2. Bundesliga 20/21: Der Team-Check – Teil 2

Es geht wieder los – Die 2. Bundesliga startet am 17. September. Zeit also sich die einzelnen Teams etwas genauer anzuschauen und eine leichte Prognose abzugeben (sofern dies bei offenem Transfer-Fenster bis in den Oktober überhaupt möglich ist). Der MillernTon tut dies mit einer 5-teiligen Artikel-Serie, die Stück für Stück in den nächsten Tagen erscheinen wird. Im zweiten Teil werdet ihr Teams finden, die sich mal mehr, mal weniger Hoffungen auf den Aufstieg machen und entsprechend auch mal mehr, mal weniger in die unteren Tabellenregionen rutschen könnten.
(Titelbild: Stefan Groenveld)
Teil 1 des Team-Checks (mit Fortuna Düsseldorf, SC Paderborn, 1.FC Heidenheim und dem HSV) findet ihr hier.

SV Darmstadt 98

Zugänge:
Aaron Seydel (LA, 24, FSV Mainz 05), Adrian Stanilewicz (DM, 20, Bayer Leverkusen), Lars Lukas Mai (IV, 20, FC Bayern München (Leihe)), Nicolai Rapp (IV, 23, Union Berlin (Leihe)), Henry Crosthwaite (RA, 17, eigene U19), Silas Zehnder (LV, 21, Viktoria Aschaffenburg)
Abgänge:
Yannick Stark (ZM, 29, Dynamo Dresden), Johannes Wurtz (HS, 28, SV Wehen Wiesbaden), Carl Leonhard (TW, 19, 1. FC Kaiserslautern U23), Igor Berezovskyi (TW, 29, vereinslos), Ognjen Ozegovic (MS; 26, vereinslos), Marcel Heller (RM, 34, vereinslos), Dario Dumic (IV, 28, FC Utrecht (Leih-Ende)), Sebastian Hertner (LV, 29, VfB Lübeck), Leon Müller (OM, 20, RW Koblenz (Leihe))

Vergangenheit
Hui, das war vielleicht ne Rückrunde. Die hatten sicher wenige so erwartet. Ganze 32 Punkte konnte Darmstadt 98 in der Rückrunde sammeln, was den 2.Platz in der Tabelle hinter Bielefeld bedeutete. Damit kamen die Lilien trotz schwachem Saisonstart (nur ein Sieg aus den ersten neun Spielen) kurz vor Ende der Saison doch noch einmal ins Rechnen, ob das Erreichen des Relegationsrangs noch möglich ist.
Möglich war es, aber real wurde es am Ende bekanntlich nicht. Trotzdem ist die Saison von Darmstadt 98 als bemerkenswert einzustufen, da der Kader für Zweitliga-Verhältnisse eher als mittelprächtig bezeichnet werden musste. Aber da wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der hieß letzte Saison Dimitrios Grammozis, der aus dem für Destruktivität bekannten und aufgrund dieser Spielweise (von mir besonders) verhassten Lilien etwas ganz anderes formte:
In der Rückrunde stellte Darmstadt 98 mit 30 Toren eine der besten Offensiven der Liga. Sicher kein Beweis, aber durchaus ein Anzeiger dafür, dass sich seit Amtsantritt von Grammozis einiges an der Spielweise von Darmstadt geändert hat. Und so bewerte ich die letzte Saison von Darmstadt 98 als absolut positiv, allein schon, da der Fußball besser geworden ist.

