FCSP vs. FCN: Zahlen und Einzelkritik (1. Spieltag, 22/23)

FCSP vs. FCN: Zahlen und Einzelkritik (1. Spieltag, 22/23)

Nicht alles gut, aber besser als erwartet – so dürften nicht wenige den Saisonauftakt des FC St. Pauli beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg empfunden haben. Wir werfen einen (statistischen) Blick auf die Leistungen der Spieler und schauen auch das gesamte Match etwas genauer an.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Eigentlich wollte ich noch vor dem Saisonauftakt ein großes Glossar präsentieren, in dem sich alle Statistiken, die aktuell gängig sind und mit denen ich arbeite, wiederfinden, sodass ich nicht jedes Mal die einzelnen Begriffe genauer erklären muss. Aber der Saisonstart kam schnell, zu schnell für das Glossar. Ich hoffe, dass ich dieses im Laufe der Woche veröffentlichen kann. Nur schon einmal soviel: Es wird wohl einer der längsten Artikel, der jemals beim MillernTon erschienen ist. Umso besser, dass wir dazu ein neues Tool im Backend haben: Ein Inhaltsverzeichnis. Stay tuned.

Zu den Einzelspielern gibt es neben einigen Kern-Statistiken auch noch zwei Ratings, von whoscored und sofascore. Beide Webseiten sind frei nutzbar und liefern automatische, daten-basierte Ratings zu den Spielern. Welche Daten den Ratings zugrunde liegen, ist nicht ganz klar. whoscored hat eine kleine Erklärung zum Rating, ohne aber zu sehr ins Detail zu gehen. Auch sofascore hat das mal dargestellt. Grundsätzlich gilt (Skala von 1 bis 10): Alle Werte unter 6 sind schlecht. Der Mittelwert liegt bei 6.6. Alles über 7 ist gut. Um ein Rating über 8 zu bekommen, muss es schon außergewöhnlich gut sein.

Statistiken sind nicht alles. Ich werde bei den Einzelkritiken also nicht nur Statistiken einfließen lassen, sondern auch immer einen subjektiven Kommentar hinzufügen. Grundsätzlich, auch das habe ich leider in der Sommerpause nicht geschafft, soll da über kurz oder lang eine Art MillernTon-Note bei rumkommen. Sobald diese fertig entwickelt wurde, werden wir sie auch präsentieren und dann auch rückwirkend auf die dann vergangenen Spiele dieser Saison anwenden.

Team-Statistiken

FC St. Pauli1. FC Nürnberg
1.5/1.4/-expected Goals
(Wyscout/DFL/538)
0.7/1.4/-
16 (6)Torschüsse (auf’s Tor)11 (4)
17Fouls10
47.1Ballbesitz %52.9
380 (78)Pässe (erfolgreich, %)388 (78)
46 (57)…ins letzte Drittel (erfolgreich, %)56 (59)
61 (33)Offensivduelle (erfolgreich, %)59 (36)
59 (65)Defensivduelle (erfolgreich, %)61 (67)
50 (54)Kopfballduelle, %50 (38)
9.4PPDA8.8

Ja, das war schon richtig gut, was wir da am Millerntor zwischen Minute 25 und 45 sehen durften. Aber es darf dann doch auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei dem Spiel um eine recht ausgeglichene Angelegenheit handelte, mit leichten Vorteilen für den FCN in den Anfangsminuten. Über das gesamte Spiele sehe ich die Vorteile dann aber doch schon recht klar beim FC St. Pauli, besonders dann, wenn man Schwierigkeiten in der Abstimmung zwischen Torwart und Innenverteidigung einmal ausklammert, womit wir fast direkt zur Einzelkritik kommen.

