Die Regionalligen (m) – ganz schön was los

Die Regionalligen (m) – ganz schön was los

Die Auf- und Abstiegssituation der fünf Regionalligen ist Jahr für Jahr ein Mysterium. Schauen wir im heranziehenden Saisonendspurt also mal, wer dieses Jahr den Sprung in die 3. Liga schaffen will und für die Regionalliga Nord zusätzlich, wer in diese aufsteigen kann und will.
(Titelfoto: Thomas F. Starke / Getty Images / via OneFootball)

Sandhausen. Gegentor nach Ecke in der Nachspielzeit. Und dann noch gut sechs Stunden Zugfahrt zu überbrücken, ehe man wieder in Hamburg ist. Was macht man da? Klar, Tabellenrechner 2. Liga. Aber den hat man irgendwann durchgespielt und dann geht es in den Ligen eben weiter runter. Lasst mich Euch also mitnehmen in eben jenes Mysterium der Regionalligen. Welche gibt es, wer steigt auf, wer steigt ab – und überhaupt.

Kurz vorab: Vier Absteiger aus der 3. Liga, fünf Regionalligen – das passt nicht, seit Jahren. Mit dem leisen Abschied von Rainer Koch kann ja jetzt vielleicht die Regionalliga Bayern nochmal neu verhandelt und die Ligenstruktur doch noch auf vier Regionalligen verschlankt werden, was vieles erleichtern würde. Aber für diese Saison käme das ja eh zu spät und auch die nächste Saison wird erst mal so begonnen.

Quickfacts also, wer steigt in die 3. Liga auf:

  • Meister Regionalliga West (jedes Jahr)
  • Meister Regionalliga Südwest (jedes Jahr)
  • Meister Regionalliga Bayern (rollierendes Verfahren)
  • Gewinner PlayOff RL Nord – RL Nordost

Regionalliga Nord

Zunächst einmal der Blick auf die Regionalliga Nord der Männer, die für die neue Saison 22/23 einen Melderekord (Kicker) verzeichnet. Von den aktuellen Teams hat erstaunlicherweise ein Verein gar keine neue Spielberechtigung beantragt – und dies ist der FC Oberneuland aus Bremen, der freiwillig in die Bremen-Liga zurückkehrt. „Wirtschaftliche Vernunft“ und „Sportlicher Realitätssinn“ seien hier die Gründe (butenundbinnen.de).
Neben eventuellen Absteigern aus der 3. Liga (realistisch: nur der bereits feststehende des TSV Havelse, Lizenzentzüge mal außen vor) haben folgende Vereine aus den Oberligen eine Lizenz beantragt. Eine Erteilung der Zulassung wird für Anfang Mai erwartet.

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  • Niedersachsen
    • 1. FC Germania Egestorf / Langreder
    • Heeslinger SC
    • SC Spelle-Venhaus
    • SV Ramlingen-Ehlershausen
    • TuS Blau-Weiß Lohne
    • USI Lupo Martini Wolfsburg
    • VfL Oldenburg
    • Kickers Emden
  • Hamburg
    • Wandsbeker TSV Concordia
  • Bremen
    • Bremer SV
    • Brinkumer SV
  • Schleswig-Holstein
    • SV Eichede
    • SV Todesfelde
Steht als erster Absteiger fest: TSV Havelse – dann müssen sie auch nicht mehr im leeren Niedersachsenstadion spielen. // (c) Selim Sudheimer/Getty Images / via OneFootball

Zur Abstiegssituation hatte ich schon mal einen längeren Artikel verfasst, dessen Inhalt nach wie vor gilt. Lediglich der feststehende „Abstieg“ des FC Oberneuland käme da als Neuigkeit hinzu. Es sieht weiterhin nach fünf Absteigern aus. Der Meister (aktuell deutet alles auf den VfB Oldenburg hin, Weiche Flensburg hat aber noch Restchancen) spielt um den Aufstieg in die 3. Liga Entscheidungsspiele gegen den Meister der Regionalliga Nordost (siehe unten).
Oldenburg hat aktuell vier Punkte Vorsprung auf Flensburg, die es heute (15.00h) gegen den VfB Lübeck auszubauen gilt um dann am kommenden Sonntag (15.00h) im direkten Aufeinandertreffen den Sack vielleicht schon zuzumachen. Ich sag mal so: VfB Oldenburg gegen BFC Dynamo dürfte sich bei den Einschaltquoten auch nicht hinter Wolfsburg gegen Augsburg verstecken.

Für den Aufstieg in die Regionalliga Nord ist auch dieses Jahr der Meister der Oberliga Niedersachsen gesetzt, hier hat momentan BW Lohne die Nase vorn und wird von Kickers Emden gejagt. Lohne ist dem geneigten St. Pauli-Fan bekannt, bei den Trainingslagern in Herzlake in den letzten zwei Jahren fanden hier jeweils Testspiele statt.

