Der FC St. Pauli nach der Mitgliederversammlung 2022

Der FC St. Pauli nach der Mitgliederversammlung 2022

Die Mitgliederversammlung, das höchste Organ des FC St. Pauli von 1910 e. V., funktioniert und geht verantwortungsvoll mit der ihr inne wohnenden Macht um. Forza St. Pauli!
(Titelbild: FC St. Pauli)

Es lag schon eine gewisse Anspannung vor, ehe es dann am Samstag mit etwa einer halben Stunde Verspätung im Saal 3 CCH los ging. Über 1.200 Mitglieder waren insgesamt anwesend und verfolgten zunächst einige Diskussionen. Knapp 900 wählten dann den Aufsichtsrat und gut 600 den Ehrenrat – und wer um ganz kurz nach 19.10h noch anwesend war, hatte dann auch noch die Anträge mit entschieden.
Die Kurzform: Der Verein lebt und Demokratie funktioniert.

Berichte und Aussprachen

Die Berichte vom Präsidium (gehalten von Oke Göttlich) und Aufsichtsrat (Sandra Schwedler) waren sicher mit größter Spannung erwartet worden. Im Detail nachlesen könnt Ihr sie unter den Links auf der Vereinshomepage.
Die Aussprache dazu nahm dann einen großen zeitlichen Raum ein – und das ist auch gut so. Es ging dabei im Wesentlichen um zwei Themen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Die Freistellung von Timo Schultz und die Arbeits-/Tarifsituation der Mitarbeiter*innen des FCSP, insbesondere im Bereich der Merchandise und beim inzwischen geschlossenen Lager am Winsbergring.

Die Causa Timo Schultz

Die (ich drücke das jetzt vereinfacht aus) Trainerentlassung war ziemlich sicher auch der Grund, dass so viele Mitglieder anwesend waren – und schon früh in der Rede von Oke Göttlich zeigte sich, dass hier die Emotionen hoch kochen würden.
Zwischenrufe und Pöbeleien wie im Fußballstadion – kann man machen, ist der Ohnmacht der Menschen geschuldet – hilft nur nichts und bringt so eine Versammlung auch inhaltlich nicht voran. Es ist aber sicher immer noch hilfreicher und zielführender (im Sinne von direktem Feedback) als eine Online-Petition. Denn letztere kann man in einem Nebensatz wegwischen (dies hat Oke dann auch zurecht getan), zu dem direkt gezeigten Unmut muss man sich in so einer Versammlung dann eben verhalten. Und selbst wenn von 1.200 Anwesenden nur 100 diesen Unmut artikulieren würden (die Zahl war wohl zumindest anfangs eher höher), so hat das eben immer noch mehr Aussagekraft als 12.000 Unterschriften. Sehe ich zumindest so.
Noch besser natürlich, wenn sich dieser Unmut dann in Wortbeiträge kleiden lässt, denn dies ist am Ende das, was man in solchen Situationen tun sollte, erst recht auf einer Mitgliederversammlung, wenn diese zeitlich schon so passend angesetzt ist: Miteinander reden.

Dies geschah – und auch wenn aus einem der Wortbeiträge am Ende etwas Hilflosigkeit sprach, dass ja auch dieses Reden nichts ändern würde: Nun ja, das ist natürlich auch so, zumindest auf diese getroffene Entscheidung bezogen. Aber nichts würde diese Entscheidung ändern können.
Teilweise hatte man (auch im Vorfeld) das Gefühl, viele würden gerne in einem Fußball-Managerspiel stecken, einfach den letzten gespeicherten Spielstand vor der Freistellung neu laden und dann einfach ohne Freistellung weiterspielen. Aber das Leben ist eben kein Spiel, getroffene Entscheidungen haben Konsequenzen und lassen sich in vielen Fällen auch nicht umkehren. Kind im Brunnen, vergossene Milch und so. Und bei allem berechtigten Stolz auf „Wir sind ein mitgliedergeführter Verein im Profifußball“ hat all dies eben auch zurecht seine Grenzen und für die operativen Entscheidungen gibt es wahlweise gewählte oder fest angestellte Personen, die diese Entscheidungen treffen und verantworten müssen.
Da kann man seinen Unmut äußern (ob nun per Petition, Facebook-Kommentar, Artikel, gemalter Tapete oder indem man sich an die Elbe stellt und laut schreit), aber ändern kann man sie in aller Regel nicht mehr.

