Der FC St. Pauli vor der Mitgliederversammlung

Der FC St. Pauli vor der Mitgliederversammlung

Am 17. Dezember steht eine wichtige Mitgliederversammlung für den FC St. Pauli an. Mit Wahlen, Anträgen – und vielleicht auch der ein oder anderen emotionalen Diskussion.

Das Wichtigste vorab: Eine Vorab-Anmeldung ist gut und hilfreich – aber Ihr könnt auch immer noch spontan vorbeikommen. Alle hin da! Aktives Mitwirken ist wichtig!
Gehen wir zur Vorbereitung einmal die Punkte durch, in der Reihenfolge der Tagesordnung. Wobei ich die Punkte 1-4 mal aus Zeitgründen außen vor lasse.

5. Berichte

Insbesondere die Berichte des Präsidiums (5a) und Aufsichtsrats (5c) dürften mit Spannung erwartet werden – oder besser gesagt, die darauf folgende Aussprache. Die Freistellung von Timo Schultz und Loïc Favé hat für einen emotionalen Aufschrei gesorgt, den man dieser in viel zu großen Teilen oft lethargischen Fanszene kaum noch zugetraut hätte. Leider war das nicht in allen Fällen hilfreich, zuletzt konnte man auch Beiträge wie (sinngemäß) „Umso mehr die sich aufregen, desto eher bin ich nachträglich für die Entlassung!“ lesen, der Wind drehte in der Wahrnehmung vieler auch aufgrund der „Wutpaulis“.
Schauen wir mal, ob sich die online geäußerte Unzufriedenheit auch in Wortbeiträgen auf der Versammlung äußert.

Da auch in den Kommentaren hier in den letzten Wochen häufiger gefragt wurde, welche Möglichkeiten man denn überhaupt auf dieser Versammlung als Mitglied in Bezug auf die Entscheidungsträger habe: Ich halte die Aussprache face-to-face mit Verantwortlichen für deutlich zielführender als Petitionen und Online-Kommentare, bei allem Verständnis für die gefühlte Hilflosigkeit. Und es ist zeitlich ja eine absolute Seltenheit, dass die Möglichkeit dazu mit der Mitgliederversammlung überhaupt existiert.
Darüber hinaus: Laut Satzung kann man per Dringlichkeitsantrag die Abberufung eines Organsmitglieds (= z. B. die Personen im Präsidium) beantragen. Dieser Antrag bedarf erst mal einer Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen, um zugelassen zu werden und dann bei der eigentlichen Abstimmung darüber einer Dreiviertelmehrheit um erfolgreich zu sein. Satzungsfestere Personen dürfen mich gerne korrigieren. Einschränkung: Dies gilt (imho) nur für gewählte Präsidiumsmitglieder – die Abberufung von „Besonderen Vertretern“ (z. B. Andreas Bornemann) wäre nur durch das Präsidium selbst möglich.

Meine persönliche(!) Meinung: Ich halte die Freistellung von Schultz und Favé für falsch. Allerdings handelt es sich um das operative Geschäft, für welches in einem Verein eben bestimmte Leute zuständig sind. Wenn ich dauerhaft Entscheidungen für falsch halte, sollte ich dies bei der nächsten Wahl entsprechend berücksichtigen. Wenn ich hingegen Entscheidungen für so existentiell falsch halte, dass sie dem Verein dauerhaft schaden – so ist ein Dringlichkeitsantrag natürlich eine Möglichkeit. Für mich(!) rechtfertigt diese (aus meiner Sicht falsche) Entscheidung einen so herben und weitreichenden Eingriff allerdings dann doch bei Weitem nicht.