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Vorher möchte ich aber den Blick etwas tiefer in die Ballbesitzzeiten werfen. Denn die zeigen aus meiner Sicht sehr schön, wie dominant und kontrolliert der FC St. Pauli in der zweiten Halbzeit aufgetreten ist. In den ersten 45 Minuten lag die Ballbesitzquote insgesamt bei 38.5%. Die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit brachte 57%, die Phase von der 61. bis zur 75. Minute sogar 63%. Und genau diese Phase war jene, in welcher der FCSP am stärksten war, das Spiel sehr gut kontrollierte und damit dem FCN, der nach dem Treffer zum 1:3 sicher Druck aufbauen wollte, komplett den Wind aus den Segeln nahm. Ja, da hätte gerne noch die ein oder andere gelungene Offensivaktion hinzukommen können. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es dem FC St. Pauli gegen den FCN gelang über die gesamte Spielzeit keine Großchancen zuzulassen. Das ist, besonders gegen so einen stabilen und ambitionierten Gegner, schon hervorzuheben.

Deutschland, Hamburg, 16.07.2022, Fussball 2. Bundesliga 1. Spieltag, FC St. Pauli - 1. FC Nuernberg im Millerntor-Stadion  Trainer Timo Schultz (FC St. Pauli) zufrieden.
Timo Schultz konnte mit dem Auftakt des FC St. Pauli zufrieden sein.
(c) Peter Böhmer

Einzelkritik

Dennis Smarsch – Auftakt mit Lerneffekt
(whoscored: 6.6, sofascore: 6.2)

Gleich die folgenden Worte zum ersten Spieler zeigen, wie Statistiken eine Leistung verfälscht darstellen können, wenn der subjektive Eindruck fehlt. Denn Dennis Smarsch weist ordentliche Statistiken auf, wenngleich er in Sachen Reflexe wenig gefordert wurde. Auch seine Pass-Statistiken sind ordentlich (9/12 erfolgreiche lange Bälle sind sogar sehr gut).

Was aber nicht von der Statistik erfasst wird, ist die Kommunikation mit den Vorderleuten, die zwingend ausbaufähig ist. In gleich drei Situationen während der ersten 45 Minuten wurde deutlich, dass die Abstimmung bei langen Bällen einiger Verbesserung bedarf. Timo Schultz hierzu auf der Pressekonferenz:

„Er hat richtig gute Aktionen gehabt, aber auch ein paar Bälle, die hinter die Abwehr gespielt wurden, wo es 50/50-Situationen gab zwischen der Innenverteidigung und ihm und wir Glück gehabt haben. Entsprechend wird er wieder was mit rausnehmen aus dem Spiel. Letztendlich haben wir drei Punkte geholt und da hat er seinen Anteil dran.“

Timo Schultz zur Leistung von Dennis Smarsch nach dem Nürnberg-Spiel.

Ich persönlich tue mich immer sehr schwer damit die Leistungen von Torhütern einzuschätzen. Daher bin ich froh, dass sich Torwart-Experte Sascha Felter die Situationen nochmal genauer angeschaut hat (Twitter).

Leart Paqarada – oh captain, my captain!
(whoscored: 7.8, sofascore: 8.0)

Ich überbringe euch hier keine brandheißen News, wenn ich schreibe: Leart Paqarada ist der beste Linksverteidiger der Liga. Das dürfen wir nach einem Tor und einer Vorlage (welche ihn in die kicker-Elf des Spieltages spülten) und einer auch sonst erneut sehr stabilen Leistung wieder festhalten und uns darüber freuen, dass so ein Spieler jetzt auch Kapitän des Teams ist.

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Und erneut verweise ich auf die Defensiv-Statistiken: sechs von sieben Duellen hat er am Boden gewonnen. Auch offensiv ist Paqarada wieder das Maß der Dinge: Niemand auf dem Platz hat mehr als seine 93 Ballkontakte, seine 76 Pässe (75% erfolgreich) vorzuweisen – dazu legte er noch drei Torschüsse auf. Besonders in der Phase in der zweiten Halbzeit, als der FCSP extrem viel Ballbesitz hatte, zeigte Leart Paqarada den Wert für das Team, da er meist klug das Pressing der Nürnberger umspielte. Eine absolut überzeugende Vorstellung.

