Lage am Millerntor – 24. Februar 2022

Lage am Millerntor – 24. Februar 2022

Beim Blick auf die weltpolitische Lage sind Sorgen, Nöte und Belange eines mittelmäßigen Zweitligisten natürlich komplett irrelevant. Da ich dem Konflikt in der Ukraine aber ziemlich macht-, hilf- und ahnungslos gegenüberstehe, bleibe ich bei den Themen, wo ich zumindest irgendwie mitreden kann.

FCSP News

Bericht von der Kollaustraße – Sebastian Ohlsson verletzt

Kleiner Schockmoment mit eventuell großen Folgen gestern beim Training an der Kollaustraße: Sebastian Ohlsson musste das Training verletzt abbrechen. Die Verletzung ereignete sich ohne Fremdeinwirkung, er verließ den Platz sichtlich getroffen. Die laienhafte Ferndiagnose am Platz lautete „Knie…“, was ja aber auch viel bedeuten kann. Die Hoffnung auf „möge es nicht so schlimm sein!“ äußern wir hier natürlich trotzdem einfach mal – auch wenn es in Tims Bericht vom gestrigen Training nicht gerade vor Optimismus diesbezüglich trieft.

Und wie Ihr dem Bericht entnehmen könnt, fehlten auch noch einige weitere Spieler, richtig üppig ist die Personaldecke nicht mehr. Heute Vormittag findet die Pressekonferenz zum Spiel in Ingolstadt statt, danach gibt es hier sicher wieder ein personelles Update.

Personal-Update:
„Dürftig“ ist wohl das Wort, welches am ehesten zur Personal-Situation passt. Timo Schultz vermeldete auf der PK, dass er im Fall von Sebastian Ohlsson mit einer längeren Ausfallzeit rechnet. Sören Ahlers hat sich gestern bei der U23 wohl eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen. Sicher ausfallen für das Spiel in Ingolstadt werden zudem James Lawrence und Etienne Amenyido. Zudem steht hinter Eric Smith, Luca Zander, Philipp Ziereis, Maximilian Dittgen und Rico Benatelli („leicht kränklich“ ist der Grund)
ein Fragezeichen. Es ist also vor der anstehenden Englischen Woche richtig dünn im Kader, besonders in der Defensive…

Neues Trainingsgelände Kollaustraße

Wir werden uns darauf einstellen können, dass uns dieses Thema noch über die nächsten Monate und wahrscheinlich Jahre begleiten wird. Neben den Sorgen der anderen betroffenen Sportvereine geht es ja auch um Umweltaspekte, insbesondere um das Überflutungsgebiet, für das eine alternative Lösung gefunden werden muss. Im Abendblatt (€) wird dies aufgegriffen und mit Statements des NABU unterlegt. Klingt alles nicht komplett unlösbar, ist aber auch sehr weit von „Wird schon!“ entfernt.
Wie schon bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Pläne, ist das alles eben immer noch wenig konkret.

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„Datenkasper“ Podcast mit Martin Drust und Christian Gast

„Der Selbsthilfe Podcast für alle Daten Betroffenen“ ist der Untertitel dieses Formats und die Eingangsfrage an die Gäste lautet „Seid Ihr Datenkasper oder Businesskasper?“.
Martin Drust, „Geschäftsleiter Marke“ beim FC St.Pauli und Christian Gast („Digital Illusionist“) sind zu Gast – und insbesondere die Bezeichnung von Christian dürften die meisten noch nicht gehört haben, ging zumindest mir so. Dementsprechend wird dies dann auch am Anfang gleich mal angesprochen.

Vereinfacht ausgedrückt geht es also um Marketing und damit zusammenhängende Datenanalyse – und aus der Sicht der normalen Fußballfans dürfte es ein Leichtes sein, das vorbereitete Bullshit-Bingo mit den entsprechenden Businesskasper- und Werbeagentur-Sprech Begriffen schnell zu füllen. Wenn man sich daran also abarbeiten will, findet man leichte Opfer.
Wenn man das gedanklich ausblenden kann und sich auf die Zielgruppe dieses Podcasts einlässt, merkt man schnell, dass da zwei Personen sitzen, die Ahnung von dem haben, was sie tun und dort erzählen. Dies muss mir nicht alles gefallen, ich muss auch erst recht nicht alles verstehen – es ist aber mal ein interessanter Perspektivwechsel, mit was sich Personen im FCSP eben auch beschäftigen.

