Endlich wieder Auswärtsfahrt!

Endlich ging es für mich wieder im 9-er zum Fußball. Das letzte Mal hatte ich beim Auswärtsspiel gegen Sandhausen in solch einem Gefährt gesessen. Nun sollte es nach Brandenburg gehen. Der Test der 1. Frauen des FCSP gegen den SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf stand auf dem Programm.

Bereits vor zwei Wochen waren einige Fans zum Test nach Buchholz gefahren, aber eine 20minütige Regiofahrt fühlt sich natürlich nicht wirklich nach Auswärtsfahrt an.
So ging es gestern also morgens um 9 Uhr am Treffpunkt Berliner Tor los. Sechs Menschen hatten sich zusammengefunden, um die Fahrt anzutreten. Raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn, die erst kurz vor dem Ziel durch zahlreiche Baustellen etwas voller wurde. So wurden die rund 260 km schnell runter gespult, zwei Pausen für die Raucher eingelegt und knapp eine Stunde vor Anpfiff erreichten wir das Ziel. Schon beim Parken fiel uns ein Mülleimer auf, dessen Botschaft uns sehr sympathisch war:

BWNHD – ANTIFA AREA

BWNHD nennt seine Spielstätte selbst „Stadion an der Niederheide“. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Vielmehr erstrecken sich drei Sportplätze auf dem Areal, der hinterste wird von einem zweistöckigen Vereinsheim inklusive Gastronomie flankiert, die gegenüberliegende Seite gehört den Auswechselbänken, der Anzeigetafel und vielen, vielen Werbebanden zumeist lokaler Sponsoren. Gut gefiel mir, dass der Platz von Bäumen eingefasst ist, was optisch sehr gefällig ist, vielleicht aber nicht so praktisch, wenn ein Ball mal weit über das Seitenaus geht.

Ein Großteil der Gruppe inklusive mir gehört dem Fanclub „Die üblichen Verdächtigen“ an, so dass natürlich erstmal das Banner aufgehängt werden musste. Dann blieb aber auch noch genug Zeit für die angesprochene Gastronomie sowie ein kurzes „Hallo“ mit Trainer Thomas Mucha, dem aufgrund von Urlaub und Verletzungen heute nur 14 Spielerinnen im Kader zur Verfügung standen. Vor dem Anpfiff gab es noch Mannschaftsfotos beider Teams, dann ging es los.

Das Team im Testspiel. 14 Spielerinnen treten gegen BWHND an.
Nicht im Bild: Nachwuchs Midou hatte verschlafen und war noch auf der Autobahn.
(Foto mit freundlicher Genehmigung von Harry Hellström)

Das Spiel
Die Frauen des FCSP legten gut los, ließen aber in den ersten Minuten den direkten Zug zum Tor vermissen. Bis zum Sechzehner lief vieles gut, aber wirkliche Torchancen kamen noch nicht zustande. Das änderte sich nach einer Viertelstunde, als zunächst Annie Kingman (15. Minute) und dann Katharina Giese (18. Minute) jeweils mit der Verwertung des zweiten Balles auf 0:2 stellten.

BWHND – FCSP 0:2: Katharina Giese verwertet nach einer Flanke und zunächst einer Parade
der Torhüterin den zweiten Ball zum Treffer. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Harry Hellström)

Schön zu sehen, dass Chancen nach der ersten Parade oder dem ersten Klärungsversuch nicht verloren gegeben werden, sondern sogar für etwas Zählbares genutzt werden können. Überhaupt war auffällig, wie deutlich besser auch allgemein das Verhalten auf dem Platz geworden ist: In Zweikämpfen wird sich besser behauptet oder gegebenenfalls nachgesetzt, das Spiel ist körperlicher geworden. Fehlpässe werden nicht immer abgeschenkt, sondern versucht zu korrigieren, die Spielerinnen bügeln auch Fehler ihrer Mitspielerinnen aus. Das sah vor einem Jahr noch anders aus. Kurz vor der Pause konnte dann erneut Annie Kingman in der 38. Minute aus einem vielbeinigen Gewusel vor dem Kasten von BWHND den Ball zum 0:3 über die Linie schieben.

