Lage am Millerntor – 02. November 2022

Lage am Millerntor – 02. November 2022

Der FC St. Pauli nach Darmstadt und vor Düsseldorf, Fanladen Statement zum Derby, 1. Frauen im Pokal und jede Menge Döntjes – die Lage am Mittwoch.

FCSP News

1:1 gegen Darmstadt

Zu Tims Analyse gesellt sich jetzt noch der Bericht vom FCSP South End Scum (Englisch). Das „Nach dem Spiel“-Gespräch ist schon im Kasten, Veröffentlichung folgt.

Nikola Vasilj muss nicht gegen Russland spielen

Es war von Anfang an nicht nachvollziehbar, jetzt hat es auch der Verband eingesehen: Das geplante Testspiel von Bosnien-Herzegowina gegen Russland wurde vorerst bis auf weiteres „verschoben“.
Am 19. November hätte man in St. Petersburg spielen wollen, diverse Spieler hatten sich bereits öffentlich dagegen ausgesprochen.
Wie die Sportschau berichtet, ist Russland weiterhin volles Mitglied in UEFA und FIFA, es hätte also keine Möglichkeit gegeben dieses Spiel verbandsseitig zu verhindern. Russland ist lediglich von offiziellen Wettbewerben ausgeschlossen.

Anno 1910

Der 2. November 2009, heute vor 13 Jahren.
Ein 2:0-Auswärtssieg des FC St. Pauli – verrückt, was es damals noch so gab. Im konkreten Fall dann auch ein ganz besonderer, denn eine Situation nach dem Spiel hat es in einen bekannten Song geschafft.
„Als Naki die Fahne in den Boden rammte…“

FC St. Pauli von 1910 e. V.

1. Frauen

Der Spielbericht von Matthias von Schramm zum 2:1-Sieg gegen ATS Buntentor ist online.
Ausführliche Erwähnung findet dort auch der 3:0-Sieg der 2. Frauen in der Oberliga gegen den Bramfelder SV. Mit 19 Punkten aus 9 Spielen belegen die Aufsteigerinnen aktuell einen hervorragenden 4. Platz.
Für die 1. Frauen geht es heute im Verbandspokal-Achtelfinale zu den Ligarivalinnen vom ETV. Anstoß am Walter-Wächter-Platz ist um 19.30h. Der Spielbericht von Lina, Francis, Zawadi, Illi und Hechti wird dann für Liga- und Pokalspiel zusammen geschrieben.

„Nachhaltigkeit ist keine Show“

Im „Millerntalk“-Podcast des Abendblatts waren Franziska von Altenrath (Leitung Strategie, Veränderung und Nachhaltigkeit) und Bernd von Geldern (Geschäftsleiter Wirtschaft) zu Gast. In 1h06m geht es um Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen, u.a. natürlich beim Merchandise, aber auch im Bereich der Rasenpflege, den Lizenzkriterien der DFL und vielem mehr.

Fanszene News

Fanladen Statement zum Derby

Der Fanladen hat sich in einem Artikel zu den Vorfällen unmittelbar vorm Derby (MillernTon-Artikel) geäußert. Hierbei geht es insbesondere um die mediale Diskursverschiebung der letzten Tage, in der die Polizei offenbar versucht von den eigenen Verfehlungen abzulenken und das (teilweise Jahre zurückliegende und nicht mal relevante) Verhalten von Betroffenen der Polizeigewalt zu thematisieren – ohne auch nur irgendwie auf Persönlichkeitsrechte zu achten.

„In den vergangenen Tagen wurde der öffentliche Diskurs gezielt in eine Richtung beeinflusst, nicht über den Polizeieinsatz zu reden, sondern über die Betroffenen dieses Einsatzes. Dabei sind vertrauliche Informationen über einzelne Verhaftete gezielt an die Presse durchgesteckt worden. „Prügel-Opfer ist Gewalt-Tourist“ war nur eine unrühmliche Schlagzeile. Diese Informationen über teilweise Jahre zurückliegende Festnahmen bei Demonstrationen, die offenbar nicht einmal zu einer rechtskräftigen Verurteilung geführt haben, können nur durch Polizeibehörden an die Presse gelangt sein. Wir sehen hier Persönlichkeitsrechte der betroffenen Fans eklatant verletzt. Außerdem verstößt die Pressearbeit der Polizei gegen eine besondere Wahrheits- und Mäßigungsverpflichtung, die die Rechtsprechung ständig von Polizeibehörden einfordert.“

