Lage am Millerntor – 16.06.2020

Pauli-Paadie, Pauli-Paadie, lalalalalalaaaaa, Pauli-Paadie.
Schrieb ich nicht gestern schon, es wäre schön, wenn die Saison endlich vorbei wäre? Ja, ist immer noch so. Ich bitte für diese Destruktivität um Entschuldigung.

+++ Update 13.30h +++
Die Aktions-Website unseres Aufreger-Themas von heute morgen ist aktuell nicht mehr erreichbar.

+++ Update 10:00 Uhr +++
Als Vorbereitung auf das Spiel bei Hannover 96 könnt Ihr wahlweise das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Yannick mit Tobi oder seinen Gegenbesuch bei dessen „Vorwärts nach Weit“-Podcast.

+++ Moin +++
FCSP News
Der Bielefelder 4:0-Sieg gegen Dynamo gibt die rechnerische Gewissheit, dass wir zumindest Dresden definitiv hinter uns lassen werden. Trotzdem sind sowohl direkter Abstieg als auch Relegationsplatz weiter möglich – allerdings wäre mit drei Punkten morgen an der Leine (mindestens) der direkte Abstieg nicht mehr möglich und sehr wahrscheinlich wäre dann sogar schon alles gerettet.
Ob dies gelingt steht auf einem anderen Blatt, in den letzten vier Spielen gelang uns gegen 96 zumindest nicht mal ein Tor.
Die fünftletzte Begegnung hingegen war der umjubelte 1:0 Auswärtssieg in der Bundesliga, Flanke Oczipka, Kopfball Ebbers – ich sehe es noch wie heute vor mir.
Es scheint keine neuen Verletzten zu geben, gesperrt ist auch niemand – näheres dazu dann wahrscheinlich ab heute mittag, nach der Pressekonferenz.

Besonderes Augenmerk gilt daher heute natürlich dem Auftritt der Osnabrücker in der Vorstadt und dem direkten Aufeinandertreffen von Wehen-Wiesbaden und dem 1.FC Nürnberg (je 18.30h).

Fanszene News // Fanfotos auf der Werbebande
Tja, und spätestens jetzt kommen wir zum unangenehmen Teil, wobei die Fanszene da nichts für kann.
Ein Werbepartner des Vereins, eine Versicherung (wir verzichten dann mal auf einen Link) hat gestern dazu aufgerufen, Fotos im „St.Pauli-Look“ einzusenden, die dann dazu genutzt werden, beim Heimspiel gegen Regensburg auf der Werbebande gezeigt zu werden.

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Puh…

PUH!

Wir sind hier nun wirklich nicht dafür bekannt, die Speerspitze der Pöbelblogs zu bilden, sondern versuchen uns immer nach besten Wissen und Gewissen daran, alle Seiten zu verstehen und ggf. Sachzwänge auch mit zu berücksichtigen, die man im emotionalen Überschwang als Fan vielleicht nicht so geil finden will.
Und im Zusammenspiel mit den wirklich sehr geschätzten Kolleg*innen vom MagischenFC-Blog liefert das dann oft ein ausgewogenes Bild aus der Fanperspektive, wo sich jeder was bei raussuchen kann. Wir manchmal zu verständnisvoll, der MagischeFC vielleicht ab und an leicht emotional mit der Abteilung Attacke.
Passt ganz gut, finden wir.

Aber…
ABER…
ABER!!!

Wir verlassen den entspannten Beobachtungsposten und die uns zugewiesene Rolle jetzt mal.
Mann, ey, das kann doch nicht wahr sein?
Wie kann sowas (immer wieder) passieren?
Das Fansofa war ne scheiß Idee, die aber auch vom Werbepartner scheiße kommuniziert wurde und am Ende im Stadion nicht so scheiße auffiel, wie es zunächst befürchtet wurde.
Die Zigarillo-Verteilaktion ist „durchgerutscht“ und der Vertrag mit dem Partner wird nicht verlängert, so sagt man.
Die Rabauken-Aufwertung in der Altersgruppe sollte natürlich dem Fanladen keine Zielgruppe wegnehmen…
(Und von den „lustigen“ SMS auf die Bande von vor zig Jahren fangen wir jetzt gar nicht erst an, auch nicht von der sexistischen Autohaus-Werbebande und den sexistischen Autovermieter-Plakaten.)

