Tschüss, Marvin Knoll!

Tschüss, Marvin Knoll!

Ja, das hatte man sich insgesamt wohl anders vorgestellt, alles. Nach einem sehr vielversprechenden Auftakt und vielen guten und auch historischen Spielen in Braun-Weiß, dümpelte die Karriere des als Publikumsliebling eingeplanten Marvin Knoll beim FC St. Pauli eher so dahin – und findet jetzt ein vorzeitiges Ende, zumindest beim FCSP. Weiter geht es für ihn beim MSV Duisburg.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Es war Sonntag, der 5. August 2018, 1. Spieltag der Zweitligasaison 18/19. Es muss so ca. 15.10h gewesen sein, als der FC St. Pauli in Magdeburg einen Freistoß zugesprochen bekam, der jenen oben erwähnten „vielversprechenden Auftakt“ markieren sollte. Denn nach frühem Rückstand und schnellen Ausgleich richtete man sich im Saisonauftakt beim Aufsteiger langsam auf ein Unentschieden ein, als sich Marvin Knoll den Ball für eben diesen Freistoß zurechtlegte und ihn dann sehenswert in den rechten Winkel schoss.
2:1-Auswärtssieg, entscheidendes Tor (nicht zu früh) geschossen – ein Auftakt nach Maß. Sowohl für das Team in die Saison als auch für Neuzugang Marvin Knoll persönlich, der bei uns nach drei Jahren in Regensburg mit viel Vorschusslorbeeren und Erwartungen empfangen worden war.

Es kamen noch drei weitere Tore in der Saison dazu, er absolvierte 30 Spiele – das sollte dann seine beste Saison bei uns gewesen sein. 24 Spiele (ohne Tor) gab es 19/20, nur noch 14 Einsätze (ohne Tor) gab es in der Saison 20/21. Der Tiefpunkt für ihn war ganz sicher sein unglücklicher Auftritt in Würzburg, als er zunächst den Foulelfmeter zum Rückstand verschuldete und dann noch vor der Pause nach einem Foul im Mittelfeld mit Gelb-Rot vom Platz musste.
Es folgte die Auferstehung des FCSP im restlichen Verlauf der Saison, die Knoll aber fast ausschließlich von der Bank oder sogar der Tribüne aus verfolgen durfte, lediglich zu einer halben Stunde gegen Eintracht Braunschweig reichte es für ihn noch. Dieser 2:0-Sieg gegen Braunschweig am 5. April 2021, es war der letzte Pflichtspielauftritt von Marvin Knoll in Braun-Weiß. Sowohl in der Innenverteidigung, als auch auf der Position im defensiven Mittelfeld hatten seine team-internen Konkurrenten seitdem die Nase vorn.

Der Tiefpunkt: Marvin Knoll (hinterm Schiedsrichter verdeckt) sieht in Würzburg die Ampelkarte.
(c) Peter Böhmer

Cooler Typ, toller Bart, Tattoos – ausgerechnet unsere Fanszene, die sonst so viel Wert darauf legt, Äußerlichkeiten nicht zu wichtig zu nehmen, ließ sich hier vielleicht etwas zu sehr blenden – und ich will mich davon gar nicht ausnehmen. Knoll war nie der Lautsprecher und „Aggressive Leader“, den viele in ihm sehen wollten (in der langen Liste natürlicher menschlicher Fehleinschätzungen nennt sich diese Art „stereotypical bias„). So richtig gekannt haben ihn aber sicher nur wenige. Eines der wenigen längeren Interviews mit ihm, findet ihr beim Socrates Magazin (Oktober 2019).
Dass Knoll aber diese Eigenschaften eines Führungsspielers nach außen gar nicht hatte, ist aber auch nichts Negatives. Doch die Erwartungshaltung war vielleicht eine andere. Wer „Being Timo Schultz“ gehört hat, weiß aber auch, dass Knoll durchaus für seine Rolle im Team gelobt wurde. Und während in der Vergangenheit Spieler ohne Einsatzzeit gerne ihre Kaderposition über die Presse verhandelten, verhielt sich Knoll immer loyal und versuchte es durch Trainingsleistung zu ändern. Das tat er auch in der für ihn sehr enttäuschenden Hinrunde 21/22 – stets mit vollem Einsatz war er beim Training dabei, ließ sich nicht hängen, obwohl die Aussichten richtig trübe waren. Denn „sehr enttäuschend“ ist für die Saison 21/22 vermutlich sogar noch deutlich untertrieben. Keine einzige Spielminute sammelte Knoll, stand überhaupt nur viermal im Kader (3x in der Liga, 1x im Pokal). Keine Frage, es wurde Zeit, dass sich etwas verändert.

