Winter is coming

Winter is coming

Gleich 18 positive Coronatests gab es beim SV Sandhausen, dem kommenden Gegner des FC St. Pauli. Noch ist keine Entscheidung gefallen, aber es erscheint mehr als fraglich, ob es zu einem Aufeinandertreffen Sonntag am Millerntor kommen wird. Sicher erscheint aber, dass dies so etwas wie der erste Vorbote eines schweren Winters für den Profi-Fußball sein könnte.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Das Wichtigste vorab: Der SV Sandhausen gibt bei der Meldung der Positiv-Befunde auch an, dass es sich um „viele milde Verläufe“ handelt. Einige der 18 positiv getesteten Personen hätten „leichte Anzeichen einer Erkältung„. Dies wird auch auf die „hohe Impfquote“ zurückgeführt.
Wir wünschen den Betroffenen gute, schnelle und vollständige Genesung.

Einen ähnlichen Ausbruch hatte es in Sandhausen bereits im Frühjahr gegeben. Damals musste das gesamte Team in eine 14-tägige Quarantäne. Eine Quarantäne für das gesamte Team könnte es auch dieses Mal geben. Um zu verstehen, was nun passiert, müssen wir einen Blick in die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg werfen. Denn anders als in der vergangenen Saison gilt nun nicht mehr für alle Kontaktpersonen ersten Grades, dass sie sich in Quarantäne begeben müssen. Entscheidend hierfür ist, ob die Person geimpft oder genesen ist. Ist das bei den Kontaktpersonen der Fall, müssen diese auch nicht in Quarantäne.

In der Verordnung des Landes Baden-Württemberg werden aber einige Sonderfälle formuliert. Sonderfälle, bei denen die Kontaktpersonen, obwohl sie geimpft oder genesen sind, doch in Quarantäne müssen. Um genau diese Sonderfälle könnte es bei der Entscheidung, ob das Spiel am Sonntag stattfinden wird, gehen. Zwei der Sonderfälle sind wohl relevant. Kontaktpersonen müssen in Quarantäne, wenn…
1. bei den betroffenenden Personen eine „besorgniserregende Virusvariante“ festgestellt wurde (dazu zählen u.a. nicht die Varianten Alpha und Delta) und
2. die Kontaktpersonen „typische Symptome aufweisen, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hindeuten“
Die Entscheidung liegt also beim Gesundheitsamt. Dieses muss die Situation bewerten und entscheiden, ob auch Kontaktpersonen in Quarantäne müssen.

Aber selbst wenn abgesehen von den 18 Betroffenen keine weiteren Personen in Quarantäne müssen bzw. bis Sonntag nicht positiv getestet werden, könnte es zu einer Absage des Spiels kommen. Grund hierfür könnten die Auflagen der DFL sein. Denn gespielt werden kann nur, wenn 16 einsatzfähige Spieler zur Verfügung stehen. Sind es weniger, muss das Spiel abgesagt werden.

Update: Da haben wir einen Fehler gemacht. Laut DFB-Spielordnung müssen es mindestens 14 einsatzfähige Spieler sein. Gibt es die nicht im Lizenz-Kader, dürfen laut DFL-Spielordnung „ausnahmsweise mehr als drei vereinseigene Amateure/Vertragsspieler“ eingesetzt werden.

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Das Verzwickte bei dieser Sache: Verletzte oder gesperrte Spieler zählen da nicht mit rein. So war es zumindest im Fall von den Würzburger Kickers im Dezember 2020 und da ich trotz intensiver Suche keine Veränderung dieser Regelung gefunden habe gehe ich davon aus, dass diese auch weiterhin gilt.

Zieht von diesem Bild mal 18 Personen ab…
(Lukas Schulze/Getty Images/via OneFootball)

Das alles ist natürlich ziemlich spekulativ. Trotzdem erscheint es bei 12 positiven Befunden unter den Spielern mehr als unwahrscheinlich, dass das Spiel stattfinden wird. Selbst wenn keine der Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt wird. Denn der Kader des SV Sandhausen umfasst laut transfermarkt.de 26 Spieler. Zieht man die 12 infizierten Spieler ab, bleiben nur noch 14, also laut Statuten zu wenig. Das würde knapp reichen. Aber: Der Kader zählt auch gleich eine Handvoll verletzte Spieler.

