Mit der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg steht der Abstieg des FC St. Pauli fest. Die Stimmen nach dem Spiel.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
So schwer es uns fällt, das jetzt zu schreiben, aber die Niederlage gegen den VfL Wolfsburg war verdient – genau wie leider auch der Abstieg. Über weite Strecken konnte man an diesem 34. Spieltag weder Ball noch Gegner kontrollieren, es mangelte oft an Druckphasen. Nach dem 1:1 war ein kleiner Funken Hoffnung zu spüren, der aber mit dem zweiten Gegentreffer wieder erlosch: „Nach dem 2:1 sieht man, dass die Zeit immer weniger wird“, erklärte Hauke Wahl. Mit dem dritten Treffer der Wolfsburger war das Ding dann endgültig durch. Die vielen Bemühungen haben auch am letzten Spieltag nicht gereicht und somit muss der FC St. Pauli sich nächstes Jahr in der zweiten Liga beweisen.
Der Abstieg geht natürlich nicht nur uns Fans nahe, auch den Spielern konnte man die Schmerzen förmlich ansehen. Jackson Irvine wollte nach Abpfiff nicht in der Mixed Zone reden, ihm liefen Tränen über das Gesicht, als er an den wartenden Medien-Vertreter*innen vorbei in die Kabine ging. Auch Nikola Vasilj brach beim Interview in der Mixed Zone mehrfach die Stimme, er kämpfte mit den Tränen. „Emptiness. Sadness. Everything“ fühle er im Moment, so der FCSP-Schlussmann, der in diesem Interview auch erklärte, dass seine Zeit beim FC St. Pauli nun enden wird. Weiter erklärte der „Fußballgott“-Keeper des FC St. Pauli: „In the end you have to look at the whole season. Yes, we lost today, but it wasn’t enough throughout the whole season. We dropped some points that we probably shouldn’t have dropped and I would say this game was a little bit summarizing some of the season: a little bit unlucky and some cheap goals.“
„Das ist in der Bundesliga einfach zu wenig, um die Klasse zu halten.“
Woran es genau lag, dass der FCSP abgestiegen ist, erklärte Hauke Wahl kurz und klar: „Wir haben einfach zu viele Gegentore in dieser Saison kassiert.“ Weiter erklärte er: „Wir haben 26 Punkte geholt, das reicht nicht. Da brauchen wir uns nicht hinstellen und sagen: Wir hatten Pech und hier und da. Wir haben 26 Punkte geholt! Das ist in der Bundesliga einfach zu wenig, um die Klasse zu halten.“ Eines machte der Innenverteidiger und Führungsspieler aber noch ganz deutlich: „Über Charaktere brauchen wir hier in dieser Mannschaft nicht reden. Egal wie scheiße es gelaufen ist – und wir haben echt Scheißphasen gehabt – wir haben schon sehr, sehr gute Jungs, charakterlich vor allem.“
Hauke Wahl betonte zudem, wie schwierig die Saison für das gesamte Team gewesen sei und das es trotzdem nicht aufgegeben habe: „Es ist die Mentalität von St. Pauli, egal wie oft man hinfällt, immer wieder aufzustehen. Und das haben wir alle gemacht. Da ziehe ich den ganzen Staff mit rein, da ziehe ich uns Spieler alle mit rein. Wir haben immer wieder die Energie gefunden, aber es hat am Ende einfach nicht gereicht.“
„So wie das Spiel heute gelaufen ist, so war auch die Saison. Das beschreibt es eigentlich ganz gut.“ – Alexander Blessin saß bei der Pressekonferenz nach dem Spiel sichtlich angeschlagen auf dem Podium. Für den Cheftrainer des FC St. Pauli waren dieses eine Spiel und die Szenen darin sinnbildlich für die gesamte Saison: „Die Tore, die wir kriegen. Die Tore, die wir nicht machen. Große Chancen auslassen. Da geht es nicht um den Willen. Den hat man, glaube ich, trotzdem in 90 Prozent der Spiele immer gesehen. Aber ansonsten, es fehlte die Klarheit im Verteidigen von Räumen, wir haben zu einfache Geschenke verteilt. Das ist uns in der Summe letztes Jahr gelungen einzuschränken. Und dann haben wir manche Momente natürlich nicht richtig genutzt, um es auf unsere Seite zu ziehen.“ Der FC St. Pauli hat es also nicht geschafft, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive, die sich bietenden Gelegenheiten für sich zu nutzen.
+++ Unterstützt den MillernTon! +++
Dir gefällt, was Du hier liest?
Alle Inhalte auf MillernTon.de sind gratis und das wird auch so bleiben. Aber Du kannst unsere umfassende und professionelle Berichterstattung rund um den FC St. Pauli unterstützen.
Alle Infos dazu: Hier entlang!
+++ +++
„Das tut einfach unfassbar weh“
Ob der Abstieg des FC St. Pauli nun verdient gewesen ist oder nicht, konnte und wollte Martijn Kaars noch nicht ganz festmachen: „Keine Ahnung.“ Aber der Mittelstürmer machte keinen Hehl daraus, wie sich diese Spielzeit für ihn anfühlte: „Es war eine enttäuschende Saison. Zu wenig Punkte, zu wenig Siege, dann steigt eine Mannschaft ab, das ist einfach klar.“ Der 27-jährige ist noch nie abgestiegen und beschrieb den jetzigen Abstieg entsprechend als schwersten Moment seiner Karriere, hob aber hervor, wie besonders die Stimmung am Millerntor nach Abpfiff gewesen ist: „Das war speziell, weil wir steigen ab und dann fünf Minuten „You’ll Never Walk Alone“ und Positivität, das habe ich noch nicht erlebt.“
Auch für Hauke Wahl, dessen Stimme ebenfalls sehr brüchig war, waren die Momente nach Abpfiff besonders: „Als ich dann noch Thees Uhlmann gehört habe, da hat’s mich auch ein bisschen gepackt, weil wir dasselbe Lied vor zwei Jahren gesungen haben, vorne auf der Reeperbahn. Und das ist jetzt einfach ein ganz anderer Moment und das tut einfach unfassbar weh. Dieser Support ist sehr, sehr schön. Er zeigt die Liebe zu diesem Verein. Aber das macht es auch nochmal schlimmer für uns.“
Der Innenverteidiger betonte zudem die Leistung des Anhangs auf den Rängen in dieser Spielzeit: „Ich glaube, dass die Fans einfach einen unfassbaren Job gemacht haben, nicht nur in den letzten drei Jahren, sondern vor allem in dieser Saison. Sie haben über 34 Spieltage, die ganze Saison lang versucht uns zu zeigen, dass sie für uns da sind. Und sie waren da.“
Das betonte auch Blessin auf der Pressekonferenz nach Abpfiff: „Die Fans sind und waren absolut erstligareif. Wir haben es in dieser Saison nicht geschafft, ihnen das auch zurückzugeben. Deswegen tut es einfach weh.“
Der FC St. Pauli wird die kommende Spielzeit also in der 2. Bundesliga spielen. Der „Klassenkampf“ war dieses Mal nicht erfolgreich. Es ist der erste Abstieg des FCSP seit sage und schreibe 15 Jahren. Das muss nun erst einmal verarbeitet werden. Von Verantwortlichen und Fans gleichermaßen.
// Nike & Tim
Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.
Unsere Kommentare sind nur per Registrierung zugänglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.
MillernTon auf BlueSky // Mastodon // Facebook // Instagram // Threads // WhatsApp // YouTube