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6. Entlastungen

Ich schrieb es schon mal, ich wiederhole mich gerne: Die Entlastung ist ein rechtlich wichtiger Schritt, der nicht leichtfertig oder als „Denkzettel“ verweigert werden sollte.
Es geht (man sehe mir meine laienhafte Darstellung nach) darum, das Präsidium für das zugrunde liegende Geschäftsjahr aus der wirtschaftlichen Haftung zu nehmen. Eine Nicht-Entlastung hat für sich noch nicht zwangsläufig Folgen, man müsste danach noch vor Gericht ziehen und dort entsprechende Versäumnisse belegen und ein Urteil erwirken.

Nun kann man in der Causa Trainerfreistellung geteilter Meinung sein – vor Gericht im Sinne der Haftung des Präsidiums relevant ist sie aber wohl kaum. Davon ab fällt sie ohnehin nicht in den Zeitraum, für den die Entlastung durchgeführt wird.
Was hingegen immer noch in den Entlastungszeitraum fällt: Die Pandemie – und da sind wir dank des Präsidiums (und des Aufsichtsrates (der allerdings nicht entlastet werden muss) und dem Besonderen Vertreter Bernd von Geldern, dem für Finanzen zuständigen Martin Urban und vielen anderen mehr) sehr gut durchgekommen, denke ich.

7. Wahlen zum Aufsichtsrat

Und damit wären wir beim wohl mit der größten Spannung erwarteten Tagesordnungspunkt.
Zur allgemeinen Vorbereitung empfehle ich erneut die letzte Monatssendung, in der ich mit Kai Scharff, Karsten Meincke und Roger Hasenbein drei der vier Mitglieder des aktuellen Aufsichtsrats zu Gast hatte, die nicht erneut antreten.

Es treten (Stand: jetzt) 13 Kandidat*innen an, sieben Plätze werden besetzt. Aufgrund der eingeführten Quote werden mindestens zwei davon weiblich belegt – da bin ich aber relativ sicher, dass die Quote hierfür gar nicht wird greifen müssen. Und natürlich können auch alle vier Kandidatinnen reingewählt werden.
Schön wäre es natürlich, Ihr hättet Euch alle bereits auf der Infoveranstaltung der AGiM am 1. Dezember ein Bild machen können – da die Zahl der Mitglieder am Samstag die der Anwesenden damals aber hoffentlich mehrfach übersteigt, wird dem nicht so sein.
Ansonsten stehen allen Mitgliedern, die sich angemeldet haben, die erstellten Steckbriefe zur Verfügung. Diese findet Ihr (etwas versteckt) per Link im Text der Bestätigung der Anmeldung, unter dem QR-Code des Tickets. Im CCH sollen auch QR-Codes mit dem Link aushängen.

Ich gehe davon aus, dass alle Kandidat*innen die Bewerbung für dieses Ehrenamt mit den allerbesten Absichten für unseren gemeinsamen Verein abgegeben haben, dem sie alle seit mindestens drei Jahren angehören müssen.

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Die antretenden Personen im Einzelnen (alphabetisch):

