Viel Erfolg, Christian Viet!

Viel Erfolg, Christian Viet!

Christian „Chrille“ Viet wechselt zum SSV Jahn Regensburg. Nach seiner Leihe zur zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund in der Vorsaison folgt nun der endgültige Wechsel. Das ist sehr schade für den FC St. Pauli, aber aus Sicht von Viet durchaus verständlich.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Vorweg: Ich halte viel von Christian Viet. Und irgendwie hatte ich gedacht oder gehofft, dass er auf der Achter-Position beim FCSP eine tragende Rolle übernehmen könnte. So, wie es sich auch nach Start der letzten Saison entwickelte, als er an den ersten Spieltagen mehr und mehr Einsatzminuten bekam. Dann wechselte er aber am letzten Tag des offenen Transferfensters zur zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund. Eine Leihe, die auch irgendwie Sinn ergab, wie sich später herausstellen sollte.

Denn in Dortmund war Christian Viet Stammspieler, kam in 29 Drittligaspielen meist von Beginn an zum Einsatz. Er spielte dort im rechten Mittelfeld, half aber auch mal auf der Doppel-Sechs aus oder sogar als Rechtsverteidiger. Gerade diese Vielseitigkeit hätte auch der FCSP im Kader gut gebrauchen können.

Konkurrenz auf der Acht: Enorm

Nun gehören aber zu einem Wechsel mehrere Parteien. Gut möglich, dass der FC St. Pauli Viet halten wollte. Die Perspektive, die sie ihm bieten konnten, war für den Spieler selbst aber womöglich nicht sonderlich erfreulich: Mit Marcel Hartel und Jackson Irvine sind bereits zwei Spieler im Kader, an denen Viet auch letzte Saison nicht vorbeikam und die letztlich zu seiner Leihe nach Dortmund geführt haben dürften. Mit Carlo Boukhalfa und Connor Metcalfe hat der FCSP sogar noch zwei weitere Spieler für die Achter-Position verpflichtet. Auch wenn Finn Ole Becker, Rico Benatelli und Christopher Buchtmann nun nicht mehr Teil des Kaders sind: Die Aussicht auf Spielzeit dürfte sich für Christian Viet nicht wirklich verbessert haben.

Allerdings ist der Maßstab für diese Einschätzung das Leistungsvermögen von Viet, bevor er nach Dortmund ging. Sollte er in seinem Jahr beim BVB einen enormen Schritt nach vorne gemacht haben, dann sieht die Sache natürlich anders aus.
Zumindest hat er nachgewiesen, dass er ein ganz feinen Fuß hat, wie dieses Video zeigt. Aber wie sahen seine Leistungen über die gesamte Saison aus? Schauen wir mal:

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Radar-Grafik von Christian Viet im Vergleich zum Median aller Spieler auf seiner Position (3. Liga, Saison 21/22).

Das ist schon sehr ok, was Christian Viet bei Borussia Dortmund gespielt hat. Abgesehen von seinen doch eher wenigen Schüssen auf das gegnerische Tor, ist er eigentlich in allen relevanten Statistiken mindestens auf einem Level mit der durchschnittlichen Leistung aller Spieler auf seiner Position. Ein paar Ausreißer nach oben gibt es: Die Anzahl an gespielten Pässen (auch ins letzte Drittel), seine Quote bei den Dribblings (die aber in der Anzahl eher niedrig sind) und auch die wichtigen Pässe (Torschussvorlagen, Schnittstellenpässe) sind überdurchschnittlich. Zudem ist Christian Viet nicht kopfballschwach, was ja bei vielen auf seiner Position der Fall ist und auch die Anzahl abgefangener Pässe ist sehr stark.

Tja, reichen diese Leistungen in der 3. Liga nun aus, um sich auch eine Liga höher beim, man kann es durchaus so schreiben, ambitionierten FC St. Pauli durchzusetzen? Wie bereits geschrieben, ist die Konkurrenz auf seiner Position enorm groß. Mit Spielern, die schon in der ersten Liga aktiv waren (Hartel), Nationalspieler sind (Metcalfe, Irvine) oder schon ähnliche Leistungen wie Viet, aber eine Liga höher erbracht haben (Boukhalfa). Entsprechend skeptisch bin ich, was die Aussicht auf Spielzeit angeht. Diese dürfte auch für Viet ausschlaggebend gewesen sein, so wie sie es schon im Vorjahr gewesen ist. Gut möglich also, dass hier vor allem die Spielerseite auf einen Wechsel gedrängt hat.