Ein zweiter Vertreter der Oberliga Niedersachen spielt eine Aufstiegsrunde gegen die Vertreter aus den anderen Bundesländern (HH / SH/ HB). Hier hat (nach Lohne und Emden) Egestorf-Langreder aktuell die besten Chancen, aber auch Heeslingen und Spelle-Venhaus sind noch im Rennen. Für Ramlingen/Ehlershausen und den VfL Oldenburg dürften die noch ausstehenden vier Spieltage zu wenig sein, um den Rückstand noch wett machen zu können.

In Bremen wird es wohl mal wieder der Bremer SV mit dem wunderschönen Stadion am Panzenberg versuchen, auch wenn der Brinkumer SV hier noch im Nacken sitzt. Von 27 Partien hat der Bremer SV 25 gewonnen(!) und nur zwei Mal Unentschieden(!!) gespielt. 77 Punkte, 127:19 Tore! Klingt wie das Ausreißer-Team in der Kreisklasse B, welches aus ehemaligen Bundesliga-Spielern zusammengewürfelt wurde und jetzt nur noch ein bisschen zum Spaß durch die Ligen marschiert. Das Verrückte: Die Meisterschaft ist damit noch lange nicht fix. Der Brinkumer SV steht nämlich nicht viel schlechter, hat bisher zu den zwei Unentschieden aber auch noch zwei Niederlagen eingesammelt, eine beim 3:5 im Hinspiel. Kommenden Freitag treffen beide Teams im Rückspiel aufeinander.

Für Hamburg hat „nur“ Concordia den Hut in den Ring geworfen. Dementsprechend ist (bei finanzieller Eignung) der Platz in der Aufstiegsrunde dann gesetzt, auch wenn in der Tabelle momentan Dassendorf, Sasel und Niendorf noch vor Concordia platziert sind. Unklar ist noch (zumindest mir), wo dann im Falle des Aufstiegs gespielt werden würde. Der Kunstrasenplatz am Bekkamp dürfte für die Auflagen der Regionalliga sicher nicht ausreichend sein, ob die finanziellen Mittel für ein wohl nötiges Upgrade am Sportpark Hinschenfelde ausreichen, dürfte der entscheidende Punkt sein. Näheres dann Anfang Mai, wenn der Verband die zugelassenen Bewerber und deren Spielstätten bekannt gibt.

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Tabellarische Spannung gibt es hingegen noch in Schleswig-Holstein, wo sich der ehemalige Regionalligist SV Eichede (aus dem Kreis Stormarn) und der potentielle Liga-Neuling SV Todesfelde aus Segeberg (Spitzname: Deathfield) um den einen Platz in dieser Aufstiegsrunde streiten. Am Wochenende gewannen beide ihre Partien, heute um 14.00h treffen sie in Eichede aufeinander. Eichede hat nach acht Spielen 18 Punkte, Todesfelde liegt fünf Punkte dahinter, hat aber auch noch zwei Nachholspiele.
Update: Todesfelde hat 5:1 gewonnen und somit einen riesigen Schritt in Richtung Aufstiegsrunde gemacht.

Aus dieser Aufstiegsrunde steigen dann die beiden bestplatzierten Teams in die Regionalliga Nord auf, gespielt werden soll am 29. Mai, 1. Juni und 5. Juni.

Regionalliga Nordost

Der BFC Dynamo ist hier relativ sicher der Vertreter für die Aufstiegsspiele gegen den Nord-Vertreter. Bis vor kurzem war auch Lok Leipzig noch im Rennen, nach einem 1:1 beim abgeschlagenen Tabellenletzten Tasmania und einem 1:2 gegen Chemnitz hat sich das aber inzwischen eher erledigt.

Der Anhang des BFC Dynamo – hier im DFB-Pokal gegen Stuttgart. // (c) Matthias Kern/Getty Images / via OneFootball

Dementsprechend in der Liga verbleiben werden solch illustre Teams wie Energie Cottbus, FC Carl Zeiss Jena, Babelsberg 03, Lok Leipzig, Chemnitzer FC, TeBe und BSG Chemie.

Regionalliga West

Größtmögliches Drama wird an der Essener Hafenstraße erwartet: Lange sah Rot-Weiss Essen wie der sichere Meister aus, was im rollierenden System der Ligen dieses Jahr den festen Aufstieg bedeuten würde.
Knackpunkt der Saison könnte das Heimspiel gegen Preußen Münster sein, in dem man in der zweiten Halbzeit den Ausgleich kassierte und beim Torjubel der Gäste Böller aus dem Heimbereich aufs Spielfeld flogen. Diese führten zum Spielabbruch, da auch Münsteraner Spieler beeinträchtigt wurden – und die nachträgliche Spielwertung für Preußen könnte jetzt am Saisonende genau den Unterschied zwischen Platz 1 & 2 machen.