Adam Dźwigała – wird gebraucht, ist da
(whoscored: 6.4, sofascore: 6.6)

Unscheinbar war die Leistung von Adam Dźwigała – und das ist eine gute Nachricht. Denn wie auch in den Vorjahren zeigte sich der 26-jährige stabil und sorgte dafür, dass die personell äußerst kritische Position des Innenverteidigers keine große Baustelle wurde.

Grundsätzlich nahm Dźwigała aber eher wenig am Spiel teil. Defensiv führte er insgesamt nur fünf direkte Duelle (er gewann vier davon) und offensiv fand er nahezu nicht statt. Nur achtmal wurde er überhaupt von seinen Mitspielern angespielt und nur Angreifer Igor Matanović spielte weniger Pässe als Dźwigała. Gerade sein Passspiel war bemerkenswert konservativ: Er spielte keinen einzigen Pass ins Angriffsdrittel, überließ dies seinen Mitspielern und insgesamt spielte er überhaupt nur fünf lange Pässe. Dabei kann Adam Dźwigała eigentlich ganz gut das Spiel mit aufbauen, wie auch die letzte Saison gezeigt hat. So war es eine unscheinbare, aber (fast) fehlerfreie Leistung.

Hamburg, Deutschland, 16.07.2022: FC St. Pauli vs. 1. FC Nürnberg - Dennis Smarsch und Jakov Medic im Duell mit Christoph Daferner
Klassiker: „Nimm Du ihn, ich hab ihn sicher!“
(c) Stefan Groenveld

Jakov Medić – wie in der Vorsaison
(whoscored: 5.6, sofascore: 6.0)

„Das ist viel von dem Jakov Medić aus der Hinrunde der Vorsaison“ notierte ich mir während des Spiels. Sieben von zehn Duellen bestritt er erfolgreich. Auch wenn er offensiv ebenso wie Dźwigała kaum in Erscheinung trat (ebenfalls kein erfolgreicher Pass ins Offensivdrittel), so wirkte sein Spiel über weite Strecken stabil.

„… und auch aus der Rückrunde“ ergänzte ich dann in meinen Notizen nach dem ersten Nürnberger Tor. Nach dem zweiten unterstrich ich das nochmal fett. Und im Nachhinein, beim Blick auf die unsicheren Situationen von Dennis Smarsch, kann Medić auch davon nicht ganz ausgenommen werden. So hat sich also auch zum Saisonstart nicht viel verändert: Jakov Medić zeigt immer wieder richtig gute Leistungen, pro Spiel gibt es aber schätzungsweise eine Situation, in der er nicht gut aussieht.
Entsprechend sieht dann auch seine Benotung von whoscored und sofascore aus, die beide die Situation vor dem zweiten Gegentreffer massiv mit einbeziehen. Es ist zu hoffen, dass er sich Stück für Stück wieder stabilisieren kann.

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Manolis Saliakas – Abwartend und trotzdem gut
(whoscored: 6.9, sofascore: 7.1)

Von keinem Spieler auf dem Platz habe ich mir mehr versprochen, als vom ersten Auftritt von Manolis Saliakas am Millerntor. Entsprechend war ich schon ein bisschen enttäuscht, das muss ich ehrlich zugeben. Doch der Blick in die Statistiken zeigt, dass das schon eine sehr ansprechende Leistung gewesen ist: Neun von zwölf Duellen konnte Saliakas mit seinem griffigen Zweikampfverhalten in der Defensive gewinnen. Zudem brachte er alle Pässe im Offensivdrittel zum Mitspieler. Dass da aber vor allem offensiv noch wesentlich mehr geht, kündigte Timo Schultz auf der Pressekonferenz nach dem Spiel an:

