Ein verdienter (und trotzdem bitterer) Abstieg

Ein verdienter (und trotzdem bitterer) Abstieg

Nach der verdienten Niederlage gegen den VfL Wolfsburg steigt der FC St. Pauli in die zweite Bundesliga ab und muss sich nun neu sortieren.
(Titelfoto: Selim Sudheimer/Getty Images/via OneFootball)

Es war möglich, aber am Ende hat es einfach nicht gereicht. Nach zwei Jahren in der Bundesliga steigt der FC St. Pauli in die zweite Liga ab. Das entscheidende Spiel gegen den VfL Wolfsburg war dabei ein Sinnbild der gesamten Saison des FCSP: Das Team versuchte viel, war in den wichtigen Szenen der Partie dann aber nicht gut genug.

Unruhiger Beginn, dann Chancen ohne Ende

Das Spiel gegen Wolfsburg startete unruhig. Beiden Teams war anzumerken, was für sie auf dem Spiel stand, die Fehlerquote war extrem hoch. Extrem hoch war nach dieser Anfangsphase auch die Anzahl an Strafraumszenen, auf beiden Seiten. Das erste fette Ausrufezeichen setzte Fujita, der einen Fernschuss an die Latte knallte. Direkt im Gegenzug parierte Vasilj gegen Daghim, der alleine auf den Torhüter des FC St. Pauli zustürmte. Die darauffolgende Ecke parierte Vasilj erneut überragend, lenkte den Ball an die Latte.

Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt völlig offen, auch weil die Fehlerquote auf beiden Seiten hoch blieb. Nach einer halben Stunde zeigte Wolfsburg eine Standardvariante, die die Partie letztlich entscheiden sollte: Ein Eckball wurde an den ersten Pfosten getreten, kurz vor das FCSP-Tor. Souza köpfte den Ball an den Pfosten. Kurz danach brannte es dann auf der Gegenseite, als die Wolfsburger einen Standard nicht richtig geklärt bekamen, sodass Metcalfe auf Höhe des Sechzehners zum Abschluss kam. Wolfsburgs Torhüter Grabara parierte dessen Abschluss dann aber stark.

Gegentor nach Ecke, Hountondji verpasst die Antwort

Nur eine Minute danach war Daghim erneut frei durch (stand er beim Pass im Abseits?), er scheiterte aber wieder am starken Vasilj. Mit dem folgenden Standard ging der VfL dann in Führung. Erneut wurde der Ball an den ersten Pfosten getreten, wo dieses Mal Koulierakis zum Kopfball kam und diesen über die Linie drückte. Der FC St. Pauli war also nun gefordert mindestens zwei Treffer zu erzielen. Zu diesem Zeitpunkt deutete sich aber auch bereits an, dass ein Sieg gegen Wolfsburg unabhängig von der Tordifferenz reichen würde, da Heidenheim bereits zur Pause mit 0:2 gegen Mainz hinten lag.

Noch vor der Pause hatte der FC St. Pauli dann die Riesenchance auf den Ausgleich. Nach einem klugen Laufweg war Kaars auf der rechten Seite frei durch und spielte einen starken Querpass in den Fünfmeterraum, wo Hountondji aus vier Metern völlig frei an den Ball kam. Das Wolfsburger Tor war leer, aber der FCSP-Angreifer schien in diesem Moment Kopf und Beine nicht sortiert zu bekommen. Er verstolperte den Ball anstatt ihn in Richtung Tor zu bugsieren (xG: 0,75). Für Alexander Blessin war das eine spielentscheidende Szene: „Wenn wir vor der Pause das 1:1 machen, dann gehen wir mit einem ganz anderen Gefühl in die Pause.“ Doch Hountondji traf nicht und so ging es mit dem knappen Rückstand in die Pause.

Ceesay mit drittem Joker-Tor in Folge

Die zweite Halbzeit begann dann deutlich ruhiger, als die erste endete. Von der hohen Anzahl an Torraumszenen war in den ersten Minuten des zweiten Abschnitts nichts mehr zu sehen. Nach zehn gespielten Minuten klärte Grabara eine Flanke zur Ecke und der für Hountondji eingewechselte Ceesay köpfte diese wuchtig zum Ausgleich ein. Sein dritter Joker-Treffer in Folge, an ihm lag es in den letzten Spielen gewiss nicht, dass der FCSP nun in die zweite Liga muss. Nach dem 1:1 hatte der FC St. Pauli dann auch kurzfristig das Momentum auf seiner Seite, doch wenige Minuten nach dem Ausgleich, konnte Grabara einen Querpass von Kaars gerade so noch abfangen.

