Impft Euch! – Es ist mehr als überfällig

Impft Euch! – Es ist mehr als überfällig

Die Diskussion um 2G- und 3G-Veranstaltungen schwelt nun schon einige Wochen und Monate. Sicher ist, dass eine 2G-Handhabung für viele in der Veranstaltungsbranche so etwas wie die letzte Chance ist, um die eigene Existenz zu retten. Auch in Fußball-Stadien werden mehr und mehr die 2G-Regeln angewandt. Dabei ist völlig unverständlich, dass diese Regelung nicht überall und nur auf Zuschauer*innen und nicht auch auf Spieler und Funktionärs-Teams angewandt wird.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Die Zeit des gegenseitigen Verständnisses, sie ist spätestens jetzt angesichts rasant steigender Fallzahlen vorbei. Wer noch irgendetwas an diesem Winter retten möchte, sollte schleunigst dafür sorgen, dass 2G-Regeln bei Veranstaltungen angewandt werden. Viel zu lange wurde zugehört und auf jene Rücksicht genommen, die sich impfen lassen könnten, es aber nicht wollen. Auch dieses Herumlavieren hat uns bis hierhin gebracht, hat dafür gesorgt, dass massiv steigende Fallzahlen für einen erneuten Lockdown sorgen könnten. Ich habe da keinen Bock drauf. Und ich habe auch keinen Bock die Suppe auszulöffeln, die mir andere mit ihrem dummen (hier in perfekter Ausführung erläutert) und unsolidarischen Verhalten eingebrockt haben.

Vor diesem Hintergrund ist es richtig und zwingend notwendig, was Oke Göttlich im Interview mit dem NDR ausgesprochen hat (und mich zu diesem Kommentar bewegt hat): Die 2G-Regel soll für alle Akteure im Fußball gelten. Für Spieler auf dem Platz, für Funktionäre auf den Tribünen, für Pressevertreter*innen, für alle, die an Spieltagen in Fußballstadien unterwegs sind. Dieser Forderung kann nur uneingeschränkt zugestimmt werden. Denn ungeimpfte Spieler und Funktionsteams sorgen eben auch für das, was nun hier und dort immer wieder passiert: Spiele werden abgesagt, da Spieler in Quarantäne sind.
Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen ist es komplett unverständlich, wie sich Fanszenen und Vereine tatsächlich gegen 2G-Konzepte stemmen (und dies u.a. sogar noch mit mindestens unglücklichen Formulierungen garnieren – looking at you, Erzgebirge Aue!)

Die ganze Diskussion um 2G oder 3G ist so verlogen wie überflüssig. Wer immer noch nicht versteht, dass nur impfen hilft, um die Pandemie in den Griff zu bekommen, wer auf die hohen Inzidenzen verweist oder hohe Anteile Geimpfter bei Über-60-Jährigen nach dem Motto „Siehste, impfen hilft auch nicht!“ rausblubbert, dem ist nicht mehr zu helfen. Falls Ihr es doch noch mal probieren wollt, versucht es mit diesem Twitter-Thread:

Die Bundesliga hat sich seit Wiederanpfiff nach dem ersten Lockdown einer neuen Demut verschrieben. Eine, die in viel zu regelmäßigen Abständen zu einem Lippenbekenntnis verkommt. Die Bundesliga hat sich damit gerühmt, dass sie ein Hygiene-Konzept geschaffen hat, an dem sich andere Verbände orientieren konnten. So konnten Spielbetriebe wieder aufgenommen werden und später auch Zuschauer*innen wieder in die Stadien. Dabei wurde aber komplett vergessen, dass es zu einem großen Teil die Spieler sind, weshalb viele in die Stadien gehen.
Diesen Spielern (und den Funktionären) lässt die Bundesliga weiterhin viel zu viel Raum, um dumme Entscheidungen zu treffen. Die halbherzige Umsetzung von Hygiene-Konzepten zum Beispiel. Sie kann angeprangert, aber nicht sanktioniert werden. Den Teams ist es weiterhin selbst überlassen diese Vorgaben umzusetzen. Sie werden nicht kontrolliert („Die Verantwortung für die Umsetzung der nachfolgenden Maßnahmen obliegt den Clubs als Arbeitgebern beziehungsweise jeweiligen Veranstaltern der Spiele.“ aus DFL-Hygiene-Konzept für die Spielzeit 21/22). Angesichts herumlavierender Klubs an vielen Ecken kann jeder selbst überlegen, wie gut diese Konzepte dann wohl umgesetzt werden.