Fanladen

Lesung im FC St. Pauli-Museum

Am Freitag, 4. November um 19.30h gibt es eine Lesung im Museum: „The Roaring Red Front“ von Vince Raison und Stewart McGill beschäftigt sich mit „The World’s Top Left-Wing Football Clubs“. Die Lesung findet auf Englisch statt, der Eintritt ist frei und eine Anmeldung nicht erforderlich.
Neben dem FC St. Pauli werden auf dem Cover auch noch der FC Liverpool (?), Celtic, Rayo Vallecano, Red Star Paris „and more“ erwähnt.
Mehr Infos über das Buch: TheRoaringRedFront.com.

Döntjes

Wie gestern schon angekündigt, ist aufgrund des Feiertages einiges liegen geblieben – also holen wir das jetzt nach:

Kommission Fankultur / Förderung Fanprojekte

Fangen wir positiv an: Der DFB hat eine Kommission mit dem Namen „Fans und Fankultur“ gegründet. Vorsitzender dieser Kommission ist der ehemalige Präsident von Alemannia Aachen, Martin Fröhlich.
Nun gab es derartige Ideen in der Vergangenheit schon öfter, die konkrete Umsetzung oder deren konkreten Ergebnisse und Folgen waren meist enttäuschend – hier gilt es also erst mal abzuwarten (Deutschlandfunk, Text und 6min Audio).

Wenig Verständnis hingegen gibt es dafür, dass DFB und DFL sich aktuell gegen eine Etaterhöhung der KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte) entschieden haben. Diese werden zu 50% vom Familien- und Jugendministerium finanziert, zu je 25% von DFB und DFL. Während das Ministerium die Förderung jetzt um 100.000€ aufstocken will, gab es von DFB und DFL (die dementsprechend je 50.000€ beisteuern müssten) dafür eine Absage. Komplett unverständlich, wenn man beispielweise Michael Gabriel (KOS) zuhört:

„Seit 2012 ist der Etat unverändert, aber seitdem gibt es allein 20 Fanprojekte mehr. Hinzu kommt, dass die Themen rund um die Fankultur in Deutschland auf allen Ebenen viel mehr Bedeutung bekommen haben.“

Michael Gabriel (KOS) im Kicker

Wenn man sieht, welche Summen der DFB jährlich an Strafgeldern von den Vereinen einsammelt, so sollten diese 50.000€ nun wirklich kein Problem darstellen.

Rasenfunk: Sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch im Fußball

Gleich zwei Podcasts zum Thema mit unterschiedlichen Schwerpunkten wurden jüngst im Rasenfunk veröffentlicht. In Episode 46 (07. Oktober) sprach Max mit dem Sportjournalisten Jürgen Kalwa über Missbrauch und sexuelle Gewalt in der US-amerikanischen National Women Soccer League (NWSL). In den knapp drei Stunden geht es in der gewohnten Ausführlichkeit u.a. um den „Yates-Report“ und was man aus diesen Vorfällen für Deutschland lernen kann.
Am 29. Oktober folgte dann schon Episode 47, in der es in knapp 100 Minuten um häusliche Gewalt im Profifußball geht. Die Correctiv-Recherche (medial besonders rund um Jerome Boateng beachtet) ist das Thema, zu Gast sind mit Gabriela Keller und Maike Backhaus zwei Journalistinnen, die von ihrer Arbeit an der Recherche berichten.