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Insofern war es dann gut und richtig, dass Andreas Bornemann irgendwann (wenn auch innerhalb der Versammlung vielleicht viel zu spät) die Gelegenheit bekam, seine Entscheidung zu erklären. Klar, dies ist seine Sichtweise (und nur mal als Gedankenexperiment: wie wäre es wohl gewesen, Timo Schultz hätte danach 20 Minuten lang Zeit gehabt, seine Sichtweise darzustellen?), aber es ist eben die des dafür Verantwortlichen. Der Unmut ebbte danach merklich ab, es hat sehr zu einer Versachlichung der Debatte beigetragen. Und es ist auch gut und richtig, dass Timo Schultz diese 20 Minuten nicht bekam bzw. nicht beanspruchte – denn es hätte nichts mehr geändert.

Angestellte beim FCSP

Nicht weniger emotional war die Debatte, die insbesondere Robert S. anstieß, der damals schon (zusammen mit anderen) den Antrag bzgl. eines Tarifvertrages eingebracht hatte. Die Umstände um die Schließung des Lagers am Winsbergring könnten wahrscheinlich ein eigenes Buch füllen und es ist Robert hoch anzurechnen (oder wahlweise vorzuwerfen), dass er dieses bisher noch nicht geschrieben hat.
Bei allem Verständnis für die Komplexität der Lage, wirtschaftliche Schwierigkeiten und Eigeninteressen der jeweiligen Gewerkschaften, steht am Ende eben doch der Fakt, dass der FC St. Pauli es bisher noch nicht geschafft hat, einen Tarifvertrag zumindest in einen Status zu bringen, der kurz vor der Verabschiedung steht. Und hierbei geht es eben nicht um gut verdienende Menschen in bequemen Bürojobs, sondern häufig um Tätigkeiten, die eher im Bereich des Mindestlohns anzusiedeln sind. Sandra Schwedler hatte es auf der AGiM-Veranstaltung sinngemäß so formuliert, dass sie sich wünschen würde, den FC St. Pauli bedenkenlos als Arbeitgeber empfehlen zu können. Dies sei bei ihrem Amtsantritt eher noch nicht der Fall gewesen – man sei dem inzwischen zwar näher gekommen, aber eben noch lange nicht am Ziel.
Es steht zu hoffen, dass das von Oke Göttlich gestern ausgegebene Zieldatum im Sommer 2023 eingehalten werden kann und (wie in Aussicht gestellt) dies dann auch rückwirkend für die Mitarbeiter*innen vergütet wird.

Wahlen zum Aufsichtsrat und Ehrenrat

„Am schönsten wäre es natürlich, wenn wir die Quote irgendwann gar nicht mehr benötigen.“
Sinngemäß war dies einer der Sätze, der rund um jenen Antrag im letzten Jahr sehr häufig fiel. Und auch wenn die Ergebnisse dies jetzt vermuten lassen, so bin ich doch sicher, dass es weiterhin gut ist, diese Quote zu haben. Denn wer weiß, ob es sonst diese Vielzahl an weiblichen Kandidatinnen gegeben hätte.

Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat des FC St. Pauli ist zukünftig mehrheitlich weiblich besetzt, alle vier Kandidatinnen wurden in den neuen AR gewählt. Drei von ihnen sogar mit sehr großem Abstand mit den meisten Stimmen auf die Plätze 1-3, jede von ihnen erhielt über 50% der Stimmen. So dürfte es mit ziemlicher Sicherheit auch zukünftig eine Aufsichtsratsvorsitzende geben.
Schade, dass Georg Margaretha als einziger gelernter Jurist knapp scheiterte, allerdings gaben auch mehrere andere Kandidat*innen juristisches Grundverständnis als Qualifikation aufgrund beruflicher Erfahrung an – und das Hinzuziehen externer Expertise ist selbstverständlich auch weiterhin möglich.

