Fehlstart perfekt

Fehlstart perfekt

Im Pokal ausgeschieden, in der Liga sieglos auf Platz 16 nach drei Spieltagen. Der FC St. Pauli ist nicht gut in die Saison gestartet und muss nun aufpassen, nicht in eine Negativspirale zu geraten.
(Titelfoto: Stuart Franklin/Getty Images/via OneFootball)

Dass das Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern für den FC St. Pauli nicht glücklich verlaufen ist, da dürften sich wohl alle einig sein. Nach gutem und druckvollem Start, in dem der FCSP durchaus der Führung nahe war, konnte der FCK mit der ersten richtigen eigenen Chance, mit seinem zweiten Torabschluss in Führung gehen. Und dann gab es direkt nach Wiederanpfiff die komplett kalte Dusche und die Gäste bauten die Führung sogar aus. Zwar kam der FC St. Pauli noch zum Anschlusstreffer und war bis zum Schlusspfiff dem Ausgleich näher als der FCK der Entscheidung, doch am Ende verliert der FCSP eine Partie, die eigentlich nicht verloren werden muss. Schon wieder.

Zwei Punkte aus vier Spielen sind zu wenig

Somit ist der Fehlstart perfekt. Nach zwei Unentschieden zum Auftakt – beides Spiele, in denen ein Sieg durchaus drin war – verlor der FC St. Pauli in der ersten Pokalrunde unnötig gegen Rot-Weiss Essen und nun auch das erste Ligaspiel. Damit steht das Team nach drei Spieltagen in der Liga auf Platz 16 und hat die Pokalsaison bereits für sich beendet. Es ist ein echter Fehlstart, den das Team hingelegt hat. Die Frage ist: Wie konnte das passieren? Und was muss passieren, damit endlich Spiele gewonnen werden?

Warten auf das Zu-Null-Spiel

Marcel Rapp betonte auf der Pressekonferenz nach Abpfiff sehr deutlich, dass er mit der Leistung seines Teams zufrieden gewesen ist: „Wenn man die Leistung bewertet, dann haben die Jungs vieles gut gemacht. Da gibt es nicht viel auszusetzen“. Doch trotz dieser eigentlich ganz guten Leistung fing sich der FC St. Pauli wieder zwei Gegentreffer. Einig sind sich alle beim FC St. Pauli, dass diese Gegentreffer zu einfach gefallen sind, so fässt es unter anderem Marcus Mathisen zusammen: „Wir können heute nicht zwei Gegentore zulassen, das haben wir ihnen zu einfach gemacht.“ Es ist vor allem das „Wie“, was für Fragezeichen sorgt. Denn viele Chancen hat der FCSP gegen Kaiserslautern, wie auch gegen Essen, nicht zugelassen. Für David Nemeth ist das schwer zu erklären: „Gefühlt schießen die Gegner aktuell aufs Tor und der ist drin, ich weiß nicht warum.“ Mathisen sieht es genau so: „Aktuell fangen wir uns Gegentreffer, obwohl die Gegner nicht viele Chancen haben.“

Fakt ist: Auch weiterhin wartet der FCSP auf ein Zu-Null-Spiel unter Rapp. Weder in den Testspielen, noch in den vier absolvierten Pflichtspielen gelang es dem Team, 90 Minuten ohne Gegentreffer zu bleiben. Die Gegner finden aktuell immer einen Weg, um Tore gegen den FC St. Pauli zu erzielen, auf vielfältige Art und Weise. Das mag unglücklich sein, wie zum Beispiel bei der Situation, die gegen den FCK zum 0:1 führte, oder einfach auch gut vom Gegner gemacht (wie beim zweiten Treffer des FCK – wenngleich unter Mithilfe von Ben Voll), aber es ist nunmal so, dass jeder Gegner gegen den FC St. Pauli seine Chancen auch effizient nutzt. Und genau das gelingt dem FCSP auf der anderen Seite des Spielfelds aktuell nicht.

Chancen werden erneut nicht genutzt

Natürlich sind die Gegentreffer ein Problem für den FC St. Pauli, für welches Team nicht? Wenn man die Entstehung dieser Gegentreffer berücksichtigt, dann mögen diese auch unglücklich zustandegekommen sein und die Gegner haben dadurch sicher den ein oder anderen Treffer mehr erzielt, als sie verdient gehabt hätten. Aber das größere Problem für den FC St. Pauli ist aktuell, dass er sich für gute Leistungen in der Offensive nicht mit eigenen Treffern belohnt. Gegen Fürth war die Leistung nicht überragend, aber gut genug, um die Partie zu gewinnen. Gegen Kiel waren die Chancen da, um frühzeitig das Spiel zu entscheiden. Gegen Essen muss der FC St. Pauli in Führung gehen und auch gegen den FCK hatte das Team ein klares Chancenplus. Doch in all diesen Partien schoss der FCSP zu wenig eigene Treffer.

