Vorbericht: FC St. Pauli – 1. FC Heidenheim (27. Spieltag, 21/22)

Vorbericht: FC St. Pauli – 1. FC Heidenheim (27. Spieltag, 21/22)

Freitagabend, Flutlicht, Topspiel – Der FC St. Pauli empfängt den 1. FC Heidenheim am Millerntor. Es ist das erste einer ganzen Reihe von Spielen gegen direkte Konkurrenten im Aufstiegskampf. Die Heidenheimer gehören dabei klar zur Gegner-Kategorie „unangenehm“. Aber unter anderem die jüngste Historie zeigt, dass der FC St. Pauli alles andere als chancenlos ist.
(Titelbild: Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)

Das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Casche mit Dominic Köstler wurde bereits veröffentlicht und ist wärmstens zu empfehlen.

FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?

Ich hoffe sehr, dass ich ein letztes Mal in dieser Saison (nein, eigentlich hoffe ich, dass das nun das letzte Mal für immer und ewig sein wird) eine solch lange Liste an verletzten Spielern präsentieren muss. Immerhin konnte Timo Schultz auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Heidenheim vermelden, dass es keine weiteren Verletzungen gibt.

Somit fehlen dem FC St. Pauli Christopher Avevor, Sebastian Ohlsson und Jannes Wieckhoff. Ob diese drei Spieler in dieser Saison überhaupt noch zum Einsatz kommen werden, erscheint mehr als fraglich.
Zudem fehlen die beiden Offensivkräfte Maximilian Dittgen und Etienne Amenyido, bei denen Schultz hofft, dass sie in der Länderspielpause wieder „die Fußballschuhe anziehen„. Ebenfalls noch nicht einsatzbereit ist Afeez Aremu, der nach positivem Coronatest letzte Woche noch nicht wieder im Teamtraining ist. Etwas erhellender ist, dass James Lawrence wieder den Großteil des Trainings mitmachen konnte und Philipp Ziereis sein Aufbautraining wieder auf dem Platz machen kann. Ein Einsatz kommt aber für beide sicher etwas zu früh.

1. FC Heidenheim: Wer kann spielen, wer fehlt?

Die Pressekonferenz des 1. FC Heidenheim vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli findet im Laufe des Donnerstags statt. Sollte da noch Relevantes verkündet werden, werde ich das an dieser Stelle noch einfügen.
Sicher ist aber, dass Rechtsverteidiger Marnon Busch seinem Team im Spiel gegen den FCSP fehlen wird. Er wurde nach seiner Roten Karte gegen Werder Bremen für zwei Spiele gesperrt. Zudem muss der Club bereits seit längerer Zeit auf einen weiteren Rechtsverteidiger verzichten: Marvin Rittmüller fällt mit einem Außenmeniskusriss aus.

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HAMBURG, GERMANY - SEPTEMBER 27: (L-R) Maximilian Dittgen of FC St. Pauli and Marnon Busch of 1. FC Heidenheim battle for the ball during the Second Bundesliga match between FC St. Pauli and 1. FC Heidenheim 1846 at Millerntor Stadium on September 27, 2020 in Hamburg, Germany.
Marnon Busch gegen Maximilian Dittgen – Ein Duell zweier Kraftpakete, welches es dieses Mal leider nicht geben wird.
(Photo by Cathrin Mueller/Getty Images)

Wieder mit an Bord sind dafür Kapitän und Innenverteidiger Patrick Mainka (zurück nach Corona-Erkrankung) und auch Tim Kleindienst, der nach einer Sprunggelenksverletzung schon gegen Bremen wieder ein paar Minuten sammelte. Es ist alles andere als übertrieben, wenn ich schreibe, dass Frank Schmidt damit seine beiden wichtigsten Spieler wieder zur Verfügung stehen.

Was hat Heidenheim zu bieten?

Genau das, was Timo Schultz vor Saisonbeginn prognostizierte: Der 1. FC Heidenheim zählt zum erweiterten Kreis der Aufstiegsanwärter. Das Team stand nach acht Spieltagen bereits auf Platz drei in der Liga, musste dann aber direkt hintereinander drei empfindliche Niederlagen einstecken (0:3 bei Werder, 2:4 zuhause gegen den FCSP, 0:4 beim FCN). Der FCH rutschte in der Tabelle auf Platz elf ab.
Nachdem der Club aber den Auftakt nach der Winterpause gegen Ingolstadt gewinnen konnte, fand sich das Team erneut auf Platz drei wieder. Dieser konnte aber wieder nicht gehalten werden, denn es gab zwischendurch vier sieglose Spiele in Serie. Nun ist man nach dem Sieg gegen Werder Bremen aber wieder in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen.