Vielen Dank an alle Bewerber*innen, sich diesem Verfahren für ein Ehrenamt gestellt zu haben, vielen Dank an die AGiM für die tolle inhaltliche Vorbereitung vorab – und nun dem neuen Aufsichtsrat ab sofort viel Erfolg bei den anstehenden Aufgaben:

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  • Kathrin Deumelandt (612 von 895 gültigen Stimmen)
  • Inga Schlegel (525)
  • Sandra Schwedler (519)
  • René Born (335)
  • Anna-Maria Hass (322)
  • Dr. Philippe Niebuhr (289)
  • Sönke Goldbeck (280)
Der neue Aufsichtsrat // (c) FC St. Pauli

Vielen Dank an Roger Hasenbein, Kai Scharff, Karsten Meincke und Gerrit Onken für die geleistete Arbeit in den letzten Jahren, sie traten aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr an (mehr dazu in unserer letzten Monatssendung).

Ehrenrat

Auch der Ehrenrat ist jetzt mehrheitlich weiblich besetzt:

  • Heiko Schlesselmann (560 von 633 gültigen Stimmen)
  • Suzann Edding (505)
  • Nadia Mekhchoun (504)
  • Manfred Heinzinger (440)
  • Minke Tiedemann-Borsutzky (339)

Manfred Heinzinger kündigte bereits an, dass dies seine letzte Amtszeit sein werde. Auch hier allen angetretenen Kandidat*innen vielen Dank und dem gewählten Gremium viel Erfolg!

Ehrungen

Die nach außen sichtbarste Aufgabe für den Ehrenrat ist jene der Ehrungen auf der Mitgliederversammlung. Was sich ab sofort verstärkt durch die nächsten Jahre ziehen dürfte, ist eine enorm große Personenanzahl bei der 25-jährigen Mitgliedschaft, denn die späten 90er waren der Startschuss für viele Vereinsmitgliedschaften. Zusätzlich ist es natürlich immer ein toller Moment, wenn Menschen für 40, 50, 60 oder gar 70 Jahre Mitgliedschaft geehrt werden.

Auch die sportlichen Ehrungen fanden statt, einen herzlichen Glückwunsch an all die tollen Sportler*innen, die die Braun-Weißen Farben (oder auch die Regenbogenfarben, wie zu sehen war) bei den Sportveranstaltungen in aller Welt präsentieren.
Ohne dies gegenüber den anderen sportlichen Leistungen herausgreifen zu wollen, sondern einfach nur, weil es so ein schöner Moment war, der für diesen Sportverein in seiner Gänze steht: ein besonderes Highlight war dann die Ehrung für Emil Leske als Deutscher Tischtennis-Meister mit dem Hamburger Gehörlosen Sportverein – der sonst übliche Applaus wurde von der Versammlung angemessen mit der Gebärden-Geste für Applaus überbracht.

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Applaus, Applaus, Applaus! // (c) FC St. Pauli

Eine Übersicht über alle Ehrungen findet Ihr auf der Vereinshomepage, zusätzlich sei der Bericht des Amateurvorstands erwähnt.