Natürlich darf sich jede*r selbst überlegen, ob er oder sie geimpft werden möchte (nochmal: ich finde es schlicht unsolidarisch sich nicht impfen zu lassen, wenn man sich impfen lassen kann). Profi-Fußballer stehen hierbei aber unter besonderer Beobachtung. Sie profitieren in hohen Maße davon, dass überhaupt schon eine immer noch zu geringe, aber schon sehr hohe Zahl an Menschen in Deutschland geimpft sind. Nur deshalb ist Fußball vor Zuschauern überhaupt wieder möglich. Warum gerade diesen Spielern nicht von der DFL mit Nachdruck ins Gewissen gerufen wird, in welch privilegierter Situation sie sich befinden und ihnen nahegelegt wird sich ebenfalls solidarisch zu zeigen? Keine Ahnung. Oke Göttlich macht jedenfalls im Interview mit dem NDR deutlich, dass es an eben jenem Nachdruck bisher fehlt.

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Der Profi-Fußball könnte seiner selbst beschworenen Vorreiter-Rolle gerecht werden. Er könnte diese Vorbild-Funktion einnehmen und dafür sorgen, dass sämtliche Personen, die darüber frei entscheiden können, ob sie sich impfen lassen oder nicht, nur mit einer passenden Anzahl an Antikörpern ein Stadion betreten. Das würde auch die Chancen erhöhen, dass man sich wirklich solidarisch mit jenen zeigen kann, die sich nicht impfen lassen können. Die dürften dann nämlich auch viel eher wieder ins Stadion.

Impft Euch!

//Tim

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28 thoughts on “Impft Euch! – Es ist mehr als überfällig

  1. Unterschreibe ich so. Bedenken ala Leistungssportler, was macht das mit meinen Körper, sind für mich einfach fadenscheinig. Und wie einem dann das Karma um die Ohren fliegt, sieht man ja aktuell bei der Nationalmannschaft. Kimmich in Quarantäne, Goretzka nicht. Da fragt sich der Außenstehende, ob da einer klüger war als der andere, der gerne allwissend rüberkommt.

  2. Ich bin klarer Impf- und 2G Befürworter.

    Eine Frage drängt sich für mich jedoch auf, auch wenn ich kein Jurist bin: Ich es arbeitsrechtlich überhaupt so einfach möglich den Impfstatus von Spielern und Funktionären abzufragen?
    Ich als Zuschauer besuche eine Freizeitveranstaltung. Da ist es meiner Einschätzung nach deutlich einfacher eine Zugangsbeschänkung auf Basis des Impfstatus zu verlangen. Mein Arbeitgeber hat aber meines Wissens nicht so einfach das Recht meinen Gesundheitsstatus abzufragen.

    Ich habe wirklich keine Ahnung und bin genau wie Du der Meinung, dass sich so viele wie möglich Impfen lassen sollten. Aber ich vermute, dass die Forderung: „Die Zuschauer sind geimpft also gehe ich davon aus dass Ordner, Funktionäre und Spieler auch geimpft sind“ zu kurz greift, einfach weil das eine Zuschauer und das andere Arbeitnehmer sind.

    Soweit ich weiß kann in der Gastronomie auch ein ungeimpfter Kellner im 2G-Restaurant arbeiten.

    1. Nun, es gibt imho bereits Berufsgruppen, die zwingend gegen Krankheiten geimpft sein müssen (Kindergarten? Masern?), und das darf der Arbeitgeber dann sicherlich auch kontrollieren.

      Warum das bei Covid19 dann nicht funktionieren soll, erschliesst sich mir nicht.

      1. Ich glaube halt schon dass es für Arbeitnehmer komplizierter ist als für Leute die freiwillig in ihrer Freizeit ins Stadion gehen und sich damit freiwillig impfen lassen.

        Wie gesagt ich bin weder Jurist noch kenne ich mich wirklich aus, aber ich glaube, dass es bei den Masern eine staatliche Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen gibt (reine Vermutung; ungeprüft). Diese staatliche Impfpflicht gibt es bei Corona aber nicht.

        Wenn das so ist, dann müsste der Arbeitgeber (also zum Beispiel die Firma die die Ordner stellt) eine private Impfpflicht erlassen und ich glaube sowas ist in Deutschland richtig kompliziert.