„Bei Manos kann ich versprechen: Da geht noch mehr. Er wird sich an die Kulisse gewöhnen, wird zeigen wieviel Dampf er in sich drin hat. Es war heute ein sehr ordentlicher, ein guter Start. Wenn man aber sieht, wie er im Training und auch in den Testspielen abgeht, dann kann er da noch eine Schippe drauflegen.“

Timo Schultz zur Leistung von Manolis Saliakas

Eric Smith – klasse, trotz Tempo-Defizits
(whoscored: 6.9, sofascore: 6.5)

Wie wichtig Eric Smith für den FC St. Pauli ist, zeigte sich mit Start in die zweite Halbzeit. Denn in den ersten 30 Minuten war der Schwede fast überall präsent, lief defensiv die Räume zu und beteiligte sich an den Kombinationen wie selten zuvor. Dabei agiert er immer etwas unauffällig, ist nicht für die wichtigen Risikopässe verantwortlich und führt auch nicht solche Duelle, dessen Verlust direkt eine Großchance bedeuten. Den größten Wert hat er für den FCSP, wenn es darum geht Räume zu schließen und dadurch Pässe gar nicht erst zuzulassen.

Auffällig wurde er eigentlich nur zweimal während der Partie: Als es dem FCN in der ersten Halbzeit gelang das Pressing des FCSP zu umspielen, wurde Smith zweimal in ein Laufduell gezwungen. Und die physische Geschwindigkeit ist der einzige Nachteil, den ein Spieler wie Eric Smith besitzt (hätte er diesen nicht, dann würde er sicher ganz woanders kicken). Er verlor beide Duelle. Alle anderen Duelle während des Spiels gewann er (zudem fing er starke sechs Pässe ab). Zusammen mit der Spielkontrolle, die der FCSP maßgeblich aufgrund seiner Ballsicherheit (plus der von Paqarada) in der zweiten Halbzeit erlangte, ordne ich seine Leistung entsprechend weit oben ein.

Deutschland, Hamburg, 16.07.2022, Fussball 2. Bundesliga 1. Spieltag, FC St. Pauli - 1. FC Nuernberg im Millerntor-Stadion Eric Smith (FC St. Pauli)
Eric Smith ist hoffentlich endlich richtig fit – seine Leistung gegen den FCN zeigte, welch hohen Wert er für das Team hat.
(c) Peter Böhmer

Marcel Hartel – Verbindung unterbrochen
(whoscored: 6.0, sofascore: 6.3)

Das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg brachte nicht nur drei Punkte, sondern auch viele Erkenntnisse. Eine davon: Die Verbindungen in die Offensive funktionieren nicht mehr so zuverlässig wie noch in der Vorsaison. Es müssen, aufgrund neuen Personals in der Offensive, neue Wege gefunden werden. Einer der Hauptverantwortlichen beim FCSP für diesen Übergang, diese Verbindung im Spiel, ist Marcel Hartel.

Bitte nicht falsch verstehen: Marcel Hartel ist spielerisch weiterhin auf einem Level unterwegs, welches andere in der zweiten Liga vermutlich nie erreichen können. Trotz meist hohem Gegnerdruck hat er 90% seiner Pässe zum Mitspieler gebracht und legte vier Torschüsse auf, was sonst niemand auf dem Platz vorweisen konnte. Aber besonders die Pässe ins Offensivdrittel hinein waren eher selten. Fast sechs Pässe ins Offensivdrittel und mehr als drei in den gegnerischen Strafraum spielte Hartel in der Vorsaison durchschnittlich pro 90 Minuten. Gegen Nürnberg waren es drei Pässe ins Offensivdrittel (zwei erfolgreich), mehr nicht.