Anträge

Der Satzungsänderungsantrag ging (erwartungsgemäß) glatt durch, danach etwas überraschend ohne Gegenrede auch der Antrag bzgl. des Trockendock (Details: siehe Vorbericht).
Emotional wurde es dann, als ein Mitglied seinen Antrag stellte, dass die Kapitänsbinde des FC St. Pauli zukünftig wieder Braun-Weiß und eben nicht mehr in Regenbogenfarben zu sein hätte.
Bereits in dem Moment, in dem der Antrag aufgerufen wurde, gingen mehrere Regenbogenfarben an verschiedenen Stellen im Saal 3 des CCH hoch. Ein schönes Zeichen des Protests in einer der Versammlung absolut angemessenen Art und Weise. An dieser Stelle möchte ich explizit Versammlungsleiter Dr. Kristian Heiser loben, der im Folgenden das aus meiner Sicht Bestmögliche für diese Situation wählte: Völlig verständlicher Unmut, der auch gut und gerne hätte eskalieren können, wurde von ihm sehr diplomatisch eingefangen und mit einem (frei interpretiert) „Lasst es uns einfach kurz ertragen und dann schnell darüber abstimmen“ eingefangen. Trotzdem wurden zwei Wortmeldungen zugelassen, die beide für sich sehr wichtig und sehr gut waren. In der ersten gab es eine kurze und knappe Gegenrede, die alles enthielt was es zu sagen gab. Die zweite beschäftigte sich mit der Tonalität gegenüber dem Antragssteller, völlig unabhängig vom Antrag selbst. Ob man im Internet „Arschloch“ schreiben kann / muss / sollte, muss jede*r für sich entscheiden, auf solch einer Versammlung wäre es imho fehl am Platz und es fiel so zumindest in den offiziellen Wortbeiträgen auch nicht.
Ich wiederhole daher mein Lob an den Versammlungsleiter, der kurz und schmerzlos abstimmen ließ und dann verkünden durfte, dass der Antrag bei einer Ja-Stimme (vom Antragssteller) abgelehnt wurde. Klares Zeichen, so aber natürlich auch gar nicht anders zu erwarten.
Die Frage, mit welcher Erwartungshaltung der Antragssteller hier denn angetreten sei, bleibt natürlich trotzdem offen. Und ja, die Arbeit an diesen Themen hört nie auf, das zumindest hat auch dieser Antrag wieder gezeigt.

Drumherum und Fazit

Wie eingangs erwähnt: Das höchste Organ des FC St. Pauli, seine Mitgliederversammlung, ist lebendig und dazu geeignet, auch hoch emotionale Themen angemessen zu behandeln. Sowohl „Heuchler“-Zwischenrufe am Anfang als Reaktion auf Oke als auch lautstarke Äußerungen bei jenem Antrag am Ende verlassen kurz den eigentlich vorgegebenen Rahmen der Sachlichkeit, sind aber aus der jeweiligen Sicht der Personen, die sie tätigen, verständlich – und wurden vom Versammlungsleiter jeweils auch sauber in der Moderation aufgefangen.

Der FC St. Pauli ist sowohl im Aufsichtsrat als auch im Ehrenrat zukünftig mehrheitlich weiblich, ohne dass dafür eine Quote bei der Wahl auch nur annähernd herangezogen werden musste.
Wirtschaftlich ist man aus der Pandemie auch (in Anbetracht der Umstände) sehr gut herausgekommen – sollte unser Profifußballteam jetzt auch noch anfangen, die guten sportlichen Leistungen in Ergebnisse umzuwandeln, steht uns sicher eine glorreiche Zukunft bevor.

Und zu guter Letzt: Teilweise zwischendurch auftretendes Gemurmel an vermeintlich unpassenden Stellen (beispielsweise bei der Erwähnung von „Pauli“, „Boll“ oder „Blumensträußen“) war übrigens den verteilten Bingo-Zetteln geschuldet und soll als Zeichen dafür dienen, dass man bei aller Ernsthaftigkeit bitte auch den Humor nie verlieren möge. Vielen Dank an L. für die gewissenhafte Vorbereitung.

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Auf geht’s, FC St. Pauli! Für immer mit Dir!
// Maik

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24 thoughts on “Der FC St. Pauli nach der Mitgliederversammlung 2022

  1. Zur Ergänzung zu eurer These bzgl. der Quote: ich weiß von einer AR Kandidatin aus direktem Gespräch, dass sie ohne Quote nicht angetreten wäre. Sie wirkt also tatsächlich auch indirekt, indem sie mehr Kandidatinnen ermutigt.

