1. Frauen: Komplettes Herzschlagfinale

1. Frauen: Komplettes Herzschlagfinale

Es hat etwas gedauert, aber nach diesem Saisonfinale hatte sich das Team und unsere embedded Reporterinnen Illi, Lina, Francis und Zawadi ein paar Tage Mallorca und Auszeit redlich verdient. Dafür jetzt hier: Die letzten Spieltage in der Regionalliga Nord 21/22 der FC St. Pauli 1. Frauen.

Am Dienstag, den 31.05.22, im TGV von Paris nach Barcelona ist es immer noch schwer bis unmöglich die Ereignisse der letzten Wochen zu verarbeiten, geschweige denn in Worte zu fassen. Wir versuchen es trotzdem.

Der Wunsch, den wir alle vor der Saison hatten, den Klassenerhalt so früh wie möglich sicher zu stellen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Spieltag für Spieltag war klar, es geht um alles und jeder Punkt kann der Entscheidende sein. Die letzten beiden Wochen sind mit dem Bremen Spiel gestartet, welches wir, wie schon ausführlich berichtet, mit 1:0 in der 84. Minute gewonnen haben.
Ein guter Start in die „englische Woche“ war das, in der wir laut Kalli am besten sieben Punkte holen mussten, um in Kiel kein Finale zu haben.

Heimsieg gegen Wellingsbüttel

Weiter ging es am Mittwoch, den 18.05.22 zu Hause gegen die sicheren Absteigerinnen aus Wellingsbüttel. Das Hinspiel gegen Welle ist in Anbetracht der Tabelle wohl eine der bittersten Niederlagen der Saison. Wenn man, wie wir, in der Liga bleiben möchte, sollten also alle drei möglichen Punkte gegen den Tabellenletzten geholt werden. Das war uns allen bewusst.

Zu Beginn der Rückrunde haben wir uns als Wiederholungstäterinnen in Form von Torstens frühen Führungstreffern einen Namen gemacht. Damit es aber nicht langweilig wurde, haben wir den Kurs geändert und versuchten nun die Spiele so lange wie möglich spannend zu halten. Also gelang uns der Siegtreffer gegen Welle, wie schon gegen Werder Bremen, erst in der Schlussphase (85. Minute) nach einer Ecke, per Kopf. Diesmal trat Anso die Ecke, Pauli verlängerte und Joline erlöste alle Anwesenden an der Feldarena per Kopf.

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Das waren die nächsten drei Punkte und die sorgten für große Erleichterung bei allen Beteiligten des FCSP. Und die Hoffnung, dass Welle für eine der kommenden Gegnerinnen (z.B. letzter Spieltag gegen Walddörfer) noch zum Stolperstein werden kann, wuchs auch.

Befreiender Jubel nach dem späten Tor

Auswärts beim Osnabrücker SC

Am Sonntag, den 22. Mai, ging es für uns zum Ersten Mal nach Osnabrück zum OSC. Schöne Anlage und sonnige Temperaturen erwarteten uns. OSC hatte gegen uns ihr letztes Heimspiel, aber unsere Fans machten es für uns wieder außergewöhnlich schön und man fühlte sich schnell wie zu Hause.

Das Spiel war zerfahren und im Nachhinein betrachtet, neben Burg Gretesch, wohl eine der schlechteren Rückrundenauftritte von uns. Wir führten zur Halbzeit mit 1:0, hatten auch weitere Chancen, aber OSC mehr Ballbesitz. So ging es auch in der zweiten Halbzeit los und leider führte einer der zahlreichen Angriffe auf unser Tor zum 1:1-Ausgleich. Auf beiden Seiten gab es noch Chancen zum Führungstreffer, aber keine wurde genutzt. Nach Abpfiff konnten weder wir, noch die Gegnerinnen etwas mit dem einen Punkt anfangen. Der Blick auf die Tabelle machte deutlich, dass es für alle Beteiligten im wohl spannendsten Abstiegskampf der Regionalliga-Geschichte, am letzten Spieltag um alles ging.