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„Drama“ gab es aber auch am Wochenende. Zur Halbzeit führte Essen gegen Gladbach II und Münster lag in Lippstadt mit 2:0 zurück, RWE war somit in der Blitztabelle wieder Erster. Doch dann drehte Preußen das Spiel in Lippstadt bis zu 84. Minute in ein 2:3 – und RWE kassierte in der 86. Minute den Ausgleich zum 1:1-Endstand. Aufstieg futsch? Nicht ganz, denn in der Nachspielzeit schlug auch Lippstadt nochmal zu und glich gegen Münster zum 3:3 aus.
Wer das weiter verfolgen will, kann dies am Dienstagabend tun, wenn Preußen auf Fortuna Köln trifft (die auch lange Zeit noch im Aufstiegsrennen waren) und RWE eben jenes Lippstadt empfängt.

Der (neue) Aachener Tivoli – nächste Saison noch in der Regionalliga? (c) Patrik Stollarz / AFP via Getty Images / via OneFootball

Absteigen werden aller Voraussicht nach fünf Teams, relativ sicher erwischen dürfte es den KFC Uerdingen und die kürzlich noch in der 3. Liga spielenden Sportfreude aus Lotte. Noch ein bisschen strecken muss sich Alemannia Aachen, die aktuell den ersten Abstiegsplatz belegen.

Regionalliga Südwest

Einen spannenden Saisonendspurt wird es auch im Südwesten geben, auch hier steigt der Meister direkt auf. Unser Pokalgegner aus der letzten Saison, die SV Elversberg möchte aufsteigen und liegt vier Spieltage vor Schluss punktgleich mit dem ehemaligen Erstligisten SSV Ulm an der Spitze. Vier Punkte dahinter aber mit noch einem Nachholspiel (Dienstag) in der Hinterhand rangiert Kickers Offenbach. Alle drei Vereine haben am Wochenende gewonnen. Es gibt also doch kein Gesetz, wonach Teams im Aufstiegskampf an diesem Wochenende ligaübergreifend unentschieden spielen mussten.

Auch der Blick in den Keller lohnt sich: u. a. VfR Aalen, Sonnenhof-Großaspach und der FSV Frankfurt stecken da tief drin.

Regionalliga Bayern

Sieben Spiele sind es noch in Bayern, der direkte Aufstieg winkt momentan der SpVgg Bayreuth. Nach allem, was man so hört, wäre dies wohl sowohl stadiontechnisch als auch allgemein ein echter Gewinn für die 3. Liga. In Lauerstellung befindet sich noch der FC Bayern II, für alle weiteren Teams ist der Abstand dann schon zu groß.

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Hans-Walter-Wild Stadion in Bayreuth // (c) Thomas F. Starke/Getty Images / via OneFootball

Heute (14.00h) empfängt Bayreuth den FCB II im Hans-Walter-Wild-Stadion, welches immerhin eine Kapazität von 21.500 Plätzen hat. Die SpVgg hat momentan acht Punkte Vorsprung, Bayern hat allerdings auch noch ein Nachholspiel und ein Auswärtssieg heute würde da dann doch wieder Spannung reinbringen.
Update: Bayreuth hat 4:0 gewonnen, das Ding ist dann wohl durch.

Stay tuned

Ihr seht: Da ist noch einige Spannung drin, mal ganz abgesehen davon, ob die FCSP U23 den Klassenerhalt hoffentlich auch eintüten kann.
Neben dem ein oder anderen Herzschlagfinale (insbesondere im Westen und Südwesten) stehen dann ja auch noch die Aufstiegsduelle zwischen RL Nord und RL Nordost an. Und auch die Aufstiegsspiele in die RL Nord dürften den ein oder die andere Hopper:in im Sommer auf die Amateurplätze bringen.
Wir werden das in der Lage selbstverständlich eng begleiten.

Forza St. Pauli!
// Maik

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7 thoughts on “Die Regionalligen (m) – ganz schön was los

  1. Kleine Korrektur: Auch der BSV Kickers Emden hat sich für die Regionalliga beworben. Macht das Rennen in der Oberliga also noch etwas spannender.

  2. Als St. Paulianer der in Oldenburg lebt ist mein Favorit für das heutige Spiel gegen Lübeck im Marschwegstadion kla gesetzt. Anpfiff 15 Uhr.
    Es gibt reichlich Karten am Schalter.
    Und regionales „OLs“ Bier am Stand.
    😉

  3. Liebe Millerntoner,
    bitte lasst in Eurem Bericht und in Zukunft den Strich zwischen „Carl“ und „Zeiss“ weg. Den gibt es dort nicht: FC Carl Zeiss Jena.
    Danke und viele Grüße

  4. Danke für die schöne Übersicht,

    ergänzend dazu die Anmerkung, dass die Saison 22/23 in der Regionalliga Nord trotz der 5 Absteiger Stand jetzt wohl mit 19 oder 20 Mannschaften ausgetragen wird und der Norden aufgrund des rollierenden Aufstiegssystems diesmal selbst den „sicheren“ Aufsteiger in Liga drei stellt — dementsprechend werden vermutlich gerade die Spitzenteams ihre Kader auch aufzuwerten versuchen.

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