  • Christian Anger (57)
    Im Steckbrief wählt er eine ähnliche Einleitung wie beim AGiM-Abend: „Mit 57 Jahren habe ich mich gefragt, was möchte ich noch spannendes tun“. Ob da der Posten eines Aufsichtsrats bei einem Zweitligisten die beste Antwort ist, werden wir dann ja vielleicht sehen. Wirtschaftliche Kompetenz bringt er mit, sieben Jahre war er außerdem Betriebsrat bei Audi – was er als ehrenamtliche Tätigkeit ins Feld führt.
  • René Born (45)
    René dürfte vielen der Lesenden hier durch seine langjährige Tätigkeit im AFM-Abteilungsvorstand und seine aktive Rolle in der Fanszene bekannt sein. Sein beruflicher Background (Referent mit Schwerpunkt Kultur und Medien) schafft ein Verständnis für behördliche Vorgänge, die dem Verein ganz sicher nicht schaden würden.
  • Kathrin Deumelandt (49)
    Seit vielen Jahren in der aktiven Fanszene präsent, moderierte zum Beispiel jüngst die Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Lilian Thuram im Vereinsmuseum. Als studierte Ökonomin ebenfalls als Referentin (Schwerpunkt: Wissenschaft) tätig. Hier gilt zum beruflichen Background also ähnliches wie schon bei René. Machte (subjektiv) auf mich den besten Eindruck aller Kandidat*innen auf der AGiM-Veranstaltung.
  • Sönke Goldbeck (46)
    Seit 2014 Teil des Aufsichtsrats, außerdem sehr aktiv im Vereinsmuseum (1910 e.V.). Hat im AR zuletzt die Themen Finanzen und Infrastruktur betreut.
  • Anna-Maria Hass (34)
    War u.a. bei der AG Diversität und ist noch immer beim AK Awareness aktiv. Sie ist Sprecherin von „Zukunft Profifußball“ und schrieb bis zur Bewerbung für den Aufsichtsrat beim MagischerFC-Blog. Beruflich in der Personalabteilung eines Industrieunternehmens tätig.
  • Georg Margaretha (52)
    Die Stimme dürfte vielen bekannt sein, denn er ist seit vielen Jahren Teil des AFM-Radio Teams. Seit 1995 Mitglied im Verein und damit am längsten dabei. Dies mag ihn für den AR noch nicht sonderlich qualifizieren, außer somit schon mal das Herz am rechten Fleck zu haben und sich ehrenamtlich zu engagieren – zusätzlich ist er aber auch der einzige Jurist unter den Bewerber*innen. Wer die oben verlinkte Podcast-Folge aufmerksam gehört hat, wird mitbekommen haben für wie wichtig diese Kompetenz im Gremium gehalten wird.
  • Dr. Philippe Niebuhr (51)
    Seit 2018 Teil des Aufsichtsrats, dort aufgrund seiner beruflichen Qualifikation schwerpunktmäßig im Bereich Finanzen unterwegs. Außerdem im Beirat von Viva con Agua und im Beirat des Vereinsmuseums (1910 e. V.).
  • Maik Nöcker (53)
    Dürfte den meisten aus zahlreichen Medien-Produktionen rund um den FCSP bekannt sein, u.a. aus den aktuellen „Studio1910“-Formaten, an denen (Disclaimer) auch Debbie und Tim inhaltlich mitwirken. Sein Name tauchte Mittwochabend dann für Außenstehende recht überraschend auf der Liste der zu Wählenden auf. Der Verein teilte mit, der Wahlausschuss hätte die Voraussetzungen bis dahin noch prüfen müssen. Seine beruflichen Verflechtungen mit dem Verein wurden wohl noch genauer durchleuchtet, u.a. produziert seine Firma aktuell ein Podcastformat für den Verein und es gibt die oben erwähnten Videoformate.
    Die Satzung ist hier relativ eindeutig: „Seine [Der Aufsichtsrat] Mitglieder dürfen nicht in einem Anstellungsverhältnis zu dem Verein stehen oder auf anderer Basis für diesen entgeltlich tätig sein, weder unmittelbar noch mittelbar. Sie dürfen nicht Gesellschafterin, gesetzlicher Vertreter*in oder in leitender Position eines Unternehmens sein, an dem der FC St. Pauli beteiligt ist.“
    Dies aufzuklären dürfte ein spannender Punkt für Samstag sein.
  • Ali Sabetian (55)
    Ali war bei der AGiM-Veranstaltung terminlich verhindert, daher sind die Informationen übersichtlich. Seit 1999 Vereinsmitglied, beruflich Geschäftsführer eines Telekommunikationsunternehmens und privat gerade den Lebensmittelpunkt aus Asien und dem Mittleren Osten wieder zurück nach Deutschland verlagert. Warten wir also auf die Vorstellung am Samstag.
  • Inga Schlegel (40)
    Bringt als beruflichen Background „Account Managerin“ ein, konzentriert ihre Bewerbung aber dann doch eher auf andere Bereiche: Seit 13 Jahren spielt sie Fußball beim FC St. Pauli, inzwischen bei den 2. Frauen in der Oberliga. Sie war bis vor kurzem stellvertretende Abteilungsleiterin der Abteilung Fußball Frauen und Mädchen und hat somit natürlich einen geschärften Blick auf den Amateursport im Verein, inkl. zum Beispiel der Problematik der fehlenden Sportflächen.
    Inga war in ihrer Zeit als Kapitänin der 1. Frauen auch schon zwei Mal bei der MillernTon Monatssendung zu Gast. (April 2016 / Juni 2017)
  • Christoph Schleuter (53)
    Das dürfte schwierig werden, mal abgesehen von allem Inhaltlichen. Er verkündete auf der AGiM-Veranstaltung überraschend, dass ihm erst nach einem Gespräch mit Sandra Schwedler der zeitliche Aufwand bewusst geworden sei und er diesen aufgrund der beruflichen Verpflichtungen nicht würde leisten können. Danach kam die Rolle rückwärts und er tritt jetzt doch an. Inwieweit dies eine verlässliche Basis für die komplette Amtszeit für so ein wichtiges Amt ist, wird er darlegen müssen.
  • Sandra Schwedler (42)
    Im Aufsichtsrat seit 2014, seitdem auch Aufsichtsratsvorsitzende. Blickt bereits auf eine lange Fankarriere mit diversen Funktionen zurück, spielt seit Ewigkeiten Handball im Verein und vertritt somit sowohl die Fanperspektive als auch die sporttreibenden Abteilungen. Auch die berufliche Vita spricht für sich. Disclaimer: Wir sind beide Mitglied im selben Fanclub.
  • Joachim Weretka (71)
    Hatte auf der AGiM-Veranstaltung schon mal den „diskussionsfreudigsten“ Auftritt. Gehört zum Fanclub „Fairnetzer.1910“, der u.a. einmal Andy Grote zu einer Diskussionsrunde ins Stadion eingeladen hatte. Wirbt im Steckbrief dafür, notfalls auch „mit finanziellen Risiken“ die sportliche Situation zu verbessern – war da aber noch davon ausgegangen, dies „mit Schulle“ tun zu dürfen.