Die Szenarien hatte der MillernTon vor dem letzten Spieltag gut zusammengefasst und genau so verwirrend ging es in unseren Köpfen zu. Immer wieder wurde darüber gesprochen „was wäre, wenn:“

  • Gewinnen wir, reicht es ganz sicher.
  • Bei Unentschieden und Niederlage kann es reichen, wenn es auf den anderen Plätzen endlich mal für uns läuft.

Also doch, Herzschlagfinale am allerletzten Spieltag. Ein Gutes hatte es ja: Denn nach dem Spiel sollten wir endlich wissen, was Sache ist!

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Endspiel in Kiel

Unser Trainer*innen Team überraschte uns beim Treffpunkt mit dem Bus der Profimannschaft. Damit traten wir die Reise zum letzten Punktspiel an. Es bedurfte eigentlich keiner zusätzlichen Motivation als die Chance die Klasse aus eigener Kraft zu halten, aber das war definitiv eine Motivation der besonderen Art. Danke! Das war eine besondere Motivation, aber auch ein Merkmal dafür, dass es an diesem Tag um Alles ging. Und einige Spielerinnen waren dadurch sogar noch etwas nervöser als vor „irgendeinem“ Regionalliga-Spiel.

Vorfreude und Aufregung

In der letzten Reihe wurde der Bus mit unseren neuen, extra kleinen FCSP 1FRN Stickern verschönert. War heute halt unser Bus ;).
Obwohl es verboten wurde, gab es natürlich Gespräche über sämtliche Möglichkeiten vom Ausgang des heutigen Spieltages. Keine Kartenspiele, keine Kreuzworträtsel und keine Musik. Volle Konzentration auf die bevorstehenden 90 Minuten.

In Kiel angekommen sorgten wir bei den Gegnerinnen mit dem Bus für große Augen, erstes Ziel erreicht. Die Platzbegehung war erstaunlicher Weise sehr positiv. Guter Platz mit viel Gänsekot, wo eventuell die ein oder andere Kielerin drin landen würde ;).
Und endlich mal eine große Kabine, in der wir uns sehr ruhig und konzentriert umzogen, bis Kim und Kalli zur letzten Prematch-Ansprache reinkamen.

Was genau für Worte gefallen sind, können wir an dieser Stelle leider nicht wiedergeben, aber egal was sie gesagt haben, jede einzelne Spielerin spürte in der Ansprache das volle Vertrauen und die uneingeschränkte Zuversicht, dass dieses Team nächste Saison Regionalliga spielt.

Bevor es rausging, hatte Zawadi nochmal das Wort, um alle zu pushen, aber auch ihr merkte man bei zittriger Stimme an, dass Nervosität an diesem Tag ein nerviger Begleiter sein würde. Beim Aufwärmen wurde schnell klar, dass die Kieler Fans zahlreicher als die OSC Fans in der Vorwoche erschienen sind, um das letzte Heimspiel der Vizemeisterinnen zu sehen. Allerdings hätten noch mindestens 50 weitere Kieler den Weg zum Platz finden müssen, um unseren mitgereisten Fans Paroli bieten zu können. Gegengerade und Haupt waren voll mit braun-weißen Fans. Ihr seid der Wahnsinn und definitiv ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonstruktes FCSP1FRN.

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Die Gegengerade in Kiel – fest in braun-weißer Hand

Allen Zuschauer*innen und mitgereisten Spielerinnen wurde es verboten Zwischenstände der anderen relevanten Partien durchzugeben, damit wir uns vollkommen auf unsere Aufgabe konzentrieren konnten.

Die erste Halbzeit

Zum Spiel. Die erste Halbzeit war geprägt von kleinen Fouls und zahlreichen Unterbrechungen. Die Schiedsrichterin hatte das Spielgeschehen leider nicht im Griff und ließ sich von den theatralischen Schreien der Spielerinnen und verbalen Ausrastern der Zuschauer*innen beeinflussen und pfiff alles ab. Von draußen kamen unnötige Kommentare und viele Forderungen, unseren Spielerinnen endlich Gelb zu zeigen. Auf Bildern eines Fotografen sieht man im Anschluss zum Glück deutlich, dass die Fouls absolut nicht einseitig waren, so wie es das Kieler Empfinden war.

