Bericht von der Kollausstraße, 23.02.2022

Bericht von der Kollausstraße, 23.02.2022

Das Mittwochs-Training an der Kollausstraße startete fröhlich, erhielt dann aber einen ziemlich kräftigen Dämpfer, bevor es überhaupt richtig losging. Der ohnehin schon arg dezimierte Kader verlor mit Sebastian Ohlsson während des Trainings einen weiteren Spieler. Und alles deutet darauf hin, dass es sich dabei um eine langfristige Verletzung handelt. Schöne Scheiße.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Tja, das hatte ich mir alles ganz anders vorgestellt. Sonnenschein, Außentemperatur hoch genug, daher keine zwei Paar Socken, nicht mal eine Winterjacke und keine Angst vor abfrierenden Extremitäten. Entsprechend beschwingt, aber auch in frühlingshaft-gemütlichem Tempo radelte ich vom Fanladen in Richtung Kollaustraße los. Etwas verspätet kam ich dann auch an und hörte schon von Weitem fröhliches Gejohle und Gelächter.

Das Warm-up beinhaltete dieses Mal nicht das übliche 5vs2 plus Dehn- und Laufübungen, sondern es wurde gespielt. Vier verschieden-farbige Leibchen gab es und dazu entsprechende Hütchen. Die Spieler mussten dribbeln, zwischendurch Hütchen tauschen und sich auf Signal entweder in Gruppen auf dem Platz, in einem ihrer Leibchenfarbe entsprechenden Bereich oder dem ihrer Hütchenfarbe entsprechendem Bereich einfinden. Wer zu spät war, musste Liegestütz machen. Ein sehr erheiterndes Warm-up dieses gänzlich unkriminelle „Hütchen-Spiel“.

Die Spieler des FC St. Pauli bei einer Aufwärmübung.
Beim Aufwärmen war die Stimmung noch ausgelassen.
(c) Peter Böhmer

Der Platz war allerdings eher spärlich besetzt. Es fehlte gleich eine ganze Reihe von Spielern. Darunter unter anderem Niklas Jessen, Sören Ahlers und Franz Roggow, die abends bei der U23 im Einsatz waren (während ich diese Zeilen schreibe, läuft das Spiel noch (sie führen 3:2), also kann ich endlich mal schreiben: „Spiel bei Redaktionsschluss noch nicht beendet“ // Anm. Maik, 23.00h: Inzwischen ist es mit 3:3 beendet worden, mehr dazu gleich in der „Lage“). Dazu fehlten aber auch gleich mehr als ein halbes Dutzend an potenziellen Stammspielern: Maximilian Dittgen, Etienne Amenyido, James Lawrence, Rico Benatelli, Philipp Ziereis und Eric Smith waren nicht auf dem Platz zu sehen. Luca Zander trainierte ebenfalls individuell. Jannes Wieckhoff und Christopher Avevor fehlen ja bereits längere Zeit.

So tingelten also 15 Feldspieler und drei Torhüter (Viktor Weber war mit dabei) auf einem kleinen Feld in vier verschiedenen Leibchen umher und hatten eine ganze Menge Spaß. Ernster wurde es dann, als Fabian Hürzeler die erste Übung anleitete. Pässe in nahezu allen Variationen waren gefordert, mal mit der Aufgabe nachzugehen, mal als Doppelpass, mal mit Torabschluss auf diese kleinen Schäferhund-großen Tore. Zwar ist das Passspiel als solches natürlich wichtig, aber die Übung hat mich als Zuschauer jetzt nicht abgeholt. Muss sie ja aber natürlich auch nicht. Hätte ich gewusst, was danach folgt, ich hätte lieber noch drei Stunden gelangweilt Passübungen zugeschaut.

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Bei der nächsten Übung wurden zwei 6er-Teams eingeteilt. Zudem gab es an den Außenlinien vier neutrale Spieler und mitten im Spielfeld einen weiteren neutralen Spieler. Die neutralen Spieler durften nur mit einem Kontakt agieren. Durch acht erfolgreiche Pässe hintereinander gab es einen Punkt oder aber, nach Doppelpass mit einem neutralen Spieler, bei einem Treffer in eines der kleinen Tore.
Die Übung war noch keine zwei Minuten alt, als plötzlich Sebastian Ohlsson kurz aufschrie und sich auf den Rasen setzte. Sofort waren Mitspieler bei ihm und medizinisches Personal eilte herbei. Leichte Verletzungen hatte ich ja schon erlebt, wenn ich beim Training war. Aber hier war sofort spürbar, dass es sich um was Ernstes handelt. Ohlsson stand auf, humpelte leicht, aber eigentlich nicht bedenklich und nahm neben dem Spielfeld wieder Platz zu einer ersten Untersuchung. Aus der Entfernung war nicht ersichtlich, was genau passiert ist. Sicher ist nur: Irgendwas war in seinem linken Knie nicht so, wie es sein sollte. Inzwischen stand das halbe Team um ihn herum. Nach kurzer Untersuchung stand Ohlsson wieder auf und wenn überhaupt war weiterhin nur eine leichte Beeinträchtigung beim Gehen erkennbar. Aber das Gesicht sagte deutlich, dass es sich um mehr handelt.