Tja… und was macht man jetzt damit?
Da man nur vier Stimmen hat, ist eine „Blockwahl“ ohnehin nicht möglich. Schaut also am Samstag auf die Vorstellungen und entscheidet dann nach bestem Wissen und Gewissen.

Bei mir stellt es sich aktuell so dar, dass ich die drei weiterhin Antretenden (also: Sandra Schwedler, Philippe Niebuhr und Sönke Goldbeck) neben den fachlichen Qualifikationen aus Gründen der Kontinuität weiterhin gerne im Amt sehen würde. Wenn ich mich dann für vier weitere Personen entscheiden könnte, wären dies (Stand jetzt) Kathrin Deumelandt (weil inhaltliche Qualifikation und überzeugendster Auftritt), Inga Schlegel (weil sporttreibende Abteilung und Erfahrung als Abteilungsleitung), Georg Margaretha (weil einziger Jurist) und René Born (weil inhaltliche Qualifikation und in der AFM-Abteilungsleitung Fähigkeit nachgewiesen).
Dies ist wohlgemerkt keine Reihenfolge und wie ich die vier Stimmen verteile weiß ich auch noch nicht.

Empfänger*innen des Südkurven-Newsletters haben ebenso eine Wahlempfehlung erhalten wie die Fanclubs, letztere vom Fanclub-Sprecherrat. Dieser sprach sich für die „bisherigen und wieder kandidierenden Aufsichtsrät:innen“ aus und betonte ebenfalls die Wichtigkeit des juristischen Feldes, was wohl als klare Wahlempfehlung für Georg verstanden werden darf, auch wenn er nicht namentlich erwähnt wird.