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Gegenwart
Doch bevor ich jetzt komplett in Lobeshymnen verfalle, muss ich darauf hinweisen, dass in der Rückrunde nicht alles eitel Sonnenschein bei den Lilien war. Denn bereits Ende Februar wurde öffentlich, dass Grammozis seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bei Darmstadt 98 nicht verlängern würde. Der Grund hierfür war die Vertragslaufzeit. Der SV Darmstadt 98 oder besser gesagt, der sportliche Leiter Carsten Wehlmann bot nur einen Ein-Jahres-Vertrag zur Verlängerung an. Grammozis wollte jedoch einen Vertrag mit längerer Laufzeit.
So trennten sich die Wege von ihm und Darmstadt 98. Das Vorgehen der sportlichen Leitung erscheint dabei fragwürdig, wie auch Grammozis selbst im Interview andeutete. Geradezu wie blanker Hohn erscheint es dann noch, dass der neue Trainer Markus Anfang einen Vertrag nicht mit der für Grammozis vorgeschlagenen Laufzeit von einem Jahr unterschrieben hat, sondern bis 2022. Das verstehe wer will.
Vermutlich ist also doch etwas mehr dahinter gewesen als nur eine Uneinigkeit über die Vertragslaufzeit. Mit Markus Anfang hat Wehlmann jedenfalls bereits in Kiel sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Und das möchte er natürlich auch nun in Darmstadt tun. Wobei es sicher berechtigt ist zu fragen, wie viel erfolgreicher man mit diesem Kader sein kann, als Grammozis es war. Die Rahmenbedingungen sind durch die Corona-Krise schwieriger. Die Lilien suchen daher Spieler, die möglichst auf mehreren Positionen spielen können, so verrät es Wehlmann im Interview.
Neuzugang Aaron Seydel ist sicher ein solcher Spieler. Zwar war er die letzten zwei Jahre hauptsächlich auf der Verletztenliste einsetzbar, aber davor hat er mit Anfang und Wehlmann in Kiel zusammengearbeitet (ob das nun gut oder schlecht ist, müssen andere entscheiden). Mit Lars Lukas Mai, der erneuten Ausleihe von Nicolai Rapp und Adrian Stanilewicz wurde die Defensive verstärkt. Und bis auf den Abgang von Innenverteidiger Dario Dumic gab es bisher keine nennenswerten Verluste im Kader (was aber z.B. bei den Schlüsselspielern Dursun und Palsson nicht so bleiben muss).

Zukunft
Ganz klar: Unter der weiteren Leitung von Grammozis und dem Zusammenhalten des Kaders wäre Darmstadt 98 ein Aufstiegskandidat. So aber bleiben zum Saisonstart viele Fragezeichen. Ob Markus Anfang wirklich aus dem Kader einen Aufstiegsaspiranten formen kann, ist fraglich. Der Kader von Holstein Kiel der Saison 17/18 ist jedenfalls rückblickend eine Klasse für sich gewesen. Und in Köln hat Anfang trotz eines Monster-Kaders kurz vor Saisonende die Koffer packen müssen.
Trotzdem wirkt der aktuelle Kader gefestigt und ein starkes Korsett ist in der 2.Liga bereits viel wert. Für die Lilien kann es entsprechend diese Saison in alle Richtungen gehen. Eine noch bessere Platzierung als der 5.Platz der Vorsaison erscheint mir da jedoch eher das unrealistischste Szenario.

Hannover 96

Zugänge:
Valmir Sulejmani (MS, 24, Waldhof Mannheim), Sei Muroya (RV, 26, FC Tokyo), Baris Basdas (IV, 30, Fatih Karagümrük), Michael Esser (TW, 32, TSG Hoffenheim), Franck Evina (LA, 20, FC Bayern München U23), Kingsley Schindler (RA, 27, 1. FC Köln (Leihe)), Niklas Hult (LV, 30, AEK Athen) Mike Frantz (ZM, 33, SC Freiburg), Simon Stehle (RA, 18, eigene U19), Tim Walbrecht (DM, 18, eigene U19), Mick Gudra (MS, 19, eigene U19), Marlon Sündermann (TW, 22, eigene U23), Patrick Twumasi (RA, 26, Deportivo Alavès)
Abgänge:
Waldemar Anton (IV, 24, VfB Stuttgart), Emil Hansson (LA, 22, Fortuna Sittard), Sebastian Soto (MS, 20, Norwich City), Ron-Robert Zieler (TW, 31, 1. FC Köln (Leihe)), Marvin Bakalorz (ZM, 30, Denizlispor), Marco Stefandl (RA, 22, vereinslos), Matthias Ostzrolek (LV, 30, vereinslos), Miiko Albornoz (LV, 29, vereinslos), Sebastian Jung (RV, 30, vereinslos), Julian Korb (RV, 28, vereinslos), Marc Stendera (ZM, 24, FC Ingolstadt), Justin Neiß (OM, 20, eigene U23), Cedric Teuchert (MS, 23, FC Schalke 04 (Leih-Ende)), Jannes Horn (LV, 23, 1. FC Köln (Leih-Ende)), John Guidetti (MS, 28, Deportivo Alaves (Leih-Ende)), Felipe (IV, 33, vereinslos), Edgar Prib (ZM, 30, Fortuna Düsseldorf)