Strittige Szene vor dem 1:2

Doch nur wenige Minuten nach dem 1:1 kam der VfL Wolfsburg wieder stärker auf. Einen Schuss von Pejčinović konnte Vasilj noch stark zur Ecke ablenken. Wolfsburg spielte diese Ecke dann genau so, wie auch jene in der ersten Halbzeit – und war damit leider erneut erfolgreich. Zwar zeigte sich der FC St. Pauli nun verändert in der Verteidigung, doch der Ball fand trotzdem den Weg ins FCSP-Tor. Denn Vasilj faustete diesen ins eigene Netz, nachdem er beim Hochsteigen zur Klärung entscheidend gestört wurde. Jackson Irvine wurde von einem Wolfsburger in Vasilj hineingeschoben, zudem wurde Vasilj auch anderweitig gestört. Ein Foul? Schiedsrichter Siebert schaute sich diese Szene noch einmal am Monitor an, beließ es aber bei seiner Entscheidung. Sicher eine schwierige Szene, beide möglichen Entscheidungen haben ihre Argumente. Für Alexander Blessin war diese Situation natürlich klar: „Es ist als Foul gewertet worden, ich sehe es trotzdem etwas anders. Das killt uns in diesem Moment. Danach ist es schwierig, weil wir wussten, dass wir dann zwei Tore machen mussten.“

Keine Frage, dieser Treffer zum 1:2 war ein Niederschlag für den FC St. Pauli. Das Spiel war danach weit nicht mehr so offen, wie in den Minuten zuvor. Der FCSP fand nun nicht mehr in die Spur, auch wenn er nun viel versuchte, vor allem über hohe Bälle. Vielmehr war nun Wolfsbrug drauf und dran die Entscheidung herbeizuführen. In der 73. Minute blockte Andō einen Abschluss von Mæhle zur Ecke. Leider mit der Hand, es gab nach Ansicht der Bilder Elfmeter für Wolfsburg. Eriksen nutzte diese Chance aber nicht, schoss den Strafstoß an die Latte, sodass noch einmal kurz Hoffnung aufkeimte beim FC St. Pauli. Mit Jones kam nun noch ein weiterer Angreifer in die Partie, allerdings wurde der FCSP nun auch direkt dafür bestraft, dass er viel riskierte: Pejčinović erzielte in der 80. Minute das 1:3 und damit war der Deckel drauf. Das Spiel trudelte im Anschluss nur noch aus, es war nun klar, dass der FC St. Pauli nach zwei Jahren seine vorerst letzten Bundesligaminuten bestritt.

Ein verdienter Abstieg

Die Niederlage gegen den VfL Wolfsburg war sinnbildlich für die Saison des FC St. Pauli. Der Sieg der Wolfsburger ist verdient, keine Frage. Weil es dem Team des FCSP in den entscheidenden Momenten nicht gelang diese für sich zu nutzen. Nicht in dieser letzte Partie, wie auch in der gesamten Saison immer wieder. Zu oft ließ das Team eigene Chancen ungenutzt. Zu oft verteilte es Geschenke an die Gegner. Zu selten wurde es geschafft eine über 90 Minuten stabile Leistung auf den Rasen zu bekommen. Es ist schmerzhaft und fühlt sich beschissen an, aber der Abstieg des FC St. Pauli ist verdient.

Trauer, Aufarbeitung, Analyse, Umbruch

Nun ist Trauerarbeit angesagt. Und Aufarbeitung. In der Vorsaison hat der FC St. Pauli aufgrund einer stabilen Defensive die Klasse halten können. In dieser Spielzeit stellte das Team aber eine der schwächsten Defensiven der Bundesliga, was zusammen mit der (wie auch in der Vorsaison) harmlosesten Offensive einfach nicht genug gewesen ist, um die Klasse zu halten. Sicher ist, dass nach dieser Saison viele Steine bewegt werden müssen, um in der kommenden Spielzeit in der zweiten Liga oben mitspielen zu können. Wie genau diese Steine zusammengesetzt werden, wird sich nun Stück für Stück in der Sommerpause zeigen. Es ist damit zu rechnen, dass dem FC St. Pauli ein sehr, sehr großer personeller Umbruch bevorsteht.

Das Abenteuer Bundesliga ist für den FC St. Pauli jedenfalls vorerst beendet. Es ist zu hoffen, dass es nun nicht erneut eine gefühlte Ewigkeit dauern wird, bis das Millerntor-Stadion wieder die besten Fußballclubs Deutschlands empfangen darf. So bitter diese Saison verlaufen ist und so groß der Frust auch ist, die Partie gegen den VfL Wolfsburg und auch die überwiegende Reaktion auf den Gang in die zweite Liga zeigt: Der FC St. Pauli ist und bleibt die einzige Möglichkeit.

// Tim

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