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Die Daten von Marcel Hartel zeigen sehr schön, dass da in Richtung Offensive noch nicht alle Rädchen perfekt ineinander laufen. Da wird sich, trotz dreier Treffer zum Auftakt, noch einiges verbessern müssen, besonders was den Übergang in die Offensive angeht. Allerdings dürften die Daten auch etwas verfälscht sein, da der FC St. Pauli in der zweiten Halbzeit etwas weniger ins Risiko gegangen ist und diesen Pass nach vorne womöglich (so beschrieb es Timo Schultz nach dem Spiel) auch nicht mehr unbedingt spielen musste und lieber die Kontrolle behielt. In jedem Fall dürfen wir uns sicher sein, dass jene Verbindungen mit der Zeit immer besser funktionieren werden, wenn das Team erstmal besser eingespielt ist. Marcel Hartel ist dabei einer der wichtigsten Akteure, wenn es um das Zusammenwachsen geht. Auf und neben dem Platz.

Jackson Irvine – der beste Jackson ever?
(whoscored: 8.0, sofascore: 7.5)

Wie die Einbindung in das Offensivspiel besser klappen kann, zeigte Jackson Irvine beim Spiel gegen den FCN. Für mich persönlich, und das bestätigen auch die Statistiken, war Irvine der beste Spieler auf dem Platz. Insgesamt elf Pässe spielte er in die Spitze, zeigte sich auch selbst ganz vorne. Zudem gewann er sechs von zehn Defensiv-Duellen am Boden, satte 86% seiner Kopfballduelle und fing neun gegnerische Pässe ab. Wow!

Nur Leart Paqarada hatte mehr Ballaktionen als Jackson Irvine in diesem Spiel. Ich finde, dass sich der FC St. Pauli nun also für das bestmögliche Kapitäns-Duo entschieden hat. Es ist zwar kein Muss, aber dann doch recht hilfreich, wenn beide das dann auch noch mit Leistung untermauern. Well done!

Lukas Daschner – bereits ein Durchbruch?
(whoscored: 8.2, sofascore: 7.4)

Wo wir gerade bei Leistungen sind, die etwas untermauern, kommt mir Lukas Daschner ganz gelegen. Zwei Jahre lang hatte er mehr oder weniger im Schatten von Daniel-Kofi Kyereh agiert und in der Vorsaison auch mit einer schweren Verletzung zu kämpfen. Nun zeigte er aber, was sich nicht wenige von ihm erhofft haben: Dass er in der Offensive den Unterschied machen kann.

Elfmeter herausgeholt und ein Tor selbst erzielt, dazu defensiv sehr griffig und mit jeder Spielminute sicherer in seinen Aktionen. Bemerkenswert ist seine Passquote: Mehr als drei Viertel seiner Pässe ins letzte Drittel oder in den gegnerischen Strafraum fanden einen Mitspieler. In seinen vorherigen Auftritten war es immer einer der Schwachpunkte, dass er etwas zu ungenau agierte und dadurch viele Bälle verloren gingen (in der Vorsaison lag die Erfolgsquote nicht bei 3/4, sondern bei 1/4).
Ja, es ist erst ein Spiel gewesen. Aber die Leistung von Lukas Daschner macht Lust und Hoffnung auf mehr.

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Johannes Eggestein – ansprechend unauffällig
(whoscored: 6.7, sofascore: 6.6)

Hoffnung auf mehr besteht auch bei Johannes Eggestein, dessen Debüt für den FC St. Pauli eher unauffällig ausfiel und trotzdem bereits ansprechend war. Timo Schultz äußerte sich auf der Pressekonferenz auch zu seiner Leistung:

„Ich denke Jojo hat ein gutes Spiel gemacht, hat viele Bälle gesichert, war gut in der Kombination. Er hat auch gut den Sechserraum nach hinten kontrolliert, was eine seiner defensiven Hauptaufgaben gewesen ist.“

Timo Schultz zur Leistung von Johannes Eggestein.

