Bericht von der Kollaustraße, 12.04.22

Bericht von der Kollaustraße, 12.04.22

Die Zusammenfassung vom Training des FC St. Pauli an der Kollaustraße. Mit lockeren Läufen, 3vs3+3, eventuell Hinweisen auf die kommende Startelf und einem Fokus auf das Aufbauspiel.

Bei bestem Wetter und einer steifen Briese (wenn ich auf dem Fahrrad unterwegs bin, habe ich grundsätzlich immer Gegenwind – die Leute auf ihren teils klapprigen Drahteseln, die mich links und rechts überholen nie. Is‘ so!) düste ich also gen Kollausstraße. Und die dortige Anzahl an Journalisten (leider nicht gegendert) ist weit höher, als es noch am Anfang und während des Winters war. Fünf Spieltage vor Schluss mitten im Aufstiegsrennen zieht Interesse auf sich.

Hat jemand Kofi gesehen?

Satte 1920 Feldspieler und drei Torhüter trudelten Stück für Stück aus der Kabine raus. Es fehlten die „üblichen Verdächtigen“ (nein, nicht der Fanclub) Eric Smith, Sebastian Ohlsson, Jannes Wieckhoff und Christopher Avevor. Zusätzlich waren auch Luca Zander und James Lawrence nicht dabei. Lawrence kam im Laufe des Trainings dazu und machte Läufe und leichtes Balltraining. Etwas Schnappatmung gab es dann, als klar wurde, dass auch Daniel-Kofi Kyereh fehlt. Und dass er es auch am Montag bereits getan hat (wie auch Simon Makienok und Lars Ritzka, die aber wieder voll mitmischten).

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1920 Feldspieler, drei Torhüter – ganz gut gefüllt der Trainingsplatz.

Voller Panik twitterte ich das erst einmal und sofort wurde mir billigster Clickbait vorgeworfen. Und was soll ich sagen? Zwei Stunden später ist klar: Der Vorwurf kam völlig zurecht. Die Spatzen an der Kollau zwitscherten mir zu, dass wir uns absolut keine Sorgen machen müssen und Kyereh nur eine etwas ausgedehntere Pause hat, da er diese auch aufgrund von fehlenden Länderspielpausen sonst gar nicht mehr so wirklich hat. Durchatmen, im doppelten Sinne.

Die 1920 Spieler auf dem Platz machten zuerst das übliche Aufwärm-Dingdong und dann ging es auf zwei kleinen Feldern in einem 3vs3+3 weiter (ja, da bleiben zwei Spieler übrig, die sich das von außen anschauen durften). Dabei gab es drei Teams, mit je drei Spielern, von denen immer eines gegen die anderen beiden spielte auf einem kleinem Feld. Bei Abfangen eines Balles, wechselten die Team-Zugehörigkeiten, sodass immer mal wieder ein anderes Dreier-Team in Unterzahl ranmusste. Maximal drei Kontakte erlaubt, viel Tempo, gutes Anschwitzen.

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Hinweise auf die Startelf am Wochenende?

Viel spannender, also wirklich viel, viel spannender war dann die nächste Übung, die fast schon einer Taktik-Einheit glich. Es ging im 10vs10 weiter (edit: wobei es schnell ein 10vs9 war, weil Niklas Jessen das Training vorzeitig beendete). Das Team mit zehn Spielern hatte zwei große Tore zu verteidigen und das 9er-Team eines. Die Formation des 10er-Teams war das 4-4-2 mit Raute, das 9er-Team formierte sich mit zwei Ketten. Start der Spielform war immer beim 10er-Team, die gegen zwei Ketten den initialen Spielaufbau aus der Innenverteidigung üben sollten. Verloren sie den Ball konnte aber auch das 9er-Team ein Tor erzielen im Umschaltmoment. Zwei Ketten deshalb, da dieses auch vom SV Sandhausen erwartet werden darf (die zuletzt im 4-2-3-1, 4-4-2(flach) oder 4-1-4-1 spielten).