Auffällig ist, dass das Team sich in den Spielen immer wieder Auszeiten erlaubt, Phasen, in denen die Offensivabläufe nicht mehr passen, in denen die Fehlerquote sehr hoch ist – und die der Gegner in den letzten Partien zuverlässig eiskalt ausnutzen konnte. Auch gegen den FCK fiel der erste Gegentreffer quasi aus dem Nichts, war nicht das Produkt einer Druckphase. Trotzdem muss man beim FCSP genau analysieren, wie es zu diesen Hängern mitten in den Partien kommt, warum es nicht gelingt, das eigene Spiel durchzuziehen, was dafür sorgt, dass ein eigentlich gutes Spiel phasenweise entgleitet – und leider zum Saisonauftakt immer zu Gegentreffern führte. Die Hoffnung, dass das nun besser wird, trägt einen Namen: „Abdoulie Ceesay ist immer für einen Moment gut, wo er auf einmal zaubert, wo er auf einmal aufgeht, wo er eine Situation löst und die einfach gut macht. Ich glaube, es gibt keinen Spieler der so gut durch einen Mann durchgeht. Im Training tut der einem weh und das gibt der Mannschaft was, wenn er einfach reinhaut.“ David Nemeth war voll des Lobes für seinen Mitspieler, der bei seinem Comeback nach Einwechslung direkt traf und dem Team somit neues Leben einhauchte. Es ist zu hoffen, dass er auch in den kommenden Wochen dem Team so weiterhelfen kann und damit ein Teil des Problems, den fehlenden Ertrag in Form von Toren nämlich, lösen kann.

„Leistung und Ergebnis voneinaner trennen“

Wenn die Leistung stimmt, die Ergebnisse aber nicht, dann besteht die Gefahr, dass sich ein Negativstrudel entwickelt, in den ein Team hineingerät. Wissen wir beim FC St. Pauli nur zu gut, denkt mal an die neun Niederlagen in Serie letzte Saison, in denen erst die Ergebnisse nicht passten, aber mit jedem schlechten Ergebnis auch irgendwann die Leistung immer weniger. „Es ist als Trainer gerade jetzt so, dass man Leistung und Ergebnis voneinander trennen muss,“ erklärte Marcel Rapp nach der Niederlage gegen Kaiserslautern und betonte: „Wenn man nur die Spiele von uns sieht, dann sind wir weit weg davon, dass wir irgendwie schlecht sind.“ Rapp ist somit vor allem im mentalen Bereich gefordert, muss das Selbstvertrauen des Teams und den Glauben an die Spielweise hoch halten: „Es geht darum, einfach weiterzumachen. Dass man daran glaubt. Dass man einfach diese Leistung bewertet und ich glaube, wenn wir mit so einer Leistung weiterspielen, dann haben wir das Recht, jede Woche auf Punkte zu kommen.“

Dass Leistung und Ergebnisse aktuell nicht zusammenpassen, sahen auch die Spieler allesamt so, die in Mixed Zone nach der Niederlage gegen den FCK Rede und Antwort standen. Marcus Mathisen erklärte: „Ich denke, wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht und wenn wir so weiterspielen, dann werden wir die Punkte schon noch kommen.“ Smith pflichtete ihm bei: „Es fühlt sich etwas komisch an, aber ich denke wir haben über 90 Minuten eines unserer besten Spiele in dieser Saison gemacht. Wir haben die gesamte Partie über gedrückt, wir hatten die Kontrolle. Vielleicht müssen wir uns ein paar mehr Chancen herausspielen, aber insgesamt ist das die richtige Richtung.“ Und auch er betonte: „Wir wissen was wir tun. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen (I am not fucking worried), dass wir das erreichen werden. Wenn wir so weiter spielen, dann werden die Punkte holen, die wir benötigen.“

Für den FC St. Pauli reicht es aktuell nicht, eigentlich ganz gut gespielt zu haben, um Punkte zu holen. David Nemeth erklärte: „Ich glaube, wir müssen uns das einfach extrem hart verdienen, diese Saison Punkte zu holen“ und holte dabei alle ins Boot: „Wir brauchen die Mannschaft und auch alle rund herum. Wir brauchen die Fans, wir müssen positiv sein und ich glaube alle können sehen, nach drei Spielen, spielen wir nicht wie eine Mannschaft, die zwei Punkte hat. Deswegen müssen wir genau so weitermachen, genau so weiterkämpfen.“
Doch auch dem FCSP-Kapitän dürfte klar sein, dass der FC St. Pauli nun bereits nach drei Spieltagen eine Phase erreicht hat, in der nicht mehr nur die Leistung zählt, sondern es auch extrem wichtig ist, dass die Ergebnisse passen. Damit nicht irgendwann auch die Leistung nachlässt, werden dringend Punkte benötigt. Um auf den Fehlstart nicht eine Negativserie folgen zu lassen.