Vergangenheit
Das ihr auf meine Prognosen nicht auch nur einen mickrigen Cent setzen solltet, zeigte meine Vorschau nach der Winterpause: Ich hatte Hannover eine ganz schwere Rückrunde prophezeit und dem FCN eher den Weg Hannovers in der Rückrunde zugeschrieben (und Bielefeld ebenfalls eine schwere Rückrunde attestiert).
Es kam bekanntlich anders: Hannover 96 spielte unter dem während der Saison installierten Trainer Kenan Kocak eine stabile Rückrunde und konnte letztlich ganz entspannt ohne Abstiegssorgen die Saison austrudeln lassen. Das war zwar aufgrund der miserablen Hinrunde eine gute Nachricht, passte aber so gar nicht mit dem ausgerufenen Ziel „direkter Wiederaufstieg“ zusammen.
Vielmehr rüstete 96 in der Winterpause noch einmal kräftig auf und holte u.a. mit John Guidetti, Dominik Kaiser und Philipp Ochs noch einige Spieler um zumindest den Super-GAU zu vermeiden. Dies gelang, doch so richtig zufrieden ist an der Leine niemand mit der vergangenen Saison.

Gegenwart
Entsprechend der Enttäuschung wurde (und wird) diesen Sommer kräftig am Kader gebastelt. Nicht zu halten war Waldemar Anton (für schlappe 4 Mio € zum VfB Stuttgart), bei dem sich schon in der Vorsaison einige verwundert die Augen rieben, dass er den Weg in die 2.Liga mit Hannover überhaupt mitging.
Für Aufsehen sorgte der Abgang von Ron-Robert Zieler, der vom 96-Boss Martin Kind in absolut untragbarer Weise verabschiedet wurde (was bei Martin Kind ja aber auch niemanden mehr wundern dürfte). Das hat später völlig zurecht einige Kritik auf sich gezogen. Zieler ist nun in Diensten des 1. FC Köln und die neue Nummer 1 in Hannover dürfte abermals ein alter Bekannter auf der Torwart-Position sein: Michael Esser. Auch mit den Neuzugängen Mike Frantz und Baris Basdas setzte der Klub eher auf den Faktor Erfahrung. Mit Stürmer Valmir Sulejmani und den Flügelflitzern Franck Evina, Patrick Twumasi und Kingsley Schindler wurde auch in die Offensive investiert, die ja unter anderem mit Linton Maina und Hendrik Weydandt schon ordentlich bestückt ist.
Allerdings offenbart der Kader auch weiterhin große Lücken. So sind mit den Neuzugängen Sei Muroya und Niklas Hult nur zwei nominelle Außenverteidiger im Kader zu finden. In Zeiten, in denen eine Dreierkette hinten durchaus eine Option ist, mag das nicht zu dramatisch sein, aber es würde dem Kader schon an erheblicher taktischer Flexibilität fehlen, wenn da nicht noch etwas passiert (mit Julian Korb, Jannes Horn, Miiko Albornoz, Sebastian Jung und Matthias Ostrzolek haben gleich fünf Außenverteidiger den Klub verlassen (müssen)).
Und auch in der Innenverteidigung drückt der Schuh: Zwar befinden sich aktuell vier nominelle Innenverteidiger im Kader, da mit Felipe der Vertrag aufgelöst wurde. Josip Elez hat jedoch die Freigabe vom Klub bekommen sich einen neuen Verein zu suchen. Hannover 96 hat Anfang September, also am Ende der Vorbereitung nur fünf Verteidiger im Kader (ohne Elez). Eine Vorbereitung in der man das Abwehrverhalten intensiv trainieren kann, sieht defintiv anders aus.

Hendrik Weydandt (Nr. 26) könnte auch nächste Saison wieder gegen den FCSP zum Kopfball ansetzen und Robin Himmelmann zu solch artistischen Einlagen zwingen.
(c) Peter Boehmer

Zukunft
So dürfte es dann auch in der kommenden Saison schwierig werden mit dem Aufstieg. Klar, einzelne Spieler haben definitiv eine hohe individuelle Qualität (besonders offensiv ist diese vorhanden) und Kenan Kocak scheint fachlich wirklich gut zu sein. Aber eine Vorbereitung ohne einen Großteil der Abwehr ist schon wenig hilfreich, wenn man aufsteigen möchte.
Aber vielleicht werden Hübers und Franke ja auch die gesamte Saison gemeinsam die Innenverteidigung bilden und dann ist das Ganze auch kein Problem mehr. Den Druck hat Martin Kind jedenfalls mit der Aussage „Wir müssen jetzt hoch!“ nicht wirklich kleiner gemacht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Aussage jedoch nicht viel mehr als eine sehr forsche Ansage ohne viel Substanz. Wird der Kader nicht noch signifikant in der Defensive verstärkt, wird das nix mit dem Aufstieg.