  2. Was haben wir mit euch vom Millernton für ein Glück: Schon am nächsten Tag ein rundherum gelungener Bericht von der Versammlung. Sachlich, umfassend und mit kurzer Einordnung der Themen.
    Dafür mal ein Dankeschön!

  3. Moin, mag sein, dass der Verein lebt, aber die MV als funktionierende Demokratie zu betiteln, erscheint mir bei 2% Wahlbeteiligung zum Aufsichtsrat doch sehr zweifelhaft – da war die Wahlbeteiligung in Tunesien mit 10% fünfmal höher (wird dort als Boykott gewertet).
    Nun sind Vereine mit ihrem Vereinsrecht auch nicht gerade die Urzelle der Demokratie, das ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Parteien dienen in einer Demokratie der politischen Willensbildung, Vereine dienen einen bestimmten Zweck (Sport- Schützen- oder Trachtenverein), sind eher Lobbyisten. Eine onlinePetition kann die Entscheidungen eines Vereinspräsidenten/Präsidiums genauso wenig ändern wie die Mitglieder*innen einer MV – diese Form der Meinungsäußerung kann man weniger wichtig einschätzen als die Wortmeldung eines Vereinsmitglieds, das den mühseligen Weg zur Versammlung gewählt hat. Da beide Möglichkeiten dieselbe Wirkung hinsichtlich der Entscheidung haben (nämlich keine), wähle ich doch lieber die einfachere. Mir wäre eine onlinePetition zum Thema „Tarifvertrag“ auch deswegen wichtig gewesen, weil sie Öffentlichkeit herstellt. Peinlich sind für mich nicht die Formen der Meinungsäußerung sondern die Entscheidungen, die diesen zu Grunde liegen.
    Ich geh gern ins Stadion und supporte Fußball, aber ich mag grundsätzlich diese Vereinsmeierei nicht – spießig, kleinbürgerlich und zutiefst konservativ.

    1. Danke Jens, sehe ich genauso wie du.
      Ich war bis zur Wahl des AR Vorort und froh „meine Pflicht“ getan zu haben um endlich gehen zu können.
      Für mich trafen sich da ein selbstgerechter AR und ein Präsidium, das keine Ahnung von Fußball hat und den Verein solange wie ein x-beliebiges Unternehmen umstrukturiert bis wir selbst vom kicker zu Deutschlands liebsten Vorzeigeverein geworden sind.

    2. Wer die Mitgliederversammlungen beim FC St. Pauli als „spießig, kleinbürgerlich und zutiefst konservativ“ bezeichnet, war ganz offensichtlich noch nie bei einer – was natürlich konsequent ist, wenn man „Vereinsmeierei“ ablehnt.
      Aber ihr die demokratische Legitimation abzusprechen, nur weil lediglich 2% der Mitglieder an Wahlen teilnehmen ist dann doch ein wenig grotesk, um nicht zu sagen Unsinn.

      Wie viel Preozent der Vereinsmitglieder haben sich denn bei der Lobbyarbeit mit irgendwelchen Petitionen beteiligt?

      Am liebsten sind mir übrigens immer die Personen, die Entscheidungen anderer Vereinsmitglieder bemängeln, aber dann noch nicht einmal da auftauchen oder es da tun, wo es bei einem Verein nun einmal hingehört.

      1. Danke Kiezkickererde alles gesagt und am Ende geht es ja sogar noch um mehr als die Wahlen zu AR. Ich denke an die beiden Anträge gestern. Es war wichtig das der eine angekommen und der andere mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Fehlt hier jetzt auch die Legitimation? Oder fehlt diese nur, wenn die Ergebnisse nicht nach der eigenen Sofavorstellung ausfallen @jens?