Ganz anders, als alles, was ich sonst bisher vom Training sehen durfte (die letzten beiden Tage vor einem Spiel finden ja immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt), konnte ich also mal einen kleinen Einblick in die Vorbereitung auf ein kommendes Spiel bekommen. Ich müsste lügen, wenn ich schreiben würde, dass ich die einzelnen Kommandos und Anweisungen der Trainer nicht notiert hätte.

Trainiert wurden also die Abläufe im Spielaufbau. Dabei ging es vor allem darum, wie von der Innenverteidigung kontrolliert die erste Linie überspielt wird und ab da sollte es dann dynamisch werden. Anfangs wurden strikt die Seiten getrennt. Die Innenverteidiger hatten drei Pass-Optionen (Außenverteidiger, Sechser und Achter) und sollten diesen Pass kontrolliert spielen, wenn der Raum dafür vorhanden war. Die Übung wurde immer wieder unterbrochen und nach der Pause wurden Elemente hinzugefügt. Ein Baustein der später hinzukam war z.B. die Verlagerung vor der Linie, also im Sechserraum. Ich sag es so, wie es ist: Die Abläufe im Spielaufbau waren anfangs etwas holprig. Erst im Verlauf der Übung wurde es besser und vor allem flüssiger.

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Eine Taktik-Übung! Hach, mein Herz sprang in die Luft.

„Max is on fire, your defence is terrified, …“

Was ich auch interessant fand: Wenn es etwas tiefer in die Spielvorbereitung geht, dann ist ja auch die Aufstellung nicht unwichtig. Die Teams wurden nicht wahllos eingeteilt, sondern von Trainerseite verlesen, da hatte sich also jemand Gedanken gemacht. Und nun ist es so, dass ich mir Gedanken mache. Denn das 10er-Team setzte sich wie folgt zusammen: Dźwigała, Ziereis, Medić, Paqarada. Das klingt für mich schon einmal wie eine logische Zusammensetzung der Viererkette für das Wochenende. Marcel Beifus, der voll mittrainierte, war im 9er-Team. Das Mittelfeld bestand aus: Benatelli, Irvine, Hartel, Amenyido. Die Zehner-Position dürfte am Wochenende wieder mit Kyereh besetzt sein, aber gerade die Sechs ist dann doch spannend, denn Afeez Aremu war im anderen Team. Für das kommende Spiel gegen Sandhausen, bei denen viel Ballbesitz zu erwarten ist, ergibt ein ballsicherer und aufbaustarker Sechser Sinn. Da hätte Benatelli sicher etwas die Nase vorn vor Aremu. Komplettiert wurde das Team durch Burgstaller und Dittgen im Sturm. Besonders Dittgen tat sich im Training mit seinem Tempo und seiner Power hervor. Immer wieder war das Timing der tiefen Läufe Thema und wenn es jemanden auf dem Platz gab, der so etwas wie der Wortführer war, dann war es Dittgen. Ich freue mich sehr, dass er wieder fit ist.

Zum Abschluss gab es dann ein mehr oder minder freies Spiel auf zwei Tore im 8vs8. Simon Makienok und Jackson Irvine hatten die Einheit gemeinsam vorzeitig beendet, aber alles deutete darauf hin, dass es sich dabei um Belastungssteuerung handelte. James Lawrence drehte nach Ende des Trainings noch einige Runden, Philipp Ziereis stand Sky Rede und Antwort und Jakov Medić machte sich für die Presserunde bereit. Und ich, früher ebenfalls als Innenverteidiger aktiv (mindestens auf dem gleichen Level…) ließ mich wieder von allerhand Menschen auf dem Fahrrad überholen.

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// Tim

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3 thoughts on “Bericht von der Kollaustraße, 12.04.22

  1. „Da hätte Benatelli sicher ! etwas ! die Nase vorn vor Aremu“ . . . Da pass man auf, lieber Tim, dass dir Rico nicht einen Anwalt auf den Hals hetzt…
    Forza Manfred

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