FC Erzgebirge Aue

Zugänge:
Gaëtan Bussmann (LV, 29, EA Guingamp), Florian Ballas (IV, 27, Dynamo Dresden), Philipp Klewin (TW, 26, Arminia Bielefeld), Ogjnen Gnjatic (DM, 28, Korona Kielce), Sascha Härtel (LV, 21, FSV Zwickau (Leih-Ende)), Kevin Harr (TW, 20, Hamburger SV U23), Jean-Marie Plath (TW, 18, eigene U19), Niklas Jeck (IV, 18 VfB Auerbach (Leih-Ende)),
Abgänge:
Dominik Wydra (IV, 26, Eintracht Braunschweig), Nicolas Sessa (OM, 24, 1. FC Kaiserslautern), Robert Herrmann (LM, 27, Würzburger Kickers), Robert Jendrusch (TW, 24, FC Ingolstadt), Filip Kusic (IV, 24, vereinslos), Paul Horschig (DM, 20, VfB Auerbach), Dennis Kempe (LV, 34, SV Wehen Wiesbaden), Daniel Haas (TW, 36, Karriere-Ende), Christoph Daferner (MS, 22, SC Freiburg (Leih-Ende)), Njegos Kupusovic (MS, 19, Roter Stern Belgrad U19 (Leih-Ende)), Marko Mihojevic (IV, 24, PAOK Saloniki (Leih-Ende)), Jacob Rasmussen (IV, 23, AC Florenz (Leih-Ende))

Vergangenheit
Irgendwas muss da im Erzgebirge anders gewesen sein letzte Saison. Was auch immer es war, die Gäste hatten immer ihre liebe Mühe und Not, Punkte von dort mit nach Hause zu bringen. Erzgebirge Aue holte ganze 36 von insgesamt 47 Punkten zuhause (Platz 3 in der Heimtabelle). In der Auswärtstabelle zogen sie erst durch einen Sieg im letzten Spiel bei Jahn Regensburg am FCSP vorbei und belegten somit Platz 17 in dieser Tabelle.
Und es war vor allem die Heimstärke, die Aue Ende 2019 auf Platz 5 mit Kontakt zur Spitze überwintern ließ (passenderweise hatten sie die letzten beiden Heimspiele gewonnen und die beiden vorherigen Auswärtsspiele verloren). Dass es nicht für ganz oben reichen würde, war sicher einigen schon klar, aber man durfte zumindest ein wenig träumen. Auch wenn es dann so kam, wie es kommen musste – nach der Winterpause folgte eine Serie von fünf sieglosen Spielen – so kann die vergangene Saison von Erzgebirge Aue als durchaus erfolgreich betrachtet werden, da dort bereits frühzeitig mit den Planungen für die nächste Saison in der 2.Liga begonnen werden konnte.
Spielerisch hat Erzgebirge Aue so ziemlich genau das angeboten, was man von einem Team mit einem Trainer namens Dirk Schuster erwartet („Schusterball„): Viele lange Bälle, tiefe Verteidigung, Fokus auf Konter (statistisch etwas besser aufgedröselt findet ihr das hier). Auch Jahre nachdem der SV Darmstadt 98 unter Trainer Schuster mit diesem System in die 1.Liga aufgestiegen ist, hat diese Art des Fußballs in der 2.Liga noch Erfolg. Das macht mich irgendwie traurig.