Es dürfte dabei sicher noch so kleinere Fußnoten in den Regularien geben, was das „Hochziehen“ von Spielern in solchen Fällen betrifft. Aus der U23 des SV Sandhausen wird aber niemand kommen, selbst wenn es erlaubt ist. Die gibt es nämlich seit dieser Saison nicht mehr.

Zwar formuliert der SV Sandhausen in seinem Statement noch defensiv „Ob die anstehende Partie beim FC St. Pauli am 13. Spieltag in der 2. Liga am kommenden Sonntag in Hamburg stattfinden kann, wird von der DFL nach Prüfung aller Unterlagen entschieden.“, aber eine Austragung der Partie käme angesichts der hohen Fallzahl und der Regularien einem Wunder gleich.
Und wer würde schon so ein Spiel sehen wollen? Wer möchte, dass der SV Sandhausen personell so stark gebeutelt am Millerntor antreten muss? Selbst wenn es genügend einsatzfähige Spieler gäbe, dürfte der Ruf der Wettbewerbverzerrung nicht weit sein. Klar, Regularien sind Regularien, aber fair wäre das nicht.

Das Spiel am Sonntag dürfte also aller Wahrscheinlichkeit nach abgesagt werden. Bleibt dann nur noch die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass sich gleich 18 Personen beim SV Sandhausen infizieren. Das wirft ein schlechtes Licht auf das Hygiene-Konzept und/oder die Umsetzung dieses Konzepts.
Angesichts rasant steigender Fallzahlen in fast ganz Europa und immer mehr Impfdurchbrüchen könnte das aktuelle Geschehen beim SV Sandhausen eine Art Vorbote für das sein, was dem Profi-Fußball in den kommenden Monaten erwartet. Der aufgrund der Winter-WM 2022 äußerst straffe Zeitplan der Saison 21/22 dürfte arg zerfleddert werden. Winter is coming.

//Tim

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4 thoughts on “Winter is coming

  1. Muss ja auch für die St. Pauli-Spieler ein doofes Gefühl sein, gegen ein Team anzutreten, wo so viele sich infiziert haben. Da hätte ich als Spieler immer das Gefühl, ob es da nicht noch ein paar weitete, bisher nicht entdeckte Fälle gäbe.
    Nee, sollen sie es mal absagen. Den Betroffenen gute Besserung bzw. einen Verlauf ohne weitere Folgen.

    Neckisch und nicht ganz ernst gemeinter Gedanke: Am Mittwoch traten erste Symptome bei einigen Spielern auf? Naja, am Samstag vorher haben sie ja auch in Dresden gespielt… Würde zeitlich ja passen.

  2. Es gibt wohl A-Jugendspieler, die für die Herren spielberechtigt wären (aufgrund der Local Player Regeln?). Das könnte den Kader über die 15 heben.

    Bezüglich der „Fairness“ bin ich gespalten, denn eine Verlegung, ggf. in den Januar würde ich auch nicht als „fair“ betrachten. Am Ende kann man diese aber natürlich genauso sehen wie eine Verlegung aufgrund des Wetters.

  3. Ich muss mal brechen. Zum einen eine Lanze für den SVS, weil es in der derzeitigen Situation immer zu Ausbrüchen kommen kann, das lässt sich nicht zu 100% ausschließen, Pandemie does Pandemie things.
    Und dann über das Hygienekonzept des DFB.
    2 Tests sind derzeit obligatorisch. Außer wenn die Menschen geimpft oder genesen sind (GG). Diese Tests müssen keine PCR sein, da langt auch ein Antigentest mit den hinlänglich bekannten Fehlerquoten. Es kann doch nicht sein, dass Kurven wie z.B. unsere Süd auch unter 2G dazu aufrufen, sich zusätzlich testen zu lassen während der ganze Profibums sich auf GG verlässt und Tests bei Geimpften und Genesenen für lässlich hält.
    Nein, Mediziner bin ich nicht, aber es erscheint mir absolut logisch, auch Testungen bei den GG Leuten durchzuführen, um eine größere Sicherheit zu erlangen.
    Die Mannschaften leben nicht in einer Blase, und so wird es immer wieder dazu kommen, dass das Virus durch ein infiziertes Kita-Kind oder wie auch immer in die Mannschaft hineingetragen wird und so zu einem Ausbruch führt.
    Durch sind wir mit dem Kram noch längst nicht!

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