// Nike & Tim

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5 thoughts on “Fehlstart perfekt

  1. Wenn wir endlich die Fanbrille ablegen würden, dann sprächen wir nicht von einer mgl. Negativserie, sondern wer Bornemann beerben soll und wann ein guter Zeitpunkt wäre. Offenbar ist die Welt in den Entscheidungsorganen immer noch rosarot – Pokalaus, dürftige Leistungen (1000 Querpässe sind kein Leistungsnachweis), keinen Sieg seit Februar, och joa, alles supi. DAS IST ST. PAULI, hiers Paddy unso!1!1

    Sorry, das ist ein Transferfenster des Grauens. Fahrlässig, uninspiriert.

    @Tim, Glückwunsch zu dem baldigen Jobangebot vom FCK, Lieberknecht liebt dich wirklich. Rette dich aus diesem sinkenden Schiff. Für den Rest halte ich die Augen nach guten Magenta-Angeboten offen.

  2. Moin Tim, deine Analyse wie immer in vielen Punkten richtig, auch dein Frust zwischen den Zeilen. Ich denke allerdings, dass das Match in der Innenverteidigung – wie auch bei den letzten Gegentoren – verloren wurde. Dabei fällt mir Mathisen besonders negativ auch, der vielfach zu langsam und zweikampfschwach auffällt. In meinem Kopf sehe ich immer Mets an seiner Stelle und weiß, das Gegentor wäre mit ihn in dieser Situation nicht gefallen. Die Abwehr stand wesentlich stabiler mit Smith auf der Mathisenposition. Ich hoffe, das bleibt so.
    Ansonsten muss die Mannschaft durch dieses Tal durch – weitere Verstärkungen wird es nicht geben.

  3. Puh, das ist mir alles ein bisschen zu rosarot. Ja, bis zum Gegentor sah das alles ganz anständig aus, aber so die richtig große Torgefahr war da zu selten vorhanden. Mit dem Gegentor fiel dann (wieder) alles in sich zusammen.

    Bei den Aussagen der Spieler (und des Trainers!) frage ich mich schon ein bisschen, ob die ein anderes Spiel gesehen haben. Mathisen leider wie einmal ein Gefahrenherd und völlig zu Recht ausgewechselt. Hrgota uninspiriert und mit kaum einer gelungen Aktion.

    Erst mit dem Zurückziehen von Smith in die Innenverteidiung und der Einwechslung von Ceesay plus Anschlusstor kam wieder Struktur und Leben in unser Spiel. Aber wie schon gegen Essen hatten wir danach kaum noch nennenswerte Chancen.

    Für mich wird sich da ein bisschen zu sehr was vorgemacht. „Wir können den Rasen mit erhobenen Hauptes verlassen.“ (Nemeth) „Die 90 Minuten betrachtet war es unser bestes Spiel in dieser Saison.“ (Smith) „Wenn wir mit solch einer Leistung weiterspielen, haben wir auch das Recht, jede Woche in die Punkte zu kommen.“ (Rapp)

    Wie bitte? So, wie wir gerade spielen, verliert man in der zweiten Liga Spiele. Vorne oft zu langsam, falsche Entscheidungen und ohne die letzte Entschlossenheit und Durchschlagskraft, hinten viel zu anfällig. Mathisen ist alles andere als ein Wahl, Ando kommt links anscheinend längst nicht so gut zurecht wie in der Bundesliga-Saison rechts. Nemeth kann seine Kapitänsrolle bisher nicht mit Leistung untermauern. Hrgota sucht diese auch noch.

    In dieser Mannschaft passt es bisher nicht. Ich hoffe, das ändert sich noch. Eventuell auch mit Hilfe von weiteren Ergänzungen.

    1. Es ist das haargenau gleiche ignorante Geblubber, dass wir schon in der letzten Saison in der Rückrunde von VW-Wahl und Göttlich hinnehmen mussten. Exakt null Selbstreflexion in Mannschaft und Verein.

  4. Ich dachte, dass Spiel war schon grauenhaft genug. Dann les und hör ich die Spieler/Trainerkommentare nach dem Spiel und merke: es geht immer noch schlimmer! Da sind die Herren allen Ernstes mit der Leistung zufrieden. Unfassbar! Wem es im Profisport derart an selbstreflexion mangelt, wird weiter abgestraft. Ausgerechnet Nemeth und Mathiesen wundern sich über die Gegentore! Zum Heulen oder totlachen. Ich geh seit 84 zu unserem FC. Die beiden stellen die schlechteste Innenverteidigung, an die ich mich erinnern kann.
    Wenn der Trainer damit (und dem restlichen uninspiriertem gestümpere) zufrieden ist, gehört er sofort gefeuert.
    Auch enttäuschend, dass der Millernton (mit all seiner fachlichen Kompetenz) mal wieder keine kritischen Fragen auf der PK stellt.

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