Gegenwart
Doch was hilft schon eine frühzeitig gestartete Planung für die neue Saison, wenn dann eine Corona-Krise alles über den Haufen wirft? Die Dinge bei Erzgebirge Aue haben sich radikal geändert: Die Kaderobergrenze wurde bei 20 Feldspielern angesetzt, vermutlich aufgrund der finanziellen Belastung eines größeren Kaders. Das ist geradezu eklatant wenig, wenn man beachtet, dass weder aus der eigenen U19 (spielt nur in der Regionalliga) noch aus der U23 (gibt es in Aue gar nicht) Spieler bei Bedarf nachrücken können. Im Interview beschreibt Trainer Dirk Schuster die Situation durchaus als schwierig, da durch fehlende Nachrücker momentan nicht einmal ein 11-gegen-11 Trainingsspiel stattfinden kann.
Daher muss jeder getätigte Transfer diesen Sommer in Aue sitzen. Mit Gaetan Bussmann, Florian Ballas und Ognjen Gnjatic wurden bisher ausnahmslos Defensiv-Akteure verpflichtet, die jedoch eher Abgänge kompensieren (z.B. den von Innenverteidiger und Ex-Kiezkicker Jacob Rasmussen) als eine Verstärkung darzustellen.
Auch im Angriff besteht durchaus noch Bedarf. Drei Stürmer im Kader bei einem System mit meist zwei Stürmern sind dann doch auf längere Sicht eher dünn. Wobei hiermit nicht die Qualität gemeint ist. Denn das Pascal Testroet in der 2.Liga Tore erzielen kann, hat er in den letzten Jahren bewiesen. Hinzu kommt der erst 20-jähirge Florian Krüger, der mit sieben Toren und neun Vorlagen letzte Saison eine wichtige Säule im Spiel von Erzgebirge Aue darstellte. Dahinter gibt es mit Dimitrij Nazarov und Jan Hochscheidt zwei Spieler, die zwar schon die 30er-Schallmauer passiert haben, aber letzte Saison zusammen 18 Tore erzielten.

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Zukunft
Auch wenn die Vorbereitung aufgrund eines enorm kleinen Kaders und keinen Nachrückern schwierig ist, wird Erzgebirge Aue weiterhin eines der unangenehmsten Teams der Liga sein. Das ist allein schon aufgrund des Trainers der Fall. Wofür das in der Tabelle reicht, bleibt abzuwarten. Auf den Kernpositionen gab es keine Veränderungen, allerdings bedeutet das auch, dass einige Stammspieler so langsam aber sicher Richtung Rente schauen.
Sicher ist aber: Das zwischenzeitliche Hoch in der Tabelle letzte Saison scheint eher ein Ausreißer als ein längeres Phänomen zu sein. Verletzen sich wichtige Spieler oder finden nicht zu ihrer Form, kann es für Erzgebirge Aue auch ganz schnell nach unten gehen.

VfL Bochum

Zugänge:
Tarsis Bonga (RA, 23, Chemnitzer FC), Herbert Bockhorn (RV, 25, Huddersfield Town), Vasilios Lampropoulos (IV, 30, Deportivo La Coruna), Lars Holtkamp (DM, 18, eigene U19), Gerrit Holtmann (LA, 25, FSV Mainz 05), Soma Novothny (MS, 26, Ùjpest FC)
Abgänge:
Simon Lorenz (IV, 23, Holstein Kiel), Maxwell Gyamfi (IV, 20, Hamburger SV U23), Patrick Fabian (IV, 32, Karriere-Ende), Stefano Celozzi (RV, 31, vereinslos), Jan Wellers (DM, 20, Rot-Weiß Oberhausen), Dominik Baumgartner (IV, 23, Wolfsberger AC), Ulrich Bapoh (OM, 21, VfL Osnabrück), Jordi Osei-Tutu (RA, 21, Arsenal London U23 (Leih-Ende)), Manuel Wintzheimer (MS, 21, Hamburger SV (Leih-Ende))

Vergangenheit

Vergangenheit
Was war das für ein Abgang! Robin Dutt machte nach gerade einmal vier Spieltagen der Vorsaison etwas sehr ungewöhnliches und stellte seine Arbeit und seine Anstellung selbst infrage. Damit zwang er die Verantwortlichen zu einer Handlung, die diese gar nicht geplant hatten.
Auf Dutt folgte Thomas Reis, der lange als Spieler und noch länger als Jugendtrainer beim VfL Bochum aktiv war. Mit ihm spielte der VfL eine absolut durchwachsene Hinrunde. Das war auch zu erwarten, nachdem es zu der neuen Saison einen massiven Kader-Umbruch gab. Doch der Umbruch wie auch der Trainerwechsel scheinen richtig gewesen zu sein: Zwar setzte es drei Niederlagen in Serie zum Rückrundenstart, aber es folgte eine Serie von 11 Spielen ohne Niederlage mit insgesamt 23 Punkten, sodass der VfL Bochum die Saison auf dem 8.Tabellenplatz beenden konnte.