  4. Moin und danke für die schnellen Zeilen.
    Anzumerken sei dass das Präsidium jenseits der Trainer-Entlassungs-Debatte kein gutes Bild abgegeben hat. Sowohl beim Thema fehlender Tarifvertrag als auch beim Thema Besondere Vertreter. Hier wurden Fragen ignoriert, abschweifend politikermässig inhaltsleer geantwortet, zum Teil schnippisch und beleidigt reagiert. Dem Präsidium fehlt hier das Verständnis für den Unmut bei diesen Punkten.
    Wie kann man in einem als links gemarkerten Verein linke Grundthemen wie Arbeitsrechte so gnadenlos übergehen. Selbst die gewisse Dreistigkeit den Antrag einfach nicht umzusetzen ist schon auch traurig. Wir sollten als Ziel formulieren zukünftig übertariflich zu zahlen, das wäre links und progressiv.
    Auch das Verhalten bzgl der Gehälter des Präsidiums war extrem unsouverän. Es sollte unser Anspruch sein dass die Höhe der Gehälter für zukünftige Kandidat:innen transparent und nachvollziehbar ist. Hier darf nicht nach Nase im Einzelfall entschieden werden. Dies schafft eine niedrigschwellige Bewerbungsschwelle die wir nur fördern sollten.
    Das gilt auch für den Aufsichtsrat, denn auch der müsste bezahlt werden. Es ist kein Ehrenamt mehr bei wöchentlichen 10-20 Arbeitsstunden, sondern böse gesagt Ausbeutung. Geringe persönliche Einkommens- und Vermögensverhältnisse dürfen kein Ausschlusskriterium für Kandidaturen beim FCSP sein.

    1. Das war ein 15-20 minütiger Monolog, den ich nicht mitgeschrieben habe.
      Er hat die Situation aus seiner Sicht dargestellt und erklärt – ähnlich wie im Sky-Interview, nur halt ausführlicher.

  5. Danke für die fixe Zusammenfassung.
    Für mich bleibt, wir haben ein ganz großes Kommunikationsproblem von Seiten des Präsidiums und der Geschäftsführer. Bestes Beispiel unsere MitarbeiterInnen. Das ganze geht nicht so schnell, wie es sich einige Redner gewünscht haben (und sie haben in ihrer Ungeduld mein vollstes Verständnis) Überhaupt Schade, dass es dazu eine Auftrag der MV geben muss. Es dauert aus meiner Sicht aber auch nicht so lange, wie man es uns erzählen wollte. Und ja es kann ja sogar zu Herausforderung kommen, die keiner von uns im Blick hat. Dann sollen diese aber auch benannt werden und zwar in Gänze und nicht so schwammig, dass man sich Angreifbar macht. So steht das Präsidium sehr dumm da, Das bei Schulle ggf. nicht jedes Detail in die Öffentlichkeit gehört finde ich gut und richtig. Dafür habe ich am Ende Gremien meine Stimme gegeben bzw. diese wurden gewählt. Wenn es jedoch einen klaren Auftrag vom höchsten Organ ans Präsidium gibt, da erwarte ich dann ganz klare Antworten und kein rumgeeiere. Hier fände ich dann, im übrigen ähnlich wie bei dem Fall besondere VertreterInnen die Frage nach der Entlastung des Vorstandes viel spannender und auch sinnvoller. Dies sind beides Dinge, die im betreffende Geschäftsjahr vorgefallen sind. (Meine Gefühl trotzdem keine Gründe zur NICHT Entlastung) Aber das ist dann ggf. auch zu viel Vereinsleben und zu wenig Profimannschaft, um die Seelen im Internet oder auf der MV bis zu diesem Punkt hochkochen zu lassen.

  6. Danke Maik!
    Kannst Du Andreas Bornemanns Erklärung seiner Entscheidung zu Schulle kurz zusammenfassen? ich war nicht vor Ort und bei mir ist immer noch ein grosses Fragezeichen.