Auch wenn Timo Schultz die defensive Leistung von Eggestein hervorhebt, so muss auch erwähnt werden, dass er in den direkten Defensivduellen noch Luft nach oben hat: Nur zwei seiner zwölf Duelle (Boden + Luft) konnte er für sich entscheiden. Etwas vielversprechender ist da die Quote in der Offensive (30%) und seine Beteiligung an Tor-Aktionen (drei eigene Torschüsse, zwei Torschussvorlagen). Besonders der Vergleich zu seinem Sturmpartner zeigt, dass Johannes Eggestein bereits ganz gut in das Offensivspiel des FC St. Pauli eingebunden ist und daher ist davon auszugehen, dass erfolgreiche Offensivaktionen seinerseits nur eine Frage der Zeit sein werden.

Deutschland, Hamburg, 16.07.2022, Fussball 2. Bundesliga 1. Spieltag, FC St. Pauli - 1. FC Nuernberg im Millerntor-Stadion Johannes Eggestein (FC St. Pauli)
Ein ansprechendes Debüt mit Luft nach oben: Johannes Eggestein macht Lust auf mehr.
(c) Peter Böhmer

Igor Matanović
(whoscored: 6.6, sofascore: 6.4)

Schwieriger als Eggestein hatte es Igor Matanović, wenn es darum ging Teil der Action zu sein. Zwölf Pässe spielte er insgesamt, agierte meist weniger rotierend als seine beiden Offensivkollegen Daschner und Eggestein. Das ist auch nicht zwingend zu erwarten, denn Matanović ist sehr viel eher ein Zielspieler. Allerdings einer, der beim Spiel gegen Nürnberg fast gar nicht gefunden wurde.

So lesen sich die Statistiken von ihm dann auch eher etwas ernüchternd: Wenigste Ballkontakte, wenigste Pässe, nur eines von acht Offensivduellen gewonnen. Es war nicht das leichteste Spiel für Matanović. Grundsätzlich ist es aber auch nicht ganz fair ihn nur an solchen Statistiken zu messen. Denn es gab einen Spieler auf dem Platz, der noch weniger Ballaktionen hatte als Matanović: Kwadwo Duah, Angreifer auf der Gegenseite, war sogar noch deutlich schlechter ins Spiel eingebunden. Er traf aber zu Beginn der zweiten Halbzeit zum 1:3 aus Nürnberger Sicht und entsprechend wird seine Leistung etwas anders bewertet werden.
Sicher ist, dass wir von Igor Matanović noch einiges erwarten dürfen. Vielleicht braucht er noch eine Woche, vielleicht zwei – irgendwann knallt es dann gewaltig, da bin ich sicher.

Fazit

Der FC St. Pauli gewann den Auftakt in die Saison 22/23 vor allem dank einer stabilen Achse im Mittelfeld. Denn als es darum ging, ob der FCN nach seinem Treffer kurz nach Wiederanpfiff noch einmal offensiv Druck machen würde, haben die erfahrenen Spieler des FCSP das Heft des Handelns in die Hand genommen und den Vorsprung sehr gut kontrolliert. So gab es eigentlich kein Nürnberger Aufbäumen, nachdem der FCSP in der ersten Halbzeit vor allem enorm effizient agierte. Es war ein erfolgreicher Auftakt, bei dem es noch eine Menge Fantasie für Leistungssprünge gibt. Das stimmt mich sehr positiv.

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// Tim

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Sofern nicht anders markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout.

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7 thoughts on “FCSP vs. FCN: Zahlen und Einzelkritik (1. Spieltag, 22/23)

  1. Hey Tim, vielen Dank für deinen sehr aufschlussreichen Beitrag. Es ist echt interessant, wie du schreibst, dass wir unsere beste Phase in Halbzeit 2 hatten. Das Gefühl hatte ich beim schauen des Spiels im Stadion und danach am Fernseher auch, trotzdem für uns kein Tor dabei raussprang. Nach Halbzeit 1 hätte es aber auch gut 3:3 oder 1:3 stehen können. Von daher hat mich die Leistungssteigerung schon sehr beruhigt. Eine Frage habe ich jedoch zu den Daten: Die Daten aller Anbieter sehr ähneln sich ja schon sehr. Doch guckt man auf den xG Wert hat die DFL für den FCN einen doppelt so hohen Wert wie Wyscout. Wie kann das sein?

