Im Sommer 2026 verließen elf Spieler den FC St. Pauli. Wo die Abgänge momentan spielen und wie es da so läuft, haben wir uns mal etwas genauer angeschaut.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Wie geht es den ehemaligen FCSP-Spielern?
Insgesamt hat die Größe einer Startelf den FC St. Pauli nach dem Bundesligaabstieg 2026 verlassen. Dabei auch durchaus große Namen wie Hauke Wahl, den wir bereits wieder am Millerntor sehen konnten. Kapitän Jackson Irvine und unser geliebter Torwart Nikola Vasilj verließen den Verein, um im Ausland zu spielen. Neben diesen drei verließen ebenfalls erfahrene Spieler wie Manolis Saliakas, Daniel Sinani und Karol Mets den FCSP. Die Abgänge komplett machten dann Fin Stevens, Jannik Robatsch, Emil Gazdov, James Sands und Andréas Hountondji. Besonders die letzten beiden gehörten zu wichtigen Stammspielern der Mannschaft. Somit musste der FC St. Pauli sieben Spieler abgegeben, die in der Bundesliga quasi zur Startelf gehörten.
Hauke Wahl (VfL Wolfsburg)
Ach Hauke, so schade ich es auch finde, dass du gegangen bist, so sehr hat mich ausgerechnet der Sieg gegen Wolfsburg doch gefreut.
Der 32-jährige, der bereits beim FC St. Pauli in verantwortungsvollen Rollen war, wechselte als Führungsspieler zum Ligakonkurrenten und Mitabsteiger VfL Wolfsburg. Dort hat er bisher in jeder Partie die Kapitänsbinde (von Maximilian Arnold) getragen und noch keine Spielminute verpasst. Auch am Millerntor stand er schon wieder auf dem Platz. Ausgerechnet gegen den Ex-Club verlor sein neues Team das erste und bisher einzige Mal in der laufenden Saison. Bei den Wölfen wird Hauke oft als rechter Innenverteidiger in einer Viererkette eingesetzt. Dort macht er es bisher sehr gut und kommt zum Beispiel auf eine Passgenauigkeit von 93,4 %. Auch ist er in den Kopfballduellen ziemlich stark und kann da mehr als zwei Drittel für sich gewinnen. Sein erstes Tor diese Saison erzielte er beim Auswärtsspiel gegen den Karlsruher SC, wo er zum 4:2 für seine Farben per Kopf traf. Die Rückkehr des 32-jährigen ans Millerntor war natürlich ein aufregendes Thema. Wahl sagte nach dem Spiel: „Es wurde viel geklatscht, das hat mir viel bedeutet. Ich bin sehr, sehr glücklich damit, wie ich empfangen wurde“.
Karol Mets (VfL Bochum)
Es wird diese Saison noch ein weiteres Aufeinandertreffen mit einem ehemaligen FCSP-Spieler geben, sein Name: Karol Mets. Der 33-jährige wechselte im Sommer zum VfL Bochum. Beim FC St. Pauli spielte der gebürtige Este dreieinhalb Jahre lang, bevor im Sommer der Schritt Richtung Bochum kam. Karol war aus der Startelf eigentlich nicht weg zu denken, umso schwerer war der Wechsel für beide Seiten. „Was wir gemeinsam erreicht haben, war bemerkenswert und wird nie vergessen werden. Ein großer Teil meines Herzens bleibt für immer in Hamburg“ erklärte Mets nach dem feststehenden Wechsel. Beim VfL unterschrieb er einen Vertrag bis zum 30.06.2028 und erzählte: „Ich freue mich, dass es mit dem VfL Bochum geklappt hat (…), das Stadion ist jedenfalls nach meinem Geschmack: eng und kompakt, die Fans nah an der Mannschaft – ich freue mich schon jetzt auf die Spiele hier. Vorher gilt es aber, hart im Training zu arbeiten, denn die 2. Bundesliga ist ein tougher Wettbewerb.“ Doch wie läuft es für ihn bei seinem neuen Club? Bis auf das erste Spiel gegen Hertha BSC spielte er immer 90 Minuten und ist auch als Führungsspieler eingeplant. Ein Tor erzielte er bisher noch nicht, lieferte der Mannschaft dafür aber wichtige Stabilität in der Defensive. Er gewinnt durchschnittlich zwei Drittel seiner Defensivduelle und ist mit seinen Pässen ins letzte Drittel ebenfalls viel an den Offensivaktionen seines Teams beteiligt. Seine Passquoten lassen sich besonders bei kurzen Pässen (92,2 %), aber auch bei langen Pässen sehen, denn davon sind ebenfalls mehr als zwei Drittel erfolgreich. Insgesamt ist er am Spielgeschehen viel beteiligt und mischt in allen Situationen mit, besonders auf der linken Spielfeldhälfte, weil er auch in Bochum als linker Innenverteidiger eingesetzt wird.
