Was bringt dem FC St. Pauli die gute Rückrunde?

Was bringt dem FC St. Pauli die gute Rückrunde?

Mit 25 Punkten aus 11 Spielen thront der FC St. Pauli aktuell ganz oben in der Tabelle. Allerdings nur in der Rückrundentabelle. Aber was bringt es, wenn ein Team nur eine Hälfte der Saison wie ein Aufsteiger spielt? Reicht es am Ende gar zum Aufstieg in dieser Saison? Und bedeutet eine gute Rückrunde automatisch eine Favoritenrolle in der Folgesaison? Schauen wir uns mal die letzten Jahre an und auch, was nötig ist, damit der FCSP nächste Saison tatsächlich oben mitspielen kann.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Hat schonmal ein Team neun Punkte in sechs Spielen aufgeholt und ist aufgestiegen?

Um es vorweg zu nehmen: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber es ist schon richtig unwahrscheinlich, dass nach oben noch mehr für den FC St. Pauli gehen wird. Da müssen schon zwei Faktoren zusammenpassen. Denn zuerst müsste der FCSP wohl alle seine Spiele gewinnen und dann braucht es auch mindestens ein Team, welches komplett einbricht. Zugegeben, mir würde da eines einfallen.
Ein Blick in die Saison 18/19 ist Nährboden zum Träumen: Der SC Paderborn hatte nach 28 Spieltagen zwar „nur“ einen Rückstand von sechs Punkten auf den Hamburger SV, aber nach 33 Spieltagen waren es vier Punkte Vorsprung. Sogar eine Niederlage des SC Paderborn am letzten Spieltag konnte ihnen den 2. Tabellenplatz nicht mehr nehmen. In den fünf Spielen zuvor hatte Paderborn insgesamt zehn Punkte auf den HSV aufgeholt. Es ist also nichts unmöglich!

Zehn Punkte in fünf Spielen auf den HSV aufholen? Hold my beer sagte der SC Paderborn in der Saison 18/19 und krönte die Aufholjagd am 33.Spieltag mit einem 4:1 gegen eben jenen HSV.
(imago images/via OneFootball)

In den weiteren Jahren seit der Saison 11/12 (also seit der FCSP wieder in der 2.Liga kickt), gab es jedoch keine weiteren nennenswerten Aufholjagden. Es ist eher anders herum: In sechs der neun Saisons seit 11/12 standen die drei Teams, die am 28. Spieltag auf den drei obersten Plätzen zu finden waren, auch am Saisonende auf diesen Plätzen. Neben Paderborn 18/19 hat der 1. FC Heidenheim den HSV letzte Saison noch abgefangen. 14/15 rutschte der KSC noch auf Rang 3 und schmiss damit den 1. FC Kaiserslautern noch raus (auch hier hat der HSV eine gewisse Rolle gespielt).

Die Wahrscheinlichkeit, dass der FCSP in dieser Saison noch Magisches vollbringt, ist also eher gering. Allerdings hat in den letzten beiden Jahren der HSV seinen teils riesigen Vorsprung noch verspielt. Und ich möchte nicht ausschließen, dass das dieses Jahr unmöglich ist.
Sollte es aber nicht klappen, so werden sich im Sommer alle Medien damit überschalgen, dem FC St. Pauli die Rolle des Aufstiegsfavoriten zu geben, vermutlich sogar unabhängig davon, welche Teams aus der 1.Liga absteigen. Aber ist diese Rolle einzig aufgrund einer guten Rückrunde überhaupt gerechtfertigt?

Gute Rückrunde = Aufstieg im Jahr darauf?