Der 1. FC Heidenheim ist traditionell ein defensivstarkes Team, aber nicht ganz so stark in der Offensive. Das zieht sich fast durch die gesamte Zeit von Heidenheim in der 2. Liga. Nur ein einziges Mal fing sich das Team mehr als 50 Gegentore und nur einmal erzielte es mehr als 50 Tore.
Passend dazu lesen sich dann auch die expected Goals: Platz elf ist es in der Offensive. Defensiv stellt der 1. FC Heidenheim das beste Team der Liga nach xG-Werten.
Ähnlich wie beim FCSP hat auch Heidenheim ein Heim- und ein Auswärtsgesicht. Das Team liegt auf Platz 14 der Auswärtstabelle (zuhause auf Platz 2). Auch diese Auswärtsschwäche (oder Heimstärke, je nach Betrachtungsweise) ist eine Art Tradition in Heidenheim und einer der Gründe, warum der FCSP jahrelang an der Brenz keine Punkte holen konnte.

Pizza-Grafik der Kern-Statistiken vom 1. FC Heidenheim nach 26 Spieltagen der Saison 21/22
Pizza-Grafik mit den Kernstatistiken des 1. FC Heidenheim nach 26 Spieltagen der Saison 21/22.

Eine Statistik, die hier nicht auftaucht, die aber die wichtigste von allen ist, wenn es um den 1. FC Heidenheim geht: Laufstärke. Bei Bundesliga.de gibt es Statistiken zur Laufdistanz, zur Anzahl von Sprints und zur Anzahl von intensiven Läufen. In all diesen Statistiken liegt Heidenheim vorne. Bei den Sprints und intensiven Läufen sogar deutlich.
Diese Statistiken beschreiben das Spiel des FCH sehr gut, denn die Laufstärke ist das zentrale Element, damit die eigene Spielweise durchgezogen werden kann. Das Team definiert sich über die Defensivarbeit und spielt ein sehr konzentriertes und abwartendes, gerne tiefes Pressing. Wenn es aber mal vorne drauf geht, dann knallt es meist gewaltig. Der FCSP dürfte sich daran schmerzlich erinnern, denn das 0:1 in Heidenheim fiel genau aus so einer Situation.

Wenn der Ball gewonnen wird, dann gibt es nur eine Richtung: Anstatt abwartend zu spielen und Situationen zu entwickeln, wird der Ball meist strikt nach vorne gespielt. Der 1. FC Heidenheim spielt die meisten progressiven Pässe der 2. Liga (Pässe, mit denen ein Team dem gegnerischen Tor signifkant näher kommt). Dieser Wert ist besonders bemerkenswert, da der FCH eigentlich sehr wenig Ballbesitz hat (Platz 14), was dann aber auch wieder gut zu ihrer Spielphilosophie passt.

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Frank Schmidt kann höchstwahrscheinlich für das Spiel wieder auf Tim Kleindienst und Patrick Mainka zurückgreifen. Der Stürmer und der Innenverteidiger sind wohl die wichtigsten Spieler auf dem Platz für Heidenheim. Kleindienst besticht nicht nur mit überzeugenden „Kern-Statistiken“ in der Offensive, sondern wird von vielen als bester Angreifer in Sachen Defensivarbeit angesehen. Vor allem sein Anlaufverhalten ist sehr gut (und sehr unangenehm – sechs gelbe Karten sammelte er bereits).
Mainka überzeugt laut Schultz mit Zweikampf- und Kopfballstärke. Schultz betont aber auch, dass der junge Tim Siersleben den Kapitän des Teams zuletzt sehr gut vertreten hat.

HAMBURG, GERMANY - FEBRUARY 12: Tim Kleindienst of Heidenheim challenges Moritz Heyer of Hamburgduring the Second Bundesliga match between Hamburger SV and 1. FC Heidenheim 1846 at Volksparkstadion on February 12, 2022 in Hamburg, Germany.
Ein Bild, welches alles andere als ungewohnt ist: Tim Kleindienst foult einen gegnerischen Verteidiger.
(Stuart Franklin/Getty Images/via OneFootball)

Ich möchte das Augenmerk gerne noch auf zwei weitere Spieler lenken: Auf der Sechser-Position überzeugt seit nunmehr einem Jahr Jan Schöppner vor allem mit Zweikampfstärke (hinter einem gewissen Afeez Aremu der zweikampfstärkste Sechser). Zusammen mit Oliver Hüsing und Mainka bildet er ein physisch enorm starkes Trio in der zentralen Defensive.
Des Weiteren muss sich jeder Gegner mit Tobias Mohr auseinandersetzen. Mit sieben Toren und sechs Vorlagen ist er der Top-Scorer des Teams und besticht vor allem durch seine enorme Laufstärke und gute Standards. Sowieso sind die beiden offensiven Außenspieler von Heidenheim fast schon traditionell stark (Robert Leipertz auf der rechten Seite hat auch schon zehn Torbeteiligungen und wer Marc Schnatterer ist dürften alle FCSP-Fans schmerzlich genau wissen).

