Ein Sandhaufen voller Ärger

Ein Sandhaufen voller Ärger

Der FC St. Pauli trennt sich in einem Spiel, welches er normalerweise überlegen gewinnen müsste, mit einem ziemlich unbefriedigenden 1:1-Unentschieden vom SV Sandhausen.
(Titelbild: Peter Böhmer)

„Hier, Maik, Sandhausen. Da bin ich noch auf Exkursion in [irgendein Ort in Sachsen, von dem ich noch nie gehört und dessen Namen ich gleich wieder vergessen habe]. Magst Du mal ausnahmsweise den Spielbericht schreiben?“ –
„Klar, Tim. Heimspiele gegen Sandhausen – im Gegensatz zu den Auswärtsspielen gewinnen wir da ja fast immer, dann schreibt es sich ja fast von selbst!“

Haha, ich Doofie.

75 % Ballbesitz – zu wenig Ertrag

Etienne Amenyido spielte von Beginn an und war damit die einzige personelle Veränderung zur Vorwoche in der Startelf. Bei den Gästen gab es ein Wiedersehen mit Tom Trybull.
Es gestaltete sich ein zähes Spiel, bei dem Sandhausen geschickt die Passoptionen zustellte und St. Pauli zu selten Mittel und Wege fand, dieses zu umgehen. Dementsprechend zeichnete sich auch früh ab, dass es ein Geduldsspiel werden könnte.

Es war aber auch nicht so, dass es keine Chancen gab – allein: sie wurden nicht genutzt:

  • 10. Minute: Daschner von halblinks schön auf den zentral völlig frei stehenden Eggestein, der aber mit dem langen Bein nicht mehr platziert abschließen kann
  • 15. Minute: Amenyido auf Eggestein, etwas Ping Pong – und Daschner muss aus wenigen Metern das Ding „nur“ noch rein machen. Schafft er nicht, Drewes kriegt den Fuß noch ran.
  • 58. Minute: Paqarada vom linken Strafraumeck, etwas zu zentral, Drewes kriegt die Faust noch hoch und klärt zur Ecke
  • 65. Minute: Saliakas an den Pfosten, Amenyidos Nachschuss wird gerade noch abgeblockt.
  • 84. Minute: Daschner vom 16er, abgefälscht, knapp drüber
  • 86. Minute: Zander nach Ecke am langen Pfosten, knapp drüber
  • 97. Minute: Zander nach Ecke am langen Pfosten, schwer zu nehmen, vorbei

Insbesondere die Chance von Daschner nach einer Viertelstunde – ein Klassiker für „den muss er machen“, was er nach dem Spiel auch in der Mixed Zone selbst einräumte.

Werbung

Einzige Ausnahme, das Tor: Amenyido behauptet den Ball gut am Strafraum, Hartel spielt nach außen und Paqarada schlägt eine butterweiche Flanke auf den Kopf von Jackson „Airvine“, der das Ding schön im rechten Winkel versenkt. 38. Minute, drittes Saisontor, der dritte Treffer per Kopf – erneut auf Vorlage seines Kapitän-Kollegen.

Jackson Airvine mit dem 1:0. // (c) Cathrin Mueller/Getty Images via OneFootball

Aber das hilft ja alles nichts. Wenn man selbst die Dinger vorne nicht macht, muss man hinten wenigstens zu null spielen – und sich nicht innerhalb von zwei Minuten zwei Mal fast das gleiche Gegentor nach Standard fangen.

  • 69. Minute: Freistoß Okoroji von halblinks, auf den langen Pfosten gezogen. Dumic enteilt zwar Paqarada und verwandelt, steht dabei aber klar im Abseits – Tor zählt nicht.
  • 71. Minute: Freistoß Okoroji von halblinks, auf den langen Pfosten gezogen. Otto verpasst die Klärung per Fuß, die folgende Flanke verlängert Medić statt sie zu klären, Kinsombi schiebt ein – Tor zählt.

Im Endeffekt muss man dann trotz all der Chancen froh sein, dass der Aufsetzer von Kinsombi bei Vasilj nicht komplett durch die Finger flutscht, sondern mit dem Glück des Tüchtigen am Pfosten landet.
75% Ballbesitz waren es für den FCSP nach einer guten halben Stunde, 69% am Ende, dazu 25:7 Torschüsse, 11:1 Ecken und auch ein paar mehr gelaufene Kilometer – aber am Ende ist Fußball eben Ergebnissport und da zählen nur die Tore.