Ein Blick in die letzten zehn Jahre zeigt, dass zumindest die Teams, die in der Rückrundentabelle auf einem der ersten drei Plätze stehen nicht automatisch im Jahr darauf um den Aufstieg mitspielen. Oder ist 1860 München nach dem 2.Platz in der Rückrunde 11/12 im Jahr darauf aufgestiegen? FSV Frankfurt (3. 12/13)? Jahn Regensburg (3. 17/18)? Oder Darmstadt in dieser Saison nachdem sie in der Rückrundentabelle 19/20 auf Rang 2 einliefen?
Ja, es gibt Beispiele bei denen genau das funktioniert hat. Arminia Bielefeld ist letzte Saison aufgestiegen und hat in der Saison davor vor allem eine beeindruckende Rückrunde gespielt (Zweiter in dieser Tabelle). Aber ein weiteres Beispiel zeigt ziemlich schmerzhaft, dass eine gute Rückrunde für die Folgesaison erst einmal gar keine Aussagekraft hat: Nach einer gruseligen Hinrunde (elf Punkte) sammelte der FC St. Pauli famose 34 Punkte in der Rückrunde 16/17. Im Sommer wurde der FC St. Pauli als mehr als nur Geheimfavorit gehandelt. Spätestens nachdem der FCSP erst 0:4 in Fürth und kurz danach 0:5 in Bielefeld verlor, war von einer Rolle im Kampf um die oberen drei Plätze nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr vorhanden.

Gute Rückrunde 16/17, schwache Hinrunde 17/18 – Olaf Janßen musste nach 16 Spieltagen seinen Stuhl räumen.
(imago images/via OneFootball)

Kann der Kader zusammengehalten werden?

Ich möchte aber gar nicht behaupten, dass eine gute Rückrunde kein Fingerzeig auf die nächste Saison geben kann. Um aber aus einer guten Rückrunde eine Favoritenrolle in der nächsten Saison inne zu haben, braucht es vor allem eines: Das Zusammenhalten des Kaders. Die Beispiele von Darmstadt und dem FCSP aus den Vorjahren zeigten, dass zum Kader auch die Trainer-Positionen zählen (der FCSP machte Olaf Janßen zum Chef-Trainer, bei Darmstadt musste Dimitrios Grammozis nach der letzten Saison gehen).
Ich würde Teams nur dann in der Folgesaison defintiv zu Aufstiegsfavoriten erklären, wenn der Kader, der für eine gute Rückrunde verantwortlich ist auch zusammengehalten wird. Ist das beim FC St. Pauli realistisch?

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Allein schon aufgrund der sicheren Abgänge von Rodrigo Zalazar und Omar Marmoush, die nach ihren Leihen (vorerst) zu ihren Stammklubs zurückkehren werden, dürfte es Nachjustierungen beim FCSP geben. Denn es werden zwei Stammspieler den Klub verlassen.
Zusätzlich ist eines der großen Probleme, wenn ein Zweitligist richtig gut spielt, aber nicht aufsteigt, dass die Spieler auf anderem Wege „aufsteigen“ könnten und womöglich den Klub verlassen. Das bringt natürlich bestenfalls eine Ablöse (im Fall von Fürth, die bereits jetzt mit Sebastian Ernst, Paul Jaeckel und David Raum drei Spieler ablösefrei zur nächsten Saison ziehen lassen müssen (obwohl sie sogar noch aufsteigen können) ist eher der schlechteste Fall eingetreten).
Bezogen auf den FC St. Pauli ist die Kader-Situation etwas entspannter. Auslaufende Verträge von wichtigen Säulen gibt es aktuell nicht. Sollten Spieler für andere Vereine interessant sein, so wird immer eine Ablöse fällig. Schaut man sich die Leistungen der Spieler an, so landet man schnell bei Finn Ole Becker (Vertrag bis 2022) und Daniel-Kofi Kyereh (2023), die interessant sein könnten für Klubs in höheren Ligen (es gibt da natürlich auch weitere Spieler, denen ich zutraue eine Liga höher mithalten zu können). Sicher würde der FC St. Pauli diesen Spielern, wenn ein Klub aus der 1.Liga anklopft, keine Steine in den Weg legen. Aber er würde eben jene „Steine“ in Form einer angemessenen Ablöse einfordern.