Vor zwei Jahren war Viet bereits gegen Regensburg im Einsatz. Witzigerweise ist der Jahn auch der letzte Klub gegen den Christian Viet mit dem FC St. Pauli gespielt hat. // (c) Peter Böhmer

Viet trifft alten Bekannten

Der SSV Jahn Regensburg scheint da auch genau die richtige Adresse für Viet zu sein, also für Spieler, die aus der dritten Liga den nächsten Schritt wagen, aber dabei etwas im Schatten der „Stars“ der Liga laufen. Da haben sich in den letzten Jahren immer wieder Spieler in Regensburg durchsetzen können. Sportlich verantwortlich ist dort übrigens Roger Stilz, den Viet noch aus seiner Zeit im NLZ des FC St. Pauli kennt (Stilz leitete das FCSP-NLZ von 2016 bis 2021). Auch das dürfte die Kontaktaufnahme erleichtert haben.

Es ist schade, dass der FC St. Pauli erneut einen Spieler aus der eigenen Jugend an einen anderen Klub verliert, ehe sich dieser richtig durchsetzen konnte. Mit Aussicht auf Spielzeit verbleibt damit eigentlich nur noch Igor Matanović als Eigengewächs im Kader, welches sich nachhaltig durchsetzen konnte. Ob Jannes Wieckhoff das noch wird, bleibt abzuwarten. Dafür müsste ohnehin erstmal sein Vertrag verlängert werden. Niklas Jessen und Franz Roggow sind zwar Teil des Kaders, aber scheinen da sogar noch ein paar Schritte weiter weg zu sein.
Mit seinem Wechsel reiht Viet sich leider ein in die inzwischen ziemlich lange Liste ehemaliger FCSP-Jugendspieler, die den Durchbruch beim eigenen Verein nicht geschafft haben. Das ist natürlich auch einfach Teil des Geschäfts bzw. des Kreislaufs. Schade ist es trotzdem.

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich sicher, dass sich Christian Viet in Regensburg durchsetzen wird und verzichte daher auf das übliche „viel Glück“ – stattdessen wünsche ich viel Erfolg in Regensburg!
// Tim

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7 thoughts on “Viel Erfolg, Christian Viet!

  1. Moin Tim,
    interessant wäre mal eine Radargrafik, die den Vergleich von Viet mit dem Durchschnitt der 3.-Liga-Spieler auf seiner Position visualisiert. Ich weiß, ein wenig Äpfel mit Birnen, aber es zeigt schon, wo die jeweiligen Schwächen und Stärken liegen, wenn man jetzt nicht penibel auf die genauen Zahlen guckt. Eher so als Trend.

    1. Die Bildunterschrift zur Radargrafik lautet: „Radar-Grafik von Christian Viet im Vergleich zum Median aller Spieler auf Spieler auf seiner Position (3. Liga, Saison 21/22).“ Bei Dalli-Dalli würde es jetzt den Hinweis geben „Ein ‚Spieler auf‘ ist doppelt, das müssen wir abziehen.“ Aber ansonsten ist es doch das, was du willst, oder nicht? Wenn ich helfen konnte freut es mich, wenn nicht bitte ich meine Klugscheißerei zu entschuldigen.

    2. snief, da musst Du mir mal ein bisschen helfen:
      „Vergleich von Viet mit dem Durchschnitt der 3.-Liga-Spieler auf seiner Position“ als Radar-Grafik. Das ist doch genau das, was gezeigt wird, zumindest verstehe ich das so. Aber das kannst Du ja nicht gemeint haben, oder?

      1. Ja, wenn ich meine eigenen Kommentare nicht richtig schreibe, dann bin ich selber Schuld. Sorry.
        Ich meinte den Vergleich zum Zweitligadurchschnitt. 😉

        1. Ja, den kann man natürlich machen. Allerdings möchte ich da eher vorsichtig sein. Denn Tempo, Taktik und Physis unterscheiden sich innerhalb der Liga teils enorm. Überdurchschnittliche Zweikampfquoten in der dritten Liga, bedeutet nicht automatisch, dass diese auch in der zweiten Liga kommt. Entsprechend könnte eine Grafik, wo das dann so abgebildet ist eher irreführend sein. Was aber Sinn ergibt: Ein etwas ausführlicherer Vergleich zu den Stärken/Schwächen der Spieler im Kader des FCSP. Da könnte man zumindest erkennen, ob der Bedarf da ist, etc.

  2. Schade, ich hätte ihn gerne auf der rechten Außenbahn gesehen. Einsatzstark, recht schnell, so viele Spieler haben wir da ja nun auch nicht….

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