Deutscher Meister 2022: FC St. Pauli Blindenfußball!

Deutscher Meister 2022: FC St. Pauli Blindenfußball!

„In meinen Träumen – bist Du Europacupsieger!“ Gäbe es eine Champions League im Blindenfußball, die Träume würden wahr werden. Aber auch so ist es ein großartiger Erfolg: Den Blindenfußballer*innen des FC St. Pauli gelingt die Titelverteidigung.
Titelfoto: Stefan Groenveld

Nach 2017 und 2021 ist das Team vom FC St. Pauli Blindenfußball erneut und damit zum dritten Mal Deutscher Meister. Was für eine tolle Sportart, was für ein großartiger Erfolg. Wir gratulieren von Herzen und feiern Euch alle:

  • Tor:
    • Svenja Bartels
    • Sven Gronau
    • Matthias Gutzmann
  • Feld:
    • Serdal Çelebi
    • Thoya Küster
    • Rasmus Narjes
    • Mikel Preul
    • Alisa Rudi
    • Paul Ruge
    • Jonathan Tönsing
    • Philipp „Hippo“ Versen
  • Funktions- und Trainerteam
    • Jonas Dawid
    • Michael Hain
    • Antje Küster
    • Wolf Schmidt
    • Miriam Steen
      (Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.)

Die Spieltage im Einzelnen:

1. Spieltag, 25. Juni, Hamburg

Eigentlich sollte die Saison schon viel früher gestartet sein, nämlich Anfang Mai beim Stadtspieltag in Karlsruhe. Allerdings machte die Pandemie dem einen Strich durch die Rechnung, zu viele positive Corona-Befunde bei Gegner Hertha BSC sorgten für einen Spielausfall.
Der FC St. Pauli bot an, das Spiel später nachzuholen, statt am Grünen Tisch zu gewinnen. An einem heißen Tag am Borgweg gelang dann ein souveräner Start in die Saison, bei dem Hertha BSC allerdings auch schon zeigte, dass man mit der Verpflichtung zweier türkischer Nationalspieler ein deutlich ernster zu nehmender Gegner als in den Vorjahren sein würde.

Schon vor diesem Spieltag hatte es allerdings internationale Erfolge zu feiern gegeben: Das erstmals bei offiziellen Spielen angetretene Team der Blindenfußballerinnen, zu einem Großteil auf und neben dem Feld Braun-Weiß besetzt, gewann gegen England die Europameisterschaft – alle Tore erzielte Thoya Küster. Auch die männlichen Kollegen (mit Rasmus Narjes und Jonathan Tönsing vom FCSP) hatten mit Platz 4 ein gutes Ergebnis erzielt und im Halbfinale gegen den späteren Europameister Frankreich nur im Penalty-Schießen verloren.

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Zurück zur Bundesliga: In der verletzungsbedingten Abwesenheit von Jonathan Tönsing avancierte Rasmus Narjes zum Goalgetter und erzielte alle drei Treffer, den zweiten per Penalty. Der FC St. Pauli besiegte vor etwa 100 Fans Hertha BSC mit 3:0 (2:0), was am Ende auch noch mit Wechselgesängen ausgiebig gefeiert wurde. // YouTube

2. Spieltag, 2./3. Juli in Soest

Corona striked again – dieses Mal bei Schalke 04. In dem engen Terminplan, verbunden mit der aufwändigen Logistik so eines Spieltags, ließ sich hierfür kein neuer Termin finden, so dass dieses Spiel kampflos mit 2:0 für den FCSP gewertet wurde.

Die Anreise zum Heimspieltag von Borussia Dortmund in Soest erfolgte trotzdem, denn am Sonntag ging es dann gegen den Gastgeber. Auch der war personell arg gebeutelt und trat nur mit einem Ersatzspieler an. Als sich Jörg Fetzer dann nach wenigen Minuten im Samstagsspiel des BVB verletzte, war klar, dass die verbleibenden Spieler*innen es alleine richten würden müssen, was insbesondere bei den Temperaturen eine sehr harte Aufgabe war. Hasan Altunbas holte sich während des Spiels dann auch noch das fünfte persönliche Foul ab, was normalerweise nur zu seinem persönlichen Ausschluss geführt hätte – in Ermangelung von Einwechselspielern bestritt man aber die letzten Minuten in Unterzahl. Der FC St. Pauli erwies sich, obwohl auch hier personell nicht aus dem Vollem geschöpft werden konnte, gleichzeitig als zu stark und trotzdem in der Schlussphase gnädig und gewann ungefährdet mit 4:0 – alle vier Tore: natürlich, Rasmus Narjes. // YouTube

3. Spieltag, 23. Juli in Gelsenkirchen

BSV 1958 Wien ist der österreichische Vertreter in der Bundesliga, der zum zweiten Mal in Folge die Saison mitspielt. Beim Spieltag in Soest hatte man überraschend den MTV Stuttgart mit 2:1 bezwungen und so ein Ausrufezeichen gesetzt, insbesondere mit einer bärenstarken Defensive.
Der FC St. Pauli trat hier auch personell arg gebeutelt an – und sorgte gleichzeitig für eine Premiere: Mit Torhüterin Svenja Bartels sowie Thoya Küster und Alisa Rudi im Feld hatte man mehr Spielerinnen als Spieler im Einsatz – das gab es in der Bundesliga noch nie. Rasmus Narjes und Serdal Çelebi komplettierten das Team.
Bei erneut extrem heißen Bedingungen spielten die Fünf ohne Wechsel durch – und gewannen durch je einen Doppelpack von Rasmus und Serdal mit 4:0. // YouTube