        Wie gesagt. Kann alles Quatsch sein was ich schreibe. Ich bin kein Arbeitsrechtler. Aber ich frage mich tatsächlich ob die Diskussion staatliche Impfpflicht ja oder nein mittlerweile nicht zielführender wäre als zu überlegen welche Berufsgruppen man über welche Wege noch „mobilisieren“ kann.

        1. Es ist ja zum Beispiel so, dass auch (fast) alle im Stadion arbeitenden Personen (Ordnungsdienst, Catering etc) geimpft sein müssen – wie das da geregelt ist, wie und wieso der Arbeitgeber das in den Fällen kontrollieren kann und darf, weiß ich nicht, aber eine entsprechende Regel scheint zumindest möglich.
          Und dann wäre es natürlich im nächsten Schritt auch möglich, dass die DFL sagt: „Nein, keine Pflicht, liebe Spieler, Ihr müsst Euch nicht impfen lassen. Aber spielen dürft Ihr ohne Impfung auch nicht mehr.“ Das wäre arbeitsrechtlich sicher unbedenklich – ob die Vereine sich aber trauen das durchzuziehen, wenn wichtige Säulen des Teams ungeimpft sind, wäre dann die andere Frage.

          1. Ah o.k. Das mit den Ordnern ist interessant. Das wusste ich nicht. Ich dachte die könnten auch ungeimpft sein.

            Ich bin bisher davon ausgegangen, dass das Problem für den Arbeitgeber auch darin besteht, dass der Impfstatus nicht abgefragt werden darf.

            Aber da stimme ich dir zu: Was bei Ordnern möglich ist, sollte bei Spielern auch möglich sein.

          2. Der feine Unterschied ist natürlich: Die Ordner haben dann vielleicht noch andere Betätigungsfelder, wo sie eingesetzt werden können.
            Als Fußballprofi ist das dann eher schwierig und vielleicht sind wir dann wieder beim Arbeitsrecht.

    2. Also im sozialen Arbeitsbereich fände ich eine Impfpflicht Top und alles andere unverantwortlich. Leider gibt es im sozialen Bereich nur eine Empfehlung der Stiko bzw.

      “ Ab dem 1.3.2020 gilt das Masernschutzgesetz mit Regelungen zur Nachweispflicht über einen Masernschutz gemäß § 20 Absatz 8 IfSG. Für Personen, die nach (31.12.)1970 geboren sind, besteht eine Nachweispflicht über 2 Impfungen oder über eine Immunität gegen Masern:

      – in Gemeinschaftseinrichtungen (gemäß § 33 IfSG) oder in der Kindertagespflege

      – in Gemeinschaftsunterkünften zur Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen (gemäß § 36 Absatz 1 Nummer 4 IfSG)

      was fast eine Impfpflicht ist wenn Mensch in einer KiTa arbeiten oder seine Kinder dort betreuen möchte. Ansonsten freue ich mich das es Tim so schön auf den Punkt gebracht hat. Impft Euch!

      P.s. ich bin übrigens für eine Impfpflicht für alle Berufsgruppen die mehr als 20% ihrer Arbeitszeit Kontakt mit Menschen haben!

  3. Dieser Kommentar spricht mir aus der Seele. Danke. Ich bin so froh und erleichtert, dass bei unserem Verein (inkl. der Fans) alle so hinter 2G stehen, bzw. es keinerlei ernsthafte Proteste dagegen gibt (zumindest was ich wahrnehme). Das freut mich auch für alle Verantwortlichen, die diese nicht ganz einfache Entscheidung so früh getroffen haben.

  4. Ist es nicht möglich, dass unser Verein im Stadion für ALLE Anwesenden 2G verbindlich macht? Ich meine bei Magdeburg gegen Haching (oder war es 1859?) durfte doch der Gästetrainer mangels Impfung nicht ins Stadion. Oder verwechsele ich da etwas?

  5. Vielen Dank, ich kann es auch echt nicht mehr hören. Ja, die Impfung ist keine Garantie, senkt aber das Risiko, Herdenimmunität ist eher unrealistisch, allerdings sinkt, je mehr geimpft sind, die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus überhaupt zirkulieren kann. Verstehen viele ja auch nicht. Ich glaube, viele kapieren es erst, wenn es sie selbst mit schwerem Verlauf erwischt, gibt es ja öfter mal Fallberichte und dann kommt das böse Erwachen „Ja, hätte ich mal.“ Ich als Public Healther kenne das ja zur Genüge und es gilt leider immer noch: There’s no glory in prevention. Dabei wäre der Benefit in so vielen Bereichen durch Prävention so hoch. *Tiefer Seufzer*
    (Wenn Lockdown, bitte erst nach dem Darmstadt-Spiel, will auch mal wieder ins Stadion!)