In der zweiten Halbzeit dann ein völlig anderes Bild. Trainer Mucha wechselte zunächst auf zwei Positionen: Auf der linken Außenbahn ersetzte Verena Mannes Vivian Kellner und im Tor räumte Tara Zimmermann den Platz zwischen den Pfosten für Lena Sophie Staack, die in der vergangenen Saison noch für die B-Mädchen aktiv war. Das Spiel war jedoch ab dem Wiederanpfiff ein ganz anderes: BWHND – übrigens ebenfalls Regionalligist – war deutlich aktiver als bisher und erspielte sich immer mehr Möglichkeiten. Unsere 1. Frauen standen wesentlich defensiver und wurden sichtlich unter Druck gesetzt. Ein Lattentreffer und eine dramatische Situation im Strafraum, welche die Blau-Weissen aber nicht in ein Tor verwandeln konnten seien hier exemplarisch genannt. Glück für die 1FRN, die sich zumindest über einen Anschlusstreffer nicht hätten beschweren dürfen.

Die Kapitänin des SV BWNHD tritt einen Freistoß in der zweiten Halbzeit. Ihr Team kam immer besser ins Spiel.
(Foto mit freundlicher Genehmigung von Harry Hellström)

Nach etwa 60 Minuten noch einmal Doppelwechsel, wobei für mich hier die junge Midou Loubongo-M’Boungou hervorzuheben ist: Mit gerade einmal 16 Jahren bringt sie meiner Ansicht nach schon jetzt eine enorme Körperlichkeit und Schnelligkeit mit. Von ihr dürften wir noch einiges erwarten dürfen.

Die Nachwuchsspielerin Midou Loubongo-M’Boungou setzt sich im Zweikampf durch. (Foto: Harry Hellström)

Die 1. Frauen brachten die Führung dann aber doch ohne Gegentreffer über die Zeit.
Die Verabschiedung der Fans passierte natürlich auf Distanz, ein kurzes Ständchen für Geburtstagskind Carlotta Kuhnert ließen wir uns aber natürlich nicht nehmen.

Fazit und Sonstiges
Insgesamt ein gutes Spiel, das viel Hoffnung machte, aber auch Defizite aufzeigte.
Zweikampfverhalten, Kampfbereitschaft, Zusammenarbeit stehen auf der Habenseite.
In Halbzeit zwei gab man zu viel Spielanteile ab, was den deutlichen Sieg zwar verdient, aber in der Höhe auch leicht schmeichelhaft macht. Nachwuchsspielerinnen wie Midou und Lena sind schon jetzt gute bis sehr gute Unterstützung.
Bleibt abzuwarten, wie sich das alles in den ersten Pflichtspielen auf den Platz bringen lässt.

Gute Besserung auch an Johanna Wollmann vom FCSP und eine mir leider unbekannte Spielerin des BWHND, die beide verletzt ausgewechselt werden mussten. Walk on!

Den genauen Spielverlauf könnt ihr auch bei Matthias von Schramm nachlesen, der den Liveticker (betrieben von einem unserer Fanclubmitglieder) übersichtlich aufbereitet hat. Die Fotos im Artikel stammen entweder von mir oder Harry Hellström, der übrigens heute Geburtstag hat: Alles Gute, mein Lieber!

Unten noch eine kleine Impression einer insgesamt sehr sympathischen Spielstätte, was bei Brandenburger Vereinen ja jetzt nicht selbstverständlich ist. Rund 80 ZuschauerInnen haben das Spiel übrigens verfolgt. Und zumindest unsere Reisegruppe kann sagen: Wir kommen gerne wieder!

// Yannick

Das Vereinsheim, fototechnisch-künstlerisch bearbeitet von Harry Hellström.

MillernTon auf Twitter
MillernTon auf YouTube (Neu! Abonnieren!)
MillernTon auf Facebook
MillernTon auf Instagram

Wenn Dir gefällt was wir hier tun, findest Du hier die Infos dazu, wie Du uns unterstützen kannst.