Ein wichtiger Satz dafür kommt von Martin Drust daher auch ziemlich am Anfang:
„Was wir hier machen, soll in erster Linie dazu beitragen Geld zu generieren, damit wir als Verein erfolgreich Profifußball spielen.“

Eines der diskutierten Themen war auch der Bereich NFTs, um den es im Profifußball aktuell die wildesten (und vor allem negativen) Auswüchse gibt und in dem viele Vereine versuchen an der Blase Kryptowährung das schnelle Geld abzugreifen – allen Bedenken und Umweltauswirkungen zum Trotz. Der FCSP hat mit den Spieltagsplakaten der Millerntor Gallery erste Erfahrungen gesammelt und die beiden Gäste schildern hier den schmalen Grat zwischen Gut und Böse, zumindest aus ihrer Sicht. Es klingt aber auch deutlich durch, dass man die Technik nicht per se ablehnt, sondern durchaus differenziert die Vor- und Nachteile betrachtet. Die Kritikpunkte sieht man, gehe hier daher auch bewusst einen anderen Weg als andere Vereine – insgesamt müsse man in diesem Bereich aber ganz sicher auch nicht vorweglaufen.
Das Thema dürfte uns also demnächst wieder mal begleiten und birgt sicher Konfliktpotential.

FC St. Pauli von 1910 e. V.

Regionalliga Nord (m)

Die U23 holte gestern das am Wochenende aufgrund des Sturms abgesagte letzte Spiel der Hauptrunde bei Weiche Flensburg nach. Da beide nach dieser Hauptrunde in Auf- und Abstiegsrunde getrennte Wege gehen (und nur die Punkte gegen die Teams mitgenommen werden, die einen auch weiter begleiten) war das Spiel ohne Relevanz für den weiteren Saisonverlauf – trotzdem (oder deswegen?) entwickelte sich aber ein munteres Spiel.
Nach einer guten halben Stunde hatte der FC St. Pauli schon zwei Mal zurückgelegen und führte durch Tore von Max Brandt und Aurel Loubongo (2x) aber mit 3:2. Kurz vor der Pause sah Luca Günther für eine Notbremse die rote Karte.
Eine knappe Stunde war gespielt, als St. Pauli dann auch noch Sören Ahlers im Tor nach eine Zusammenprall ersetzen musste. Gute Besserung! Die Torwartverletzung erklärte dann auch die lange Nachspielzeit – und die lange Unterzahl forderte ihren Tribut, in der 97. Minute verwandelte Weiche einen Strafstoß zum 3:3-Ausgleich. (Spielbericht: fcstpauli.com)

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24 Punkte hat die U23 also aus 20 Ligaspielen geholt und belegt damit einen sicheren Mittelfeldplatz in der Nordstaffel. Nach der Zusammenlegung mit den schlechteren Teams der Süd-Staffel werden es in der Abstiegsrunde aber nur noch 12 oder 15 Punkte sein – je nachdem ob sich am Samstag der VfB Lübeck (dann wären es 12 Punkte) oder Drochtersen/Assel (15) als letztes Team dazu gesellt.
Da (planmäßig) fünf Teams absteigen werden und aus der 3.Liga wohl auch kein außerplanmäßiger Absteiger dazu kommt, ist das als Ausgangsposition zwar erst mal okay – aber eben auch noch lange kein Ruhekissen. Aus der Süd-Staffel kommen Jeddeloh II (18P), BSV Rehden (9P), Lüneburger SK (9P), HSC Hannover (9P) und der FC Oberneuland (8P) dazu, die allerdings dann auch alle erst acht Spiele ausgetragen haben, während die Nord-Teams mit zehn absolvierten Spielen in diese Runde gehen.
Voraussichtlich Montag dürften wir dann auch ein klareres Tabellenbild zeichnen können.

Sponsoren, Tarifverträge und Betriebsräte

Zwei Artikel aus dem Oberbegriff „Arbeitnehmerrechte“ sorgten zuletzt rund um den FCSP für Aufsehen: Positiv hebt Verdi hervor, dass der FC St. Pauli als einer von nur sechs Vereinen in der DFL überhaupt einen Betriebsrat hat und bezeichnet den Verein als Vorreiter.

Weniger vorbildlich sind die Schlagzeilen, in denen mit „Lichtblick“ einer der Sponsoren des FCSP erscheint: Zwar gibt es beim Ökostromanbieter einen Betriebsrat, das Unternehmen weigert sich aber beharrlich, einen Tarifvertrag auszuhandeln. (taz)

Döntjes

Omar Elabdellaoui feiert Comeback

Der Name sagt jetzt vielleicht nicht gleich allen Leser:innen was, obwohl der norwegische Nationalspieler auch immerhin 43 Spiele für Eintracht Braunschweig bestritten hat. Seit 2020 steht er bei Galatasaray unter Vertrag – doch am Silvesterabend 2020 drohte die Karriere zu enden, denn ein Feuerwerkskörper explodierte in der Nähe seines Gesichts und schädigte auch seine Augen.
Im Guardian schilderte er letzte Woche seinen langen Weg zurück, am Dienstagabend war es dann so weit: beim 3:2-Sieg bei Göztepe Izmir stand Elabdellaoui mit einer Spezialbrille in der Anfangsformation und spielte durch – und feierte so auch den Siegtreffer in der 97. Minute noch auf dem Rasen. (Twitter)