  7. Hallo Jens, danke für deinen Beitrag, ich kann mich dem nur anschließen.
    Ich war auf der MV bis zur Wahl des AR und war froh nach der „Pflichterfüllung“ gehen zu können.
    So eine stabile Funktionärsstruktur wie in diesen Tagen gab´s bei uns wohl noch nie.
    Ein selbstgerechter AR, ein Präsidium, das den Verein wie ein x-beliebiges Unternehmen führt, von neuen Strukturen träumt, von Fußball keine Ahnung hat und sich deshalb auf die Expertise eines Fachmanns von außerhalb verlassen muß.
    Nicht mehr lange und wir werden sogar vom Kicker zu Deutschlands Vorzeigeverein Nr. 1 gewählt.
    Friede, Freude, Weihnachten ABER so wie sich z. B. Dortmund sein Arbeitervereinsmythos vorlügt so lügen wir uns unser progressives Postpunkimage vor.
    Was soll´s, solange Roar noch auf den T-Shirts steht ist ja alles gut.
    Auf die moderne Spießigkeit!

    1. Danke Carsten für diesen Beitrag! Für mich ist das alles so nicht mehr zu akzeptieren, ich hoffe tatsächlich auf einen krachenden Abstieg, denke, das wäre die einzige Chance auf neue Leute; Personen die die Werte dieses Vereins noch leben -unter Oke&Co ist davon nix mehr nach-, Leute die wenigstens rudimentäres Interesse und Ahnung von Fußball haben, aber ich befürchte, das selbst im Falle des Abstiegs die jetzt Verantwortlichen weiterhin diesen Verein ins sportliche und menschliche Desaster führen können…

      1. Versteh ich das richtig: Du hoffst auf einen Abstieg, damit der Verein sich im Anschluss mehr deinen Vorstellungen entsprechend ausrichtet? Willst Du denn selber auch aktiv werden? So als Plan B für den Fall, dass das mit dem Abstieg doch nicht klappt?

  8. Danke für die tolle Zusammenfassung!
    Ich habe es mal wieder nicht geschafft dort aufzutauchen – danke allen, die sich im Verein (und auch außerhalb!) engagieren und auch zu diesen wichtigen Veranstaltungen gehen.

  9. Vielen Dank für die Aufarbeitung. Grundsätzlich teile ich auch, dass natürlich Furor und Ärger niemals den normalen Betriebsablauf stören darf.

    Insofern ist es natürlich gut, wenn erstmal alles weiterlaufen kann. Es ist auch bemerkenswert, dass die bisherigen AR Mitglieder und vor allem auch Sandra durchaus einen Nasenstüber bekommen hat. Um andere zu wählen, fehlten dann ja auch klar die ernstzunehmenden Alternativen. Gut ist, dass die MV sich nicht vor Populismus in den Staub wirft.

    Wie immer ist es sehr schwer zu kontrollieren, was intern passiert. Schlecht und auch auffällig fand ich die sehr abwehrende Wortwahl von Sandra, die nach dem was ich wahrnehmen konnte, eben auch sehr generell intransparent und fast ein bisschen aggressiv ausweichend rübergekommen ist. Was auch gerade den Umgang mit den Tarifverträge und der Transparenz der neuen Bezüge des Präsidiums angeht, fühle ich mich nicht gut informiert und macht es schwer hier blind zu vetrauen. Es bleibt somit auch bei mir beim Magengrummeln, was die ganzen Änderungen im Verein angeht.

    So gefällt mir auch die gesamte Abwehrhaltung gegen berechtigte Kritik überhaupt nicht. Die Strategie das eigene Handeln durch und mit einer vereinsrechtlichen Selbstverständlichkeit zu rechtfertigen, geht mir mächtig auf den Senkel. Auch ist es für mich eine demokratische Unsitte mit Mehrheiten jegliches Handeln zu rechtfertigen und sogar berechtigte Nachfragen im Keim zu ersticken.