[…] trotz Geisterspiel-Kulisse im Millerntor quasi live dabei […] 

Aber nach all den Wochen der Corona-Zeit, in der das zurückhaltende Präsentieren im Stadion sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde, in der das „Fußball lebt durch seine Fans“-Plakat als einzig sinnvolles Statement im Stadion zu sehen war, in der auch das Präsidium sich stets ähnlich äußerte und wir keine bescheuerten Fotos oder Pappfiguren aufgestellt haben, um dem TV-Zuschauer das „Millerntor-Feeling“ vorzugaukeln – da kommt jetzt ausgerechnet kurz vor Schluss doch noch so eine Aktion auf den Markt, mit dem man sich wirklich mit dem Arsch wieder alles einreißt, was man so mühsam über Wochen aufgebaut hat?
Und dabei hab ich noch nicht mal erwähnt, dass dieser Partner dann auch noch am Ende von „Pauli“ schreibt…

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Ja, klar, Fehler passieren, alles nur Menschen und so. Aber nach all den beschriebenen Dingen, nach der von (M)ein Verein-Podiumsdiskussion, in dieser hoch sensiblen Zeit, wo wirklich jede Aktion von/für/mit Fans im Stadion unter dem Brennglas liegt – wie kann es da auch nur eine*n Mitarbeiter*in in diesem Verein geben, der/die diesen Bullshit vorgeschlagen bekommt und sich denkt: „Ja, eigentlich ne gute Idee. So machen wir das!“
Wie wenig hat man diesen Verein verstanden? Wie blind ist man gegenüber allem, was in dieser Fanszene vor sich geht? Beschäftigt man sich mit seinem Job über den Schreibtisch hinaus, oder ist das dann doch nur ein ganz normaler Agenturen-Job und mensch könnte auch beim Nachbarn Stadionuhren verkaufen?
Und wie werden neue Werbepartner eigentlich eingeführt? Es gab da früher mal so ne Art Fibel für Leute auf Business-Seats, denen man beispielsweise mitteilte, dass es eher uncool ist zum Anpfiff beider Halbzeiten noch bei den Schnittchen zu stehen und ähnliche Dinge. Auch das „Sankt“ wurde darin als heilig deklariert. Und überhaupt: Wenn ich als Firma die komplette „Ich bin so anders und deswegen passen wir so geil zusammen“-Palette bespiele, mache ich mich mit so einer Aktion einfach komplett zum Löffel und baller die Glaubwürdigkeit von 1910 auf Null, ich werde in dem Laden zumindest keine Versicherung mehr abschließen. Gut, hätte ich wahrscheinlich vorher auch nicht, aber jetzt kann ich auch noch erklären, warum, Ihr Helden.

Immerhin: Auf meine dezente „Irritation“ hin äußerte sich Geschäftsführer Martin Drust auf Twitter gestern Abend dann sehr schnell so:

Dann hoffen wir mal, dass dies auch beim Werbepartner verstanden wird und Sonntag keine „Pauli-Gesichter“ auf der Werbebande lustige Pauli-Paadie vorgaukeln.
Und nach den oben genannten Vorfällen aus jüngster Vergangenheit ist es dann vielleicht doch an der Zeit, wirklich alle Mitarbeiter einer wachsenden Abteilung nochmal ganz grundsätzlich mit den „Basics“ vertraut zu machen, damit so etwas nicht nochmal und nochmal unabgestimmt und nicht genehmigt passiert.

„Pillenkick“-Doku jetzt auch beim Deutschlandfunk-Sportgespräch
Auf die sehr empfehlenswerte „Pillenkick“-Doku der ARD zum Thema Schmerzmittelmissbrauch hatten wir schon hingewiesen, ebenfalls auf das Rasenfunk-Tribünengespräch zum Thema.
Wer nicht so gerne Videos schaut oder wem der Rasenfunk zu lang ist, der findet jetzt das gleiche Thema von den Autoren auch im Deutschlandfunk Sportgespräch behandelt.

1.FC Kaiserslautern stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung
Hatten wir gestern schon kurz, jetzt ist es offiziell.
Die Kurzfassung: Keine Schulden mehr für die „Region GmbH und Co. KgaA“, kein Punktabzug, >20 Millionen € Schulden weg. Nach all der Misswirtschaft der vergangenen Jahre, in denen das Land Rheinland-Pfalz auch immer wieder rettend zur Seite sprang, jetzt also dank Corona ein goldener Ausweg aus dem Tunnel.
Bleibt zu hoffen, dass der DFB daraus lernt und nicht immer nur die kurzfristige Liquidität prüft, sondern Vereine mit derartigen Schulden in dieser Ligazugehörigkeit vielleicht auch einfach mal generell nicht mehr mit allem durchkommen lässt. (Ja, dies ist sehr vereinfacht ausgedrückt.)
Sollte der 1.FC Kaiserslautern dann in den nächsten 1-2 Jahren schuldenfrei zurück in die 2.Liga marschieren, bedanken sich die anderen Vereine, die diesen Weg nicht gewählt haben, sicherlich besonders für diese sportliche und finanzielle Fairness.

Bleibt gesund.
// Maik

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