Griechenland

Der Profifußball in Griechenland ist diesen Monat in den Schlagzeilen gewesen, weil ein 19-Jähriger Fan von Aris Saloniki von Fans des Stadtrivalen PAOK niedergestochen wurde und verstarb.
Die griechische Regierung hat nun alle Aktivitäten organisierter Fanclubs für fünf Monate verboten und zudem die Strafen für Gewalttaten mit Fußballbezug drastisch erhöht. Die Höchststrafe beträgt jetzt fünf Jahre statt sechs Monate und ein Aussetzen zur Bewährung ist nicht mehr möglich. (Sportschau)

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Schalke & Gazprom

Wie schon eingangs erwähnt, werde ich Euch hier keine politische Detailanalyse des Konflikts liefern, dafür gibt es sicherlich kompetentere Medien.
Ich beschränke mich also auf zwei Links mit Fußballbezug: Zunächst einmal jenes Medium, welches nun seit einiger Zeit schon nicht mehr im Pressespiegel des FCSP erwähnt wird, sich selbst aber weiterhin für Meinungsbildend hält: Man verteufelt (zurecht) den Schalker Werbedeal mit Gazprom, verkauft aber nebenbei im Shop fröhlich eben diese Trikots. Ein Freispiel für BildBlog, klar, auch wenn die Werbung später entfernt wurde.

Dass das Thema „Gazprom“ natürlich auch in der Schalker Fanszene heiß diskutiert wird, dürfte eh klar sein. Der Schalker Podcaster „Pepo“ gibt auf Watson.de ein Interview zu seiner Sicht der Dinge und räumt auch gleich mal das Storytelling des Vereins ab, dass der Deal ja nur mit der deutschen Unternehmenstochter geschlossen sei – dies mag auf dem Papier so sein, der Zusatz „Germania“ erscheint in der Außendarstellung aber eben nirgends. Und zu den finanziellen Zwängen des Vereins sagt er:

„Der Preis, den Schalke für ein Aufrechterhalten bezahlt, ist höher als das Leben mit den Konsequenzen.“

Schalke Fan Pepo, Watson.de

Dortmunder Amateurverein will Neonazi loswerden

Bleiben wir im Ruhrgebiet: Der dort beheimatete TuS Deusen hat eine Altherrenmannschaft und in dieser spielt seit 2018 ein bekennender Neonazi. Der Verein versucht seit längerem, ihn aus dem Verein auszuschließen, da die eigenen Werte „Toleranz und Weltoffenheit“ sich mit dieser Mitgliedschaft nicht vereinbaren lassen. Freiwillig will der Spieler den Verein aber auf gar keinen Fall verlassen, schickte zu einem Treffen seinen Anwalt.
Der Verein stand dieser Situation zunächst etwas hilflos gegenüber, suchte sich aber dann externe Hilfe und will jetzt einen neuen Versuch starten. (WDR)

MDR Doku: „They call us Ausländerteam“

Der SV Blau-Weiß Grana spielt in Sachsen-Anhalt in der Kreisliga – und hat, wie so viele Amateurvereine, Probleme überhaupt genug Spieler für die einzelnen Teams zu finden. Der MDR hat eine vierteilige Dokumentation über den Verein veröffentlicht, für den auch viele Geflüchtete spielen, die sich immer wieder auch Rassismus gegenübersehen.
Die Folgen sind zusätzlich auch als Hörfassung oder mit Gebärdensprache abrufbar.

Benfica – Ajax

Selbstverständlich, die Champions League ist total doof, solange wir da nicht mitspielen, keine Frage. Aber wenn ein Trailer für ein Spiel so gemacht wird wie dieser hier für das gestrige Spiel zwischen Benfica und Ajax (Ergebnis der Redaktion bekannt, interessiert aber ja eh niemanden) – dann kann man sich den natürlich trotzdem mal anschauen. (YouTube)

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Zu guter Letzt

Wer ab und an mal FIFA spielt und dabei den Kommentar angeschaltet lässt, wird den folgenden Satz kennen: „WIE MACHT ER DEN DENN REIN?!“.
Ja, so ein Tor war das hier: (Twitter)

Forza St. Pauli!
// Maik

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2 thoughts on “Lage am Millerntor – 24. Februar 2022

  1. Ich bin begeistert, Maik!
    Wenn unsere Abwehrreihe in Ingolstadt so fehlerlos spielt wie Dein Bericht ist, dann kann´s was werden.

    Oder hattest Du mir das hier absichtlich eingebaut? 🙂
    „Das Thema dürfte und also demnächst wieder mal begleiten und birgt sicher Konfliktpotential.“

    Dein Dir gewogener Käpt´n Queerpass

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