Manolis Saliakas (Olympiakos Piräus)
Aber auch in der rechten Spielfeldhälfte ist ein ehemaliger FCSP-Spieler erfolgreich und hat gerade in zwei Spielen gegen das deutsche Nationalteam vier Punkte geholt und kein Gegentor gefangen. Die Rede ist natürlich von Manolis Saliakas. Der gebürtige Grieche ging nach dem BuLi-Abstieg zurück in sein Heimatland, um dort für den Erstligisten Olympiakos Piräus zu spielen. Nach seinem Wechsel erklärte der 30-jährige: „Olympiakos war schon immer mein Lieblingsverein in Griechenland – aber ich werde auch St. Pauli mein Leben lang verfolgen. Es waren vier unglaubliche Jahre.“ Saliakas spielte bisher in drei Spielen mit, bereitete in seinem ersten Match einen Treffer vor und erzielte in seinem dritten selbst einen Treffer. Bei Olympiakos zeichnet er sich besonders durch seine Schlüsselpässe aus und ist alles in allem fast mehr in der Bewegung nach vorne aktiv, als in den Reihen der Defensive, ähnlich wie beim FC St. Pauli also. Viel mehr Aufmerksamkeit als die griechische Liga bekamen allerdings die Nations-League-Spiele, wo die Griechen acht Zähler aus vier Partien holten und unter anderem erstmals gegen die DFB-Elf gewannen. Die Bilder vom offenbar recht emotionalen Wiedersehen mit unserem ehemaligen Topspieler Philip Treu haben mich total gefreut.

// (Maja Hitij/Getty Images/via OneFootball)
Nikolaj Vasilj (Al-Diriyah SC)
Ich glaube, kein Abschied ist mir so schwergefallen wie der von Nikola Vasilj. Er war nicht nur mein absoluter Lieblingsspieler, sondern er wechselte auch noch ausgerechnet in die Saudi Pro League zum Al-Diriyah SC. Dort ist er bisher in jedem Spiel zum Einsatz gekommen und konnte bereits drei Mal die Null halten und musste bisher fünf Mal den Ball aus dem Netz fischen. Ligaweit ist seine Paradenqoute richtig gut. Der Ligadurchschnitt in Saudi-Arabien liegt bei 69,9 %, Vasiljs bei 82,1 %. Was wir von dem Keeper bereits kennen, ist seine Stärke im Spielaufbau, 97,7 % seiner kurzen Pässe sind erfolgreich. Im Gegensatz dazu kommen nur 47,6 % seiner langen Pässe beim Mitspieler an.
Danel Sinani (Sampdoria)
Der 29-jährige Danel Sinani wechselte im Sommer zu Sampdoria Genua, die in der italienischen Serie B spielen. Sinani kam bisher in allen fünf Ligaspielen zum Einsatz. Anfangs spielte er die vollen 90 Minuten, in den letzten drei Aufeinandertreffen ging er allerdings früher vom Platz. In der vergangenen Woche kam dann die erschreckende Nachricht von der Luxemburgischen Nationalmannschaft: Danel Sinani fällt monatelang aus. Der 29-jährige verletzte sich bei 2:1-Sieg gegen Bulgarien. Bei einer MRT-Untersuchung wurden Verletzungen an Kreuzband und Meniskus festgestellt, welche eine Operation mit sich bringen. Somit wird nicht nur das Nationalteam für die nächste Zeit auf ihn verzichten müssen, sondern auch sein neuer Club. Gute Besserung Danel, hoffentlich bist du bald zurück!
Jackson Irvine (Cerezo Osaka)
Der Kapitän des FC St. Pauli verließ den Verein, um in der japanischen ersten Liga von nun an für Cerezo Osaka aufzulaufen. Jackson Irvine spielte bisher in sieben Spielen mit, fast immer die vollen 90 Minuten, nur im ersten Spiel ging es für ihn erst nach der Halbzeitpause los. Für Cerezo Osaka spielt er genau wie zuvor beim FCSP im zentralen Mittelfeld und beteiligt sich somit an allen Spielsituationen. Ein Tor hat der 33-jährige zwar noch nicht erzielt, aber er bereitete eins vor. Wie auch viele seiner ehemaligen Teamkollegen ist er in der Länderspielpause aktiv, konnte sich bisher zwar noch über keinen Sieg freuen, dafür aber mit Connor Metcalfe nach dessen Treffer jubeln.