8. Ehrungen für Mitgliedschaften

Ich formuliere das jetzt mal hier für diesen Tagesordnungspunkt wie auch für den gleich noch folgenden Punkt 10: In der Vergangenheit wurden Ehrungen gerne mal nach hinten verschoben oder als Manövriermasse in der Tagesordnung genutzt, um Auszählungen abzuwickeln oder ähnliches.
Wenn das aus praktischen Gründen klappt und für alle okay ist, so mag das in Ordnung sein, ich selbst empfinde aber beide Tagesordnungspunkte als Inbegriff dessen, was diesen Verein ausmacht.
Bitte verfolgt daher beide Tagesordnungspunkte wenn möglich mit dem ihnen zustehenden Respekt.

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9. Wahl zum Ehrenrat

Neun Personen treten zur Wahl an, fünf Positionen gilt es zu besetzen. Auch hier greift die Quotenregelung und es werden (mindestens) zwei weibliche Personen im Gremium sein.

  • Susanne Bostelmann
  • Suzann Edding
  • Manfred Heinzinger
  • Nadia Mekhchoun
  • Olav Paasch
  • Martina Scheuregger
  • Heiko Schlesselmann
  • Minke Tiedemann-Borsutzky

Bei besagtem Link / QR-Code sind auch hier Steckbriefe hinterlegt. Heiko Schlesselmann dürfte aus seiner Tätigkeit beim Fanladen den Allermeisten hier bekannt sein, er ist wie auch Suzann Edding und Manfred Heinzinger bereits Mitglied des jetzigen Ehrenrats.
Olav Paasch war Mitbegründer der Millerntor-Roar Redaktion und bereits einmal zu diesem Thema auch Gast bei der Monatssendung im September 2014.
Die anderen Kandidat*innen kenne ich schlichtweg nicht persönlich, hier gilt aber sicher umso mehr was ich schon oben schrieb: Für dieses Amt bewirbt man sich wohl wirklich nur mit den allerbesten Absichten für diesen, unseren Verein. Schaut Euch die Steckbriefe an, hört den Vorstellungen zu und wählt dann entsprechend. Hier habt Ihr fünf Stimmen.

10. Ehrungen für Engagement & sportliche Leistungen

Siehe Punkt 8.

11. Satzungsänderungsanträge

Es gibt nur einen Antrag (pdf), dieser beschäftigt sich mit der Möglichkeit die Mitgliedschaft zukünftig (auch) per Online-Beitrittsformular zu beantragen.
Da in der Begründung auch die neue Mitgliederverwaltungssoftware für 2023 erwähnt wird, dürfte er von jemandem kommen, die/der sich damit auskennt – und mir fällt auch ehrlich nichts ein, was dagegen spricht.

12. Sonstige Anträge

Trockendock

Auszug aus dem Antrag (pdf):
„Die Mitgliederversammlung beauftragt das FCSP-Präsidium, den Besƚand des „Trockendock I“ langfristig zu sichern – auch unabhängig von Verträgen mit jeweils aktuellen Stadion-Cateringpartnerinnen.

Des Weiteren wird das Präsidium beauftragt, mit Beginn der Saison 2023 /2024 ein weiteres entsprechendes Verkaufsangebot möglichst im Bereich des Kinder- und Jugendblocks (Umlauf Haupttribüne) zu schaffen.
Zusätzlich wird das Präsidium beauftragt, bis Mitte nächsten Jahres ein Suchtpräventionskonzept vorzulegen, in dessen Fokus vor allem Kinder und Jugendliche stehen müssen. Dieses Konzept soll sich sowohl an im FCSP aktive Kinder und Jugendliche richten als auch an minderjährige Besucherinnen des
Millerntor Stadions.

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Die einfache Antwort lautet: Annehmen, fertig.
Und auch, wenn der gleich noch folgende Antrag die Ausnahme ist, die die Regel bestätigt, so ist es eben doch nicht immer Schwarz / Weiß und einfach. Sollte der Antrag zur Abstimmung kommen, komme ich aber sehr wahrscheinlich auf diese einfache Antwort zurück.