    1. Das liegt an den unterschiedlichen xG-Modellen. Einige berücksichtigen „nur“ die Position, während andere auch z.B. die Position des Torhüter berücksichtigen. Deshalb dürfte das dieses Mal auch extrem unterschiedlich sein, da Smarsch bei einem Torschuss ganz woanders war als im Tor.

  2. Solche Artikel finde ich top, danke dafür!

    Was mich tatsächlich am meisten beeindruckt hat, war das 3:0. Springt der Ball vom Innenpfosten nicht ins Tor, sondern mit Pech wieder ins Feld, dann hätte halt einer der 4 unsrigen, die dem Ball im Vollsprint hinterher gingen, den Ball über die Linie gedrückt.
    Das wirkte schon nach großer Gier direkt nachzulegen, wenn (inklusive Daschner) die Hälfte der Feldspieler bei einem „normalen“ Angriff den Abpraller problemlos im 5er hätten verwerten können, während alle Nürnberger direkt abschalteten.

  3. Super, für mich auch gerade deshalb, weil es keine Noten gibt. Sie sind letzten Endes eh subjektiv und verdecken oft, dass Spieler ihre Aufgaben teils auch schlicht unterschiedlich gut erfüllen. Statistiken plus subjektive Eindrücke auf Basis eines Taktik geschulten Auges reichen m.M.n. völlig.
    Mein Wunsch wäre, dass Tim vielleicht auch noch ein paar Sätze zu den (statistisch) auffälligen Akteuren des Gegners schreibt – womöglich auch mit Blick auf die Vorberichterstattung.
    Trotzdem: Ihr werdet wirklich immer besser!

    1. Wird „Zahlen und Einzelkritik“ jetzt eine ständige Rubrik nach den Spielen ? „Genial“, um es mit Thees zu sagen. Und „hold my beer, I have to adjust the Dauerauftrag to the Millerton Team“.
      2 Fragen zu den Zahlen:
      1. Siehe Frage von Frederik: ein Unterschied von 1.4 zu 0.7 ist schon ziemlich auffallend.
      2. Kommen die Daten wirklich alle komplett ohne Einfluss des Ergebnis zu Stande? Hätte der Schiri also bspw. den 11‘er nicht gepfiffen, das Spiel wäre aber genauso weitergelaufen und 2:2 ausgegangen, hätten wir exakt die gleichen Zahlen ?

      1. Wenn du die Wertungen von whoscored / sofascore meinst, dann nicht.
        Die basieren vor allem auf die Einordnung „gelungene / mißlungene“ Aktion, wobei a) je nach Position die Aktionen unterschiedlich gewertet werden (beim Verteidiger wiegen z.B. die Defensivzweikämpfe stärker als sein Beitrag zum Aufbauspiel) und b) eine gelungene Aktion auch zu Aufwertungen der anderen Spieler führt. Tore zählen diesbezüglich besonders stark, so dass es bei whoscored beispielsweise nahezu unmöglich ist, als Gewinner auf eine schlechtere Wertung zu kommen als der Verlierer – selbst wenn es bloß ein Glückstreffer war. Zwei Beispiele aus dem aktuellen Spieltag: Fürth hatte 24:4 Torschüsse und 14:3 Chancen (nach „kicker“), trotzdem kommen das Team beim 2:2 auf fast identische Wertungen wie die Kieler. Unser Nachbar hat eine deutlich bessere Wertung als die Braunschweiger erhalten, obwohl die eigentlich das bessere Team waren und nur aufgrund Heuer Fernandes, Pech & Unvermögen nicht gewonnen haben.
        Die Werte sind von daher immer mit Vorsicht zu genießen.

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