Vorbericht: VfL Bochum – FC St. Pauli

An morgigen Montag startet der FC St. Pauli beim VfL Bochum in die Saison 2020/2021. All die Vermutungen und Prognosen werden ab jetzt auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Sicher ist auf jeden Fall, dass es leichtere Auftaktpartien gibt, als dieses Auswärtsspiel.
(Titelbild: Peter Böhmer)

5.000 ZuschauerInnen im Stadion?
Bis zu 5.000 ZuschauerInnen können morgen Abend das wunderschöne Ruhrstadion besuchen. Vorausgesetzt montagmorgens ist die Fallzahl in Bochum entsprechend gering (am vergangenen Freitag lag die Fallzahl bei 23 Fällen pro 100.000 EinwohnerInnen, die Grenze liegt bei 35 Fällen). Das bedeutet, dass alle, die eine Karte erworben haben, sehr flexibel sein müssen. Der Ticketverkauf startete am Freitag und InhaberInnen von Dauerkarten waren einzig zum Erwerb eines Tickets (+ eines zweiten für eine Begleitperson) zugelassen.
Gästefans sind nicht im Stadion erlaubt. Sollte das Einlasspersonal Gästefans anhand von Fanutensilien ausmachen, so wird ihnen der Stadionzutritt verwehrt. Beim Einlass stehen verschiedene Time-Slots für verschiedene Blöcke zur Verfügung, welches den Andrang vor dem Stadion entzerren soll. Im Stadion herrscht dann Maskenpflicht, außer auf den eigenen Sitzplätzen. Stehplätze gibt es nicht.
Ob das alles funktioniert wie geplant? Vermutlich nicht ganz, aber doch schon einigermaßen. Sicher ist, dass sich der FCSP das ziemlich genau anschauen wird, um sein eigenes Konzept ggf. noch anzupassen.

FCSP: Wer kann spielen, wer fehlt?
Sicher fehlen werden beim FCSP leider eine ganz Reihe von Spielern. Einige werden davon schmerzlicher vermisst als andere. Ryō Miyaichi und Christopher Buchtmann zum Beispiel haben leider die komplette Vorbereitung verpasst und sind auch noch immer nicht wirklich „nah dran“ am Training. Andere, wie Kevin Lankford oder Luis Coordes fehlen ebenfalls.
Leider verkündete Timo Schultz auf der PK auch, dass sowohl Simon Makienok als auch Borys Tashchy, die beide letzte Woche teils gar nicht oder nur dosiert trainieren konnten, in Bochum sicher fehlen werden. Es gibt sicher optimalere Bedingungen, um die Besetzung im Sturm zu finden. So bleibt momentan nur Daniel-Kofi Kyereh als Mittelstürmer, der in den Vorbereitungen nicht den bleibendsten Eindruck hinterlassen hat. Das ist richtig dünn und hier muss auch noch auf dem Transfermarkt etwas geschehen.
Der Lizenzkader wird auch nur mit viel Kreativität einen zweiten Stürmer hervorbringen (tatsächlich traue ich Marvin Knoll diese Rolle zu). Da zusätzlich ja auch die bereits erwähnten Miyaichi, Lankford und Coordes fehlen, ist die Personallage in der Offensive nicht weniger als dramatisch und sie stellt sich eigentlich von selbst auf. Auswechslungen zum Ankurbeln der Offensive während des Spiels sind nahezu ausgeschlossen (auf der Außenbahn könnten Zander und Wieckhoff eine Rolle spielen). Einen Ersatz für Kyereh gibt der Lizenz-Kader nicht her. Vermutlich dürfen Serkan Dursun und Christian Stark mit nach Bochum fahren und glücklicherweise haben beide auch das Trainingslager mitmachen können und sind nicht komplett neu im Kader.
Nachtrag: Da Igor Matanovic am Wochenende weder bei der U19 noch bei der U23 im Kader stand, wäre der A-Jugendliche evtl. eine weitere Option. Letzte Saison erzielte er in sieben Spielen für die U17 neun Treffer und in für Einsätzen bei der U19 immerhin drei Tore.

Auf Max Dittgen und Daniel-Kofi Kyereh wird es in der Offensive gegen Bochum ankommen.
(c) Peter Böhmer

Angesprochen auf Veränderungen in der Startelf im Vergleich zum Pokal-Aus meinte Schultz: „Wir wissen, dass wir einige Alternativen im Kader haben und ich mir in so einer Woche das Training genauer anschaue, wer stabil ist und seine Leistung abrufen kann.
Das klingt für mich nach deutlichen Veränderungen in der Startelf. Sicher zurückkehren wird Daniel Buballa („Bei ihm bin ich mir sicher, dass er eine gute Leistung auf den Platz bringt.“) und nach den Eindrücken aus dem Pokalspiel dürfte auch im zentralen Mittelfeld mit Änderungen zu rechnen sein (sowohl Benatelli als auch Zalazar sind klare Startelf-Kandidaten). Durch das Vorrücken von Kyereh als Sturmspitze scheint auch Lukas Daschner in die Startelf zu rutschen.
Fraglich bleibt die Formation, mit der es in Bochum auf den Platz geht. Denn eigentlich wirkte das 3-4-3 klar wie der Favorit. Die Eindrücke aus dem Pokalspiel, als eine Viererkette sehr viel mehr Stabilität brachte (und die Einwechslung von Benatelli und Zalazar auch viel mehr Spielkontrolle), dürften diesem Plan zumindest einen Stresstest unterzogen haben. An sich ist das ganz gut, denn auch der VfL Bochum wird nicht genau wissen, was ihn erwartet. Und da viele Spieler auch auf verschiedenen Positionen agieren können, werden sie es erst zum Anpfiff erfahren (oder sogar noch später – denn warum sollte man sich direkt zum Anpfiff als Vierer- oder Dreierkette positionieren, wenn es nur den Nutzen hat dem Gegner diese Info zu geben. Ich würde das in diesem Moment anders machen als es alle Teams immer tun, aber mich hat da noch niemand gefragt).