Okay, sammeln wir kurz ein: Das „Trockendock I“ ist der Getränkestand ganz im Süden der Gegengerade, an dem es ausschließlich alkoholfreie Getränke gibt. Entstanden ist dieser aufgrund der anhaltenden und (positiv gemeint) „penetranten“ Bemühungen des Fanclubs „Weiß-Braune Kaffeetrinker*innen“. Für dieses Engagement im Kampf gegen Suchtkrankheiten ist der Fanclub mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt auch als Fanclub des Jahres bei der Akademie für Fußballkultur.
Nun gab es im Januar 2020 schon einen Antrag des Fanclubs, der vom Präsidium schlussendlich abmoderiert und in einen Prüfauftrag umgewandelt wurde – und wenn man es positiv formulieren will, ist das heute in der Gegengerade befindliche „Trockendock I“ das Ergebnis dieser Prüfung. Fragt man die Menschen vom Fanclub, so hat man das wohl in Teilen eher trotz statt dank des Vereins geschafft und ist eher dem Caterer (Förde Show Concept) zu Dank verpflichtet.

Der Weg dorthin und der Weg seitdem wurde begleitet von Gesprächen zwischen dem Fanclub und dem Verein, teilweise auch von außen moderiert – und so richtige Fortschritte wurden dabei (zumindest nach außen) nicht gemacht. Der Fanclub sieht sich in seinen Bemühungen nicht ausreichend unterstützt, der Verein in der Öffentlichkeit stets als Buhmann dargestellt – und irgendwie kommt man nicht so richtig voran. Der dauerhafte Fortbestand des Trockendock I ist nicht gesichert, momentan eher vom Goodwill von Förde abhängig, welches zum Glück vorhanden ist.
Der Verein bestreitet zwar, dass es ihm ums Geld geht, aber natürlich könnte man den Platz auch anders nutzen als für die (im Vergleich) dann doch sehr wenigen Menschen, die dort Getränke beziehen. Stattdessen würde man sich dem Begriff Suchtprävention und insbesondere im Bezug auf Jugendliche gerne ganzheitlicher nähern – konkrete Ergebnisse gibt es hier aber noch nicht und die Pandemie hat da sicher auch gebremst.
Zuletzt hatte man sich eigentlich auf Januar vertagt, die Sicherung des Trockendock I war bis Saisonende in Aussicht gestellt – statt aber darauf zu vertrauen und abzuwarten, kommt jetzt eben der Antrag.

Ich persönlich würde mir wünschen, es käme hier zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Kompromissbereitschaft, im Interesse aller. An wem das hier momentan liegt, ist von außen schwer zu beurteilen, die Wahrheit liegt wahrscheinlich, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Es ist halt auch ein emotionales Thema, einfache Lösungen wird es kaum geben.
Sollte der Antrag beibehalten werden, so steht da aber zumindest aus meiner Sicht auch nichts drin, was dauerhaften Schaden anrichtet und zukünftige positive Fortschritte verhindert.
Ich bleibe also bei „Annehmen“, bin auf die Diskussion aber trotzdem gespannt.

Kapitänsbinde

Ernsthaft? Der existiert immer noch (pdf) und ist noch nicht zurückgezogen?
Demokratie, Mitbestimmung, alles gut und schön – aber dafür ist mir Eure und meine Zeit zu schade, das diskutiere ich hier gar nicht erst.

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In diesem Sinne: I see you at CCH.
Forza St. Pauli!
// Maik

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8 thoughts on “Der FC St. Pauli vor der Mitgliederversammlung

  1. Moin, habt Dank wie immer. Der Link mit dem Steckbrief kam mit der Mail vom Kartencenter? Hab gerade noch einmal geschaut. finde den bei mir nicht.

    1. Die Mail, wo das Ticket drin ist.
      Unter dem dort drin befindlichen QR-Code beginnt ein Absatz mit „Damit alle Mitglieder…“ und an dessen Ende sollte der Link stehen.