  6. Tipp Topp alles gesagt.
    Wenn ich nicht völlig falsch liege, ist es in HH doch so, dass 2G bei Veranstaltungen für alle 2G gilt, also Tür, Tresen Bar usw., was es ja vielen gerade zu beginn so schwer gemacht hat umzustellen. Und wurde nicht gleich zu beginn ein Laden wieder geschlossen, weil die Tür nicht 2 G war. Und hatte nicht auch St Pauli geschrieben, dass es zu beginn schwer gewesen sei genug Caterer. Ordner usw. mit 2 G zu finden. (Entschuldigung wenn ich das falsch im Kopf habe – meine aber nicht) – Das Argument der DFL für ungeimpfte Spieler ist ja immer – sie gehen ihrer Arbeit nach. – Aber das würden die o.g. Personengruppen ja ebenso betreffen. Ich kann diese Ausnahmen für den Fußball nicht mehr nachvollziehen.

    1. Ja, an diese inoffizielle Aussage dafür, dass das einer der Gründe war, warum bei dem einen Heimspiel die Nord geschlossen blieb, glaube ich mich auch noch zu erinnern – dass es für die entsprechenden im Stadion tätig seienden Firmen kurzfristig nicht leistbar sei, ausreichend geimpfte Personen bereit stellen zu können. Inzwischen scheint das ja dann zum Glück kein Problem mehr darzustellen.

  7. Vielen Dank! Sehe ich genauso!
    Am besten sollte der Einlass nur mit dem Impfnachweis in der CovApp erlaubt sein. Von den gelben Ausweisen sind mittlerweile etliche gefälschte im Umlauf (was dann ja eigentlich nichts mit 2G zu tun hat). Keine Ahnung, ob das rechtlich möglich ist (vermutlich schwierig). Ich erinnere mich allerdings gelesen zu haben, dass bei der U23 von Mönchengladbach gegen RW Essen nur Zutritt mit Nachweis über die CovApp erlaubt war.

    1. Das würde dann ja alle Leute ohne Smartphone einfach mal pauschal ausschließen und wäre echt deutlich über das Ziel hinaus geschossen.
      Davon ab gibt es auch gefälschte QR-„Impfzertifikate“ – Codes – was natürlich bei einer technischen Prüfung mit der entsprechenden Prüf-App auffällt, aber die muss dann eben auch erfolgen.
      Das klappt vielleicht am Millerntor, von woanders habe ich aber auch schon von reinen Sichtprüfungen des QR-Codes gehört. Und ob dann was wie https://twitter.com/ilgrande_muc/status/1457039903062118406 dann erkannt würde (da war ein nachgemachter Screenshot der Covpass-App zu sehen, deren QR-Code sowas wie „Du bist ein Depp. Du bist ein Depp.“ ergab – was man natürlich nur erkennt, wenn man sehr genau hin schaut (weil sich der Kram wiederholt), oder aber eben die CovPass-Check – App nutzt, wie es eigentlich vorgesehen ist.
      In München scheint das dem Tweet zufolge eher selten vor zu kommen…

  8. Da gebe ich Dir recht. Ausschließlich die CovApp zu verlangen geht nicht. Ich meinte auch eher, dass der QR-Code gescannt wird und ein Abgleich mit dem Personalausweis erfolgt. Ich habe einen ausgedruckten QR-Code bei meiner Impfung erhalten. Beim wem das nicht der Fall war, die/der kann sich leicht einen in der Apotheke generieren und ausdrucken lassen. Da fallen in den meisten Fällen die gefälschten Impfausweise auf und werden eingezogen (und die „Freunde und Helfer“ verständigt). Die gefälschten QR-Codes fallen i.d.R. beim scannen auf.
    Am Millerntor hat´s bisher immer funktioniert. Bei der U23 wurde allerdings einmal nicht gescannt und nur kurz drauf geguckt. In anderen Stadien ist´s halt unterschiedlich. Bei Hannover 96 wurde nur auf´s Handy geschaut, bei Werder Bremen gescannt und mit Perso abgeglichen.

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