Kurzbericht: FC St. Pauli – Hannover 96 – 0:3

Kurzbericht: FC St. Pauli – Hannover 96 – 0:3

Der FC St. Pauli verliert hochverdient zuhause gegen Hannover mit 0:3. Dem Team von Timo Schultz gelang es über die gesamte Spielzeit nicht, offensiv Lösungen gegen die Formation des Gegners zu finden. Stattdessen offenbarte das Team wahrlich erschreckende Defizite bei der Rückverteidigung und muss somit die Spitzenposition der 2. Liga abgeben.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Dies ist der Kurzbericht zum Spiel. Eine ausführliche Analyse des vor allem in der 2. Halbzeit gruseligen Auftritts folgt dann am Montag.

Die Aufstellung

Wie bereits befürchtet, musste der FC St. Pauli auf einige wichtige Spieler verzichten. James Lawrence und Philipp Ziereis fielen beide aus. In der Innenverteidigung startete Jakov Medić neben Adam Dźwigała. Auch in der Offensive musste das Team auf zwei zuletzt sehr formstarke Spieler verzichten: Etienne Amenyido und Maximilian Dittgen konnten nicht dabei sein. Immerhin war Daniel-Kofi Kyereh wieder fit genug, um von Beginn an zu starten. Neben Guido Burgstaller startete Igor Matanović im Angriff.
Einen weiteren Wechsel gab es noch in der Startformation: Finn Ole Becker kam für Jackson Irvine auf der rechten Rautenposition ins Spiel.

Auf der Gegenseite gab es bei Hannover 96 nur eine personelle Veränderung im Vergleich zum Unentschieden gegen Darmstadt 98: Gaël Ondoua musste eine Gelbsperre absitzen. Für ihn kam Dominik Kaiser ins Spiel. Neben Ondoua fehlten dem Team auch Philipp Ochs (Covid19) und Sebastian Ernst (Achillessehnenriss), welche aber zuletzt nicht in der Startelf gestanden hatten.
Etwas überraschend ordnete sich das Team von Trainer Christoph Dabrowski in einem 3-5-2 an. Sebastian Stolze und Niklas Hult waren dabei die Flügelverteidiger und Cedric Teuchert rückte auf die Position neben Beier im Angriff.

Spielkontrolle ungleich Überlegenheit

Zwar hatte Hannover 96 in den ersten Minuten etwas mehr Ballanteile, aber die klareren Chancen erspielte sich der FCSP: Nach weniger als zwei Minuten spielte sich das Team zum ersten Mal sauber bis an die Grundlinie durch. Aber der Pass von Marcel Hartel erreichte Guido Burgstaller nicht. Nach sechs Minuten hatte Kyereh die nächste größere Chance, aber sein Torschuss aus knapp 18 Metern war zu zentral. Der in dieser Saison oft erzielte frühe Treffer für den FCSP blieb somit aus.

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Das Spiel nahm sich dann eine etwas längere Auszeit. Bis zur 19. Minute dauerte es, ehe wieder Hartel gut in die Offensive einrückte, aber seinen Schuss weit über das Gehäuse setzte. Der FC St. Pauli hatte inzwischen deutlich die Spielkontrolle übernommen. Es dauerte aber bis zur 25. Minute, ehe Kyerehs Ablage an Freund und Feind im H96-Strafraum vorbeihoppelte.
Dreimal wurde Hannover 96 in der ersten halben Stunde gefährlich für den FCSP: Einmal erreichte Franke eine Freistoßflanke von Kerk knapp nicht. Ein zweiter Freistoß von Kerk aus rund 35 Metern kam zwar wuchtig, aber doch deutlich neben das Tor von Vasilj. Die wohl größte Chance in der ersten halben Stunde hatte dann Teuchert in der 28. Minute, als er mit viel Tempo von rechts in den Strafraum kam, Vasilj aber aus kurzem Winkel nicht bezwingen konnte.