Was bleibt also von Marvin Knoll beim FC St. Pauli? Mit seinen letzten Pflichtspielerlebnissen in Braun-Weiß möchten wir ihn nicht gehen lassen. Daher erinnern wir uns lieber an andere Spiele: Neben dem bereits erwähnten perfekten Start für ihn beim Spiel in Magdeburg, dürften nicht wenige an das Derby im September 2019 denken. Marvin Knoll war damals irgendwie an beiden Toren beteiligt, köpfte vor dem 1:0 gegen die Latte (Diamatakos verwertete den Abpraller) und streichelte beim 2:0 den Ball womöglich so perfekt, dass van Drongelen gar nicht anders konnte, als den Ball ins eigene Tor zu schieben. Der Rest ist Geschichte. Auch beim erfolgreichen Rückspiel in der Saison stand Knoll auf dem Platz. In der Folgesaison verteidigte er den Titel des Stadtmeisters für den FC St. Pauli beim 2:2 im Volkspark – über die vollen 90 Minuten – als Kapitän des Teams.

Derbysieger!
(c) Stefan Groenveld – aus: Gänsehaut kannst Du nicht fotografieren

Bereits im vergangenen Sommer gab es Gerüchte um einen Wechsel von Marvin Knoll. Damals sollte es nach Rostock gehen. Die sportliche Leitung beim FC St. Pauli hatte klar gesagt, dass es für ihn keine sportliche Zukunft beim FC St. Pauli geben würde. Sein Vertrag beim FCSP lief aber noch bis zum Ende dieser Saison. Eine Einigung mit einem Klub konnte im Sommer nicht erzielt werden. Nun ist das aber im Winter, nach der für Knoll sehr enttäuschenden Hinrunde, doch noch vor Ablauf des Vertrages passiert. Es ist sicher ein Wechsel, der für alle Seiten gut ist. Marvin Knoll dürfte endlich wieder regelmäßig auf dem Platz stehen, der tief im Abstiegskampf der 3. Liga steckende MSV Duisburg bekommt einen Spieler, der in der 2.Liga mithalten kann (und der dringend benötigt wird) und der FC St. Pauli schafft Platz im Kader und spart ein wenig Gehalt ein.
Für Knoll gibt es außerdem das Wiedersehen mit einem Ex-St. Paulianer: Aziz Bouhaddouz spielt ebenfalls bei den Zebras, die beiden waren auch schon mal beim SV Sandhausen Teamkameraden. Und Knoll stand sogar schon mal ganz kurz im Kader des MSV und bestritt 2013 zwei Testspiele – ehe dem MSV die Zweitligalizenz entzogen wurde und er dann eben in Sandhausen unterschrieb.

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Vermissen werden wir Marvin Knoll neben dem Platz. Mit seiner „20359“-Aktion, die er zusammen mit Schnecke Kalla angetrieben hat oder mit seinem Engagement bei „Mitternachtssport e.V.“ machte er deutlich, dass er sich abseits des Platzes nicht nur in der Fußballer-Blase bewegt, sondern auch gesellschaftlich Verantwortung übernimmt. Dieses Engagement wird fehlen.

Und ja, auch der ein oder andere nie wirklich gesungene Gesang ist somit Vergangenheit:

Mach’s gut, Knolli, viel Erfolg!
You’ll never walk alone!

// Maik

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One thought on “Tschüss, Marvin Knoll!

  1. Ich mochte ihn und für die gelb-rote in Würzburg konnte er nichts, da musste er einen – euphemistisch ausgedrückt – verunglückten Pass von Aremu ausbaden. Duisburg als nächste Station ist genehmigt. Walk in!

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