufstellung beim Spiel Hannover 96 gegen FC St. Pauli
Erwartete Aufstellung beim Spiel Hannover 96 gegen den FC St. Pauli

Timo Schultz betont, dass sein Team gegen Nürnberg „sehr dominant“ aufgetreten sei, sich in der zweiten Halbzeit aber nicht genügend klare Chancen herausgespielt habe und sieht genau hier Verbesserungsbedarf. Dabei geht es auch um die Verbindungen nach vorne und die Verlagerungen. Gerade bei den Verlagerungen und der Rolle von Manolis Saliakas sagt Timo Schultz: „Wir haben ihn zu selten in die Show gebracht. Es spricht nichts dagegen über unsere dominante linke Seite zu eröffnen, aber wir müssen häufiger noch den Seitenwechsel hinbekommen (…). Wenn wir Manos in Position bringen, dann könnte das für uns einen riesigen Mehrwert haben.“.
In Bezug auf die Verbindungen in die Offensive sagte Schultz, dass die drei vorderen Spieler zum ersten Mal in der jetzigen Konstellation zusammengespielt haben und er glaubt, dass man ihnen „ein bisschen Zeit geben“ müsse um sich zu finden und einzuspielen.

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Personell rechne ich persönlich mit zwei Veränderungen: Betim Fazliji könnte für Adam Dźwigała und David Otto könnte für Igor Matanović in die Startelf rücken. Gerade Otto machte bei seiner Einwechslung einen sehr agilen Eindruck und könnte gegen Hannover ein äußerst belebendes Element sein. Auf der anderen Seite könnte es aber auch genauso sinnvoll sein Igor Matanović weiter zu vertrauen. Etwas sicherer bin ich mir da schon, dass Fazliji in die Startelf rücken wird. Ob er aber für Dźwigała ins Team kommt? Grundsätzlich wäre auch denkbar, dass Jakov Medić für ihn rausrotiert, was ich aber für unwahrscheinlicher halte. In jedem Fall dürfte das spielerische Element aus der eigenen Abwehr eine Aufwertung erfahren. Diese Wechsel sind aber tatsächlich nur ein Gefühl.

Nachdem der Auftaktsieg gegen den 1. FC Nürnberg für nicht wenige überraschend kam und das Team im Großen und Ganzen einen sehr positiven Eindruck hinterließ, steht nun mit Hannover 96 eine weitere sehr große Hürde an. Knapp 3.000 FCSP-Fans werden das Team, trotz widriger Anreiseumstände, begleiten. Ich darf ans Mikro des AFM-Radios und hoffe sehr, dass sich meine Stimme mehr als einmal vor Freude überschlägt.

Forza!
// Tim

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3 thoughts on “Vorbericht: Hannover 96 – FC St. Pauli (2. Spieltag, 22/23)

  1. Wenn überhaupt die Anfangsformation geändert wird, kann ich mir auch eher vorstellen, dass Betim Fazliji für Adam Dźwigała reinkommt. Wenn Schulle dafür Medić herausnehmen würde, käme das eine Demontage gleich. Medić braucht jetzt nach dem medialen Shitstorm das Vertrauen des Trainers (und der Fans!).
    Dann bekommt er auch die Kurve und die Wackler (ich schreibe extra nicht Aussetzer) gehören der Geschichte an.

  2. Entscheidend ist, ob es dem Team hilft, wenn Medic drin bleibt. Die Ansage von Irvine nach dem Spiel war schon deutlich.

    Medic ist ein Garant für Giftigkeit. Damit das positiv ist müssen aber seine Leistungen stimmen und das war gegen Nürnberg nicht vollständig der Fall. Aus der Außenwahrnehmung neigt er zu negativer Kommunikation mit den Kollegen auf dem Platz. Das kann sehr ermüdend sein und bringt einen auf Dauer nicht voran.

    Die Entscheidung wird sehr stark aus sozialen und psychologischen Gesichtspunkten heraus zu treffen sein. Noch ein solcher Auftritt könnte zum Problem für Medic und Team werden. Es könnte sinnvoller sein ihn aus dieser Drucksituation heraus zunehmen. Die Tendenz sollte sich aus der Trainingswoche ergeben.

    Für eine Herausnahme von Dzwigala habe ich eher keine Veranlassung gesehen.

  3. Vasilj fehlt auch, vielleicht neben dem ebenfalls fehlenden Neuner unsere größte Schwächung zur Zeit.

    Hannover finde ich schwer einzuschätzen: Die haben sich natürlich namhaft verstärkt, was aber auch bitter nötig war. Und: ob auch gut, wird erst die Zeit weisen. Eine Übermannschaft sind sie jedenfalls nicht. Insofern gehören sie für mich auch „nur“ zu den Teams aus der oberen Hälfte, die alle mehr oder minder auf ähnlichem Level spielen. Ich zitiere mal F. Funkel, der nach der Rettung der Fortuna sagte: „Wir brauchen sieben Neuzugänge, die alle einschlagen, dann steigen wir auf!“ … und so kam es dann ja auch. Oft genug kommt es aber anders.
    So oder so brauchen Leitl und das Team noch Zeit. So waren Schaub und Besuschkow für mich Schwachpunkte gegen Kaiserslautern, nicht von ungefähr die beiden Spieler, die auf den mannschaftstaktisch besonders anspruchsvollen 8er-Positionen gespielt haben.
    Deshalb glaube ich, dass der Zeitpunkt in der Tat ganz gut ist, um gegen H96 zu spielen. Wenn Smarsch / Medic (den ich neben Fazliji erwarte) weitere Wackler vermeiden und wir es hinbekommen, so stabil wie gegen Nürnberg in der zweiten Hälfte zu stehen, dann sollte ‚was drin sein für uns! Nicht, dass sich miese Spiele in Hannover noch zu einer neuen Tradition ausweiten, kaum das wir andere Albtraumserien beendet haben…

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