Auch die Pressekonferenz war in gut acht Minuten dann recht schnell abgehandelt:

Wir haben den Gegner vom Tor weggehalten und sie nicht so ins Laufen kommen lassen. Wir hatten gute Umschaltmöglichkeiten, wollten aber viel zu schnell final spielen. Dadurch sind wir nicht so richtig ins letzte Drittel reingekommen. Da hätten wir mehr Ruhe haben und auch mal einen Zwischenball spielen müssen.

Alois Schwarz

Wenn wir das 2:0 gemacht hätten, wäre der Deckel drauf gewesen. Wir haben sie am Leben gelassen. Sandhausen macht zwei Tore, das erste ist zum Glück noch Abseits. Die zweite Standardsituation haben wir dann einfach nicht gut verteidigt, vor allem den zweiten Ball.

Timo Schultz

Schultz sagte mehrfach in der Pressekonferenz, dass das Spiel unter einem anderen Licht stehen würde, wenn man es gewonnen hätte – die obigen Zahlen stützen das.
Hat man aber nicht – und so steht man nach acht Spielen mit ziemlich mittelmäßigen zehn Punkten auch genau dort, wo man nicht unbedingt sein möchte, aktuell aber eben auch hingehört.
Drei Unentschieden aus den letzten drei Spielen, davor die ziemlich schlimme Niederlage in Rostock – in Summe vier Spiele ohne Sieg.
Wenn man im Heimspiel gegen Heidenheim nicht schon wieder mit einem Auge auf die Abstiegsränge blicken will, sollte nächste Woche beim noch mehr kriselnden SSV Jahn in Regensburg mal wieder dreifach gepunktet werden.
Und Tim meldete sich dann ja doch noch: (Twitter)

Werbung

Das Drumherum

Diverse Glückwünsche an USP zum 20. Geburtstag an vielen Stellen, klingelnde Sammeltöpfe für den AK Awareness (zumindest da wo ich es mitbekam) – das war es dann aber auch schon an Positivem.
Irgendwie ist der Saisonstart auch auf den Rängen am Millerntor noch nicht so richtig angekommen. Die Stimmung schwappt nur selten so richtig über, sehr vereinzelt waren heute sogar Pfiffe bei eigenem Ballbesitz zu hören. Ja, da wurde der Ball oft hinten rum kreisen gelassen, genau dies lobte Schultz aber in der Pressekonferenz als geduldiges Auftreten, welches in der Vergangenheit bei anderem Verhalten auch schon mal zu Gegentoren geführt hätte.

Selbstverständlich ist oft auch eine gewisse Wechselwirkung da und mit Erfolg kommt bessere Stimmung – aber das kann doch dann bitte nicht unser Anspruch als Fans sein? Ich will das aber auch nicht zu hoch hängen, es waren wirklich nur einzelne Pfiffe.
Hoffnung für die Heimspiele macht diesbezüglich zumindest der Spielplan: In den kommenden vier Heimspielen gegen Heidenheim (Samstag), den HSV (Freitag), Darmstadt (Samstag) und Kiel scheint das Flutlicht am Millerntor – und dann ist auch schon die (gefühlt) längste Winterpause ever.

Immerhin, um dann doch noch mit etwas Positivem zu schließen: Zum zweiten Mal in dieser Saison kassierten wir weniger als zwei Gegentore…
Forza St. Pauli!
// Maik

MillernTon auf Twitter // YouTube // Facebook // Instagram

Wenn Dir gefällt was wir hier tun, findest Du hier die Infos dazu, wie Du uns unterstützen kannst.

Print Friendly, PDF & Email

13 thoughts on “Ein Sandhaufen voller Ärger

  1. Wieder so eine blutleere Nummer – ich hatte den Eindruck, es war die vom Trainerteam ausgegebene Taktik, (Ballbesitz und aus dieser Position dann nach vorne spielen) die die Spieler umsetzten. Aber, dazu hat das Trainerteam nicht die Mannschaft – wer soll denn vorne im Sturm gesucht werden? Es stimmt momentan wenig in Verein, und das merkt man. Das Trainerteam schafft es weiterhin nicht, die Abwehr wirklich zu stabilisieren, und im Sturm ist kein einziger zweitligatauglicher Spieler. Dann kommen solche Gurkenspiele heraus.
    Erfreulich, Nemeth und Saliakis werden besser, Paqarada und Medic schlechter. Aber, sie dürfen weiter spielen.
    Wenn es weiterhin gehen derart schwache Gegner so läuft, ist man bald in der Abstiegszone und dann?
    Also, ich bin insbesondere unzufrieden mit dem Trainerteam, die sind in dieser Situation gefragt. In der Winterpause muss ein Strafraumspieler wie Burgstaller kommen, sonst geht dieser Krampf weiter.