Erste Druckphase Hannover – 0:1

Ab Minute 30 wurde das Ganze dann eine sehr zähe Angelegenheit für den FCSP. Denn das Team fand immer weniger Lösungen. Hannover hingegen wurde nach Umschaltmomenten immer gefährlicher: Die größte Chance hatte Kerk, der frei im Fünfer auftauchte, seinen Kopfball aber schwach auf Vasilj brachte. Es folgten drei Ecken in Serie und im Anschluss an die dritte folgte ein Querpass ins Zentrum, wo Dominik Kaiser komplett blank stand und zur zu diesem Zeitpunkt etwas überraschenden Führung einnetzen konnte. Die kurze Druckphase reichte, um Hannover trotz weniger Spielanteilen die Führung zu bringen.

Ein Wirkungstreffer war das für den FC St. Pauli zuerst noch nicht, sie blieben das Team mit mehr Spielanteilen. Aber außer einer späten Klärung von Hult und einem Schuss von Kyereh kam nicht so viel dabei herum. Stattdessen hatte Hannover eine weitere Großchance in der ersten Halbzeit, als Medić wegrutschte und so Teuchert allein auf Vasilj zustürmen konnte, der aber stark mit dem Fuß parierte.
So ging es dann aus Sicht des FCSP „nur“ mit einem 0:1-Rückstand in die Halbzeit. Nach gutem Start schlich sich mehr und mehr Planlosigkeit in das Spiel ein und Hannover konnte eine kurze Druckphase perfekt nutzen.

Timo Schultz ist enttäuscht nach der Niederlage des FC St. Pauli gegen Hannover 96
Timo Schultz fand mit seinem Team keine Lösungen gegen Hannover 96
(c) Peter Böhmer

Rückverteidigung aufgegeben

Für die zweiten 45 Minuten hatte ich mit personellen Veränderungen gerechnet, aber Schultz vertraute weiterhin der Startelf. Das Bild blieb vorerst identisch: Der FCSP versuchte viel, Hannover 96 profitierte von Fehlern. Kerk konnte nach einem Ballgewinn in der 48. Minute aus der zweiten Reihe abziehen. Vasilj parierte. Keine zwei Minuten später war es bei einem Umschaltmoment Börner, der bei einem Konter volley abzog, das Gehäuse aber verfehlte.

Der FC St. Pauli biss sich nun kurzzeitig in dieses Spiel hinein und hatte seine beste Phase. Ab der 50. Minute folgten mehrere Ecken. Burgstaller und Medić hatten gute Möglichkeiten. Hannover 96 blieb weiter ausschließlich über Umschaltmomente und darauf folgende Ecken gefährlich. Doch gerade diese Umschaltmomente war ein Tanz auf der Rasierklinge.

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Es kam also, was kommen musste: In der 56. Minute war der FC St. Pauli nach einem Ballverlust so dermaßen schlecht aufgestellt, dass Medić nach einem Ballverlust gleich mehrere falsche Entscheidungen traf. Beier konnte aufs Tor schießen, Vasilj den Ball nur zur Seite abwehren, sodass Kerk per Lupfer zum zweiten Tor kam – das konnte man dann schon verdient nennen, so schwach wie der FCSP diese Situationen verteidigte bzw. in diesen Momenten aufgestellt war.

In der 61. Minute folgte dann das, was ich schon zur Halbzeit erwartet hatte: Simon Makienok kam ins Spiel. Zusammen mit Jackson Irvine und Afeez Aremu sollte er das Spiel massiv verändern.
Es kam aber nicht zu den erwarteten Veränderungen, sondern eher zum Erliegen des gesamten Spiels. Der FC St. Pauli agierte weiter ohne Lösungen nach vorne. Und blieb hinten weiter anfällig: In der 71. Minute bekam die Innenverteidigung eine Flanke nicht richtig geklärt. Sebastian Stolze war der einzige Spieler, der einrückte (von Gegenspielern war keine Spur) – 0:3.

Daniel-Kofi Kyereh ist enttäuscht nach einem Gegentor des FC St. Pauli. Im Hintergrund feiern die Spieler von Hannover 96 den Treffer.
Daniel-Kofi Kyereh versuchte viel, konnte die schwächelnde Offensive des FC St. Pauli aber auch nicht entscheidend antreiben.
(c) Peter Böhmer

Als das Spiel dann schon gen Ende zu dröppeln schien, kam irgendwie noch ein Strafstoß für den FCSP in der 79. Minute zustande, der aber passend zum restlichen Spielverlauf von Burgstaller vergeben wurde. Die folgenden Szenen setzten dem schwachen Spiel des FCSP dann die Krone auf: Zieler stand nämlich beim Versuch von Burgstaller zu weit vor seinem Kasten – der Elfmeter wurde wiederholt. Kyereh trat zur Wiederholung des Elfmeters an, traf aber nur die Latte und von dort prallte der Ball zurück ins Spiel. Kein Tor, aber immerhin fünf Minuten von der Uhr genommen, damit dieses Trauerspiel endlich ein Ende nehmen würde.