    Dieses ist allerdings so auffällig auch ein sich wiederholender Vorgang, dass es mich persönlich insofern ärgert, dass ich das Gefühl habe, Selbstkritik und Korrektur erfolgt eben nicht angemessen. Besonders ärgert mich, das wiederholt sich allerdings jetzt, dass es eine gewisse Herablassung gibt, einigen Kritiker:innen gegenüber. Ich finde das unsouverän.

    Ich hoffe sehr, dass die neuen Mitglieder des AR kritischer und härter nachfragen und auftreten als bisher und sich auch trauen irgendwann die Veranwortlichen auch zu benennen. Leider bin ich da sehr geerdet hatte ich das auch schon das letzte mal gehofft. Für mich ist z.B Sandra schon von der Tigerin zu, ach nee das ist ein Shaizvergleich, nein sie ist mir zu stromlinienförmig geworden.

    Letztlich habe ich leider nicht so große Hoffnung, dass sich unser Verein beruhigt. Ich habe kein Vertrauen in die Leistungen des Sportchefs und auch keines mehr in die Entscheidung Okes, den Verein diesem Sportdirektor auszuliefern. Ja, es wurde hier auch mehrfach geschrieben, dass er so tolle Transfers getätigt hat und mir ist auch die Lust vergangen das zu sezieren. Mag sein, gefühlt kauft er ja auch nach neuesten xG Werten ein und begeistert damit die Statistikfreaks. Das ist auch gar nicht so falsch, grundsätzlich, aber zum Sportchef gehört eben auch mit Befindlichkeiten und soften Skills umzugehen. Wenn dann ein Verein wie usnerer hinter die soziale Fassade (die ja teiweise sogar echt ist) hintern einen Uli Hoeneß zurückfällt, habe ich verdammter blöder Sozialromantiker eben damit ein Problem.

    Nein, ich regele das nicht auf der MV, weil dort kein Raum dazu ist. Dort rächt man sich nicht oder straft ab. Ja, genauso ist es auch richtig. Das ist wie ein Parteitag, das meiste ist vorher zu klären und zu regeln. Das schaffe ich aber nicht und ich finde es toll, dass einige das machen und es zeitlich packen und natürlich dann auch bestimmen. Trotzdem finde ich es ja soll ich sagen, eher erbärmlich, das dann denjenigen die trotzdem eine vielleicht berechtigte Kritik üben vorzuwerfen, dass sie kein Recht hätten sich zu äußern, oder auf Veränderung nach ihrer Kritik zu hoffen.

    Die Zeit wird es zeigen. Bisher sind meien Befürchtungen leider alle eingetroffen. Wäre gut, das hört auf. Ganz im Interesse des Vereins.

  10. Habe mich im Nachhinein echt über mich selbst geärgert, kein längeres Statement gehalten zu haben, das einerseits die Leistungen von Timo Schultz und Loic Favé wirklich gewürdigt und andererseits systematischer die ganzen Fehler von Göttlich und Bornemann aufs Korn genommen hat. Das hätten alle angesprochenen wirklich verdient und hätte vielleicht auch deutlicher gemacht, warum eine Nicht-Entlastung des Präsidiums durchaus das richtige Signal hätte sein können. Musste halt nach der Rede unserer Aufsichtsrats-Vorsitzenden Sandra auf Schicht – da kam von mir bis dahin nur die Nachfrage an Göttlich und seine Vizes, was sie eigentlich für ihre hauptamtliche Tätigkeit im Präsidium gezahlt bekommen. Dass dies einer Verschwiegenheitsverpflichtung unterliegt, halte ich für einen richtigen Skandal – vor allem vor dem Hintergrund dessen, dass Präsidium und Aufsichtsrat das Ehrenamt auf die denkbar intransparenteste Art abgeschafft haben. Hab mich ehrlich gesagt auch gewundert, Maik, dass nicht mal Ihr das in Eurem Bericht aufgenommen habt, denn hier geriert sich unsere Vereinsführung wie ein Selbstbedienungsladen. Und die Mitglieder*Innen werden schön in Unwissenheit darüber gelassen, welches Ausmaß das angenommen hat.

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