In der Zeit, in der dann auch Fußball gespielt wurde, beschränkte sich das Geschehen auf das Mittelfeld und es gab auf beiden Seiten wenig Torchancen.
Bis Torsten an den Ball kam und wie üblich auf dem Weg ist die Torfrau zu umspielen. Anders als sonst überraschte sie alle und machte mehrere, technisch saubere Haken im Strafraum und schloß ohne an der Torhüterin vorbei zu sein eiskalt flach ins kurze Eck ab. Endlich 1:0 und ein Riesenjubel auf Seiten des FCSP.
Mit der Führung ging es in die Pause. In der Kabine gab es nur ein Tenor: 45 Minuten die Null halten und dann haben wir es geschafft. Nur noch 45 Minuten! VOLLGAS, Mädels.

Die zweite Hälfte

So kamen wir auch aus der Kabine. Die Anfangsphase der zweiten Halbzeit gehört klar uns und wir machten es wesentlich besser als noch in der ersten Halbzeit. Nur leider nutzten wir keine unserer zahlreichen, klaren Torchancen, um den Vorsprung auszubauen. Und so kam es, wie es kommen musste: Kiel glich nach einer Ecke aus und ging kurz danach sogar in Führung. Weder der Bank noch den Zuschauer*innen war anzumerken, ob das trotzdem noch reicht oder eher nicht. Also ging es weiter nach vorne, um den Ausgleich zu machen. Wir spielten weiter schönen Fußball und belohnten uns mit dem Ausgleichstreffer. Nina holte einen raus und traf sehenswert aus der Distanz. Das Ende nahte und mittlerweile sah man den mitgereisten Fans an, dass der eine Punkt reichen könnte. Außerdem sorgten sie für Gänsehaut auf und neben dem Platz. Wechselgesänge in der Regionalliga, in dieser Intensität – WOW!!!

Die Schiedsrichterin hatte leider etwas dagegen und gab in der Nachspielzeit einen Elfmeter. Rike lenkte den Ball an den Pfosten, doch die Kielerin setzte als erstes nach und verwandelte den Nachschuss zum Siegtreffer für Kiel. Mehr Drama geht nicht! Führung beim Vizemeister, Rückstand, wieder ausgeglichen und Elfmeter gegen uns in der Nachspielzeit.

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Abpfiff – und niemand wusste so recht, wohin mit den Emotionen. Tränen bei vielen Spielerinnen und Fragezeichen in den Gesichtern. Es dauerte etwas bis die Nachricht durchdrang, dass es reichte. Denn Wellingsbüttel schaffte es 0:0 gegen Walddörfer zu spielen und somit haben die von Kalli prophezeiten sieben Punkte aus den letzten fünf Spielen gerade so gereicht.

Nun hatte kaum eine Spielerin noch trockene Augen und die Erleichterung war allen anzumerken. Aufgrund der knappen Niederlage in der letzten Minute fühlte es sich trotzdem erstmal noch nicht wirklich nach Klassenerhalt an. Erst unter der Dusche ging die Party richtig los und wurde im Bus und anschließend in den Fanräumen mit der Zweiten und den Fans fortgeführt.

Denn die Zweite schafft aufgrund unseres Klassenerhalts und natürlich aufgrund ihrer eigenen, wirklich starken und bemerkenswerten Leistung den Aufstieg in die Oberliga. Also nur Gründe, um richtig Gas zu geben. Das haben wir auch getan und haben die Fanräume zum Beben gebracht. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass sowohl die Zweite als auch die Fans ein riesengroßer Teil des Klassenerhaltes sind. Danke, danke für eure Unterstützung!