4. Spieltag, 6./7. August in Berlin

Der Heimspieltag von Hertha BSC am Wochenende des Berliner Derbys. Ganz vorsichtig wurden im Umfeld des FCSP schon die Rechenschieber bedient: bei entsprechendem Verlauf könnte sogar an diesem Wochenende schon der Titel klar gemacht werden.
Doch wie es halt in solchen Fällen oft so ist: Erst mal muss gespielt werden – und gegen den mehrfachen Deutschen Meister BG Blista Marburg gab es in einem intensiven Spiel eine 0:1-Niederlage, die alle Rechenspiele schon am ersten Tag beendete. Ein unglückliches Gegentor und ein schließendes Anrennen, welches nicht von Erfolg gekrönt wurde, inklusive einem vergebenen Penalty. Es gibt solche Tage, da will nichts klappen. // YouTube

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Besser lief es dann am Sonntag: Gegen die Spielgemeinschaft Fortuna Düsseldorf / PSV Köln gab es ein deutliches 8:0 (3:0). Die Tore erzielten Serdal Çelebi (das 1:0) und Jonathan Tönsing (die folgenden sieben Tore). // YouTube

Damit war das Finale vorbereitet, punktgleich gingen der FCSP und der MTV Stuttgart mit je fünf Siegen und einer Niederlage in den letzten Spieltag, bei dem sie im letzten Spiel des Tages aufeinandertreffen sollten:

5. Spieltag, 17. September in Köln

Die Ausgangslage war klar: Der Sieger im direkten Duell zwischen dem FC St. Pauli und dem MTV Stuttgart würde sich „Deutscher Meister 2022“ nennen können. Sollte das Spiel unentschieden ausgehen, würde der Titel aufgrund der besseren Tordifferenz an den FCSP gehen.

Der Roncalliplatz zu Füßen des Kölner Doms bildete die angemessene Kulisse für diesen Spieltag, der im Rahmen des Fußball-Inklusionstages ausgetragen wurde.
So schön der Rahmen auch war, zunächst ging mal gar nichts – denn aufgrund starker Regenfälle musste erst einmal der Kunstrasen wieder bespielbar gemacht werden. Das Spiel begann dann mit einer knappen halben Stunde Verspätung. (Twitter)

Als der Ball dann rasselte und rollte, war der FCSP das bestimmende Team und ließ von Anfang an keinen Zweifel daran, dass man gar nicht daran dachte, sich hier defensiv auf ein Unentschieden einzulassen. Jonathan Tönsing sorgte mit einem Doppelpack schon vor der Pause für eine beruhigende 2:0-Führung. Stuttgart brauchte zu diesem Zeitpunkt drei Tore – und angesichts von nur einem Gegentor des FCSP in der gesamten Saison und einem derart überlegen geführten Spiel in der ersten Halbzeit deutete so gar nichts darauf hin, dass dies noch passieren würde.
Und stattdessen fiel Rasmus Narjes wohl ein, dass er ja auch noch Tore schießen und sich so die Torjägerkanone holen könnte – und mit einem Doppelpack zum 4:0 gelang ihm genau dies.

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Vier zu null, nur ein Gegentor in der gesamten Saison, auch im letzten Spiel allen nochmal Einsatzzeit gegeben, ein Spiel mit drei Spielerinnen bestritten – was für eine Saison, was für eine verdiente Meisterschaft. Der Rest war Jubel. (Bericht auch bei „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ ab 18m40s.)
(YouTube und weitere Fotos folgen.)

The Champions of Germany!

Damit holen die Blindenfußballer*innen also zum zweiten Mal hintereinander und zum dritten Mal insgesamt den Titel „Deutscher Meister im Blindenfußball“ ans Millerntor. Mit Rasmus Narjes stellt man nicht nur den erfolgreichsten Torschützen sondern auch den gewählten „Besten Spieler der Saison“.
All dies wurde auf der abendlichen Players Night in Köln dann gebührend gefeiert.

Blindenfußball ist Braun-Weiß, freuen wir uns also schon jetzt auf eine erneute Ehrenrunde im Stadion, wie letztes Jahr gegen Sandhausen.
Wenn Ihr Euch den Sport einmal live anschauen wollt, gibt es schon bald in Hamburg die nächste Gelegenheit: Am Borgweg findet am 1. & 2. Oktober die bereits 15. Auflage des „Keep your mind wide Open“-Turniers statt. Der FCSP stellt ein Frauen- und ein Männerteam, auch aus Frankreich reist ein Frauen- und ein Männerteam an. Komplettiert wird das Feld mit Teams aus England, Italien, Tschechien und Polen.

Weitere Links:

Forza St. Pauli!
// Maik

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