Fürth away: Leider doch keine perfekte Rückrunde

Hätte ja klappen können… nachdem wir vorm Derby sowie vor den Spielen gegen Wehen-Wiesbaden und dem Rückspiel gegen Arminia Bielefeld jeweils mit dem Erstellen eines Entwurfs eines Spielberichts und entsprechendem Arbeitsttitel einen Sieg „erzwungen“ hatten, ging das dieses Mal kräftig in die Hose.
Wie konnte es so weit kommen? (Und wenn Euch das jetzt noch zu sehr aufregt, schaut gerne in der heutigen ‚Lage‚ vorbei, da hab ich auch lobende Worte gefunden, wenn auch zu einem anderen Thema.)
(Titelbild: Peter Boehmer)

Neutralisation at it’s best
Die erste Halbzeit dieses Spiels war nicht viel mehr als ein klassischer Coin-Flip. Ich denke, dass nur wenige widersprechen werden, wenn ich behaupte, dass es auch 1-0 für uns hätte stehen können und niemand das als so richtig unverdient empfunden hätte. Es war kein Leckerbissen an Fußball der da präsentiert wurde. Viel Stückwerk mit Fokus auf Fehlervermeidung. Daraus folgte dann eine Art Neutralisation.
Und wenn es eine Sache gab, die dem FCSP fehlte, dann war es eine klare Besetzung des Sechserraumes (so äußerte sich übrigens auch Fürth-Trainer Stefan Leitl auf der PK). Hier hatte Fürth, wenn sie es denn mal schafften die Mittelfeld-Reihe geordnet zu überspielen, einige Male Überzahl erschaffen können. Das lag daran, dass Fürth, für mich ehrlichgesagt völlig unerwartet, mit zwei Spitzen spielte. Dadurch wurden unsere Innenverteidiger gebunden. Ans Rausrücken in entsprechender Situation war also nicht zu denken. Und es war übrigens auch genau der freie Sechserraum, den Hrgota zum 1-0 nutzen konnte. Für mich als Freizeittaktikgrübler hätte eine klare Besetzung der Sechserposition hier schon viele Dinge gelöst. So richtig klar wurde bei der Wahl von Buchtmann, Sobota und Becker diese Besetzung aber nicht (auf der defensiven Position war zwar meist Sobota zu finden, aber so richtig passte das nicht, da der Raum halt häufig verwaist war). Es sind ohnehin alle drei eher Spieler für die vorderen Positionen im Zentrum.
Auch für das eigene Aufbauspiel wäre eine klare Sechs womöglich hilfreich gewesen, da es schlicht an Verbindungen zwischen Abwehr und Angriff fehlte. Hier sei natürlich angemerkt, dass Fürth gerade in der 1.Halbzeit versuchte das Zentrum so zu verdichten, dass jene Verbindungen nicht geschaffen werden konnten. Aber es drängte sich halt auch keiner der drei Spieler im Zentrum auf, daran so richtig was zu ändern. Und genau das fehlte. Spielkontrolle mit längeren Ballbesitzphasen und eine gute Konterabsicherung (übrigens auch das was Buballa und Himmelmann nach dem Spiel kritisierten). Ich wiederhole mich: Da wäre eine klare Sechs womöglich hilfreich gewesen.

(c) Peter Boehmer

Ein Lichtblick
Das passierte dann erst später mit der Einwechslung von Benatelli. Der Typ wird sicher keine Sprint- und Kopfballduelle gewinnen, kein klassischer Vorstopper (wenngleich das nicht bedeutet, dass er keine Zweikämpfe bestreiten kann; er hat gestern 8 von 11 Duellen gewonnen) und auch kein Torjäger bzw. Vorlagengeber sein. Aber er schafft im Aufbau durch Passsicherheit Verbindungen zwischen Abwehr und Angriff, rechter und linker Seite. Nennt sich ganz fancy box-to-box Player. Und genau das hat gefehlt, dieses ausgleichende Element mit der notwendigen Ruhe am Ball. Ihr merkt, ich bin innerhalb von 30 Minuten vollkommen überzeugt worden, dass uns genau dieser Spieler weiterhelfen kann.
Und falls ihr hierfür noch ein bisschen statistisches Futter braucht (Quelle Sofascore-App): Rico Benatelli hat in seinen 29 Minuten Spielzeit 36 erfolgreiche Pässe gespielt (97% Passquote, 49 Ballberührungen). Finn Ole Becker und Christopher Buchtmann haben zusammen(!) in 122 Minuten Spielzeit 27 erfolgreiche Pässe gespielt (zusammen 47 Ballberührungen (20 Buchti, 27 Becker)). Und auch Sobota hat nur marginal mehr Ballberührungen (64 in 90 Minuten – erschreckende 17 Ballverluste stehen da auch in seiner Statistik). Durchaus möglich, dass Fürth weiter zurückgezogen in den letzten 30 Minuten agierte. Aber es wird doch schon ziemlich deutlich, dass hier ein ganz anderer Spielertyp auf dem Platz stand. Und auf der anderen Seite wird deutlich, dass besonders Christopher Buchtmann überhaupt keinen Zugriff auf das eigene Spiel bekam, welches nicht zwingend nur an seiner Spielweise lag sondern auch daran, dass er eben vorne auf der 10 keine Bälle bekam.

Ballberührung 1 von 20…
(c) Peter Boehmer

Schade eigentlich, dass uns in der besten Phase (nach benatellis Einwechslung), als wir es eben schafften häufig die Bälle kontrolliert ins Angriffsdrittel zu bekommen, kein Tor gelungen ist. Wir hätten es verdient gehabt. Stattdessen gurken wir uns hinten raus noch zwei Gegentore der Marke „völlig unnötig“ rein und so klingt das Ergebnis wie ein Offenbarungseid.
Wobei es eigentlich auch eine Offenbarung war, die teilweise präsentiert wurde. Und damit meine ich die fehlende Aggressivität. Die hat dann doch über eigentlich das komplette Spiel gefehlt. Eklatant wurde es in den ersten 15 Minuten der 2.Hälfte als wir wirklich gar nix auf die Kette bekamen und das ominöse Momentum klar bei Fürth lag. Hatte hier etwa irgendwer gedacht, dass dank einer guten Vorbereitung nun etwas weniger Aggressivität in Spielen der 2.Liga auch noch zum Erfolg führen würde? Ich dachte über diese Phase wären wir schon hinweg.
Nun, da ist jetzt auch mächtig Frust in meinen Zeilen. Grundsätzlich wirkt ein Team ja auch nicht aggressiv, wenn es eben keinen Zugriff auf den Gegner bekommt, den es ja auch häufig nicht gab. Ist dann auch ne Henne-Ei-Diskussion. Nehmen wir als Fazit also beides, fehlende Aggressivität (& Laufbereitschaft) gepaart mit einer nicht optimalen Formation ergeben eine 0-3 Niederlage in Fürth. Scheiße.

// Tim

Links:
– Vereinshomepage Spielbericht
– FCSP South End Scum: Matchday 19 (English)
– Kicker Spielbericht

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