  2. Mein Kommentar zum Spiel: (…)

    Aber das hier:
    „und dann ist auch schon längste Winterpause ever.“

    Es gab aber auch schon mal längere.
    91/92 15.12. – 7.3.

    In den Jahren drumherum waren sie größtenteils vergleichbar lang. Noch etwa bis Mitte der 90er.

  3. Blutleer trifft es gut, emotionslos. Sieht teilweise gut aus, vorne kann man die Beteiligten austauschen, ohne dass sich etwas ändert.

    Saliakas fand ich stark heute, leider sind viele Seitenverlagerungen auf ihn in der ersten Halbzeit zu kurz geraten. Da würde ich mir mal Zander oder Metcalfe statt Daschner vor ihm wünschen, um mehr Tempo zu bekommen.

    Bis zur Flanke zum 1:0 hat mich Paqa aber aufgeregt. Hatte er keine Lust, weil er gegen sein Ex-Team nicht Kapitän war? Nach hinten jeden Zweikampf verloren, halbherzig nach vorne, wenig Präsenz in der gegnerischen Hälfte. Nach dem 1:0 würde es ja zum Glück besser.

  4. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, dann braucht man kein Gerede – sie stimmen nicht.

    Ich finde auch, dass Schultz viel aktiver in die Aufstellung eingreifen muss. Es müssen Zeichen gesetzt werden. Heißt Hartel, Eggestein, Medic auf die Bank – Fazliji, Metcalfe, Bukalfa rein.

    Allein wie Hartel in der 97. zur Ecke gebummelt ist.

    Alles, was Schultz, Bornemann, fcsp, Mannschaft in 2021 aufgebaut haben, wurde mit den Transfers im Sommer und den Ergebnissen diese Saison kaputt gemacht.

  5. Haaallloooo Herr Bornemann, aufgewacht und zugeschaut! Mach doch bitte die Klüsen und den Klingelbeutel auf. Der Schulle braucht noch 1 Knipser und 2 Safety`s in der Defensive. Falls die Knete, die es für Medic geben könnte nicht genügt, wären Spenden ad hoc am start, for sure

  6. Schulle braucht kein Knipser, Schulle braucht Kreativität. Daschner ist nicht die Lösung und ich sehe auch sonst keinen der sich aufdrängt. Das Spiel war über weite Strecken vermutlich so wie es sich Schulle vorstellt. Aber im letzten Drittel ist das einfach zu statisch, zu wenig Kreativität, keiner der mal 1-2 Spieler im Dribbling aussteigen lässt und somit Räume schafft.

    Auch das Kurzpasspiel mit dem man sich letzte Saison oft aus Drucksituationen im engsten Raum befreit hat und damit Räume geschaffen hat ist mit diesem Personal nicht mehr so richtig möglich.

    Klar sagt keiner nein wenn es darum geht einen Knipser zu holen, allerdings sehe ich das größere Problem darin erstmal Torchancen rauszuspielen und das passiert momentan zu wenig.

  7. Kleiner (Ziel-)Stürmer-Tipp: Isak Snaer Thorvaldsson (21)
    Gerade mit UMF Breidablik Kopavogur isländischer
    Meister geworden. Kam aus der Jugend-Akademie von
    Norwich City. Isländischer U21-Nationalspieler.
    Bisher 12 Tore in 17 Spielen in der Besta Deild.
    3 Tore in 5 Spielen in der UECL-Quali.
    FCSP sollte sich aber beeilen, da auch Rosenborg BK
    (NOR) an ihm dran sein soll.