Quälend lange Minuten dauerte es dann, in denen es noch einige Großchancen für Hannover gab, bis das Spiel endlich abgepfiffen wurde. Der FC St. Pauli verliert zuhause mit 0:3 gegen Hannover 96. Und irgendwie ist das alles hochverdient. Vieles von dem, was das Team in der Hinrunde noch so stark machte, war komplett weg. Stattdessen konnte Hannover 96 erschreckend leicht bei nahezu jeder Kontersituation gefährlich werden.
Die Tabellenführung ist somit futsch – stattdessen sind viele Fragezeichen hinzugekommen.

//Tim

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11 thoughts on “Kurzbericht: FC St. Pauli – Hannover 96 – 0:3

  1. Danke für den schnellen Bericht.
    Eine Niederlage, die richtig weh tut.
    Die sich für mich gerade auch so anfühlt als wäre alles vorbei und verspielt.
    Ein Blick auf die Tabelle zeigt aber dass es nicht so ist.
    Ein Blick auf die Rückrundentabelle sagt vielleicht etwas anderes.
    Aber ich gebe nicht auf an die Chance zu glauben.

  2. Ich habe das Gefühl, dass wir zu ausrechenbar geworden sind (du hattest das vor einiger Zeit auch schonmal erwähnt). Heute kamen viele Angriffe von uns über die Seite, konnten aber leicht geblockt werden und man hatte den Eindruck, etwas anderes fällt den Jungs nicht ein.

    Es ist schon erstaunlich…eine Runde der Saison ist immer etwas (oder auch viel, wie in den vergangenen Jahren) schlechter. Schauen wir mal auf die nächsten Wochen. Gegen Union haben wir jedoch in der Form keine Chance, auch wenn die im Moment ebenfalls nicht gut drauf sind.

  3. Ah ja das schmerzt schon.

    Viel schlimmer finde ich das die Gäste wenn man das noch Gast nennen kann wenn unsere Kyereh am Ball war Affenlaute von sich gegeben haben.

    Ich frag mich wozu stehen da Ordner. Da muss es doch einen Hinweis an die Offzielen geben. Und das Spiel wird mindestens unterbrochen

    1. Affenlaute aus dem Gästeblock bei Uns am Millerntor, im Ernst?!
      Durfte heute leider nicht auf N1 Tor F1 stehen, war deshalb leider auch heute nicht da…
      Ich hätte da dann richtig Ärger gemacht…
      Kein Mensch ist illegal
      Forza

  4. Das war wirklich erschreckend. Mal wieder.
    Ich versuche irgendwie (mit den Artikeln hier) nachzuvollziehen, wie es zu dieser Negativentwicklung kam, aber da fehlen mir doch noch einige Puzzlestücke. Und da kommen wir dann wahrscheinlich an den Begriffen “Psyche, Druck, Schlendrian, Einsatz, Mentalität und Erwartungshaltung” nicht drum herum.
    In der Form brauchen wir an den Aufstieg gar nicht denken, sondern können froh sein wenn wir überhaupt noch n paar Siege holen.

    Vor einigen Monaten war ich sehr erstaunt über die Einschätzung des GSN von Medic. Ich ahne mittlerweile, was die gesehen haben.

  5. Das mantrahaft wiederholte „gute Wirken“ von Ziereis und den anderen bisherigen Innenverteidigern ist seit dem Schalke-Spiel total verfehlt! Im Schnitt zwei Gegentore pro Spiel machen das überdeutlich.Endlich durfte Dzwygala mal ran und war heute bester bei St. Pauli.
    Der Rest agierte pomadig (Kyereh) bis unglücklich (Hartel) oder gar nicht. Was für ein kämpferisch wie taktisch verschenktes Match an einem Spieltag, der angesichts vieler Unentschieden alle Chancen eröffnete!