Gegenwart
Und somit ist das Feld eigentlich bestellt für einen Angriff auf das Oberhaus in der Saison 20/21. Der Kader wurde punktuell verstärkt (Herbert Bockhorn als Außenverteidiger, Tarsis Bonga und Gerrit Holtmann auf den Flügeln) und die Abgänge waren entweder einkalkuliert, da es ohnehin Leihspieler waren (Osei-Tutu, Wintzheimer) oder passten nicht mehr ins Profil (Celozzi, Fabian). Einzig der Abgang von Abwehr-Talent Simon Lorenz zu Holstein Kiel darf als schmerzhaft bewertet werden.
Kurz vor Redaktionsschluss dieses Textes gab der VfL dann noch die Verpflichtung von Soma Novothny bekannt. Der Mittelstürmer hat bereits in Ungarn, Italien, Belgien und Südkorea gespielt und wird nun auch Deutschland in seiner Groundhopping-App befüllen können. Ganz vielleicht ist diese Verpflichtung bereits ein Fingerzeig darauf, dass Top-Stürmer Silvère Ganvoula (letzte Saison 13 Tore und 6 Vorlagen in 28 Spielen) noch wechselt. An Interessenten (Union, Stuttgart, Frankfurt, Köln) soll es nicht mangeln.
Im großen und ganzen konnte der Kader der Vorsaison aber zusammengehalten werden. Und da dieser Kader eine überzeugende Rückrunde spielte, ist der VfL Bochum durchaus positiv in die Vorbereitung gestartet. Es folgte die Corona-Infektion von Danny Blum Anfang August, aufgrund derer der Rest des Teams jedoch nicht in Quarantäne musste. Zudem kammen immer wieder Verletzungen in der Vorbereitung dazwischen. Einige, wie Neuzugang Bockhorn, Robert Zulj oder Danny Blum hat es dabei mit langfristigeren Verletzungen erwischt.
Richtig schwierig wurde es durch einen positiven Corona-Befund kurz vor Beginn des Trainingslagers, welches zur Absage des Trainingslagers und eines Testspiels führte und das komplette Team in Quarantäne zwang. Nur knapp eine Woche später gab es einen weiteren positiven Corona-Test und wieder mussten insgesamt vier Spieler in Quarantäne und es wurde ein weiteres Testspiel abgesagt. Es gibt sicher reibungslosere Vorbereitungen…

Ehemalige U19-Trainer unter sich: Timo Schultz und Thomas Reis.
(c) Peter Boehmer

Zukunft
Trotz dieser Schwierigkeiten wird mit dem VfL Bochum in Sachen Aufstieg zu rechnen sein. Vorausgesetzt die Vorbereitung wird nicht noch durch weitere Vorfälle massiv gestört. Aber selbst wenn das der Fall sein sollte und selbst wenn Ganvoula noch wechseln sollte, hat Trainer Thomas Reis einen bereits eingespielten Kader beisammen, der letzte Saison bewiesen hat, dass er eines der Top-Teams der Liga sein kann. Der VfL Bochum, aktuell das dienstälteste Mitglied der 2.Bundesliga, ist für mich ein Aufstiegsfavorit.

SpVgg Greuther Fürth

Zugänge: Dickson Abiama (MS, 21, SC Eltersdorf), Anton Stach (ZM, 21, VfL Wolfsburg U23), Abdourahmane Barry (IV, 20, FC Liefering)
Abgänge:
Maximilian Wittek (LV, 24, Vitesse Arnheim), Daniel Keita-Ruel (MS; 30, SV Sandhausen), Maximilian Sauer (RV, 26, MSV Duisburg), Patrick Sontheimer (ZM, 22, Würzburger Kickers), Marco Caliguri (IV, 36, Karriere-Ende), Felix Beijmo (RV, 22, Werder Bremen (Leih-Ende))