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VfL Bochum: Wer kann spielen, wer fehlt?
Sicher fehlen werden auf Bochumer Seite Innenverteidiger Saulo Decarli (und das auch noch länger) und Offensivkraft Miloš Pantović (Rotsperre). Fraglich sind zudem der zentrale Mittelfelder Thomas Eisfeld (leichte Zerrung) und Neuzugang Gerrit Holtmann (Oberschenkel).
Das war es aber auch schon und VfL-Trainer Thomas Reis zeigte sich auf der Pressekonferenz recht zufrieden mit der aktuellen Kader-Situation, obwohl der erst in der letzten Woche in Bochum eingetroffene Stürmer Soma Novothnynoch nicht bei 100% ist„, wie Reis sagte. Auch in Bezug auf den letzte Saison enorm wichtigen Danny Blum, der noch nicht wieder ganz fit ist, zeigte Reis sich vorsichtig, stellte aber in jedem Fall keine 90 Minuten Spielzeit für ihn in Aussicht.
Angesprochen auf die Pokal-Niederlage des FCSP hob der VfL-Übungsleiter zum einen die Leistung von Elversberg hervor („spielen seit Jahren eine gute Rolle in der Regionalliga„), aber zugleich sprach er auch die Schwächen des FCSP im Aufbauspiel und bei Standards an („St. Pauli hat dem Gegner viele Gelegenheiten gegeben„). Entsprechend erwartet er den FCSP „nicht mit breiter Brust„.
Ganz anders äußerte er sich in Bezug auf das eigene Team: „Wir müssen das abrufen, was wir im Pokal gezeigt haben.“ und „Ich hoffe, dass die Jungs das abrufen was sie können, dann werden wir ein tolles Spiel erleben.„. Unischerheit und fehlender Glaube an die eigene Stärke hört sich anders an.

Thomas Reis und Timo Schultz kennen sich bereits aus der U19-Bundesliga. Damals, in der Saison 18/19, war Reis jedoch noch in Diensten des Vfl Wolfsburg unterwegs.
(c) Peter Boehmer

Was hat Bochum zu bieten?
Aber warum sollte Thomas Reis auch an seinem Team zweifeln? Denn immerhin hat der VfL Bochum in der Vorsaison zum Ende hin immer besser gespielt. Und da dieses Team größtenteils zusammengehalten werden konnte, zähle ich persönlich den VfL Bochum zu den Aufstiegsfavoriten.
Die Vorbereitung lief trotz zwischenzeitlicher Quarantäne aufgrund von Corona-Infektionen im Team-Kreis recht geschmeidig. Getestet wurde 5x gegen Nachbarn, davon 3x gegen Erstligisten (Schalke, Dortmund (sogar gewonnen), Köln) und gegen Uerdingen und Düsseldorf. Der Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal gegen den FV Engers gestaltete Bochum ziemlich dominant (28-6 Torschüsse) und gewann verdient mit 3-0.
Nicht überraschen dürfte die Formation des VfL Bochum. Denn sowohl den Großteil der Rückrunde letzte Saison, die ja sehr erfolgreich verlief (aus den 13 Spielen von Spieltag 21 bis 33 wurden 26 Punkte geholt) als auch im Pokalspiel letzte Woche lief der VfL Bochum in einem 4-2-3-1 auf. Herzstück dieser Formation ist die Doppelsechs, bestehend aus Kapitän Anthony Losilla und Robert Tesche, die kaum mehr aus der Stammelf wegzudenken sind. Bemerkenswert ist, dass der VfL seinen Top-Stürmer Silvère Ganvoula (bisher) halten konnte, trotz Wechselwilligkeit und Interessenten. Bemerkenswert ist vor allem die Defensivstärke: Ohne das wilde 4-4 zuhause gegen Sandhausen hat Bochum in den letzten 14 Saisonspielen 19/20 nur 8 Gegentore kassiert.

Den FCSP erwartet zum Saisonauftakt also ein richtig schwerer Brocken. Denn der VfL Bochum hat letzte Saison sehr erfolgreich zusammengespielt und dieser Kader spielt größtenteils auch weiterhin zusammen anne Castroper. Die Aussagen von Thomas Reis lassen vermuten, dass der VfL mit dem Wissen um die eigenen Stärken in die Saison geht und sich einiges vorgenommen hat.
Da könnte der FCSP nach dem Umbruch-Sommer samt krachender Pokal-Niederlage gerade richtig kommen. Zumal der letzte Auswärtssieg… lassen wir das! Oder aber der FCSP wird dafür sorgen, dass der VfL Bochum wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird. Denn mit der enorm hohen Geschwindigkeit im Kader kannste einen forsch aufspielenden VfL Bochum auch mal so richtig schön auskontern. Und wenn man das komplett durchziehen will, dann würden dazu auch weder Borys Tashchy oder Simon Makienok passen. (#nurnochpositiv)

Forza!
// Tim

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