Fin Stevens (Leyton Orient)
Der 23-jährige Waliser wechselte im Sommer 2024 vom FC Brentford ans Millerntor. Dort kam er lediglich auf drei Spieleinsätze. Somit war der Wechsel zu Leyton Orient in die dritte englische Liga ein wichtiger Schritt für den Rechtsverteidiger, denn dort sammelt er tatsächliche Spielzeit. Als rechter Innen- oder Außenverteidiger kam Fin Stevens bisher in allen acht Ligaspielen zum Einsatz. Seine Stärken liegen sowohl in den Dribblings (da hat er eine Erfolgsquote von fast 100 %) und in den Zweikämpfen, von denen er unter allen Rechtsverteidigern die drittmeisten führt und für Spieler auf seiner Position starke knapp 60 % gewinnt. Zudem fing er unter allen Rechts- und Innenverteidigern die fünftmeisten Pässe ab. Leyton konnte bisher drei Spiele gewinnen, hat einmal unentschieden gespielt und musste auch schon vier Niederlagen einstecken. Damit befindet sich der Club auf dem 11. Platz der Tabelle.
Jannik Robatsch (SK Beveren)
Der gebürtige Österreicher wechselte als Leihgabe zum belgischen Erstligisten SK Beveren. Der Club hält sich momentan auf dem 9. Platz in der Liga, konnte einmal einen Sieg nach Hause bringen und verlor insgesamt viermal. Jannik Robatsch kam bisher in den ersten beiden Spielen nach seiner Ankunft in Belgien als Einwechselspieler zum Einsatz. Seitdem kam keine Spielminute mehr hinzu, Robatsch sammelt somit auch bei seinem neuen Club nicht viel Spielzeit.
James Sands (New York City FC)
Der 26-jährige wechselte nach Leihende im Sommer zurück zu seinem früheren Club, dem New York City FC. Für die US-Amerikaner kam er mitten in der Saison dazu und ist trotzdem bereits fester Bestandteil der Startelf. In allen zwölf Spielen nach seiner Rückkehr stand er zu Beginn auf dem Platz, wurde nur einmal ausgewechselt und erzielte bislang ein Tor (gegen New England). Auch sonst lässt er sich mit guten Aktionen blicken. Zum Beispiel gewinnt er zwei Drittel seiner Defensivduelle und fast 60 % der Kopfball-Zweikämpfe. Bei seinem vorletzten Spiel (dem Derby gegen New York RB) kam er auf einen persönlichen Rekord von 10 Interceptions. Sands macht also dort weiter, wo er beim FC St. Pauli aufgehört hat. So gesehen war sein Leih-Intermezzo beim FC St. Pauli sehr erfolgreich, denn trotz zwei schwerer Verletzungen sammelte Sands einiges an Spielerfahrung und ist auch deshalb beim NYCFC ein wichtiger Spieler.

(Jordan Bank/Getty Images/via OneFootball)
Andréas Hountondji (Burnley FC)
Der gebürtige Franzose kehrte nach Leihende und dem Bundesliga-Abstieg zurück zum Burnley FC. Doch nicht nur für den FC St. Pauli sondern auch für Burnley geht es in dieser Saison in der zweithöchsten Spielklasse weiter, der Club stieg in der Vorsaison aus der Premier League ab. In der englischen Championship kam Hountondji in fünf von acht Spielen zum Einsatz, jedoch stand er nur zwei Mal in der Startelf und jeweils auch nicht länger als 45 Minuten. Gewinnen konnte Burnley bisher kein einziges Spiel. So steht es gerade nicht allzu gut um den Club, denn dieser ist mit gerade einmal vier Punkten auf dem 24. und somit letzten Platz in der Liga. Hountondji hat bisher erst zwei Zweikämpfe verloren, ist aber ansonsten eher unauffällig in den Spielen, kam zum Beispiel erst auf drei Abschlüsse.
Emil Gazdov (CF Montréal)
Der 23-jährige Torwart kam in der Rückrunde der letzten Saison als Leihspieler von CF Montréal ans Millerntor, um das Team nach der Verletzung von Simon Spari auf der Torwartposition zu verstärken. Im Sommer wechselte er nun zurück in die MLS zu seinem vorherigen Verein. Dort ist er bisher noch nicht zum Einsatz gekommen, sondern saß in drei von 15 Pflichtspielen als zweiter Keeper auf der Bank.
Wie es zu erwarten war, ist der Saisonstart für die elf Abgänge des FC St. Pauli ganz unterschiedlich verlaufen. Einige haben Stammplätze bei ihren Teams eingenommen, andere pendeln zwischen Bank und Startelf und einige haben bei ihrem neuen Club bisher noch nicht richtig Fuß fassen können oder wurden durch Verletzungen zurückgeworfen. Wir werden die Wege dieser Spieler natürlich weiter eng verfolgen.
You’ll Never Walk Alone!
// Nike
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