  6. Und wenn ich noch anmerken darf

    Warum verstehen es so viele noch immer nicht. „Eine Maske tragen „auch wenn es doof ist Schütz uns alle. Es wird ständig beim Spiel an die Zuschauer appelliert leider bewirkte das bei dem eine oder anderen genau das Gegenteil

    Ansonsten bleibt für heute

    Kopf hoch wir waren schon schlimmer dran

    Forza St. Pauli✊🏾✊👍

    Nur Kopfschütteln für so viel Ingnoranz.

  7. Auf der demnächst viel zu teuren Streaming-Plattform
    DAZN gibt es die Serie „Decoded“, in der u.a. Taktik und
    Spielweise von Teams analysiert werden. Momentan hat
    man das Gefühl, die gesamte 2.BL hat sich eine Folge
    „Decoded FC St. Pauli“ angesehen. Ich schätze Schulle
    als Chefcoach wirklich sehr, jedoch glaube ich, daß wir
    mit diesem 41212-System in dieser Saison fast nix mehr
    gewinnen werden. Dieses Spielsystem hat uns etwas mehr
    als ein Jahr wirklich durch die Liga getragen. Es hat uns erst
    vor der 3.Liga bewahrt und dann bis an die Tabellenspitze
    der 2.BL gebracht. Jetzt merkt man, wie sich alle Teams
    darauf eingestellt haben und die FCSP-Raute irgendwie
    ausgelutscht ist. Es wird schon viel Spielglück zusammenkommen
    müssen (siehe Regensburg-Spiel), um damit überhaupt noch Punkte
    holen zu können. Meistens genügt es, eine 343/352-Formation
    und eine recht physische Spielweise (siehe Aue, Paderborn,
    Hannover) als Gegner dagegen zu setzen & man nimmt gegen
    uns Punkte mit.
    Außerdem fällt mir als Laie irgendwie auf, daß Schulle und sein Team
    einfach zu lange für taktische Umstellungen brauchen. In diesem
    Spiel gegen H96 hätte ich schon nach 30 Minuten das System von
    Hannover gespiegelt, weil man am TV irgendwie merkte, daß SP
    mehr und mehr den Zugriff verlor. Wenn dann auch noch Patzer von
    Keeper Vasilj und IV-Tollpatsch Medic dazukommen, gibt es am
    Ende eben ein 0:3.

    Wenigstens haben wir den Klassenerhalt schon eingetütet…

  8. @Josef:

    Kann es sein,dass du das Abfeiern des eigenen Abwehrspielers Hulk mit langgezogenem U meinst. Der hat auch öfter gegen Kofi Zweikämpfe erfolgreich geführt. Ich selbst habe keine Affenlaute vernommen,will dir deine Wahrnehmung aber auch nicht absprechen.Unsäglich natürlich die Sieg Rufe am Ende.

  9. Schlimm fand ich die hängenden Köpfe in Halbzeit 2 – schon vor dem 3-0.
    Sinnbildlich für das ganze Spiel auch eine Situation direkt nach Wiederanpfiff …. Becker mit leichten Fehler, der Ball landet trotzdem glücklich bei Smith – der dann eigentlich Zeit hat, aber irgendwie einen Panikanfall bekommt und den Ball auf die Tribüne drischt – um danach Becker anzumotzen.
    Oder Guido mit seiner Schwalbe. Ich habe zwar noch keine Bilder gesehen, hätte ihm aber für die Theatralik gelb gegeben. Kennt man so auch nicht unbedingt.

    Scheinbar ist in den Köpfen etwas abhanden gekommen …. hoffen wir auf eine schnelle Kehrtwende.
    Hier hoffe ich auch auf einen Lerneffekt beim Trainerteam – die Wechsel kamen in meinen Augen zu spät.

    Und noch eine letzte Frage an Taktik-Tim: Ist es eigentlich Absicht, dass Zander nach Ballverlusten in der Offensivbewegung erst als letzter an den eigenen Strafraum zurückkehrt? Ist mir heute wieder 2-3 aufgefallen. Teilweise waren sogar die Stürmer früher wieder hinten, während Zander nur langsam trabte …

  10. @laika

    Nein das war während des Spiels mehrfach. Das habe nicht nur ich gehört. Ich war auf der Nord recht dicht an den Gästen. 😥

    Dir noch einen schönen Sonntag
    Lg
    Josef

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