„Those were tough weeks for me“

„Those were tough weeks for me“

Joel Fujita stand gegen Wolfsburg wieder in der Startelf und belohnte sich nach schwierigen Wochen mit seinem ersten Saisontor.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Erst aus der ersten Bundesliga abgestiegen, dann nicht für den WM-Kader nominiert. Dann kam auch noch der erhoffte Transfer nicht zustande, gefolgt von wenig Spielzeit bei seinem Club – es dürfte eine harte Zeit für Joel Fujita gewesen sein. Die Nachricht, dass der Japaner nicht für die Weltmeisterschaft nominiert wurde, kam schon relativ überraschend. Als dann noch Mittelfeldspieler Watrau Endo von Liverpool für die WM ausfiel, wurde nicht Fujita, sondern der eigentliche Innenverteidiger Maya Yoshida in das Trainingslager nachberufen. Obwohl Fujita in der Saison alle Länderspielreisen mitgemacht hatte.

Nach dem Hin und Her mit dem WM-Kader kam auch noch die Transfersituation hinzu. Fujita, der bereits beim FC St. Pauli in der Bundesliga viel Spielzeit sammelte, wollte in einer europäischen Top-Liga bleiben. Das Problem: Der passende Transfer kam nicht zustande. Und es kam noch dicker für ihn, denn in der 2. Liga fand er sich nach zwei Spieltagen und durchschnittlichen Leistungen plötzlich auf der Bank wieder.

„I am focusing on this club“

Dann bekam er aber eine neue Chance. Gegen den VfL Wolfsburg stand Fujita in der Startelf. Er zeigte vieles von dem, was ihn auch in der Anfangsphase der Vorsaison auszeichnete. Die Krönung für eine gute Leistung gab es kurz vor dem Spielende: In der 88. Minute setzte Abdoulie Ceesay Wolfsburgs Jonas Adejety im Spielaufbau unter Druck und eroberte den Ball. Adejety grätschte zwar noch dazwischen, spielte den Ball dabei aber direkt zu Joel Fujita. Dieser nahm den Ball an der Strafraumgrenze auf, dribbelte ein wenig und schoss dann in Richtung Wolfsburger Gehäuse. Der Schuss wurde von Adejety noch abgefälscht und dadurch für Torwart Zielinski quasi unhaltbar. So belohnte sich der FCSP doch noch spät für die starke zweite Halbzeit und gewann verdient mit 1:0. Und für Fujita war es so etwas wie eine Wiederauferstehung.

Kurz nachdem der Torschütze auf dem Platz noch freudig tanzte, wurde es in der Mixed-Zone schnell ernster. Fujita trat vor die Mikros und berichtete davon, wie es ihm in den letzten Wochen erging: „It was a bit complicated for me, because at first I didn’t go to the world cup and I was so sad.“ Auch die fehlende Spielzeit machte dem 24-jährigen zu schaffen: „Those were tough weeks for me, because I didn’t play in two games.“ Dass sich das Transferfenster dann langsam schloss und ein Wechsel für ihn nicht klappte, fand Fujita besonders am Anfang schwer: „The first two or three days it was hard, but now its okay. My teammates helped me a lot and also my coach.“ Darüber hinaus betonte der Japaner noch: „My situation wasn’t clear, but now it is and I am focusing on this club.“

„Jetzt ist einfach klar, dass er bleibt“

Auch für Cheftrainer Marcel Rapp war der stets drohende Abgang von Joel Fujita sicherlich keine einfache Situation: „Das stand ja so im Raum, dass Joel weggeht. Es war die ganze Zeit Thema. Jetzt ist einfach klar, dass er bleibt“, erklärte Rapp erleichtert. Der Coach erklärte nach dem Wolfsburg-Spiel auch, warum er den Japaner in den letzten Spielen auf die Bank setzte: „Er hat die ganze Zeit ordentlich trainiert. Seine Leistungen waren aber dann auch nicht so gut, sodass er dann einfach mal auf der Bank war.“ Rapp betonte jedoch: „Ich glaube, das ist auch kein Problem. Wir gehen mit den Jungs gut um, erklären ihnen das, zeigen ihnen wie es besser geht. Und dann liegt es an den Spielern.“ Mit Joels Leistung vom Wochenende schien der Coach zufrieden zu sein: „Er hat jetzt weiterhin gut trainiert. Jetzt hat er die Chancen wieder gekriegt zu spielen. Ich glaube er hat gerade in der zweiten Halbzeit ein sehr gutes Spiel gemacht und hat dann ja noch, natürlich mit ein bisschen Glück, das Tor gemacht.“

Endlich wieder 90 Minuten

Gegen den VfL Wolfsburg spielte Fujita nicht wie gewohnt im zentralen Mittelfeld, als Sechser, sondern eher als linker Achter. Das war selbstverständlich auch dem geschuldet, dass Eric Smith die Fünferkette verließ, um als Sechser zu agieren. Obwohl Fujita rein nach Aufstellung sehr weit links agierte, sah man ihn doch überall. In den 90 Minuten Spielzeit schoss er nicht nur das entscheidende Tor, sondern konnte seinem Team auch mit einigen anderen Aktionen helfen. Zum Beispiel waren alle seine Dribblings erfolgreich (3/3). Dazu gewann er fünf von sechs Zweikämpfen und zudem war er am Samstagabend der sprintstärkste Spieler: 22 Mal lief er drauf los (FC St. Pauli). Doch nicht nur das, auch die Defensive konnte er hier und da unterstützen und kam auf sieben Ballwiedereroberungen. Tatsächlich gewinnt Joel Fujita pro 90 Minuten die meisten Bälle aller zentralen Mittelfeldspieler der 2. Bundesliga zurück. Ebenfalls führt er die Liste der meisten Balleroberungen im letzten Spielfelddrittel pro 90 Minuten an. Das bedeutet er gewinnt die Bälle weit vorne – so ist auch sein Tor am Wochenende entstanden.

„Perfect example of how you should deal with difficult times“

In der Mixed-Zone haben sich die Spieler nicht nur sichtlich über den Erfolg gefreut, sondern auch über die Rückkehr von Joel Fujita. Denn dass es in den letzten Wochen nicht gerade einfach für den Japaner war, dürften alle rund um den Verein mitbekommen haben. Umso mehr freut man sich natürlich über seinen Erfolg gegen Wolfsburg. Sein Mitspieler Eric Smith sagte: „It has been tough for him; we all know it. He hasn’t played for a couple of games. It’s an unbelievable mentality to go in and be able to play 90 minutes. I’m very proud and pleased to have him in the team.“ Der Schwede ging noch weiter und erklärte: „I think we all saw today: his head was in the right place and he deserved to play and he played unbelievably. That is, I would say, the perfect example of how you should deal with difficult times.“ Ben Voll fasste noch einmal zusammen, worauf wir alle hoffen können: „Das tut ihm natürlich auch unfassbar gut.“ Super wäre es ja, wenn das Tor als sogenannter Dosenöffner für den jungen Japaner funktionieren könnte und er jetzt zu seinem altbekannten wunderbaren Spielstil zurückkehrt. Marcel Rapp ist jedenfalls guter Dinge, dass da nun noch viel mehr gehen kann: “Wir sind total glücklich, dass er da ist und ich glaube, wir können noch einiges von ihm erwarten.“

Darauf freue ich mich auf jeden Fall schon sehr. In dem Sinne: Good to have you back, Joel!
// Nike

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