  2. Danke für diese Zusammenfassung und die offenen Worte. Ich denke da kann jeder seins rausziehen.

    Ich musste mein Ticket leider zurückgeben, weil wir einen Todesfall habe und ich meinen Vater nach Dänemark fahren werde. Aber mein Sohn ist dabei und auch dafür ist der Bericht klasse.

    Ich mag an der Stelle auch noch einmal zustimmend nicken und sagen, dass eine Nichtentlastung nicht der richtige Weg ist. Es geht um einen anderen Zeitraum und ist nicht das geeignete Mittel. …es gehört zur Demokratie auszuhalten dass die Gewählten auch mal Dinge tun die man nicht gut findet.

    Auch eine Abwahl in Bezug auf die Entlassung von Timo Schultz, ist trotz aller Verletzung eben nicht der richtige Weg. Aber sich über Werte und Umgang zu unterhalten schon! …hier würde ich mir sehr wünschen dass eine nachhaltige Diskussion geführt wird und der Vorstand aufgefordert wird über seine einseitige Schuldzuweisung nachzudenken. Auch um einen Timo Schultz als Mensch am Verein zu halten… Wut ist ein schlechter Berater. Ignoranz der Unverständnis der Fans aber auch.

    Dazu möchte ich noch einmal zu den Äusserungen zur Pedition kommen. Ich lese hier und auch bei USP „das ist kein guter Weg“. …und ich Frage mich „warum“? Es kam dann, dass ja andere Fans zB aus dem Vorort mitabstimmen um Feuer zu machen. Dann dass es ja eine MV gibt (was ja eher Zufall ist das beides zusammenfällt) wo man sich austauschen kann. Beides stimmt. Aber zum einen gibt es viele Fans die kein Mitglied sind und nicht weniger oder mehr Herzblut haben und zum anderen weiss der wissende eingetragende Fan dann doch auch, dass eine Pedition bei chance.org keine rechtliche Relevanz hat (mit Blick auf einen Verein) sondern nur ein Meinungsbild war das eben genau dieses Unverständis zeigt und damit eben auch in Richtung Vorstand deutlich macht, es gefällt uns nicht. Das auch hier natürlich nicht alles passte stimmt. Aber alles im Stillen, das hat auch nicht immer gut funktioniert. …und auch das darf man als Wissender aushalten und dann eben als Signal sehen… Nicht mehr nicht weniger.

    Unschön finde ich dann aber wenn ein Blog ein langjähriges St. Pauli Mitglied in einer Form angeht in der rechte Tendenzen zum Ausdruck gebracht wird so wie eine Tendenz zur Dummheit wenn man seine Daten bei org.chance hinterlässt. Ein FB Profil zu durchstöbern und sich ungeprüft raussuchen was einem nicht passt ist und dann auszuschlachten ist eine Art und Weise die ich bisher so nur von Institutionen kannte die eigentlich von diesem Blog genau so kritisiert werden. …das macht man nicht. Denn damit werden dann indirekt die Fangmitglieder des gemeinsamen Fanclubs mit in ein Topf geworfen. Das ist dann eben ein Negativumgang den es dann eben so auch nicht bei „uns“ geben sollte.

    Lange Rede kurzer Sinn. 2023 werde wir wieder gemeinsam Stadion stehen. Gemeinsam fiebern und anfeuern. Egal wer wo steht. Gemeinsam sollten wir aber auch auf unsere Werte achten und jedem von uns auch sein lassen.

    In diesem Sinne…kommt gut durch den Schnee.

    1. Moin Dirk,
      zunächst mal Sorry für das späte Veröffentlichen des Kommentars, der war im Adventskalendertrubel untergegangen.

      Zur Petition: Jede*r darf die unterzeichnen und alle (inkl. Verein) müssen das aushalten, keine Frage.
      Die Unterzeichnenden müssen umgekehrt aushalten, dass andere unabhängig davon das als wenig zielführend empfinden, insbesondere wenn denn schon zufällig die MV auch noch ansteht. Nicht mehr, nicht weniger.