Vergangenheit
Eine Saison, wie sie sich wohl jedes Team der 2.Liga wünscht, welches sich keine realistischen Hoffnungen auf den Aufstieg macht, spielte Greuther Fürth 19/20. Zu keiner Zeit spielte die untere Tabellenhälfte ernsthaft eine Rolle. Zwischendurch, zwei Siege nach der Winterpause waren ursächlich dafür, fand man sich auf Platz vier in der Tabelle und die ein oder andere Person im Vereinsumfeld hat sicherlich mal den Rechenschieber bedient. Aber es folgten nur noch zwei Siege aus den restlichen 14 Spielen, sodass Greuther Fürth die Saison auf einem soliden 9. Platz beendete.
Nach der Vorsaison, in der es lange Zeit gegen den Abstieg ging, ist das als Erfolg zu bewerten. Zumal der Kader, trotz der ergrauten Innenverteidigung aus Mergim Mavraj (der kürzlich für mächtig Aufsehen sorgte) und Marco Caliguri, letzte Saison mit einem Durchschnittsalter von weniger als 23 Jahren der jüngste der Liga gewesen ist.
Die Arbeit von Trainer Stefan Leitl und die Kader-Entwicklung von Sportchef Rachid Azzouzi scheint also trotz der Schwächephase zum Ende der Saison die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt zu haben. Und gerade die Alters-Struktur im Kader ist ja quasi ein Teil der Führter DNA, die sich lange Zeit, gewollt oder nicht, als einer der wichtigsten Ausbildungsklubs im deutschen Fußball einen Namen machten.

Jamie Leweling (hier im Duell mit Sebastian Ohlsson), hochveranlagt, könnte einer der Spieler der nächsten Saison sein.
(c) Peter Boehmer

Gegenwart
Eine stabile Vorsaison und ein junger, entwicklungsfähiger Kader – da könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass Greuther Fürth eine ruhige Vorbereitung und „der nächste Schritt“ in der Saison 20/21 gelingen könnte. Die Corona-Pandemie scheint dem jedoch einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht zu haben.
Es muss gespart werden am altehrwürdigen Rohnhof. Das führte unter anderem dazu, dass Stürmer Daniel Keita-Ruel den Verein im Sommer verließ. Und damit einhergehend kam die vermutlich recht bittere Erkenntnis, dass die Schatulle beim SV Sandhausen momentan wohl etwas tiefer ist, als in Fürth. Auch das Sommer-Trainingslager wurde abgesagt. Der Gürtel muss in Fürth, wie auch andernorts, sehr viel enger geschnallt werden. Immerhin konnte der Vertrag mit dem Hauptsponsor im Sommer für eine weitere Saison verlängert werden und man einigte sich mit der Stadt über ein flexibles Pacht-Modell für das Stadion.
Trotz der schwierigen Situation konnte bis auf den Weggang von Keita-Ruel der Kader einigermaßen zusammengehalten werden. Denn mit Branimir Hrgota und Havard Nielsen stehen weiterhin zwei Stürmer im Kader, die zusammen 17 Tore in der letzten Saison erzielten. Dass der Vertrag von Maximilian Wittek verlängert werden würde, war so oder so eher unwahrscheinlich und Marco Caliguri wurde mit nun 36 Jahren in Fußballer-Rente geschickt. Beides absolut planbare Ereignisse und daher nichts was den Klub schockiert haben dürfte. Das bedeutet auch, dass der hochtalentierte Jamie Leweling, an dem wohl eine ganze Reihe an Klubs interessiert sind oder waren, auch weiterhin für das Kleeblatt auflaufen wird. Mit Anton Stach, Dickson Abiama und Abdourahmane Barry wurde je einmal in den Angriff, das Mittelfeld und die Verteidigung investiert. Es versteht sich quasi von selbst, dass alle Spieler 21 oder jünger sind.

Zukunft
Und so steht hinter der neuen Saison ein dickes Fragezeichen, vielleicht das größte aller Klubs. Entwickelt sich das Team wie geplant weiter, dann kann es auch ganz zart oben anklopfen. Oder war die magere Ausbeute zum Saisonende bereits ein Fingerzeig auf die neue Saison? Vieles wird davon abhängen, ob die Abgänge von Keita-Ruel und Caliguri adäquat ersetzt werden können. Der Jugenstil in Fürth ist jedenfalls sicher nicht die Optimal-Lösung und eher dem geringen finanziellen Spielraum geschuldet. Aber es könnte sich auch zum Glücksfall entwickeln, wenn der Saisonstart gelingt. Der Spielvereinigung Greuther Fürth ist nächste Saison wirklich vieles zuzutrauen. Für den ganz großen Wurf wird es aber eher nicht reichen.

Morgen folgt dann Teil 3 des Team-Checks.
// Tim

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