    Isak Snaer Thorvaldsson

  8. Moin Timo, moin Loide,
    ich denke schon, daß vorne 1 Knipser einen von 3 Knackpunkten darstellt. Möglichkeiten werden, bis in den 16er hinein, schon kreiert, aber zu selten und dann anhand Unsicherheit vertändelt. Meine Wahrnehmung war auch, daß aus der Innenverteidigung heraus schon oft spielerisch gearbeitet wurde, was gegen ersatzgeschwächte Sandhäuser eig keine schwierige Aufgabe sein sollte…der Kommentator auf Sky sagte wohl: Es muß sich vergegenwärtigt werden, der momentane Kader besteht zum Großteil aus der Ersatzbank der Vorsaison. Das damit die Liga nicht wie zuvor gerockt werden kann, ist klar.
    Hier sehe ich die Möglichkeiten für das Trainerteam auch begrenzt. Wenn Du keinen Meißel hast, kannste keine Steine kloppen. Das kann aber kein Trainer so raushauen. Hier stehen Bornemann und Geschäftsleitung in der Pflicht. Denn, wenn aufgrund mehrer Verletzungen oder Kartons dann die Ersatzmannschaft der Ersatzmannschaft der Vorsaison ran muß, wirds nach unten wirklich eng.
    Ach ja: sobald es in der Innenverteidigung durch das gegnerische Team n büschen zügiger und wilder wird, geht sofort die Zuordnung und die Übersicht flöten. Deshalb schwimmen wir bei schnellem Umschalten gegen uns auch sofort. Da springen z.B. im 16er F-Jugendähnlich 5 Loide wirr um 1 Gegenspieler rum und drumherum ist freie Fläche. Das war gestern bei beiden Standards der Sandhäuser so..
    Tabellarisch entspricht hinteres Mittelfeld, nen kleinen Tacken über dem Abstiegskampf, den Möglichkeiten.
    Aber mal ganz ehrlich: Gemessen an der Gülle außerhalb der Fußballwelt sind das noch nicht einmal Luxusproblemchen. Also: Ist der Kick auch noch so trübe, immer hoch die (gelbe) Rübe! Forza!

  9. Puuuhh, das war echt mies. Ein derart schnarchiger Gegner und dann machen wir „einfach“ das 2te und dritte Tor nicht. Keine gute Übersicht zur Seitenverlagerung, auf einer Seite stand immer einer alleine auf weiter Flur und winkte, ein Paqarada der gefühlt nicht die besten Wochen hat, kein Tempo und keine Wucht, kein erkennbarer Wille „ich hau den jetzt rein“, zum Teil wieder erschreckende Ballverluste, und ja, auch wenn Matanovic jung und so ist…, aber die Ballverluste, und das Gefühl, dass Mannschaft die letzte halbe Stunde so gespielt hat als hätte sie ein 4:0 in der Tasche, zwei defensive zum Schluss noch einwechseln? …. Ich glaube wir brauchen für unsere jetzige Mannschaft eine andere Taktik, wir sind halt nicht die Favoriten in den Spielen, und ja, bei aller Liebe, auch der Trainer muss mal angesprochen werden, 2022 war bisher fast komplett nicht das Gelbe vom Ei

  10. Was habt ihr denn alle bei der jungen Truppe erwartet? Dass die um den Aufstieg spielen?

    Mich hat das Spiel etwas an eine U23 bei einem erfahrenen Viertliga-Team mit alten Haudegen erinnert. Viel Talent, zu wenig Erfahrung. Das kommt mit der Zeit. Eingespieltheit ist gerade in der 2. Liga nicht zu unterschätzen. Ich würde mir etwas mehr Ruhe wünschen. Und ich bin auch sicher, dass für die Winterpause noch was geplant ist. Wenn Dinge jetzt nicht finanzierbar waren, ist es eben so.

    Und wenn ich die Pfiffe auf den Rängen höre … . Schaut einfach unter der Woche weniger CL.

  11. Zwecks Pfiffen bin ich bei Dir, Kiesel. Das disst das ganze Team, geht für mich nicht klar. CL schaue ich nicht u BL nur sehr selten. Ich erwarte auch vom Team, das, wie gesagt, letzte Saison vorwiegend in der 2ten Reihe Stand keinen Aufstiegskampf. Aber ich wünsche mir Unterstützung durch nen Knipser und 2 Erfahrene i d Defensive um die Wirrheit n büschen zu kanalisieren. Das Match im ganzen fand ich jetzt nicht so mies. Es waren ne Menge genaue und schnelle Pässe dabei. Die Phase um die 70ste rum hat mich dann allerdings an die Übertragung der WM ´74 erinnert: Ballschiebender Standfußball, nur ohne Gerd Müller. Allerdings ist das heute auch dermaßen intensiv und schnell geworden, das den Spielern zig Kilometer Sprints und zentimetergenaue Tacklings abverlangt werden. Es sind oft keine riesigen Unterschiede, die ein Match entscheiden, auch in Liga 2. Aber ich sah uns eigentlich schon deutlich überlegen. Nur winzige Momente ganz vorn und ganz hinten waren ausschlaggebend. Wie so oft, wenn Teams sich „nicht belohnen“. Daher auch mein Wunsch nach Verstärkung. N büschen mehr Sicherheit, dann spielt sich das ganz anders in eben den wichtigen Momenten. Wenn das jetzt in dieser Saison nach diesem imensen Aderlaß an Spielern nicht soo fett läuft, ist das kein Beinbruch. Dann will ich aber sehn, daß gefightet wird

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.