      Zu Deinem unteren Punkt: Ich gehe davon aus, dass Du nicht uns meinst – zumindest ist der von Dir skizzierte Fall mir so nicht bekannt. Inhaltlich widerspreche ich Dir da auch überhaupt nicht, denn wie geschrieben glaube ich daran, dass sich alle Kandidat*innen für beide Ämter bewerben, weil sie das Beste für unseren Verein wollen.

      Ich wünsche Dir viel Kraft für die Fahrt nach Dänemark.
      Viele Grüße,
      Maik

  3. Vielen Dank für die sehr informativen Hinweise zur Mitgliederversammlung. Der interessanteste Punkt ist für mich die Wahl zum Aufsichtsrat. Durch das erkennbare Selbstverständnis des aktuellen AR, am operativen Geschäft mitzuwirken, ergibt sich selbstverständlich auch eine andere Ausübung der Hauptaufgabe eines „Aufsichts“rats, der Überwachung des Präsidiums. Insofern wäre es interessant, ob Kandidaten oder Kandidatinnen eine Richtungsänderung anstreben. Für alle, die mit dem aktuellen Präsidium nicht einverstanden sind, ist die Situation frustrierend. AR und Präsidium erscheinen fast als ein einheitliches Gremium. Der Podcast mit den scheidenden AR-Mitgliedern hat das eindrucksvoll bestätigt. Wenn in dieser Konstellation satzungsgemäß faktisch nur der AR für Änderungen im Präsidium sorgen kann, mag das ein Grund für „Wutpautlis“ sein. Etwas kritische Distanz des AR zum Präsidium könnte helfen, Wogen zu glätten. Zudem wäre eine Person im AR hilfreich, die zwischen den Lagern der Fans vermittelt. Ein „weiter so“ wäre fatal.

  4. Sehr schöne Überlegung die ich nicht besser formulieren könnte und daher 1:1 übernommen.

    Start Copy & Paste
    …. hinterfrage auch ich den schleichenden Prozess des „Vereinsklüngels“ zwischen Präsidium, Aufsichtsrat, AFM und USP.
    Wenn man hier nur darauf schaut, wer durch welche Stimmen zu seinen Posten im Verein gekommen ist, wird sich kaum wundern, wie eng mittlerweile da Abhängigkeiten entstanden sind.

    So wird auf Dauer eine wirkliche Kontrolle und die Meinungsvielfalt leiden. Natürlich müssen wir uns als Mitglieder*innen hier auch an die eigene Nase fassen.
    Bei wichtigen Personalentscheidungen auf den diversen MVs inkl. AFM, sind oft immer wieder nur die gleichen Leute, die nur einen kleinen Teil der vielen stimmberechtigten Mitglieder*innen darstellen, anwesend.
    Es ist mittlerweile auch nicht mehr verwunderlich, wenn bei Stimmabgabe dann für kurze Zeit die Handys weggelegt werden, und zusammenhängende Sitzreihen ausnahmslos wie auf Zuruf ihre Hände heben. Erinnert mich immer stark an den *Fraktionszwang“ im Bundestag… Ende Copy & Paste.

    Bestenfalls würde ich nur Dr. Niebuhr empfehlen aus dem jetzigen AR wieder zu wählen. Weil er hier wenig beschrieben wurde, er ist der Kopf der seit Jahren großen Spendenaktion „FC St. Pauli Golfturnier“ wo seit Jahren erhebliche Gelder für die Kiezhelden Projekte erspielt werden. Allein dieses Jahr wieder um die 35.000 €.

    1. Ob die Überlegung schön ist, liegt wie so vieles im Auge des Betrachters.
      Aber wer hat sie getätigt? (Falls ich zu doof war, die Quelle zu entdecken, bitte ich vorsorglich um Entschuldigung!)

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