Mögliche Aufstellung

Was eigentlich auch traditionell zu Heidenheim gehört wie Frank Schmidt, ist eine Viererkette. Nur ganz selten weicht das Team von dieser ab. Jetzt am Freitag könnte der Moment wieder mal gekommen sein. Allerdings: In dieser Saison probierte es der FCH nur zweimal mit einer Dreierkette. Beim 0:4 in Nürnberg und bei der Niederlage gegen den FCSP im Hinspiel. Klingt nicht nach einem System, welches das Team häufiger spielen sollte.
Allerdings ist und bleibt diese Formation für den FC St. Pauli weiterhin schwierig und davon wird man auch in Heidenheim Notiz genommen haben. Ich könnte mir also durchaus vorstellen, dass wir eine Umstellung beim FCH sehen werden, rechne aber etwas eher mit einer Viererkette (weil mit Busch ein Spieler fehlt, den Frank Schmidt als Flügelverteidiger brauchen würde).

Im Bereich des Möglichen ist auch, dass Schmidt nur das Nötigste an seiner Startaufstellung im Vergleich zum 2:1-Sieg und sehr gutem Spiel gegen Werder Bremen verändert. Das würde bedeuten, dass einzig Busch ersetzt werden muss. Timo Schultz rechnet damit, dass Kevin Sessa seinen Platz einnehmen wird, da auch Rittmüller verletzt fehlt. Sollte Sessa wirklich Busch auf der rechten Abwehrseite vertreten, dann könnte Robert Leipertz auf der offensiven rechten Außenbahn zum Einsatz kommen.
Wenig Veränderungen würde aber auch bedeuten, dass Tim Kleindienst und Patrick Mainka vorerst nicht in die Startelf zurückkehren. Gerade hinter dem Fitnesszustand von Kleindienst steht sowieso ein Fragezeichen.

Erwartete Aufstellung im Spiel FC St. Pauli gegen den 1. FC Heidenheim

Beim FC St. Pauli gehe ich von einer unveränderten Elf im Vergleich zur zweiten Halbzeit gegen Dynamo Dresden aus. Viele Fragezeichen gibt es auf den Positionen auch nicht. Einzig auf der rechten Abwehrseite könnte ich mir vorstellen, dass Luca Zander wieder zum Einsatz kommt. Allerdings hat Zander unter der Woche nicht voll im Training mitmachen können. Fraglich ist zudem, wie fit Eric Smith bereits wieder ist. Wir sollten davon ausgehen, dass Irvine irgendwann in der zweiten Halbzeit wieder auf die Sechs rückt. Finn Ole Becker und Christopher Buchtmann wären dann, je nach Spielstand, Kandidaten für die Halbposition.

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Wirklich schade ist, dass Maximilian Dittgen fehlt. Denn dem scheint der 1. FC Heidenheim zu liegen. Beim 4:2 der Vorsaison war er selbst Torschütze, beim Rückspiel legte er das 4:3 durch Zalazar sehr gekonnt auf und im Hinspiel dieser Saison erzielte er nach Einwechslung einen Doppelpack. Seine tiefen Läufe könnten fehlen, wenn Heidenheim etwas aggressiver presst und ich sehe da keinen Spieler beim FCSP, der ihn in dieser Hinsicht ersetzen könnte.

Meine Vorfreude auf die Partie ist riesig. Die letzten Duelle waren immer ein ziemlicher Schlagabtausch und es gab keine ruhige Minute auf dem Spielfeld. Auch Timo Schultz freut sich sehr auf das Spiel, vor allem, da das Millerntor ausverkauft sein könnte, aber auch, weil es auf dem Spielfeld „krachen“ wird, wie er sagt. Das darf aber nicht missverstanden werden. Denn die Teams liegen auf den ersten beiden Plätzen der Fairness-Tabelle.
Die letzten Spiele zwischen diesen beiden Teams zeigen auch besonderes: Denn dem FC St. Pauli gelang es in den letzten drei Spielen immer vier Tore gegen defensivstarke Heidenheimer zu erzielen. Das ist schon ungewöhnlich, nehme ich aber auch gerne am Freitag wieder. „Alle guten Dinge sind Vier“ und so (Arbeitstitel ist schon formuliert).

Forza!
//Tim

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5 thoughts on “Vorbericht: FC St. Pauli – 1. FC Heidenheim (27. Spieltag, 21/22)

    1. Nachdem das letztes Mal in die Hose gegangen ist, habe ich da lieber die Finger von gelassen und nutze lieber die Arbeitstitel.
      Aber du weißt schon, was du tun musst, wenn das jetzt hinhaut, oder?

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