VAR-Desaster in Frankfurt

Ich bleibe dabei: Ich mag den VAR. Alleine schon deshalb, weil er mich am Montagabend beim FC Midtjylland davor bewahrt hat, ein langweiliges 0:0 anschauen zu müssen. Denn da gab es kurz vor und kurz nach der Halbzeitpause jeweils Situationen im Strafraum, die einen Elfmeter durchaus rechtfertigten, vom Schiedsrichter aber ignoriert wurden.
VAR schaltet sich ein, Schiri geht in die Review-Area, schaut sich das kurz an, quadratisches Handzeichen, energischer Fingerzeig, Jubel auf der einen und Ärger auf der anderen Seite – Elfmeter, Tor. So einfach kann das sein. Egal, ich schweife ab.

Worauf ich hinaus wollte: Beim Spiel der Frankfurter Eintracht gegen Borussia Dortmund gab es in der 42., Minute einen sehr deutlichen Schubser von Dortmunds Karim Adeyemi im Strafraum gegen den einschussbereiten Jesper Lindström (Sportschau-Highlights ab 2m58s). Nun habe ich als Schiedsrichter wirklich großes Verständnis dafür, dass man nicht alles sehen kann. Wenn Sascha Stegemann in dieser hundertstel Sekunde mit dem Blick also gerade auf dem Ball oder eben im Fußbereich war – doof, passiert aber.
Wieso dann aber der VAR (Dr. Robert Kampka) hier nicht eingriff, verstehe ich nicht. Während sich Stegemann bereits direkt nach dem Spiel klar positionierte und einräumte, dass die Entscheidung falsch war, erläuterte er am Sonntag, dass der „Check-Prozess“ zu früh abgebrochen worden sei und man „nur“ vier Kameraperspektiven genutzt hätte. Dies werde nun im Nachgang konstruktiv aufgearbeitet.
Puh… man macht es den (wenig verbliebenen) Befürwortern des VAR auch echt nicht einfach… // Kicker

Hannover 96: 50+1 ausgehebelt?

„Ach was…“, werden die meisten von Euch denken. Wie hätte man darauf nur kommen können?
Im NDR wird das ganze Geflecht um H96 und Martin Kind anhand einer SZ-Recherche nun nochmals auseinander gepult, insbesondere mit dem Blickwinkel auf die DFL und mögliche Folgen für die Lizenz und 50+1.
Spoiler: Ein Lizenzentzug wäre theoretisch möglich, bleibt aber trotzdem eher unwahrscheinlich.

Schalke Choreo

Die Choreo von Schalke gegen Freiburg habt Ihr wahrscheinlich schon alle gesehen, ich muss sie hier aber trotzdem nochmal zeigen: // Twitter

Sah geil aus, kann man nicht anders formulieren.
Im Nachgang äußerten Polizei und Feuerwehr dann die übliche Empörung, in den Planungen nicht eingebunden gewesen zu sein – zukünftig werde man sowas nicht mehr genehmigen.
Bei mir weckte das ganz dunkel Erinnerungen an die „Herrscher der sieben Meere“-Choreo im Volkspark, wo wir brav alles ankündigten und man dann aus komplett hanebüchenen Gründen wegen Feuerschutz am Ende die Choreo nicht wie geplant durchführen konnte. Insofern habe ich hier vollstes Verständnis für die Schalker Fans – und wer meine „Vorliebe“ für diesen Verein kennt, weiß wie schwer mir diese Buchstaben aus der Tastatur kommen.

Fußball in Nahost – Serie im Deutschlandfunk

Der Deutschlandfunk hat eine Serie zu „Fußball in Nahost“ gestartet, die rund um die WM in Katar auf dieses größte Sportereignis der arabischen Welt mit verschiedenen Themenschwerpunkten blickt. Die Folgen sind bisher jeweils rund sechs Minuten lang und erscheinen jeweils am Sonntag, drei sind bisher veröffentlicht, allesamt von Ronny Blaschke.
Episode 1 beschäftigte sich mit den Anfängen des Fußballs in der Region, die bis in die Kolonialzeit zurückreichen. In Episode 2 geht es um die politische Rolle von prominenten Fußballern der Region, insbesondere wenn sie die ihnen vom Regime angedachte Vorbildrolle nicht wie gewünscht erfüllen.
In der jüngsten Episode 3 geht es um die Stadien der Region und ihre politische Bedeutung.
Hörempfehlung!

Zu guter Letzt

Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß…

Forza St. Pauli!
// Maik

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