Ob aber corona-bedingt viele Klubs für Ablösesummen im Millionenbereich bereit sind, muss ernsthaft hinterfragt werden. Ich kenne die Zahlen nicht, aber es ist aufgrund der wirtschaftlich soliden Basis des letzten Jahrzehnts beim FCSP davon auszugehen, dass sie finanziell erheblich gefestigter durch die Pandemie kommen als andere Klubs. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass Leistungsträger den Verein gegen eine Ablöse verlassen werden zur neuen Saison. Aber der FC St. Pauli scheint nicht auf Not-Verkäufe angewiesen zu sein und könnte so seinen aktuell erfolgreichen Kader womöglich größtenteils zusammenhalten. Das ist für die neue Saison der wichtigere Fingerzeig als die Rückrundentabelle. Ich gehe sogar so weit und möchte behaupten, dass der FC St. Pauli in der jetzigen Situation ziemlich gute Chancen hat seinen Kader zusammen zu halten. Ob sie damit automatisch Favoriten auf den Aufstieg in der nächsten Saison sind, sei mal dahingestellt. Aber die Wahrscheinlichkeit dürfte sich erhöhen.

// Tim

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9 thoughts on “Was bringt dem FC St. Pauli die gute Rückrunde?

  1. Bornemann hat mit Zalazar, Marmoush und Smith bewiesen, dass er dazu fähig ist hochtalentierte Spieler zu finden und zu verpflichten. Das Trainerteam um Schultz wiederum hat bewiesen, dass er diese Spieler weiterentwickeln kann und ihnen Raum zur Entfaltung gibt. Dementsprechend werden (übertrieben gesagt) die Sportchefs der Bundesligisten Schlange stehen um ihre Talente für ein Jahr in braun-weiß zu sehen. Daher denke ich, dass wir den Verlust von Marmoush und Zalazar (Smith wird denke ich fest verpflichtet) gut mit anderen Leihspielern kompensieren können. Wobei ich die Resthoffnung auf einen Verbleib von wenigstens einem der beiden noch nicht aufgegeben habe (Beide Stammvereine Champions League nächstes Jahr).
    Wenn dann der Rest des Kaders zusammenbleibt, Talente wie Daschner, Aremu und Matanovic sich weiterentwickeln und noch 1-3 feste Neuzugänge dazukommen gehe ich sehr optimistisch in die neue Saison! 🙂

  2. Sehr cooler Artikel.
    Aufbauend auf Jannik, moechte ich hinzufuegen:
    Wer sind die wichtigsten Akteure beim FCSP?
    Schulle, Loic, Bornemann. Die werden alle bleiben 🙂
    Forza Aufstieg 2022 oder 2023!

  3. Irgendwo hatte ich gelesen, daß Bornemann für die zweite Liga plane. Muss mal nachschauen 🙂
    Aufstieg ja gerne, aber dann MIT Publikum. Mal sehen, wie das Bochum in sechs? Wochen hinbekommt.
    Forza.

  4. Ich hab da mal eine paar Leihenfragen 🙂
    Wie läuft das eigentlich mit Zalazar und Marmoush?
    Die müssen ja erstmal zurück in ihre Vereine. Da machen Sie dann die Saisonvorbereitung mit, in deren Verlauf sich zeigt, dass sie es evtl. nicht nah genug an den Stamm-Kader schaffen. Woraufhin unser FC dann wieder um eine erneute Leihe verhandelt? Passt das dann auch terminlich in die Transferperiode oder wird das evtl. knapp?
    Wie wahrscheinlich ist das Szenario einer erneuten Leihe der beiden eigentlich? So mit Blick auf deren Konkurrenzsituation bei CL-Teilnehmern.

    1. Da eine erneute Leihe, wenn die Spieler keinen Platz im Kader ihrer Stamm-Vereine bekommen, auch im Sinne der Stamm-Vereine ist, wird es sicher keine Probleme mit der Transferphase geben.
      Es ist ganz schwierig einzuschätzen, ob eine erneute Leihe wahrscheinlich ist. Daher wollen beide Klubs a auch die Spieler im Kader agieren sehen. Und wenn es eine erneute LEihe gibt, ist auch noch nicht gesagt, ob erneut der FCSP diese Spieler ausleiht. Eine REchnung mit ganz vielen unbekannten also.

  5. Das macht alles ziemlich Hoffnung, aber ohne Marmoush und Zalazar müsste schon ein großer Sprung passieren um (wieder) um den Aufstieg mitzuspielen. Und so stark ich Kyereh finde bezweifle ich noch ein bisschen das er wirklich genug gezeigt hat um für eine möglicherweise hohe Ablösesumme in die 1. Liga zu wechseln.

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