Wir haben den Anlass genutzt und uns auch endlich gebührend von zwei Spielerinnen verabschiedet, die uns in der Winterpause verlassen haben. Auch an dieser Stelle nochmal danke an Michi und Nike und alles Gute für die Zukunft!
Des Weiteren haben wir uns bei Kim und Kalli und dem restlichen Staff bedankt. Es ist nicht selbstverständlich wie viel Zeit ihr für uns investiert, vielen Dank und wir freuen uns sehr auf eine neue Saison mit euch!

Nach der Saison ist vor Malle und eine wirklich große Gruppe des Teams hatte den Klassenerhalt und die starke Rückrunde auf Malle gefeiert. Details gibt es hier leider nicht, denn wie jeder weiß:
„Was auf Malle passiert, bleibt auf Malle ;)“

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Der Bericht kommt nun so spät, weil die MillernTon-Delegation nach dem Ballermann noch Urlaub in einer Finca mit einem Teil des Teams gemacht hat und jetzt Freitag, den 17.06.22 um 21.24 Uhr erst im Flieger zurück nach Hamburg sitzt.

Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, über unsere Spiele und Spieltags-Erlebnisse zu schreiben und wir bedanken uns für das Vertrauen vom MillernTon und freuen uns sehr über das positive Feedback. Die Berichte wurden an unterschiedlichsten Orten geschrieben, ob in der Kabine nach dem Training, in einem Frühstückscafé mit Kater nachdem Sonntags drei Punkte gefeiert wurden, im Zug von Berlin nach Hamburg, im Garten bei Sonnenschein, im Zug nach Barcelona oder jetzt über den Wolken…
Es ist immer wieder schön, beim Schreiben die Emotionen des Spieltages wieder aufleben zu lassen.
(Anm. d. Red: Wir haben zu danken und freuen uns auch schon sehr auf die nächste Saison mit Euch!)

Wir freuen uns auf die kommende Saison und würden uns freuen, wenn die Berichte weiterhin so gut ankommen. Mittlerweile sind schon die Vorbereitungspläne für die neue Saison vom Trainer*innenteam eingetrudelt. Wir können es allerdings kaum erwarten mit dem Team nach diesem besonderen Jahr wieder anzugreifen!
// Eure Illi, Lina, Francis und Zawadi

Abschließend einige Zitate/Impressionen aus dem Team zur Rückrunde:

  • Kallis Worte zur Rückrunde: „ES WAR GEIL :-)“
  • Kallis Worte zum letzten Spiel: „Wir haben das Spiel gegen Kiel leider verloren, aber ich bin mir sicher, dass wir es am Abend bei der Abschlussfeier nochmal zu unseren Gunsten gedreht haben.“
  • Annie (Teamtorschützenkönigin): „Diese Saison war besonders. Ich habe noch nie in solch einem Team gespielt. Auf und neben dem Platz wollen wir immer zusammen sein. In der Rückrunde sind wir wirklich zusammengekommen und man hat gespürt, wie sehr wir es geliebt haben, miteinander zu spielen. Wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben.“
  • Rike (plötzliche Nr.1): „Ja, der Plan mich langsam an das Niveau heranzuarbeiten, wurde durch Taras Verletzung durchkreuzt. Nicht nur, dass sie mir beim Training persönlich und fußballerisch fehlte, musste ich versuchen sie zu vertreten. Die ersten Spiele war ich sehr nervös, was sich von Mal zu Mal langsam etwas legte. Das Team hat mir auf und neben dem Spielfeld dabei geholfen, ganz einfach wenig zugelassen und mich mit Worten gestärkt.“
  • Michelles erste Regioerfahrung: „Anfangs hatte ich sehr großen Respekt vor der Regionalliga, da es schon ein großer Schritt für mich war. Aber dadurch, dass das Team und vor allem auch das Trainerteam von Anfang an großes Vertrauen in mich hatte, habe ich mich von Spiel zu Spiel sicherer gefühlt und meinen Platz im Team gefunden.“

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