Sebastian Ohlsson hält sich die Hände vor das Gesicht. Er hat sich beim Training des FC St. Pauli am linken Knie verletzt.
Get well soon, Seb!
(c) Peter Böhmer

Ja, auch schwere Verletzungen gehören nunmal zum Fußball und zum Leben von Fußballer*innen dazu. Aber mir ist in diesen Momenten ziemlich schwer ums Herz geworden. Das ist für Ohlsson (Vertrag läuft aus) und den Verein (alle drei nominellen Rechtsverteidiger fehlten gestern beim Training) schon ein ziemlich herber Schlag.
Auch wenn es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Diagnose gibt, auf diesem Wege schonmal:
Gute Besserung Sebastian Ohlsson! You’ll never walk alone!

Und so wenig wie ihr jetzt noch vom weiteren Trainingsverlauf lesen wollt, habe ich Lust darüber zu schreiben. Die Stimmung auf dem Trainingsplatz war nach der Verletzung von Ohlsson spürbar gedämpft. Die Übung selbst wurde nach kurzer Unterbrechung fortgeführt. Danach ging es im 7vs7 und freiem Spiel auf große Tore. Bis auf eine kurze Behandlung von Afeez Aremu (einziger Sechser beim gestrigen Training, der muss fit bleiben), der einen Kopftreffer kassierte, blieben immerhin alle unverletzt. Team Gelb gewann durch ein Burgstaller-Tor.
Nächstes Mal nehme ich lieber Hagel, Orkanböen und -12 Grad, wenn im Gegenzug schwere Verletzungen ausbleiben.

//Tim

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5 thoughts on “Bericht von der Kollausstraße, 23.02.2022

  1. Wenn ihr eine Alternative zu mopo und co sein wollt, warum klingen eure Verletzungsberichte dann eigentlich als hätte jeder beliebige moporeporter sie geschrieben? Und seit wann spekuliert ihr so munter?

    1. Moin Lukas,
      na das hoffe ich nicht, dass der Bericht so klingt, wie bei beliebigen Moporeportern. Ich habe ganz bewusst darauf verzichtet, den Artikel mit dem Bild zu versehen auf dem Sebastian Ohlsson weint (so wie es Bild, Mopo und Abendblatt gemacht haben) und auch extra nicht im Titel sowas wie „unter Tränen“ etc. geschrieben (habe die auch gemacht), sondern das einfach weiterhin „Bericht von der Kollaustraße“ genannt. Die Verletzung selbst ist das zentrale Geschehen gestern auf dem Trainingsplatz gewesen. Danach haben die Spieler spürbar mit angezogener Handbremse trainiert und auch die Stimmung war merklich gedämpft. Da nicht drüber zu berichten, halte ich nicht für richtig.
      Wo wird denn im Text „munter spekuliert“?

  2. Euer Teaserfoto auf instagram ist Sebastian Ohlsson unter Tränen, dort steht ebenfalls „alles deutet darauf hin, dass es sich um eine langfristige Verletung handelt“. Aber wenn ihr nicht „unter Tränen“ in die Üebrschrift schreibt, dann ist es ja auch vollkommen egal, welche Fotos ihr benutzt.
    Toll, wenn das hier im Artikel nicht der Fall ist. Auf anderen Medien bewerbt ihr eure Artikel damit. Um dann Clickbait mit möglichen Spekulationen zu betreiben.

    1. Die „möglichen Spekulationen“ sind das, was Timo Schultz auf der Pressekonferenz erzählt hat. Wenn diese Infos deiner Ansicht nach Spekulationen unsererseits sind, dann weiß ich auch nicht.
      Mit „Foto unter Tränen“ meinte ich das, was Mopo, Bild, Abendblatt genutzt haben. Das ist aus meiner Sicht ein anderes Level.

    2. Moin Lukas! Auf Insta siehst du das gleiche Foto, wie hier im Einstieg. Ein Seb Ohlsson, der sich die Hände vors Gesicht hält – Tränen kannst du da hineininterpretieren, muss du aber nicht, weil man sie gar nicht sieht. Der Text auf Instagram ist derselbe, wie hier im Einstieg. So sehen unsere Verlängerungen der Artikel auf Instagram zu 99 % immer aus. Zu unterstellen, dass wir auf einem bestimmten Kanal auf Clickbait aus sind, entspricht nicht der Realität.

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